Nach der Wahl: Werben für eine neue Vertrauenskultur Gesund essen im Krankenhaus Ausgewogene, nahrhafte Mahlzeiten trotz knapper Budgets Neue GOÄ auf der Zielgeraden? Im Mai positioniert sich der Deutsche Ärztetag zur Novelle Afghanistan: „Aufgeben ist keine Option“ Die Unterdrückung der Frauen erreicht einen neuen Höhepunkt April 2025 Heft 4 / 31.03.2025 80. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts
Grußwort Moderation Ambulante Ethikberatung: Aufgaben und Ziele Fallbeispiel aus der ambulanten Ethikberatung Etablierung einer Ambulanten Ethikberatung • Erste Schritte: Mobiles Ethik-Komitee Solingen und Region (MEKo SoRe) • Die Anfragen sind da: Ambulantes Ethik- Komitee Bonn/Rhein-Sieg • Gründe fürs Gelingen: Mobile Ethikberatung (MEBA) in der Region Aachen • 10 Jahre Erfahrung: Ambulantes Ethik- komitee Bochum e.V. (AEB) Paneldiskussion • Braucht es Ambulante Ethikkomitees? • Wie gelingt die Gründung eines Ambulanten Ethikkomitees? Ausblick Dr. med. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Prof. Dr. med. Susanne Schwalen, Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein Univ.-Prof. Dr. Dr. Dr. Dominik Groß, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH Aachen, Vorsitzender des Klinischen Ethik-Komitees des UK Aachen, Mitglied des Gründungsausschusses „Ethikkomitee zu medizin- und berufsethischen Fragestel- lungen“ der Ärztekammer Nordrhein, K3-Trainer für Ethikberatung im Gesundheitswesen (AEM) Univ.-Prof. Dr. Roman Rolke, Direktor der Klinik für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Aachen (UKA) Christian Blau, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie, Notfall-, Intensiv- und Palliativmedizin, Klinische Akut- und Notfallmedizin, Gesundheitsfürsorge und Prävention, Koordinator für Ethikberatung im Gesundheitswesen (AEM), Eifelklinik St. Brigida GmbH & Co. KG, Simmerath Veronika Schönhofer-Nellessen, Leitung Bildungswerk Aachen, Servicestelle Hospiz für die StädteRegion Aachen, Geschäftsführung Palliatives Netzwerk für die Region Aachen e.V. Friederike Meißner, Pastorin, Theologische Referentin, Diakonie Bethanien gGmbH, Solingen Univ.-Prof. Dr. Lukas Radbruch, Direktor der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Bonn, Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees des Universitätsklinikums, Leiter des Zentrums für Palliativmedizin am Malteser Krankenhaus Seliger Gerhard Bonn/Rhein-Sieg, Inhaber des Lehrstuhles für Palliativmedizin an der Medizinischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn, Mitglied des Gründungsausschusses „Ethikkomitee zu medizin- und berufsethischen Fragestellungen“, der Ärztekammer Nordrhein Mareike Hümmerich, Koordinatorin mobile Ethikberatung und Gesundheitliche Versorgungs- planung, Palliatives Netzwerk für die Region Aachen e.V. Dr. Birgitta Behringer, M.A, FÄ für Innere und Allgemeinmedizin, Spezielle Palliativmedizin, Hausärztliche Geriatrie, Medizinethik, Ambulantes Ethikkomitee Bochum e.V. (AEB) mit allen Referentinnen und Referenten und Auditorium Prof. Dominik Groß, Prof. Roman Rolke, Dr. Christian Blau, Veronika Schönhofer-Nellessen Mareike Hümmerich, Prof. Dr. Lukas Radbruch, Dr. Birgitta Behringer M.A. Moderation: Prof. Dr. med. Susanne Schwalen Prof. Dr. med. Susanne Schwalen Mittwoch, 9. April 2025, 17:00 – 19:15 Uhr Illustration: tina ennen Anmeldung und Information Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen zur Veranstaltung sind erforderlich und können online durchgeführt werden unter: www.aekno.de/veranstaltung-ethikberatung. Bei Interesse bitten wir um eine Anmeldung bis zum 04.04.2025. Fragen zur Veranstaltung beantworten Ihnen das Team des Veranstaltungsmanagement unter 0211 4302 2216, veranstaltungen@aekno.de oder Stefan Kleinstück, Referent Ressort II, 0211 4302 2208, stefan.kleinstueck@aekno.de. CME-Punkte Die Veranstaltung ist mit 3 Fortbildungspunkten anerkannt. Die Teilnahme ist kostenfrei. mobile Ethikberatung Arzt Familie Pflege Theologe Sozial- arbeiter Jurist Ambulante Ethikberatung: Hilfe in Grenzsituationen Online-Kammerkolloquium
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 3 Heft 4 • April 2025 Mehr Prävention für stabile Beiträge In Deutschland wie in anderen Industrienationen nimmt das Durchschnittsalter der Bevölkerung aufgrund steigender Lebenserwartung und sinkender Geburtenraten seit Jahren zu. In den meisten der 30 OECD-Staaten sind Senioren die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe. Altersbedingte chronische Krankheiten werden in einer alternden Bevölkerung immer häufiger auftreten. Auch die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren um Hunderttausende Menschen angestiegen – und lag Ende 2023 bei knapp 5,7 Millionen. Während der Bedarf an Pflegeleistungen zunimmt, müssen immer mehr Pflegeeinrichtungen ihr Angebot aufgrund des Fachkräftemangels einstellen oder einschränken. NRW-Pflegeeinrichtungen verzeichneten 2023 erstmals einen Rückgang bei der Zahl der Beschäftigten seit Einführung der Pflegestatistik im Jahr 1999. Die Konsequenz davon ist, dass der Druck auf pflegende Angehörige, die häufig selbst berufstätig sind, wächst. Ich glaube, dass unsere Gesundheits- und Sozialsysteme auf diese Entwicklung nicht im Ansatz ausreichend vorbereitet sind. Zentral wird es daher für die kommende Bundesregierung sein, eine wirklich nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung auf den Weg zu bringen. Wichtig wird es sein, dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen durch verbesserte Arbeitsbedingungen, attraktive Löhne und Karrierewege zu begegnen. Zudem muss es gelingen, durch schnellere, aber dennoch die Patientensicherheit wahrende Anerkennungsverfahren internationale Gesundheitsfachkräfte für eine Arbeit in Deutschland zu gewinnen. Wir müssen uns als Gesellschaft aber auch die Frage stellen, wie wir altern wollen und was wir zu einem gesunden Altern beitragen können. Denn eine steigende Lebenserwartung sagt leider nichts aus über die Anzahl der Jahre, die Menschen in guter Gesundheit, Selbstständigkeit und Wohlbefinden bis zu ihrem Lebensende verbringen. Die Statistik zeigt: Altersbedingte Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Demenz nehmen zu. In Europa wird bis 2035 mit einer Zunahme der an Krebs erkrankten Menschen um 25 Prozent gerechnet. Hält der Trend bei der Zunahme von Typ-2-Diabetes weiter an, dann könnte sich die Zahl der Betroffenen bis 2040 mindestens verdoppeln. Bis 2030 wird es 40 Prozent mehr Menschen mit Demenz geben, prognostiziert eine Studie der Weltgesundheitsorganisation. Die meisten Länder – so auch Deutschland – sind darauf nicht vorbereitet. Allein die volkswirtschaftlichen Kosten durch Übergewicht und Adipositas werden sich bis zum Jahr 2035 in Deutschland