Gutachtliche Entscheidungen

Arzneimitteltherapie Eine hochdosierte Kortisongabe über drei Mona- te mit Dosissteigerung bei Verdacht auf Morbus Crohn ohne weitergehende Diagnostik. Ein Polypragmatismus mit nicht indizierter Kortison-, dann überlappender Antibiotika- und Sulfasalazintherapie über drei Monate bei sechs- mal kontrollierter aber ungeklärt bleibender, stetig ansteigender Leukozytose und nicht erfrag- ter B-Symptomatik (andernorts wurde später ein Hodgkinlymphom diagnostiziert). Eine auf Verlangen des Patienten 22-mal in sechs Monaten verabreichte obsolete Kortisonmischin- jektion mit Diclofenac intramuskulär bei Rücken- schmerzen. Eine Injektionsserie von 5 × 10 mg Triamcinolon in zwölf Tagen in das ISG trotz bestehendem Diabetes mellitus und erheblicher Adipositas mit der Folge eines intra-/epiduralen Empyems mit Meningitis. Gründe für die Fehlverordnung war am häufigsten eine mangelnde Befunderhebung (17-mal), eine Fehl- diagnose (16-mal) oder eine falsche Reaktion auf einen geklagten Leidensdruck des Patienten (12-mal). Zum Beispiel eine Antibiotikagabe bei einem Patienten mit Otalgie ohne Ohrspiegelung oder 3-mal bei einer Dysu- rie/schmerzlosen Hämaturie ohne Urinuntersuchung/ Zystoskopie im Verlauf. 2. Unterlassen einer indizierten Arzneimitteltherapie In etwa der Hälfte der 82-mal unterlassenen/nicht zeit- gerechten Arzneimittelgaben war von den Ärzten die Indikation nicht gesehen worden, darunter 13-mal zur Thrombose- und 10-mal zur Antibiotika-Prophylaxe. In 24 Fällen fehlte es an einer zeitgerechten Reaktion auf erhobene Befunde, in 14 Fällen war keine Befund- erhebung erfolgt. Am häufigsten waren Antibiotika (34-mal) nicht oder verspätet eingesetzt worden. Eine gebotene Antikoagulanzientherapie wurde 24-mal versäumt, darunter viermal bei zerebraler Durchblu- tungsstörung/Apoplex-Symptomatik eine ASS 100-Se- kundär-Prophylaxe trotz Erfordernis und dreimal eine indizierte Lyse-Therapie. 3. Unsachgemäße Durchführung Dosierungsfehler haben leicht zugenommen und stellen die dritthäufigste Fehlerart dar (13,3 Fälle pro Jahr). Bei der Antikoagulanziengabe fanden sich zehn Fälle mit Unterdosierung, zum Beispiel einer Throm- bose-Prophylaxe bei einem stark übergewichtigen Pa- tienten, viermal eine Heparintherapie bei Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose, dreimal beim Brid- ging von Marcumar auf Heparin, einmal bei Vorhof­ flimmern vor der Kardioversion, einmal bei komplett thrombosierten Aneurysma spurium. In sieben Fällen lag eine Überdosierung vor, darunter dreimal bei ange- wendeten Kombinationen und einmal beim Bridging auf Heparin. In neun Fällen wurden hier auch Labor- kontrollen versäumt. Fehler bei Arzneimitteltherapie Gutachtliche Entscheidungen | 29 Grafik 1: Veränderungen aller aufgezeigten Einzelfehler (Mehrfachnennung) pro Begutachtungsjahr keine Indikation Unterlassen Dosierung kein Labor nicht kalkuliert NW unberücksichtigt kein Fortführen Fortführen falsch trotz Kontraindikation Art und Weise Auswahl fehlerhaft Therapie obsolet trotz Resistenz trotz Unverträglk. andere Fehler ohne Sicherungsaufkl. Aufklärungsmangel 0 5 10 15 20 2006–2012 2013–2016

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