Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 2 / 2023 15 schaftsministerium ein Umsetzungskonzept erarbeitet. Es würden Gespräche geführt über die mögliche regionale Verteilung der zusätzlichen Studienplätze, zu den finanziellen Auswirkungen und zum Zeitplan. Das Ministerium betont zugleich, was man im Kampf gegen denÄrztemangel bereits erreicht habe. Mit der Neugründung der medizinischen Fakultät OWL an der Universität Bielefeld seien zum Wintersemester 2021/2022 60 Studienplätze für Medizin neu geschaffen worden. An der privaten Universität Witten/Herdecke seien mit finanzieller Unterstützung des Landes die Studierendenzahlen im Bereich Humanmedizin auf 168 verdoppelt worden. Als erstes Bundesland habe NRW zudem 2018 die Landarztquote eingeführt: Im Gegenzug für einen Studienplatz verpflichten sich Bewerberinnen und Bewerber, zehn Jahre lang in einer unterversorgten oder von Unterversorgung bedrohten Region hausärztlich tätig zu werden. Die ersten Studierenden werden dem Ministeriumzufolge im Sommersemester 2027 ihr Medizinstudium abschließen und dann ihre Weiterbildung beginnen. 7,8 Prozent der Studienplätze würden im Rahmen der Landarztquote vergeben, insgesamt seien das 180 Medizinstudienplätze jährlich. Aktuell studierten in NRW 634 junge Männer und Frauen im Rahmen der Landarztquote Medizin. Die Medizinstudierenden sehen hingegen die Pläne zum Ausbau der Studienplätze skeptisch. „Der bvmd positioniert sich seit Jahren gegen eine unüberlegte Erhöhung der Zahl der Studienplätze“, erklärt SprecherinTroche. Derzeit bildetenweder die Infrastruktur noch die Kapazitäten des ärztlichen und universitären Personals den damit verbundenen Mehraufwand ab. Die guteQualität der ärztlichenAusbildungmüsse hier stets Priorität haben. vertretung der Medizinstudierenden (bvmd). „Das ist eine Chance für die Anpassung des Medizinstudiums von gestern an die Medizin vonmorgen“, hatte ein Vertreter imNovember 2021 vor der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein erklärt. Positiv bewerten die Studierenden insbesondere die Stärkung der Allgemeinmedizin, die Interprofessionalität in gemeinsamen Lehrveranstaltungenmit anderenGesundheitsberufen sowie die Stärkung digitaler Kompetenzenund digitaler Lernformate, wie SprecherinEmily Troche jetzt gegenüber dem RÄ hervorhebt. Die stärkere Praxis- und Kompetenzorientierung in der Lehre werde die Studierenden besser auf die Arbeitswelt der Zukunft und die sich rapide erweiterndenmedizinischenMöglichkeiten vorbereiten. Zu unpräzise seien allerdings bislang die Vorgaben im Referentenentwurf, wie die Inhalte des NKLM und des Gegenstandskatalogs aufeinander abgestimmt werden sollten. Nur wenn das gelinge, könne eine transparente Grundlage für Lehre und Prüfung geschaffen werden. Enttäuscht zeigte sich Troche zudem darüber, dass die langjährige Forderung der Studierenden nach einer Aufwandsentschädigung im PJ bislang von der Politik nicht aufgegriffen wurde. Mehr Studienplätze – aber wie und wo? Nicht nur die Reform des Medizinstudiums ist eine Frage der Ressourcen. Auch die von der Ärzteschaft bereits vor Jahren erhobene Forderung, die Zahl der Medizinstudienplätze bundesweit um 6.000 zu erhöhen, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Dennoch haben sich Politikerinnen und Politiker über Parteigrenzen hinweg inzwischen diese Forderung zu eigen gemacht. Zuletzt sprach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach davon, dass bundesweit zusätzlich 5.000 Studienplätze benötigt würden. InNRWhat die schwarz-grüne Landesregierung in ihremKoalitionsvertrag vereinbart, die Zahl der Studienplätze imLand um rund 450 zu erhöhen, ein Plus von 20 Prozent. „Die Frage ist, wiewir das umsetzen können“, meint Fakultätsvertreter Steinweg. Man könne nicht von jetzt auf gleich eine signifikante Zahl an zusätzlichen Studienplätzen bereitstellen. „Wir verfügen nur über begrenzte Räumlichkeiten und eine begrenzte Zahl vonDozierenden, sowohl imvorklinischen als auch imklinischenAbschnitt“, so Steinweg. „Eigentlichmüssten wir mit der Erhöhung der Zahl der Studienplätze auch unser Curriculum verändern und uns fragen, ob wir vielleicht anders ausbilden können, zum Beispiel mit dem Ausbau der digitalen Lehre oder mit standortübergreifenden Lehrformaten.“ Es gehe ihm nicht darum, den Plan der Landesregierung nicht zu unterstützen, versichert Steinweg. Manbenötige jedochneben verbindlichen Zusagen eine gute Strategie für die Umsetzung. „Eigentlich brauchen wir schon dafür eine kleine Reform. Dann haben wir die große aber immer noch vor uns“, so der Medizindidaktiker. Das NRW-Gesundheitsministerium teilt auf Anfrage mit, dass man dort zurzeit zusammen mit demWissenDie Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein hat sich zuletzt im März 2021 für Nachbesserungen am Entwurf einer neuen Approbationsordnung ausgesprochen. Zwar unterstütze sie das Ziel der Reform, es dürfe aber durch die Ausweitung des patientennahen Unterrichts nicht zu einer inhaltlichen Überfrachtung der Ausbildung kommen. Auch dürften die Studierenden bei den Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Wahlquartale im Praktischen Jahr (PJ) nicht eingeschränkt werden. Außerdem forderten die Delegierten eine solide Finanzierung der Reform und eine angemessene Aufwandsentschädigung der Studierenden im PJ. Gut aufgestellt für eine Umsetzung der Reform seien in der Regel die Universitäten, die bereits Modellstudiengänge implementiert hätten, sagte Professor Dr. Michael Koldehoff, Vorsitzender des Ad-hoc-Ausschusses Ausbildung zum Arzt/Hochschulen und medizinische Fakultäten der Ärzte- kammer Nordrhein dem RÄ. Auf die Regelstudiengänge komme dagegen noch viel Arbeit zu. Ein Inkrafttreten der Reform – wie ursprünglich geplant – im Oktober 2025 sieht auch Koldehoff deshalb skeptisch. Nordrheins Ärzte fordern Nachbesserungen
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