auf rund 40 Milliarden Euro belaufen. Diese Kosten entstehen zum einen durch die Behandlung assoziierter Krankheiten und zum anderen durch die krankheitsbedingten Folgen für die Wirtschaftsleistung in Deutschland in Form von Arbeitsunfähigkeit, Präsentismus, verfrühtem Renteneintritt, Pflegebedürftigkeit oder frühzeitigem Versterben. Wollen und können wir uns angesichts dieser Zahlen und der damit einhergehenden individuellen Krankheitslast ein „weiter so“ in der Präventionspolitik leisten? Die Antwort kann doch nur lauten, dass wir uns zukünftig wesentlich ambitionierter im Bereich von Gesundheitsförderung und Prävention aufstellen müssen. Meiner Ansicht nach brauchen wir angesichts zunehmender lebensstilbedingter und altersabhängiger Erkrankungen eine politische Strategie, wie wir Verhaltens- und Verhältnisprävention im Rahmen eines Health-in-All-Policies Ansatzes stärken und Gesundheitskompetenz in allen Lebenswelten fördern können. Das gehört zwingend in einen Koalitionsvertrag, wenn wir Kranken- und Pflegeversicherung langfristig stabilisieren wollen. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes
Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf Tel.: +49 211 4302-2751 E-Mail: iqn@aekno.de Die Veranstaltungen sind kostenfrei und mit 3 bzw. 4 Fortbildungspunkten anerkannt! Anmeldung erforderlich: www.iqn.de/Fortbildungen des IQN Internet: www.iqn.de G ewalt gegen Kinder und Jugendliche erkennen und richtig handeln, Teil 13: Häusliche Gewalt Mittwoch, 02. April 2025, 15:30 – 17:45 Uhr, Live Online-Seminar • Häusliche Gewalt? Und was ist mit den Kindern? • Rechtssichere Dokumentation kinderärztlicher Untersuchungen bei Kinderschutzfällen • Rechtliche Aspekte bei häuslicher Gewalt – zwischen Schweigepflicht und Opferschutz • Die Begleitung von Kindern und Jugendlichen im Frauenhaus • Polizeiliches Handeln in Fällen häuslicher Gewalt Prof. Dr. med. Sibylle Banaschak, Anja Brückmann, Juliana Damm M.A., Dr. Daniela Dohmes-Ockenfels, Dr. med. Anna Holzer, Dr. med. Sabine Mewes Diabetologie Mittwoch, 09. April 2025, 15:30 – 17:45 Uhr, Live Online-Seminar • Überblick: Formen, aktueller Stand der Diagnostik und Therapie • Komorbiditäten, Folge- und Begleiterkrankungen • Tipps und Tricks für die Arztpraxis im Umgang mit technologischem Fortschritt • Fallstricke in der Praxis – C-Peptid, Ketone und Antikörper PD Dr. med. Heike Bruck, Dr. med. Martina Lange, Prof. Dr. med. Stephan Martin, Dr. med. Tarek Thomas Othman, Dr. med. Sabine Mewes Präsenz-Veranstaltung mit Workshops Gewaltprävention in medizinischen Einrichtungen – Praktische Aspekte Mittwoch, 14. Mai 2025, 15:30 – 18:30 Uhr, Präsenz-Veranstaltung im Haus der Ärzteschaft, Düsseldorf Achtung: Begrenzte Teilnehmerzahl, verbindliche Anmeldung erforderlich! • Gewaltschutz in der Medizin • Schutzkonzepte, Schulung des Teams • Workshops zum Thema „Der aggressive Patient – Wie kann ich mich schützen?“ o Kommunikation, Deeskalation o Abwehrstrategien Prof. Dr. med. Marc N. Busche, Jessica Alica Odenthal, Ass. jur. Miriam Mauss, Dr. med. Sabine Mewes u.a.
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 5 Gesund essen Nährstoffarm, zu fleischlastig: Krankenhausessen hat in Deutschland nicht den besten Ruf. Immer mehr Kliniken machen sich jedoch auf den Weg, um ihren Patienten ausgewogene und gesunde Mahlzeiten anzubieten – trotz knapper Budgets. Neue GOÄ auf der Zielgeraden? Innerärztliche Kritik sorgte dafür, dass die zwischen Bundesärztekammer und Privater Krankenversicherung konsentierte Novelle der GOÄ noch einmal aufgeschoben wurde. Über das Ergebnis eines Clearingverfahrens soll Ende Mai der Deutsche Ärztetag entscheiden. Heft 4 • April 2025 Meinung Mehr Prävention für stabile Beiträge Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 Für eine bessere Koordinierung der Patienten · Vor 50 Jahren · Social Media Kampagne: Gegen Rassismus im Gesundheitswesen · Krankenkassen: Hohes Defizit im Jahr 2024 · Kammer Online · Regierungskommission: Abschließende Stellungnahme zur Krankenhausreform · 24 Leistungen mit zweifelhaftem Nutzen · Studium und Berufseinstieg Thema „Der Stil muss sich ändern“ Seite 12 Spezial Gesund essen Seite 16 Gesundheits- und Sozialpolitik Neue GOÄ auf der Zielgeraden? Seite 19 Austausch und Ideen zur ambulanten Versorgung vor Ort Seite 21 Prioritäten der EU-Gesundheitspolitik Seite 23 Praxis MoniKa nimmt Ärzten viel Arbeit ab Seite 24 Werbung für umstrittene Behandlungsmethoden – Folge 146 der Reihe „Arzt und Recht“ Seite 25 Forum Meldung von Nebenwirkungen: wichtig für die Patientensicherheit Seite 26 Interview „Aufgeben ist keine Option“ Seite 27 Wissenschaft und Fortbildung Eisenmangelanämie bei einem 50 Jahre alten Mann – Folge 84 der Reihe „Zertifizierte Kasuistik“ Seite 30 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 33 RÄ Regional Seite 37 Bücher Seite 40 An Rhein und Ruhr Seite 41 Kulturspiegel Karneval der Kostüme Seite 42 Ausstellungen Seite 43 Amtliche Bekanntmachungen Seite 44 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 44 Mein Beruf „Im OP fokussiert, im Patientenkontakt emphatisch“ Seite 51 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: Jochen Rolfes Leere Kassen, überbordende Bürokratie, holprige Digitalisierung und mangelnde Wertschätzung gegenüber den Vertreterinnen und Vertretern der Selbstverwaltung: Das Präsidium der Ärztekammer Nordrhein formuliert seine Erwartungen an die Politik nach der Bundestagswahl. Nach der Wahl: Werben für eine neue Vertrauenskultur
Magazin 6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 ePA-Testphase KVen fordern mehr Zeit Die Testphase für die elektronische Patientenakte (ePA) muss verlängert werden. Das fordern die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) in Nordrhein-Westfalen sowie in Bayern und Hamburg. Das Bundesgesundheitsministerium müsse den Zeitplan für den Rollout der ePA strecken und deutlich mehr Zeit für Funktions- und Lasttests einräumen, so die KVen. Andernfalls sei die Gefahr groß, dass die Qualität der Software, die Sicherheit der Akten und damit auch die Akzeptanz in der Bevölkerung und in den Praxen gefährdet werde. Seit Mitte Januar befinden sich rund 300 Praxen in NRW, Bayern und Hamburg in der Pilotphase zur Einführung der ePA. Laut den betroffenen KVen ist die ePA auch nach Wochen noch immer nicht vollumfänglich nutzbar. jf Niederlassung Frauen sind vorsichtiger Ärztinnen sind in ihrer Entscheidung für eine Niederlassung deutlich zögerlicher als ihre männlichen Kollegen. Das zeigen Analysen der apoBank. Frauen setzten sich deutlich intensiver mit dem finanziellen Aufwand einer Niederlassung auseinander und entschieden sich eher für kleinere Praxen. Somit investierten sie auch rund ein Drittel weniger als Männer in ihre