Rheinisches Ärzteblatt / Heft 2 / 2026 35 Kulturspiegel tion, der Roman ist ein Manifest für den Frieden. Die adelige Österreicherin Bertha von Suttner, die von 1843 bis 1914 lebte, stellt in dem Roman, der 1889 veröffentlicht wurde, ihre Gedanken und Erkenntnisse über die Kriege ihrer Zeit vor und macht konkrete Vorschläge, wie Konflikte zwischen Staaten ohne Waffengewalt gelöst werden könnten. Ganz nebenbei stellt sie dabei auch fest, dass Kriege meist das Ergebnis von Entscheidungen sind, die Männer getroffen haben. Bertha von Suttner war nicht nur Pazifistin, Friedensforscherin und -aktivistin sondern auch Feministin, weit bevor Frauen in der Politik ein Mitspracherecht zugestanden wurde. Ihre Erfolge vor den Pforten der Macht sind dennoch bemerkenswert. 1891 wurde sie erste Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde, deren Gründung sie vorher angeregt hatte. Im gleichen Jahr wurde sie zur Vizepräsidentin des Internationalen Friedensbüros gewählt und gründete im Jahr darauf die Deutsche Friedensgesellschaft, die bis heute existiert. Ihr Engagement für das friedliche Miteinander der Völker auf nationaler und internationaler Bühne wurde 1905 mit dem Friedensnobelpreis belohnt. Sie erhielt die Ehrung als erste Frau. Das Credo, mit dessen Hilfe sie hoffte, militärische Konflikte zwischen Staaten verhindern zu können, klingt heute sehr vertraut. Damals war sie damit ihrer Zeit weit voraus: Schiedsgerichtsverträge zwischen Staaten, um Konflikte gewaltlos zu lösen, eine Friedensunion aller Staaten, um Angriffskriege zu verhindern, da die übrigen Staaten diese gemeinschaftlich zurückweisen würden, und die Errichtung eines internationalen Das Theater Bonn zeigt das Anti-KriegsStück „Die Waffen nieder!“ nach dem Roman von Bertha von Suttner in einer Inszenierung von Katrin Plötner. von Jürgen Brenn Bettina Pommer hat für das Stück „Die Waffen nieder!“ nach dem Roman von Bertha von Suttner ein vieldeutiges Bühnenbild im Theater Bonn geschaffen. Magentafarbene elastische Bänder sind unzählige Male miteinander verwirkt und verflochten. Sie bilden zusammen drei Wände, die so stabil sind, dass sich die Schauspielerinnen Anna Paula Muth, Lydia Stäubli und Kristin Steffen daran hinauf- und hinunterhangeln können. Gleichzeitig sind die Wände durchlässig, sodass der eine oder andere Abgang durch eine Lücke passiert, die die Bänder gelassen haben oder die erst durch leichtes Auseinanderziehen entsteht. Die Elastizität des Materials erlaubt es den drei Frauen auf der Bühne, sich in einer komplizierten Choreografie, für die Hannes-Michael Bronczkowski verantwortlich zeichnet, selbst einzuspinnen, um dann unversehens nach vorne zu kippen und wie an einem Bungeeseil ins Publikum zu federn. Die Farbe Magenta hat in Bonn eine ganz besondere Bedeutung und kann als Anspielung auf den großen Telekommunikationskonzern, der in der ehemaligen Hauptstadt ansässig ist, verstanden werden. Durch die geschickte Beleuchtung erinnern die Bänder aber auch an mit Blut durchtränkte Bandagen, mit denen kriegsbedingte Verletzungen versorgt wurden. Eine weitere Assoziation ist denkbar: Anfang Juni 1859 fand die Schlacht von Magenta im Sardinischen Krieg zwischen dem Kaiserreich Österreich und dem Königreich von Sardinien-Piemont sowie dessen Verbündetem Frankreich statt. Ein Krieg, der in dem Roman „Die Waffen nieder!“ eine Rolle spielt. Aus der Schlacht gingen Sardinien und Frankreich als Sieger hervor. Auf beiden Seiten fanden laut Wikipedia-Eintrag über 2.000 Menschen den Tod. „Die Waffen nieder!“ klingt nicht nur wie eine Parole auf einer FriedensdemonstraKrieg den Kriegen Lydia Stäubli, Anna Paula Muth und Kristin Steffen verkörpern in einem phantasievollen Bühnenbild die Protagonistin des Romans „Die Waffen nieder!“ von Berta von Suttner sowie mithilfe weniger Requisiten die weiteren wichtigen Figuren des Romans. Foto: Matthias Jung Gerichtshofs, um Verstöße gegen internationales Recht zu ahnden. Auf der Bühne im Theater Bonn in Bad Godesberg werden also gewichtige Themen behandelt. Im Mittelpunkt steht das Leben der österreichischen Gräfin Martha Althaus, das von Militär und Krieg geprägt ist. Ihr erster Mann fällt 1859 im Sardinischen Krieg, wahrscheinlich in der Schlacht von Magenta. Martha bleibt mit ihrem kleinen Sohn allein zurück und beginnt, sich mit dem Verhältnis zwischen Politik, Krieg, Individuum und Verantwortung zu beschäftigen. Die junge Witwe findet in Oberstleutnant Baron Friedrich Tilling einen Verbündeten im Geiste, der ihre große Liebe und ihr zweiter Ehemann wird. Auch er muss irgendwann an die Front. Martha nimmt ihren ganzen Mut zusammen und reist ihm nach. Eindringlich beschreiben die drei Martha-Figuren, begleitet vom monotonen Stampfen von marschierenden Soldatenstiefeln, die Schrecken und das unsägliche menschliche Elend, das sie auf dem Schlachtfeld und in den Feldlazaretten vorfindet, wo sie verzweifelt nach ihrem Mann sucht. Am Ende muss Martha erkennen, dass sie dem Grauen nicht gewachsen ist. Zwar überlebt ihr zweiter Mann den Krieg, aber in ihrer Familie geht das Sterben weiter, entweder durch Krankheit oder weitere Schlachten, in die die Männer kriegsbegeistert ziehen. Als ihr jüngster Bruder im Krieg stirbt, sieht auch ihr vor Trauer gebrochener Vater die Unmenschlichkeit der von Menschen gemachten Mordmaschinerie und wandelt sich vom begeisterten Kriegstümmler zum Pazifisten. I nformationen unter www.theater-bonn.de und Tel.: 0228 778 008.
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