Rheinisches Ärzteblatt 04/2025

Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 13 Frust, zumal die Zeit, die für Bürokratie aufgewendet werden muss, für die Versorgung der Patienten fehlt. Berson: Wir sprechen hier nicht nur über unnötige Dokumentationspflichten, die abgeschafft werden müssen, sondern auch über die überzogene Kontrollbürokratie durch die Krankenkassen. Dreyer: Das eigentliche Problem ist, dass es uns im Gesundheitswesen an Vertrauen mangelt. Ich würde mir von der nächsten Regierung wünschen, dass wir gemeinsam – auch auf Ebene der Bundesärztekammer – eine neue Vertrauenskultur schaffen und das mit einem Entbürokratisierungsgesetz untermauern. : Welche Rolle kann und sollte die ärztliche Selbstverwaltung bei der Lösung der Probleme im Gesundheitswesen spielen? Dreyer: Die Ärzteschaft verfügt, wie auch ihre Selbstverwaltungspartner aus Kassen und Krankenhäusern, über die Fachkenntnis und die praktische Erfahrung, um berufliche Angelegenheiten kompetenter zu regeln als der Staat. Deshalb sollten wir wieder stärker in politische und gesetzgeberische Prozesse eingebunden werden. Nur so lassen sich Lösungen finden, die an der Sache orientiert und nicht ideologisch motiviert sind. : Was wünschen Sie sich in dem Zusammenhang von dem neuen Bundesgesundheitsminister oder der -ministerin? Berson: Der Stil muss sich ändern. Wir Ärztinnen und Ärzte üben einen freien Beruf aus – egal, ob wir angestellt oder selbstständig in eigener Praxis arbeiten. Wir sind nur unseren Patienten und dem Gemeinwohl verpflichtet und fachlich unabhängig. Das begründet zugleich das besondere Vertrauensverhältnis zu unseren Patienten. Die Alternative zur Freiberuflichkeit sind Staatsmedizin oder die uneingeschränkte Kommerzialisierung der Gesundheitsversorgung. Beides ist bislang in Deutschland politisch nicht gewollt. Deshalb muss das Vertrauen in die Eigenverantwortlichkeit der ärztlichen Tätigkeit auf Seiten der Politik wiederhergestellt werden. Dreyer: Auch die Ärzteschaft selbst sollte sich immer wieder bewusst machen, was für ein Privileg die Freiberuflichkeit ist. Wir entscheiden als Berufsstand selbst über die Regeln unserer Berufsausübung und über die fachärztliche Weiterbildung. Wir wachen selbst über die Einhaltung ärztlicher und ethischer Standards. Das wollen wir stärken und ausbauen. : Dennoch engagieren sich insbesondere jüngere Ärztinnen und Ärzte vergleichsweise wenig in der Selbstverwaltung. Dreyer: Das stimmt. Und deshalb müssen wir raus aus unserer „Bubble“ und nahbarer werden. Das kann zum Teil mit dem Ausbau digitaler Veranstaltungsformate gelingen, mit denen wir wesentlich mehr Teilnehmer erreichen als bei Präsenzveranstaltungen. Berson: Eine Idee ist auch, das Format der Foren auszubauen. In diesen Foren können auch interessierte Dr. Sven Dreyer (50) ist Anästhesiologe und Leitender Arzt des Druckkammerzentrums am Universitätsklinikum Düsseldorf. Er ist seit 2009 Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Nordrhein und gehört seit 2005 der Kammerversammlung an. 2024 wurde er zum Präsidenten der Ärztekammer Nordrhein gewählt. Dreyers politische Heimat ist der Marburger Bund, in dessen Bundesvorstand er 2019 gewählt wurde. Foto: Jochen Rolfes Dr. Arndt Berson (53) ist seit 2003 niedergelassener Hausarzt in Kempen am Niederrhein. Er ist seit 2001 Mitglied der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein. Von 2005 bis 2015 und erneut 2019 wurde er in deren Vorstand gewählt. Gemeinsam mit Dreyer sitzt er der Weiterbildungskommission der Kammer vor. Seit 2024 ist Berson Vizepräsident der Kammer und zudem Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Nordrhein. Foto: Jochen Rolfes Kolleginnen und Kollegen mitarbeiten, die nicht zur Kammerwahl angetreten oder Mitglieder eines Kammerausschusses sind. Wir überlegen zurzeit, wie und für welche Themen wir das vorantreiben können. : In NRW wird zurzeit die größte Reform der Krankenhausplanung seit Jahrzehnten umgesetzt, unter anderem mit dem Ziel der Spezialisierung und Zentrenbildung. Das wird sich auch auf die ärztliche Weiterbildung auswirken. Was kommt da auf die Ärztekammern zu?

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