Niederlassung. Während Ärzte in den Jahren 2022 und 2023 für eine hausärztliche Einzelpraxis rund 127.000 Euro ausgaben, fielen die Kosten bei Ärztinnen mit 97.000 Euro deutlich geringer aus. jf KBV-Vertreterversammlung Für eine bessere Koordinierung der Patientinnen und Patienten Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat sich Anfang März in Berlin erneut für eine bessere Steuerung der Patientinnen und Patienten bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen ausgesprochen – und zwar sowohl im Notdienst als auch in der Regelversorgung. Über geeignete Konzepte, welche Arztgruppen für welche Patienten die Koordination der Behandlung übernehmen sollen, will die KBV Anfang Mai in einer Klausurtagung beraten. Um die Notaufnahmen von denjenigen Patienten zu entlasten, deren Beschwerden auch zu den regulären Sprechzeiten in den Praxen behandelt werden könnten, forderte die KBV-Vertreterversammlung den Ausbau und die angemessene Finanzierung einer verpflichtenden standardisierten Ersteinschätzung unter der bereits etablierten Telefonnummer 116117. Auch in der Regelversorgung müsse sichergestellt werden, dass die Menschen mit ihren jeweiligen gesundheitlichen Anliegen schneller und zielgerichteter an die Stelle gelangten, wo sie am besten versorgt werden, forderte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. Dabei stellte er klar, dass eine solche Koordinierungsaufgabe ausschließlich in die Hand von Ärztinnen und Ärzten gehöre und nicht etwa in die der Krankenkassen. HK Pocken Impfpflicht wird schrittweise zurückgefahren Das Impfgesetz aus dem Jahr 1874 sah die Verpflichtung vor, alle Kleinkinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr mit einer Erstimpfung vor Pocken zu schützen. Die Verpflichtung wurde hundert Jahre nach Inkrafttreten des Impfgesetzes schrittweise ausgesetzt, berichtete das Rheinische Ärzteblatt in seiner zweiten April-Ausgabe 1975. „Die Erfolge der von der Weltgesundheitsorganisation konsequent durchgeführten Maßnahmen zur weltweiten Bekämpfung der Pocken und die dadurch wesentlich verringerte Gefahr der Pockeneinschleppung haben den Bundesgesundheitsrat bewogen, in einem Votum vom November 1974 die stufenweise Aufhebung der Pockenimpfpflicht in der Bundesrepublik Deutschland zu empfehlen“, heißt es dort. Im ersten Schritt wurde die Erstimpfung der zwei- bis dreijährigen Kinder ausgesetzt, „weil die Gefahr, an Pocken zu erkranken, im Augenblick geringer ist als das Risiko, nach der Pockenschutz- Erstimpfung einen zwar seltenen, aber u. U. schwerwiegenden Gesundheitsschaden zu erleiden“. Die Kinder, die bereits eine Erstimpfung bekommen hatten, sollten im Alter von zwölf Jahren noch die „praktisch risikolose“ Zweitimpfung erhalten, um so einen „tragfähigen Kollektivimpfschutz so lange wie möglich aufrecht zu erhalten“. Ärztinnen und Ärzte sowie Eltern sollten darüber informiert werden, dass die Gesundheitsämter nicht mehr zur Erstimpfung einladen würden. Üblich waren damals im Frühjahr und im Herbst sogenannte öffentliche Impftermine, die von den Gesundheitsämtern angeboten wurden. Gleichzeitig war geplant, für bestimmte Risikogruppen wie etwa medizinisches Personal in Klinken eine Impfpflicht gegen Pocken einzuführen, da diese bei einer etwaigen Pockeneinschleppung in erster Linie gefährdet seien. bre Medizinische Ersteinschätzung und Terminvermittlung: Um den Service unter der Rufnummer 116117 flächendeckend ausbauen zu können, braucht es nach Einschätzung der niedergelassenen Ärzteschaft eine nachhaltige Finanzierung. Foto: Marco VDM/istock.com
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 7 Social Media Kampagne Gegen Rassismus im Gesundheitswesen Das NRW-Gesundheitsministerium hat gemeinsam mit zahlreichen Organisationen aus dem Gesundheitswesen eine Initiative gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitswesen gestartet. Zu den Beteiligten gehören auch die beiden Ärztekammern und die Kassenärztlichen Vereinigungen des Landes. Ziel der Aktion unter dem Hashtag #GewaltHilftKeinBisschenWirSchon ist es, den zunehmenden Übergriffen gegen Ärzte, Pflegekräfte und andere Gesundheitsberufe entgegenzutreten. Die Initiatoren weisen darauf hin, dass rund 15 Prozent der Ärzte und Pflegekräfte in Deutschland eine ausländische Staatsbürgerschaft haben und ohne sie die Versorgung auf dem heutigen Niveau nicht mehr möglich wäre. Das Landesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben bereits im Juni 2024 eine Studie zu Rassismus und Antisemitismus gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen in NRW in Auftrag gegeben, die sich auch mit dem Thema Gewalt befasst. Alle im Gesundheitswesen Tätigen seien aufgerufen, sich an einer Online-Befragung zu beteiligen (https://ispo-institut.de/Studie-RassismusAntisemitismus-Gesundheitswesen). Ergebnisse würden im Sommer 2026 erwartet. HK Empfehlungen für mehr Klimaschutz In seiner 12. Stellungnahme hat der Expertenrat „Gesundheit und Resilienz“ der Bundesregierung Empfehlungen vorgelegt, wie das Gesundheitswesen klimafreundlicher werden kann. Unter anderem fordern die Experten, die Ausgaben für klimaverträgliche Prävention und Gesundheitsförderung deutlich zu steigern, um die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zu senken. Zudem sollten Bauvorhaben nur noch dann gefördert werden, wenn sie klimaneutral und ressourcenschonend sind. Durch Anreize solle die Verwendung von klima- und umweltfreundlichen Arzneimitteln und Medizinprodukten gefördert werden. Weltweit seien die Gesundheitssysteme für 4,4 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich. HK Kurz gemeldet Hautkrebsdiagnosen steigen Die Zahl der Hautkrebsdiagnosen in Deutschland ist deutlich gestiegen. Laut dem Arztreport der Barmer hat sich die Zahl der Diagnosen von schwarzem Hautkrebs von 2005 bis 2023 verdoppelt, während sich die Fallzahlen für weißen Hautkrebs sogar fast verdreifachten. Insbesondere in den Geburtenjahrgängen ab Ende der 1950er Jahre zeigten sich nach Angaben der Krankenkasse steigende Risiken, ab den Jahrgängen nach 1980 sinke das Hautkrebsrisiko wieder. Wie aus dem Arztreport weiter hervorgeht, sind Frauen häufiger von Hautkrebs betroffen als Männer. 