42 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 2 / 2023 Kulturspiegel Das Düsseldorfer Schauspielhaus zeigt das rund 2.400 Jahre alte Drama „Ödipus“ in einer modernen Inszenierung von Felix Krakau nach dem Original von Sophokles. von Jürgen Brenn Der Regisseur und Autor, Felix Krakau, nahm sich des historischen Dramentextes rund umden König vonTheben, Ödipus, anund entwickelte diesen gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern für eine moderne Version weiter, ohne in Kitsch, Klamauk oder Klischees zu verfallen. Die einprägsame Inszenierung ist derzeit am Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses zusehen.Ödipus stammt ursprünglich aus der Feder des griechischen Dichters Sophokles, der im antiken Griechenland lebte. Das Stück wurde im Jahr 429 v. Chr. uraufgeführt. Die Handlung ist ohne Kenntnis um die Vorgeschichte desÖdipus nicht zu verstehen. Der „Chor“, der eher ein Trio ist, erläutert in Düsseldorf, welchen Zweck die Gesangsgruppe in einem antiken Drama zu erfüllen hat, underklärt imZeitraffer,wieÖdipus zum König von Theben wurde. Die Studierenden des Schauspielstudios Düsseldorf, Caroline Cousin, Jacob Zacharias Eckstein undMoritz Klaus bilden zusammen den „Chor der Vernunft“. Sie bringen in einemfein austarierten Sprechgesang das Publikum auf den neuesten Stand. Angefangen hat das Unglück damit, dass Laios, König von Theben, und seine Frau Iokaste einen Sohn bekamen, obwohl das Orakel von Delphi ihnen dringend empfohlen hatte, kinderlos zu bleiben. Denn ein männlicher Nachkomme werde Laios tötenund seine eigeneMutter heiraten. König Laios durchbohrt seinemSohn kurz nach der Geburt die Füße und übergibt den Säugling einemBoten, der das Baby imGebirge seinem Schicksal überlassen soll. Der Bote bringt diese Tat nicht übers Herz und übergibt das Bündel Mensch einem Hirten, der das Kind in die Obhut des kinderlosen korinthischen Königspaars gibt. Der Hirte hat dem Jungen angesichts seiner verletztenFüße denNamen Ödipus gegeben, was so viel bedeutet wie „Schwellfuß“. Der Junge wächst, ohne es zu ahnen, bei Adoptiveltern auf, bis Gerüchte über seine dubioseHerkunft aufkommen. Als junger Mann will Ödipus Gewissheit haben undmacht sich auf zumOrakel nach Delphi. Dort bekommt er nur zuhören, dass er seinen Vater töten und mit seiner eigenen Mutter Kinder zeugen werde. Im Glauben, diesem Schicksal zu entgehen und seinen Vater zu verschonen, beschließt Ödipus, nicht mehr nach Korinth zurückzukehren. Auf seiner um zu erfahren, was er tun könne, um die Stadt und seine Bewohner von der Seuche zu befreien. Kreon kehrt mit der göttlichen Mission zurück, dass Theben erst zur Ruhe komme, wenn der Mörder des früheren Königs Laios gefunden und zur Rechenschaft gezogen worden sei. Ödipus macht sich mit Eifer ansWerk undwill mit allenMitteln den Königsmörder finden, auch wenn er dafür inTheben jedenSteinumdrehenmuss. Nach der Vernehmungwenig zuverlässiger Zeugen nach dem Motto, „wir haben von einem Bekannten eines Bekannten Gerüchte gehört“, lässt Ödipus auf Anraten seines Schwagers den blinden Seher Teiresias kommen. Hinreißend spielt Markus Danzeisen den alten gebeugten Mann mit wallender weißer Mähne, der die Wahrheit kennt. Er Der Mythos vom Schwellfuß neu erzählt Ein glückliches Paar, das ohne es zu wissen, die Weissagung des Orakels von Delphi erfüllt: Bettina Engelhardt als Iokaste und ihr Mann und Sohn Ödipus, gespielt von Florian Claudius Steffens. Foto: Thomas Rabsch Flucht kommt esmit einer Gruppe Reisender zum Konflikt, und Ödipus erschlägt alle Männer dieser Reisegruppe, auch deren Anführer, seinen ihm unbekannten, leiblichen Vater, König Laios von Theben. Ödipus erreicht auf seiner Reise Thebenund befreit die Stadt von dem Terror der Sphinx, indem er ein Rätsel löst, das das Ungeheuer ihm aufgibt. Zum Dank für die Befreiung machen die Bürger von Theben den jungen Ödipus zu ihrem neuen König, als die Kunde vom Tod des Laios sie erreicht. So vermählt sich Ödipus, gespielt von Florian Claudius Steffens,mit der KönigswitweundausUnwissenheit mit seiner leiblichenMutter, Iokaste, gespielt von Bettina Engelhardt. Zusammen haben sie vier Kindern. Theben erlebt eine Zeit des Friedens undder Prosperität, bis eine Seuche die Stadt heimsucht. In dieser Situation setzt die eigentliche Handlung des Dramas ein. König Ödipus schickt seinen Schwager Kreon, mit Würde gespielt vonThomasWittmann, nachDelphi, windet sichwie einAal und fleht Ödipus an, nicht die Wahrheit über den Mörder sagen zu müssen. Ganz allmählich sickert die Erkenntnis in das Bewusstsein von König Ödipus, dass er demgeweissagtenSchicksal, dass er zumMörder seines leiblichen Vaters werden würde, nicht entkommen konnte. Auch die Ungeheuerlichkeit, mit seiner eigenen Mutter vier Kinder gezeugt zu haben, treibt ihn schier in die Verzweiflung. Die Schamund seine Schuldgefühle drohen, ihn in den Abgrund zu reißen. Iokaste dagegen trägt die SituationmitWürde undmehr elastischer Moral. Lakonisch merkt sie an, dass es ihr jetzt klar sei, warum Ödipus und sie als Ehepartner so gut harmonierten. Zum Schluss hält Ödipus Wort, schickt den Mörder des früheren Königs in die Verbannung und befreit so die Bürger Thebens von der Seuche. Informationen auch zum aktuellen Hygienekonzept des Düsseldorfer Schauspielhausees unter www.dhaus.de und unter Tel.: 0211 369911.
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