Rheinisches Ärzteblatt 02/2023

40 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 2 / 2023 Bücher Unspezifische Wirkungen unter der Lupe Wer heilt hat recht! Stimmt das? Wissenschaftliche Medizin weist Wirksamkeit und Nebenwirkungennach, bevorMedikamente oder Verfahren am Patienten angewendet werden. Nur so konnten beispielsweise Narkose, Aspirin, Antibiotika, HIV-Medikamente, Insulinoder Ovulationshemmer in der Versorgung etabliert werden. Die Alternativmedizin hat dazu nichts beigetragen und setzt diffamierende Nebelkerzenmit dem Begriff „Schulmedizin“. Die Alternativmedizin begründet ihre Daseinsberechtigung mit sporadischen Einzelfallerfolgen, verzichtet auf die wissenschaftliche Erfassung von Wirkung und Nebenwirkung ihrer „Heilmaßnahmen“ und erfreut sich trotzdemoder gerade deswegenbreiter Akzeptanz. Obwohl definiert über Wissenschaft und Rationalität, haben mehrere deutsche Universitäten Abteilungen oder Professuren für Alternativmedizin geschaffen. So zum Beispiel auch die Berliner Charité 2008. Professor Dr. Johannes Köbberling analysiert in seinem vorliegenden Buch auf 152 Seiten unter anderem Erfahrungsmedizin, Naturheilverfahren, sanfteMedizin, Komplementär- und Ganzheitsmedizin sowie Homöopathie. Er fasst alle diese Richtungen unter dem Begriff „Alternativmedizin“ zusammen, obwohl er diese als Methoden neben der Medizin sieht, nicht als Alternative. Eine Verknüpfung zwischen Medi- zin und Alternativmedizin auf Augenhöhe hält er für nicht akzeptabel. Selbstverständlich können im Rahmen der Alternativmedi- zin unspezifische Wirkungen auftreten, die auf Begleitfaktoren („Kontextfaktoren“) zurückzuführen sind. In eigenen Kapitelnwerden diese und ihre Wirkmechanismen informativ diskutiert. Der Internist und Gastroenterologe Köbberling differenziert den wichtigen Kontextfaktor „Empathie“ von Pseudoempathie. Um die „leichtfertige Erfüllung uninformierter Patienten“ kann es in der Medizin nicht gehen. Der Autor, der viele Jahre Chefarzt der Abteilung Medizinische Klinik I desWuppertaler Petrus-Krankenhauseswar, hat immer wieder auf die Bedeutung der Wissenschaft für die Medizin hingewiesen, denn er fürchtet den Verlust jeder Orientierung, wennFiktionund Wahrheit, Tatsachen und alternative Fakten miteinander vermischt werden. Der Gesetzgeber ist hier nicht unschuldig, wenn er im Arzneimittelgesetz ungeprüfte Verfahren der alternativenMedizin als besondere Therapieeinrichtungen bezeichnet und den Glauben an die Wirksamkeit („Binnenanerkennung“) für ausreichend hält. Am Ende gesteht der Autor, dass Wissenschaft allein nicht ausreicht für eine menschliche Medizin und weist auf die Bedeutung einer aufrichtigen Arzt-Patienten-Beziehung hin, wie sie durch konzentrierte Zuwendung, aufmerksames Zuhören, ausreichend Zeit auch für die ärztliche körperliche Untersuchung und Interesse am Patienten sowie seinen Leiden erreicht wird. Wissenschaftlichkeit und Patientenzuwendung machen gute Ärztinnen undÄrzte aus. Damit endet das Buch, das Medizinstudierende sowie Ärztinnen und Ärztemit Gewinn lesenwerden. Umfangreiche Literatur- und Stichwortverzeichnisse erleichtern die Orientierung. Dr. Johannes Vesper, Facharzt für Innere Medizin, Wuppertal Johannes Köbberling: Wirkung ohne Wirksamkeit – Unspezifische Wirkungen in der Medizin. 2022, 152 Seiten. 22,99 Euro, ISBN 978-3-662-65563-4, Springer Verlag, Berlin. Wirkstoffe bei Hautkrankheiten Rund fünf Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage zu systemischen Therapeutika und deren Anwendung in der Dermatologie haben sich zahlreiche Neuerungen und Weiterentwicklungen ergeben, die sich in der vorliegenden zweiten Auflage widerspiegeln. Die Herausgeber sowie Autorinnen und Autoren haben sämtliche Kapitel, in denen Wirkstoffe vorkommen, die in der Dermatologie angewendet werden, auf der Basis der aktuellen Leitlinien überarbeitet. Zahlreiche neue Wirkstoffe sind vor allem im Bereich der Biologika und Signaltransduktionsinhibitoren neu hinzugekommen. Daneben werden neue Schemata für Therapie- und Nebenwirkungsmanagement illustriert. Das Buch stellt die wichtigsten Systemtherapeutika wie zum Beispiel Antibiotika, Virustatika, Antihistaminika, VitaminA-Derivate oder Antikoagulanzien praxisnah in einzelnen Abschnitten zusammen. Die Autoren erläutern Applikationsformen, Dosierungen sowie die Indikationen und Kontraindikationen derWirkstoffe. AuchwerdendieMöglichkeiten des „Off-Label-Use“ sowie Neben- und Wechselwirkungen diskutiert. Praxistipps und Informationen zuBesonderheiten bei Schwangeren und Kindern, zum Monitoring und zu Kontrollintervallen sowie zu kontrollierenden Laborparametern ergänzen die einzelnen Wirkstoff-Kapitel. bre Schmitz, L., Oster-Schmidt, C. (Hrsg): Systemtherapeutika in der Dermatologie. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage 2022, 512 Seiten, 99,99 Euro, ISBN: 978-3-13-244230-6, Thieme-Verlag, Stuttgart, New York. Ärztliche Körperschaften im Internet Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein www.kvno.de

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