2023 lebten in Deutschland 225.600 Frauen mit Hautkrebs und 191.800 Männer. Eine Rolle spiele dabei, dass die Diagnose bei Frauen früher gestellt werde. MST Impfverhalten hat sich verändert Der Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa) hat Mitte Februar Daten zum Impfverhalten der Bevölkerung in den Jahren 2018 bis 2024 veröffentlicht (www.vfa. de/impfdashboard). Danach hat unter anderem die Zahl der Impfungen gegen HPV, Pneumokokken und Meningokokken B zugenommen. Weiter abgenommen hat dagegen die Zahl der Grippeimpfungen. Nach einem pandemiebedingten Hoch in den Jahren 2020 und 2021 sei die Zahl der Impfungen gegen Influenza in den Folgejahren stetig gesunken. Ein starker Rückgang zeigte sich auch bei den Impfungen gegen Gürtelrose, die wie bei Grippe vor allem Menschen ab 60 Jahren empfohlen werde – ein Trend, der der demografischen Entwicklung zuwiderlaufe. MST Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 7. bis 11. Juli 2025. Anmeldeschluss: Freitag, 9. Mai 2025 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiter bildung/Pruefungen ÄkNo Allgemeinmedizin Notfallsituationen trainieren Für Praxisteams aus Weiterbildern sowie Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung bietet das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Nordrhein (KWNO) Seminare zum Training von Notfallsituationen an. Gerade in solchen Situationen sei eine gute Teamkooperation entscheidend für die optimale Patientenversorgung, so das KWNO. Ziele der Fortbildung seien das Erarbeiten und Umsetzen von effektiven Notfallstrategien und die Förderung des Teambuilding für eine gelungene ambulante Weiterbildung. Die Seminare finden jeweils an zwei Freitagnachmittagen statt. Die Termine werden nach der Anmeldung individuell mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern koordiniert: https://kompetenzzentrum- nordrhein.de HK An der Social Media Initiative des NRW Gesundheitsministeriums beteiligen sich unter anderem Krankenhäuser, Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte. Foto: MAGS
Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 Kammerbeitrag Zweiter Chatbot bietet Besuchern seine Hilfe an für die Textausgabe. Der Chatbot auf der Seite des Kammerbeitrags ist eine Möglichkeit, sich rasch auf den Seiten und in den Unterrubriken über die Beitragsordnung der Ärztekammer Nordrhein, die Beitragstabelle und das Stichwortverzeichnis mit wichtigen Hinweisen rund um die Einstufung zum jährlichen Kammerbeitrag zu informieren. Das System speichert keine personenbezogenen Daten, für statistische Zwecke wird allerdings jeder Zugriff registriert. Der Chatbot findet sich unter www. aekno.de/aerztekammer/kammerbeitrag. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail- Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre „Hallo, wie kann ich Ihnen helfen?“ lautet die Begrüßung, die als Sprechblase seit wenigen Wochen in der Rubrik „Kammerbeitrag“ auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de erscheint. Daneben schwebt in einem Kreis das Logo der Kammer. Dahinter verbirgt sich ein Chatbot, wie er bereits seit rund einem Jahr in der Rubrik Weiterbildung eingesetzt wird (www.aekno. de/weiterbildung). Als Chatbot wird ein textbasiertes Dialogsystem bezeichnet, mit dem Besucherinnen und Besucher in natürlicher Sprache kommunizieren können. Der Bot hat ein Feld für die Texteingabe und einen Bereich Die gesetzlichen Krankenkassen verzeichneten im Jahr 2024 ein Defizit von rund 6,2 Milliarden Euro. Den Einnahmen in Höhe von 320,6 Milliarden Euro standen Ausgaben in Höhe von 326,8 Milliarden Euro gegenüber. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Leistungsausgaben um 8,1 Prozent bei einer Zunahme der Versichertenzahlen von 0,3 Prozent, die Verwaltungskosten reduzierten sich um 0,6 Prozent; in absoluten Zahlen legten die Leistungsausgaben um 23,3 Milliarden Euro zu. Die Finanzreserven der Krankenkassen betrugen zum Jahresende 2024 nur noch 2,1 Milliarden Euro und entsprachen damit nicht einmal mehr der Hälfte der gesetzlich vorgegebenen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben. Bei den Aufwendungen für ambulante ärztliche Behandlungen gab es einen Anstieg von 6,3 Prozent. Stark überdurchschnittlich wuchsen dabei die Ausgaben für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung durch Vertragsärzte und im Krankenhaus (+24,7 Prozent), die hausarztzentrierte Versorgung (+11,2 Prozent), die ärztliche Behandlung in Hochschulambulanzen (+10,7 Prozent), die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (+16,7 Prozent) sowie die Ausgaben für ärztliche Leistungen im Rahmen der integrierten Versorgung Die Krankenkassen verzeichneten 2024 ein Defizit von rund 6,2 Milliarden Euro. Die Finanzreserven entsprachen nicht einmal mehr der Hälfte der gesetzlich vorgegebenen Mindestreserve. Foto: Stockfotos-MG/stock.adobe.com Krankenkassen Hohes Defizit im Jahr 2024 Telemedizin Vereinbarung über Videosprechstunden Mit einer Vereinbarung über Videosprechstunden wollen Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband die Qualität der telemedizinischen Versorgung stärken. So sollen Videosprechstunden vorrangig zwischen Vertragsärzten und Patienten in räumlicher Nähe stattfinden, um eine engere Anbindung an die ambulante Versorgung zu ermöglichen. Wenn ein Versorgungsbedarf nicht über die Videosprechstunde abgedeckt werden kann, soll durch die Vermittlung eines zeitnahen Präsenztermins in einer Praxis eine Anschlussversorgung gewährleistet werden. Zudem sollen Vermittlungsportale die Terminvergabe von Videosprechstunden ausschließlich nach medizinischen Kriterien und nicht nach Kostenträgerschaft oder individuellen Leistungswünschen priorisieren. tg Mitmachaktion Rauchfrei im Mai Im Mai startet erneut die Mitmach-Aktion „Rauchfrei im Mai,“ die Raucher dazu motivieren will, nikotinfrei zu leben. Zu der Aktion haben das Bundesnstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), der Bundesdrogenbeauftragte und die Deutsche Krebshilfe aufgerufen. Mit 127.000 tabakbedingten Todesfällen sowie einem Anteil von rund 90 Prozent an allen Lungenkrebsfällen stelle das Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko dar, erklärte das BIÖG. Die Anmeldung zur Aktion ist bis zum 30. April möglich. Informationen und Registrierung unter www.rauchfrei-immai.de MST (+10,1 Prozent). Ein höherer Ausgabenanstieg war bei Krankenhausbehandlungen (+8,7 Prozent) und bei Arzneimitteln (9,9 Prozent) zu verzeichnen. Für Bundesgesundheitsminister Professor Dr. Karl Lauterbach sind diese Zahlen auch ein Beleg dafür, „dass in den vergangenen Legislaturperioden versäumt wurde, das Gesundheitssystem zu modernisieren und die Strukturen für die Zukunft fit zu machen“. Mit dem Digitalgesetz und der Krankenhausreform seien von ihm „fundamentale Veränderungen angestoßen“ worden. Wichtig sei es zudem, zur Abgeltung versicherungsfremder Leistungen den Steueranteil deutlich zu erhöhen. tg
