Gutachtliche Entscheidungen
Die Arthroskopie: Operationsroutine versus Routinefehler 96 | Gutachtliche Entscheidungen Vordere Kreuzbandruptur Ein typischer Fehler war in 23 der 85 Verfahren die falsche Positionierung des Sehnentransplantats durch Fehlbohrung mit zu steilem oder zu kurzem Verlauf. In einem Verfahren mit zu später Risikoaufklärung erst am OP-Tag erfasste der Endobutton zusätzlich zur Fehlpositionierung noch teilweise die Quadrizeps- sehne, wodurch es zu einer Streckhemmung durch Einklemmung der Oberschenkelmuskulatur kam. Eine Revisionsoperation wurde trotz der erheblichen Bewegungsbehinderung aufgrund fehlender Diagnos- tik erst verspätet nach drei Monaten, nach Einholung einer Zweitmeinung durch die Patientin, durchge- führt. Die Fehler wurden in der Summe als schwer- wiegend bewertet. Trotz dreier Revisionsoperationen verblieb eine Gehstörung bei Bewegungsdefizit. Dokumentationsmangel Widersprechen sich die Eingriffsdokumentation und das Anästhesieprotokoll in Bezug auf den angewandten Druck einer Blutsperre während der Operationsdauer von 130 Minuten für eine vordere Kreuzbandplastik, so können diese Dokumente nicht als Beweis für eine feh- lerfreie OP zugrunde gelegt werden. Die Ärzte haben für die postoperativ bemerkte Nervus femoralis-Parese ursächlich einzutreten. Thrombose-Prophylaxe Fehler im Zusammenhang mit einer Thrombose-Pro- phylaxe wurden bei drei Patienten festgestellt. Darun- ter war der Fall einer Risikopatientin mit deutlichem Übergewicht, Kontrazeptiva-Einnahme und familiä- rer Disposition, bei der nach der Meniskusteilresektion keine Prophylaxe durchgeführt wurde, obwohl diese für zehn Tage indiziert gewesen wäre. Es kam zu einer ausgedehnten beidseitigen Lungenembolie mit nach- folgender Antikoagulation über sechs Monate. Nachbetreuung Klagt eine Patientin einen Monat nach einer Knie- gelenksarthroskopie über Wadenschmerzen, sollte eine Thrombose ausgeschlossen werden. Wird eine Thrombose verifiziert, ist die nunmehr erforderliche Antikoagulantien-Therapie gewichtsadaptiert, das heißt ausreichend hoch zu dosieren. In einem anderen Fall traten starke Wadenschmerzen postoperativ bei erheb- lichem Hämatom in der Kniekehle auf, als deren Ursa- che eine Thrombose, einer Gefäßläsion mit Durchblu- tungsstörungen, aber auch ein Kompartment-Syndrom in Betracht kamen. Neben der Sonographie wären auch neurologische Untersuchungen, Druck- und CK- Messungen sowie regelmäßige klinische Kontrollen erforderlich gewesen. In diesem Fall kam die Faszio- tomie bei manifestem Kompartment- Syndrom zu spät. Bildserie 3: Transfix-Stift, Fehlbohrung vorne im lateralen Kondylus, intraartikuläres Bruchstück nach Perforation des Kniescheibengleitlagers, Bohrkanal zu weit ventral, kurzer Transplantatverlauf intraartikulär Orthopädie und Unfallchirurgie
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