Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 2 / 2026 Foto: toxawww/istockphoto.com Es ist eine Bewegung, die sich inzwischen auch hierzulande zunehmender Beliebtheit erfreut: der Dry January. Immer mehr Menschen beginnen das neue Jahr, indem sie einen Monat lang auf Alkohol verzichten. Das ist aus medizinischer Sicht durchaus positiv. Doch was kommt danach? Dem Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) zufolge sinkt zwar der Alkoholkonsum in Deutschland seit rund 40 Jahren kontinuierlich. Dennoch gehöre das Land im internationalen Vergleich zu den Hochkonsumländern. Unter den 27 EU-Mitgliedstaaten liegt Deutschland beim Pro-Kopf-Verbrauch gemeinsam mit Frankreich und Portugal auf Platz neun. Im Jahr 2023 tranken Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene hierzulande im Durchschnitt 10,2 Liter reinen Alkohol; das waren allerdings immerhin rund fünf Liter weniger als noch 1980. Am wenigsten wurde mit 5,2 Litern pro Kopf auf Zypern getrunken, am meisten in Rumänien (17,1 Liter). Wein, Spirituosen und Bier sind darüber hinaus in Deutschland vergleichsweise günstig zu haben. Die Preise alkoholischer Getränke lagen dem Statistischen Bundesamt zufolge im Herbst 2025 rund 14 Prozent unter dem EU-Durchschnitt. Millionen vermeidbare Todesfälle Die Folgen des hohen Alkoholkonsums sind gravierend – sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft. Jährlich sterben laut BIÖG zehntausende Menschen an alkoholbedingten Krankheiten. Die direkten und indirekten Folgekosten für die Gesellschaft durch Therapie, Fehlzeiten bei der Arbeit oder Frühverrentung lägen bei rund 57 Milliarden Euro. Neben Alkohol spielen dem Public Health Index zufolge Rauchen, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel bei etwa vier von zehn Todesfällen eine Schlüsselrolle. In Deutschland leide jeder zweite Erwachsene ab 65 Jahren an mindestens zwei chronischen Krankheiten, die sich zum großen Teil auf verhaltensbezogene Risikofaktoren zurückführen lassen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Adipositas und Typ-2-Diabetes seien die wichtigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind in Europa jedes Jahr 1,8 Millionen vermeidbare Todesfälle auf nichtübertragbare Krankheiten zurückzuführen, die „durch wirksame Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens verhindert werden könnten oder bei rechtzeitigem Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung behandelbar wären“, erklärte die UN-Organisation in einem Bericht aus dem Sommer 2025. In Deutschland ist der flächendeckende Zugang zur kurativen Versorgung weniger das Problem. Defizite bescheinigen Fachleute hingegen dem Bereich der Öffentlichen Gesundheit. Dass in Sachen Prävention und Gesundheitsförderung insbesondere in den Lebenswelten von Kita, Schule, Betrieb oder Pflegeeinrichtungen noch Luft nach oben ist, lässt sich an den Mehr Mut zur Prävention Bei etwa vier von zehn Todesfällen in Deutschland spielen Rauchen, Alkohol, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel eine Schlüsselrolle. Das geht aus dem Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums hervor. Gefragt ist politische Entschlossenheit. von Heike Korzilius
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