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 9 Arbeitsunfähigkeit Negativ-Rekord setzt sich fort Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Nordrhein waren im Jahr 2024 durchschnittlich 26,22 Tage krankgeschrieben. Das zeigen Auswertungen der Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund einer Millionen Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg. Die Zahl der Krankentage ist damit im Vergleich zum Vorjahr (26,21 Tage) nahezu konstant geblieben. Der hohe Krankenstand von 7,18 Prozent bestätigt den Negativ-Rekord des Vorjahres. Im Vergleich lag der Krankenstand im Jahr 2020 im Rheinland noch bei 5,87 Prozent. Die Zahl der Arbeitnehmer, die aufgrund psychischer Störungen krankgeschrieben wurden, stieg 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent. jf KI-Umfrage Jugendliche sind kritisch Nur noch knapp ein Drittel der Jugendlichen rechnen Künstlicher Intelligenz (KI) große Chancen zu. Das ergab eine Umfrage des SinusInstituts im Auftrag der Barmer unter rund 2.000 Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren im Jahr 2024. Im Vergleich glaubten im Vorjahr noch 41 Prozent der Jugendlichen an die Möglichkeiten, die KI bietet. Etwa ein Drittel der Jugendlichen beurteilt die Risiken der KI als groß. Dabei sind mit 37 Prozent Mädchen kritischer als Jungen (28 Prozent). Jeder fünfte Jugendliche sieht durch die KI seine beruflichen Pläne gefährdet. 62 Prozent der Jugendlichen fühlen sich dabei gut über KI informiert, im Vorjahr waren es nur 54 Prozent. jf Regierungskommission Abschließende Stellungnahmen zur Krankenhausreform Deutliche Kritik der Regierungskommission zur Krankenhausreform: Die Bundesländer kommen ihrer gesetzlichen Investitionsverpflichtung für die Kliniken nur äußerst unzureichend nach. Foto: hxdbzxy/istockphoto.com Den Krankenhäusern müsste deutlich mehr Geld als bisher für Bestandsinvestitionen zur Verfügung gestellt werden. Die „Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung“ geht in ihrer 13. Stellungnahme mit dem Titel „Reform der Investitionskostenfinanzierung für die Krankenhäuser in Deutschland: Bestandsinvestitionen und Strukturinvestitionen“ von einem kontinuierlichen Investitionsbedarf in Höhe von sieben bis neun Prozent der Krankenhauserlöse aus. Die Bundesländer kämen aber mit rund 3,5 Prozent ihrer gesetzlichen Investitionsverpflichtung nur äußerst unzureichend nach. Um die chronische Unterfinanzierung aus den Länderhaushalten zu beenden, nennt die Regierungskommission zwei Alternativen. Zum einen schlägt sie ein Anreizsystem vor, das einen hälftigen Zuschuss aus Bundesmitteln für alle über fünf Prozent hinausgehenden Bestandsinvestitionen aus Landesmitteln vorsieht. Denkbar wäre alternativ auch die gänzliche Abkehr von der dualen Krankenhausfinanzierung. Eine monistische Finanzierung erscheint der Krankenhauskommission möglich über einen Investitionsaufschlag auf die bisherigen DRGs oder künftig in entsprechender Höhe auf die Vorhaltevergütung. Dies hätte aber zur Folge, dass die Länder die Hoheit über die Krankenhausplanung zumindest teilweise abgeben müssStudie zur Überversorgung 24 Leistungen mit zweifelhaftem Nutzen Insgesamt 24 medizinische Leistungen, deren Nutzen für Patientinnen und Patienten aus medizinischer Sicht infrage gestellt werden kann, haben die Technische Universität Berlin, die Techniker Krankenkasse (TK) und das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) im Rahmen einer Studie identifiziert. Dazu gehörten etwa die Messung der Schilddrüsenhormone fT3/fT4 bei Patienten mit bekannter Schilddrüsenunterfunktion oder die Bestimmung von Tumormarkern ohne bestehende Krebsdiagnose. Die direkten Kosten für ambulante Leistungen mit zweifelhaftem Nutzen beliefen sich dem Zi zufolge allein für die TK auf etwa 15,5 Millionen Euro jährlich. In Zeiten knapper Kassen und zunehmender Personalengpässe könne ein kritischerer Einsatz solcher Leistungen dazu beitragen, die schwindenden Ressourcen für wesentlichere Aufgaben einzusetzen, erklärte das Zi. HK ten. Um eine Steigerung der Sozialabgaben zu vermeiden, müssten die Krankenkassen von versicherungsfremden Leistungen entlastet und Steuereinnahmen der Bundesländer neu verteilt werden. Mit der 14. Stellungnahme („Krankenhausversorgung in Deutschland 2035 – zukünftige Aufgaben und Bedeutung der Krankenhäuser“), in der das Zielbild der stationären Versorgung über die aktuelle Krankenhausreform hinaus skizziert wird, beendet die im Mai 2022 auf Grundlage des Koalitionsvertrags eingerichtete Regierungskommission ihre Arbeit. tg
10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 Magazin – Studium und Berufseinstieg Am 18. Januar 2025 fand im Hörsaal 3A der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf die Examensfeier der Absolventinnen und Absolventen des Medizinstudiums statt. Der Ort hätte symbolträchtiger kaum sein können. Genau dort, wo vor mehr als sechs Jahren die Begrüßungsveranstaltung stattfand, wurden nun die Urkunden durch den Geschäftsführer des Studiendekanats der Medizinischen Fakultät der HHU, Professor Dr. Ulrich Decking, überreicht. Ein Kreis schloss sich, und viele Erinnerungen wurden wach. Die Feier wurde durch verschiedene Reden geprägt. Diese Rückblicke verdeutlichten die Herausforderungen des Studiums, insbesondere während der Coronapandemie und erinnerten daran, wie wichtig es ist, als Mediziner auf die eigene mentale Gesundheit zu achten, nicht zuletzt, um auch der Fürsorge gegenüber unseren Patientinnen und Patienten gerecht zu werden. Gleichzeitig wurden die Meilensteine der vergangenen Jahre gewürdigt, die die Absolventen auf ihrem Weg zum Examen bewältigt haben. Musikalisch wurde die Veranstaltung durch den Medizinerchor der HHU begleitet, eine Gruppe engagierter Medizinstudierender, die für den feierlichen Rahmen sorgte. Im Beisein von Familie, Freundinnen und Freunden wurde nicht nur der Abschluss gefeiert, sondern auch der Start in einen neuen Lebensabschnitt, der vielversprechende Perspektiven für die frischgebackenen Ärztinnen und Ärzte bereithält. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de. Düsseldorf Tag der Allgemeinmedizin Unter der Überschrift „Einmal mit alles! Bunte Tüte Hausarztmedizin“ lädt das Institut für Allgemein- medizin (ifam) des Universitätsklinikums Düsseldorf zum 14. Tag der Allgemeinmedizin ein. Die Fortbildung für Hausärztinnen und Hausärzte, Medizinische Fachangestellte (MFA) und Praxisteams findet am Samstag, 24. Mai 2025 statt. Den Einführungsvortrag mit dem Titel „Positive Gesundheit – Ein Modell mit Potenzial für eine gesundheitsorientierte hausärztliche Praxis“ hält die Direktorin Positive Health International Utrecht, Dr. Karolien van den Brekel. Danach stehen vormittags sowie nachmittags jeweils vier parallele Workshops zur Auswahl. Die Themen erstrecken sich am Vormittag von Stress und Selbstregulation durch Mind-Body über Sozialmedizin in der Hausarztpraxis, die Versorgung geflüchteter Menschen bis hin zu Polypharmazie. Nachmittags stehen pflegende Angehörige, die Vorstellung des Konzepts der „Positiven Gesundheit“ und deren Umsetzung in der Hausarztpraxis, eine Einführung in die Informationssuche mit künstlicher Intelligenz sowie die Familienkonferenz als hilfreiches Werkzeug in der Praxis auf dem Programm. Ausdrücklich sind zu dem Tag der Allgemeinmedizin Düsseldorf auch Studierende und Auszubildende eingeladen, für die die Anmeldegebühr 10 Euro beträgt. MFA zahlen 20 Euro und Ärztinnen und Ärzte 50 Euro. Für ein gesamtes Praxisteam beträgt der Kostenbeitrag 80 Euro. Damit kann das ifam die Fortbildung ohne Einfluss und Unterstützung der Industrie anbieten. Der Tag der Allgemeinmedizin findet statt am Samstag, 24. Mai 2025 zwischen 9 und 15 Uhr in den Konferenzräumen der O.A.S.E. Gebäude 16.61, Universitätsstr. 