Rheinisches Ärzteblatt 04/2025

Thema 14 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 gewarnt und noch einmal klargestellt, dass die Verantwortung für Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie stets bei den Ärzten liegt. KI kann die ärztliche Tätigkeit nur unterstützen. : Der Deutsche Ärztetag wird sich Ende Mai in Leipzig ebenfalls mit KI befassen. Daneben steht dort aber auch das Langzeitprojekt der GOÄ-Reform als gesondertes Thema auf der Tagesordnung. Was erwarten Sie von den Beratungen? Dreyer: Das wird sicherlich eine kontroverse Debatte geben. Denn viele ärztliche Fachgesellschaften und Berufsverbände haben ja Kritik an dem vorliegenden Entwurf angemeldet, weil sie finden, dass darin insbesondere technische Leistungen zu niedrig bewertet wurden. Man muss aber auch anerkennen, dass erstmals ein Entwurf mit bepreistem Leistungsverzeichnis vorliegt, der zwischen Bundesärztekammer und Privater Krankenversicherung konsentiert ist. Ich bin deshalb verhalten optimistisch, dass sich die Ärzteschaft hinter die Novelle stellen wird. : Was könnte die Alternative sein? Dreyer: Ein Scheitern könnte Überlegungen hin zu einer Bürgerversicherung verstärken. : Sie beide sind im vergangenen Jahr zur Kammerwahl als Team angetreten und jetzt seit einem halben Jahr im Amt. Wie läuft es? Dreyer: Ich kann nur sagen, dass unsere Zusammenarbeit wirklich gut funktioniert und von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Was ich an Arndt besonders schätze, ist seine Art zu arbeiten: präzise, schnell und lösungsorientiert. Berson: Wir ticken in vielen Belangen gleich. Das macht die Abstimmung in Sachfragen unkompliziert. Wir sind im letzten Sommer bewusst als Duo angetreten, um zu signalisieren, dass wir die gesamte Ärzteschaft vertreten wollen. Wir verstehen uns nicht als Vertreter der Hausärzte oder der Fachärzte, als Vertreter von Universitätskliniken oder niedergelassenen Praxen. Sven verkörpert das als Präsident, wie ich finde, wirklich gut. Und wir hoffen beide, dass das auch außerhalb der Kammer so wahrgenommen wird. Das Interview führten Sabine Schindler-Marlow und Heike Korzilius. Berson: Wir werden in den nächsten Wochen auf die Krankenhausträger und die Weiterbildungsbefugten zugehen und gezielt nachfragen, wo es hakt. Uns liegt sehr daran, dafür zu sorgen, dass die Weiterbildung zur Fachärztin und zum Facharzt auch in Zukunft möglichst aus einer Hand erfolgen kann. Dafür müssen dann entsprechende Weiterbildungsverbünde geschaffen werden. Dreyer: Hilfreich wäre vor diesem Hintergrund ein Register, wer, wo, welche Weiterbildung absolviert. Zurzeit tauschen wir uns darüber mit der Landesärztekammer Hessen aus, die als einzige Kammer seit vielen Jahren ein solches Verzeichnis führt. : Die anstehende Kammerversammlung wird sich im Schwerpunkt mit Künstlicher Intelligenz beschäftigen. Unter welchem Aspekt wollen Sie sich dem Thema nähern? Dreyer: Schon heute nutzt Umfragen zufolge ein Drittel der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland KI-Anwendungen. KI hat das Potenzial, Diagnostik, Therapie und Dokumentation zu optimieren und medizinische Fachkräfte zu entlasten. Aber KI birgt auch Risiken. So ist nicht immer nachvollziehbar, welche Daten einer Anwendung zugrunde liegen und möglicherweise Ergebnisse verzerren. Außerdem neigen Modelle wie ChatGPT zum Halluzinieren. Um die Chancen und Risiken von KI in der Medizin richtig einschätzen zu können, müssen Ärztinnen und Ärzte umfassend informiert sein. Kompetenzen im Umgang mit KI müssen deshalb in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung fest verankert und entsprechende Curricula und Module entwickelt werden. Berson: Nur dadurch lässt sich auch verhindern, dass die zunehmende KI-Unterstützung in Diagnostik und Therapie dazu führt, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Kompetenzen und damit auch die Kontrolle über ihre Arbeit verlieren. Davor hat vor Kurzem auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesärztekammer Ein Bericht über die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein am 22. März findet sich auf Instagram und der Homepage der Kammer unter www.aekno.de. Dort sind auch die Entschließungen veröffentlicht. Das Rheinische Ärzteblatt berichtet in seiner Mai-Ausgabe über die Schwerpunkte der Kammerversammlung. Bericht auf www.aekno.de Dr. Sven Dreyer (l.) und Dr. Arndt Berson sind zur Kammerwahl im vergangenen Sommer als Team angetreten. Der Anästhesiologe und der Hausarzt wollen nach eigenem Bekunden die gesamte Ärzteschaft vertreten. Foto: Jochen Rolfes

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=