Rheinisches Ärzteblatt 03/2026

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 3 / 2026 15 Spezial Daten aus Abwasser Gut fünf Millionen Kubikmeter Abwasser werden täglich in den nordrhein-westfälischen Kläranlagen behandelt. Für Gesundheitsexpertinnen und -experten ist Abwasser dabei längst nicht mehr bloß ein Abfallprodukt: Sie erhoffen sich, daraus Informationen über den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu gewinnen und Infektionsgeschehen präziser vorhersagen zu können. von Marc Strohm Ende 2024 meldete das Robert Koch-Institut (RKI) einen überraschenden Befund: In Abwasserproben, die unter anderem aus Bonn, Köln und Düsseldorf stammten, wurden abgeschwächte Polioviren nachgewiesen, die aus einem Polio-Schluckimpfstoff stammten. Das RKI betonte zwar, dass die Gefahr einer Ansteckung gering sei, unzureichend geimpfte Menschen könnten sich jedoch dennoch infizieren und schwer erkranken. Es empfahl daher, fehlende Impfungen zum optimalen Schutz vor Polio nachzuholen. „Fälle wie diese zeigen, dass die Frühwarnsysteme immer besser funktionieren“, betonte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann damals. In Nordrhein-Westfalen begann das systematische Abwasser-Monitoring im Juni 2022 während der Coronapandemie. Für die epidemiologische Lagebewertung stellten die Abwasserdaten eine ergänzende Informa- Abwasser: mehr als ein Abfallprodukt Krankheitserreger, Antibiotika-Resistenzen oder Drogenrückstände: Das Abwasser in einer Region lässt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu. Seit 2022 wird es in Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Projektes „AMELAG“ auf Krankheitserreger untersucht. Expertinnen und Experten hoffen, aus den Abwasserdaten mithilfe Künstlicher Intelligenz Frühwarnsysteme zu etablieren. Foto groß: very good/istockphoto.com Foto klein: UDE/Ricarda Schmithausen

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