1, 40225 Düsseldorf. Informationen und Anmeldung über www.uniklinik-duesseldorf.de/ allgemeinmedizin. bre Gendermedizin Geschlechtssensibilität in Studium und Forschung verankern Die Aufnahme von genderspezifischen Themen in die Curricula der Humanmedizin forderte kürzlich die Ärztekammer Berlin, damit in der medizinischen Forschung und Therapie Frauen nicht benachteiligt werden. An der Uniklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen kümmert sich bereits seit 2010 eine Arbeitsgruppe (AG) um die Implementierung von Aspekten der Gendermedizin ins Studium und in die Forschung. Zum Beispiel untersuchen zwei Wissenschaftlerinnen die biologischen Unterschiede der Geschlechter. Diese würden in der Forschung bisher wenig beachtet, was Medizinwissenschaftlerin Dr. rer. nat. Sandra Kraemer und die Biotechnologin Dr. rer. medic. Elisabeth Zechendorf ändern möchten. Unterschiede gebe es zum Beispiel bei Krankheitssymptomen, die bis auf die Zellebene reichten. Die Forscherinnen beschäftigen sich in der Klinik für operative Intensivmedizin unter anderem mit geschlechtersensibler Medizin. Das Ziel der Gendermedizin sei es, die Grundlagen für eine Medizin zu schaffen, die den biologischen und soziokulturellen Unterschieden zwischen Frauen und Männern gerecht werde, wie die RWTH mitteilte. Als einen Erfolg verzeichnet die Aachener AG Gendermedizin die Etablierung von geschlechtersensibler Sprache in der Lehre. In den Studiengang Medizin wurde der Profilbereich „Gender and Diversity in der Medizin – Mehr als nur Frau und Mann“ integriert, was auf reges Interesse gestoßen sei, so Zechendorf. Neben den geschlechtersensiblen Aspekten würden weitere Gesichtspunkte wie Alter, Herkunft, religiöse Zugehörigkeit, sexuelle Identität sowie körperliche und psychische Merkmale betrachtet. Neben der individuellen Lebensweise wirkten diese Faktoren ebenfalls auf das gesundheitsrelevante Verhalten der Geschlechter und prägten die Entstehung, Wahrnehmung und den Verlauf von Krankheiten und damit die Diagnostik und Therapie in der Medizin, so die RWTH. Daher liege der Fokus der AG Gendermedizin auf der weiteren Implementierung von gender- und diversitätssensiblen Faktoren in das Curriculum des Aachener Modellstudiengangs Medizin. bre Elif Beyza Saritas Foto: privat Mail aus Düsseldorf
Am Eggenkamp 37-39 48268 Greven Telefon 0 25 71/93 76-0 e-mail: verlag@wwf-medien.de Kontaktieren Sie uns über verlag@wwf-medien.de Bestellen Sie Todesbescheinigungen, Praxisdrucksachen und vieles mehr nun auch bequem per Internet! Besuchen Sie uns auf shop.wwf-medien.de
Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 : Herr Dr. Dreyer, Herr Dr. Berson, Deutschland hat gewählt. Was muss die neue Bundesregierung aus Ihrer Sicht als Erstes angehen? Dreyer: Die gesetzlichen Krankenkassen verzeichnen ein Defizit von mehr als sechs Milliarden Euro. Wenn hier nicht schnell gegengesteuert wird, laufen die Kosten vollends aus dem Ruder. Leistungskürzungen und weitere Beitragssprünge wären die Folgen. Wir brauchen deshalb ad hoc Konzepte, an welchen Stellen Effizienzreserven gehoben werden können, ohne die Patientenversorgung zu verschlechtern. Ein Lösungsansatz wäre darüber hinaus sicherlich eine Entlastung der Krankenkassen von versicherungsfremden Leistungen. Wenn der Bund hier seiner Verpflichtung nachkäme, familienpolitische Leistungen wie die beitragsfreie Mitversicherung oder die Finanzierung der Beiträge von Bürgergeldempfängern in voller Höhe zu übernehmen, könnte das die Kassen um bis zu zehn Milliarden Euro entlasten. Berson: Angesichts knapper Ressourcen müssen wir auch den Zugang zur Versorgung besser strukturieren. Das gilt nicht nur für den Notdienst, in dem Patienten in großer Zahl die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Anspruch nehmen, obwohl sie keine echten Notfälle sind. Das gilt auch für die ganz normale Patientenversorgung. Doktorhopping, Doppeluntersuchungen und Parallelverschreibungen würden sicher weniger werden, wenn ein Primärarzt – im Regelfall der Hausarzt – die Behandlung der Patientinnen und Patienten koordinierte. In einem solchen System ließe sich nicht nur Geld sparen. Es würde auch der Patientensicherheit dienen. Das Thema wird uns auch beim 129. Deutschen Ärztetag im Mai in Leipzig beschäftigen. Dort will die Bundesärztekammer ein Konzept für ein freiwilliges Primärarztmodell vorlegen. Dreyer: Ein Kernthema für die neue Bundesregierung sollte aus meiner Sicht aber auch die Digitalisierung sein. Hier hinken wir in Deutschland im internationalen Vergleich weit hinterher. Vor allem brauchen wir endlich die elektronische Patientenakte. Wenn dort hoffentlich bald der Medikationsplan, Laborparameter oder auch Röntgenbilder hinterlegt sind, kann die Akte auf jeden Fall zu mehr Patientensicherheit beitragen. Voraussetzung ist aber natürlich, dass sie technisch sicher und datenschutzkonform ist. : Bereits für 2023 hatte der noch amtierende Bundesgesundheitsgesundheitsminister Karl Lauterbach ein Bürokratieentlastungsgesetz angekündigt. Dreyer: Das ist jetzt dem Bruch der Ampelkoalition zum Opfer gefallen, aber nichtsdestotrotz dringend erforderlich. In den Krankenhäusern verbringen sowohl Ärzte als auch Pflegekräfte täglich im Schnitt drei Stunden mit Dokumentationspflichten, die häufig keinen unmittelbaren Nutzen für die Behandlung der Patienten haben. In den Praxen der niedergelassenen Ärzte ist es nicht besser. Aktuell erfüllt jede Praxis mehr als einen Tag pro Woche bürokratische Aufgaben. Das führt bei Ärzten, Pflegekräften und Medizinischen Fachangestellten zu großer Unzufriedenheit und zu Foto: Jochen Rolfes „Der Stil muss sich ändern“ Leere Kassen, überbordende Bürokratie, holprige Digitalisierung und mangelnde Wertschätzung gegenüber den Vertreterinnen und Vertretern der Selbstverwaltung: Dr. Sven Dreyer und Dr. Arndt Berson, Präsident und Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, formulieren ihre Erwartungen an die Politik nach der Bundestagswahl und schauen voraus auf die anstehende Kammerversammlung (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe).
Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 13 Frust, zumal die Zeit, die für Bürokratie aufgewendet werden muss, für die Versorgung der Patienten fehlt. Berson: Wir sprechen hier nicht nur über unnötige Dokumentationspflichten, die abgeschafft werden müssen, sondern auch über die überzogene Kontrollbürokratie durch die Krankenkassen. Dreyer: Das eigentliche Problem ist, dass es uns im Gesundheitswesen an Vertrauen mangelt. Ich würde mir von der nächsten Regierung wünschen, dass wir gemeinsam – auch auf Ebene der Bundesärztekammer – eine neue Vertrauenskultur schaffen und das mit einem Entbürokratisierungsgesetz untermauern. : Welche Rolle kann und sollte die ärztliche Selbstverwaltung bei der Lösung der Probleme im Gesundheitswesen spielen? Dreyer: Die Ärzteschaft verfügt, wie auch ihre Selbstverwaltungspartner aus Kassen und Krankenhäusern, über die Fachkenntnis und die praktische Erfahrung, um berufliche Angelegenheiten kompetenter zu regeln als der Staat. Deshalb sollten wir wieder stärker in politische und gesetzgeberische Prozesse eingebunden werden. Nur so lassen sich Lösungen finden, die an der Sache orientiert und nicht ideologisch motiviert sind. : Was wünschen Sie sich in dem Zusammenhang von dem neuen Bundesgesundheitsminister oder der -ministerin? Berson: Der Stil muss sich ändern. Wir Ärztinnen und Ärzte üben einen freien Beruf aus – egal, ob wir angestellt oder selbstständig in eigener Praxis arbeiten. Wir sind nur unseren Patienten und dem Gemeinwohl verpflichtet und fachlich unabhängig. Das begründet zugleich das besondere Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten. Die Alternative zur Freiberuflichkeit sind Staatsmedizin oder die uneingeschränkte Kommerzialisierung der Gesundheitsversorgung. Beides ist bislang in Deutschland politisch nicht gewollt. Deshalb muss das Vertrauen in die Eigenverantwortlichkeit der ärztlichen Tätigkeit auf Seiten der Politik wiederhergestellt werden. Dreyer: Auch die Ärzteschaft selbst sollte sich immer wieder bewusst machen, was für ein Privileg die Freiberuflichkeit ist. Wir entscheiden als Berufsstand selbst über die Regeln unserer Berufsausübung und über die fachärztliche Weiterbildung. Wir wachen selbst über die Einhaltung ärztlicher und ethischer Standards. Das wollen wir stärken und ausbauen. : Dennoch engagieren sich insbesondere jüngere Ärztinnen und Ärzte vergleichsweise wenig in der Selbstverwaltung. Dreyer: Das stimmt. Und deshalb müssen wir raus aus unserer „Bubble“ und nahbarer werden. Das kann zum Teil mit dem Ausbau digitaler Veranstaltungsformate gelingen, mit denen wir wesentlich mehr Teilnehmer erreichen als bei Präsenzveranstaltungen. Berson: Eine Idee ist auch, das Format der Foren auszubauen. In diesen Foren können auch interessierte Dr. Sven Dreyer (50) ist Anästhesiologe und Leitender Arzt des Druckkammerzentrums am Universitätsklinikum Düsseldorf. Er ist seit 2009 Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Nordrhein und gehört seit 2005 der Kammerversammlung an. 2024 wurde er zum Präsidenten der Ärztekammer Nordrhein gewählt. Dreyers politische Heimat ist der Marburger Bund, in dessen Bundesvorstand er 2019 gewählt wurde. Foto: Jochen Rolfes Dr. Arndt Berson (53) ist seit 2003 niedergelassener Hausarzt in Kempen am Niederrhein. Er ist seit 2001 Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein. Von 2005 bis 2015 und erneut 2019 wurde er in deren Vorstand gewählt. Gemeinsam mit Dreyer sitzt er der Weiterbildungskommission der Kammer vor. Seit 2024 ist Berson Vizepräsident der Kammer und zudem Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Nordrhein. Foto: Jochen Rolfes Kolleginnen und Kollegen mitarbeiten, die nicht zur Kammerwahl angetreten oder Mitglieder eines Kammerausschusses sind. Wir überlegen zurzeit, wie und für welche Themen wir das vorantreiben können. : In NRW wird zurzeit die größte Reform der Krankenhausplanung seit Jahrzehnten umgesetzt, unter anderem mit dem Ziel der Spezialisierung und Zentrenbildung. Das wird sich auch auf die ärztliche Weiterbildung auswirken. Was kommt da auf die Ärztekammern zu?
Thema 14 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 gewarnt und noch einmal klargestellt, dass die Verantwortung für Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie stets bei den Ärzten liegt. KI kann die ärztliche Tätigkeit nur unterstützen. : Der Deutsche Ärztetag wird sich Ende Mai in Leipzig ebenfalls mit KI befassen. Daneben steht dort aber auch das Langzeitprojekt der GOÄ-Reform als gesondertes Thema auf der Tagesordnung. Was erwarten Sie von den Beratungen? Dreyer: Das wird sicherlich eine kontroverse Debatte geben. Denn viele ärztliche Fachgesellschaften und Berufsverbände haben ja Kritik an dem vorliegenden Entwurf angemeldet, weil sie finden, dass darin insbesondere technische Leistungen zu niedrig bewertet wurden. Man muss aber auch anerkennen, dass erstmals ein Entwurf mit bepreistem Leistungsverzeichnis vorliegt, der zwischen Bundesärztekammer und Privater Krankenversicherung konsentiert ist. Ich bin deshalb verhalten optimistisch, dass sich die Ärzteschaft hinter die Novelle stellen wird. : Was könnte die Alternative sein? Dreyer: Ein Scheitern könnte Überlegungen hin zu einer Bürgerversicherung verstärken. : Sie beide sind im vergangenen Jahr zur Kammerwahl als Team angetreten und jetzt seit einem halben Jahr im Amt. Wie läuft es? Dreyer: Ich kann nur sagen, dass unsere Zusammenarbeit wirklich gut funktioniert und von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Was ich an Arndt besonders schätze, ist seine Art zu arbeiten: präzise, schnell und lösungsorientiert. Berson: Wir ticken in vielen Belangen gleich. Das macht die Abstimmung in Sachfragen unkompliziert. Wir sind im letzten Sommer bewusst als Duo angetreten, um zu signalisieren, dass wir die gesamte Ärzteschaft vertreten wollen. Wir verstehen uns nicht als Vertreter der Hausärzte oder der Fachärzte, als Vertreter von Universitätskliniken oder niedergelassenen Praxen. Sven verkörpert das als Präsident, wie ich finde, wirklich gut. Und wir hoffen beide, dass das auch außerhalb der Kammer so wahrgenommen wird. Das Interview führten Sabine Schindler-Marlow und Heike Korzilius. Berson: Wir werden in den nächsten Wochen auf die Krankenhausträger und die Weiterbildungsbefugten zugehen und gezielt nachfragen, wo es hakt. Uns liegt sehr daran, dafür zu sorgen, dass die Weiterbildung zur Fachärztin und zum Facharzt auch in Zukunft möglichst aus einer Hand erfolgen kann. Dafür müssen dann entsprechende Weiterbildungsverbünde geschaffen werden. Dreyer: Hilfreich wäre vor diesem Hintergrund ein Register, wer, wo, welche Weiterbildung absolviert. Zurzeit tauschen wir uns darüber mit der Landesärztekammer Hessen aus, die als einzige Kammer seit vielen Jahren ein solches Verzeichnis führt. : Die anstehende Kammerversammlung wird sich im Schwerpunkt mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Unter welchem Aspekt wollen Sie sich dem Thema nähern? Dreyer: Schon heute nutzt Umfragen zufolge ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland KI-Anwendungen. KI hat das Potenzial, Diagnostik, Therapie und Dokumentation zu optimieren und medizinische Fachkräfte zu entlasten. Aber KI birgt auch Risiken. So ist nicht immer nachvollziehbar, welche Daten einer Anwendung zugrunde liegen und möglicherweise Ergebnisse verzerren. Außerdem neigen Modelle wie ChatGPT zum Halluzinieren. Um die Chancen und Risiken von KI in der Medizin richtig einschätzen zu können, müssen Ärztinnen und Ärzte umfassend informiert sein. Kompetenzen im Umgang mit KI müssen deshalb in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung fest verankert und entsprechende Curricula und Module entwickelt werden. Berson: Nur dadurch lässt sich auch verhindern, dass die zunehmende KI-Unterstützung in Diagnostik und Therapie dazu führt, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Kompetenzen und damit auch die Kontrolle über ihre Arbeit verlieren. Davor hat vor Kurzem auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer Ein Bericht über die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein am 22. März findet sich auf Instagram und der Homepage der Kammer unter www.aekno.de. Dort sind auch die Entschließungen veröffentlicht. Das Rheinische Ärzteblatt berichtet in seiner Mai-Ausgabe über die Schwerpunkte der Kammerversammlung. Bericht auf www.aekno.de Dr. Sven Dreyer (l.) und Dr. Arndt Berson sind zur Kammerwahl im vergangenen Sommer als Team angetreten. Der Anästhesiologe und der Hausarzt wollen nach eigenem Bekunden die gesamte Ärzteschaft vertreten. Foto: Jochen Rolfes
BERATUNG AUF EINEN BLICK www.aekno.de/aerzte/beratung ARZNEIMITTELBERATUNG Dr. med. Ina Falbrede, 0211 4302 2280 ina.falbrede@aekno.de KRISENINTERVENTION NACH TRAUMATISCHEN ERFAHRUNGEN IM ÄRZTLICHEN BERUF Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de BERATUNGSSTELLE FÜR SEXUELLE BELÄSTIGUNG AM ARBEITSPLATZ RAin Katharina Eibl, Aggi Schneider 0211 4302 2306 Katharina.Eibl@aekno.de Aggi.Schneider@aekno.de MOBBINGBERATUNG Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de SUBSTITUTIONSGESTÜTZTE BEHANDLUNG OPIOIDABHÄNGIGER Jo Shibata, 0211 4302 2213 stefan.kleinstueck@aekno.de BERUFSRECHTLICHE BERATUNG 0211 4302 2303 rechtsabteilung@aekno.de CIRS-NRW – PATIENTENSICHERHEIT Judith Singer, 0211 4302 2218 judith.singer@aekno.de www.cirsmedical.de/nrw GOÄ Dr. med. Anja Pieritz, Dr. med. Kerrin Prangenberg, Sevda Thomas 0211 4302-2133, -2134, -2135 goae@aekno.de GRENZVERLETZUNGEN UND MISSBRAUCH Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, Thomas Gröning, 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de INTERVENTIONSPROGRAMM FÜR ABHÄNGIGKEITSKRANKE ÄRZTE Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de PATIENTENBERATUNG Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, Thomas Gröning 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de PRÄVENTIONSGESETZ Sabine Schindler-Marlow, Snezana Marijan 0211 4302 2010, -2031 snezana.marijan@aekno.de ARBEITSSICHERHEIT UND BETRIEBSMEDIZIN Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de MEDIZINETHISCHE BERATUNG (GRÜNDUNGSAUSSCHUSS) Stefan Kleinstück, 0211 4302 2208 ethikberatung@aekno.de QS-STRAHLENSCHUTZ Dr. med Birgit Hallmann 0211 4302 2290 qsradnr@aekno.de ÄRZTLICHES HILFSWERK Stefan Kleinstück, 0211 4302 2566 aerztliches.hilfswerk@aekno.de WEITERBILDUNG Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie auf der Internetseite www.aekno.de/weiterbildung Cameravit/istockphoto.com, denisismagilov/stock.adobe.com, Ed Telling/istockphoto.com, fizkes/stock.adobe.com, Alvaro Heinzen/istockphoto.com, Till Erdmenger, jeremias münch/stock.adobe.com, wavebreakmediaMicro/stock adobe.com, PeopleImages/ istockphoto.com, wavebreakmedia/istockphoto.com, Vassiliki Latrovali, Viktor_ Gladkov, pressmaster/stock. adobe.com, unsplash/gettyimages, alvarez/istockphoto.com, Minerva Studio/Fotolia, virtua73/Fotolia, Westend61/Fotolia
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