Rheinisches Ärzteblatt 04/2025

24 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2025 Praxis „MoniKa“ Helga Schleimer (rechts) versichert sich, dass Marie Luise und Karl-Heinz Overzier medizinisch und pflegerisch gut versorgt sind. Sie übernimmt Beratung, für die Ärztinnen und Ärzte im Behandlungsalltag kaum Zeit haben. Foto: Guido Schiefer | KVNO Die Finanzierung durch die KVNO hilft uns sehr – bei der Aufrechterhaltung unserer Strukturen, aber auch beim Projekt MoniKa. Jonas Schöben, Netzwerkmanager des RGL Wie beantragen Hilfsbedürftige einen Pflegegrad? Wie sinnvoll ist eine Patientenverfügung? Und welche Hilfen gibt es für ältere Menschen? Häufig sind Hausärztinnen und Hausärzte die ersten Ansprechpersonen für diese Fragen. Aber Beratung braucht Zeit, die im Behandlungsalltag oft fehlt. Doch es gibt Unterstützung: MoniKa – die erste „Monitoring- und Kommunikationsassistentin“ des Regionalen Gesundheitsnetzes Leverkusen eG (RGL). von Thomas Lillig Leverkusens MoniKa heißt Helga. Helga Schleimer sucht als nicht-­ medizinische Hilfe des RGL ältere Menschen zu Hause auf, um sie auf ihre letzte Lebensphase vorzubereiten. „Ich schaue, wie sie in puncto Versorgung konkret aufgestellt sind. Gibt es Menschen, die unterstützen? Wie sind die Voraussetzungen und Bedarfe?“, beschreibt sie ihre Tätigkeit. Damit entlastet Schleimer Hausärztinnen und -ärzte, denen im Behandlungsalltag wenig Zeit für Beratung bleibt, für Hausbesuche noch weniger. Ärztinnen und Ärzte gründeten das RGL 2006, um auf den zunehmenden Versorgungsbedarf und die strukturellen Veränderungen im ambulanten Bereich zu reagieren. Seit Juni 2019 erhält es als anerkanntes Praxisnetz nach Paragraf 87b SGB V Fördergelder von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO). Praxisnetze in Nordrhein setzen sich aus mindestens 20 Praxen unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen und bieten wohnortnahe Versorgung in einem zusammenhängenden Gebiet an. Sie sind durch Managementstrukturen professionell organisiert. Auch Projekte anerkannter Praxisnetze fördert die KVNO – wie das innovative Konzept MoniKa in Leverkusen. Im Rahmen des erstmals ausgeschriebenen Ideenwettbewerbs im Frühjahr 2024 erhielt das RGL dafür eine Förderung von 50.000 Euro. Wer beauftragt Helga Schleimer? In der Regel sind es Ärztinnen und Ärzte im Gesundheitsnetz. Die MoniKa nimmt ihnen zeitintensive Beratungsgespräche ab. So war es auch im Fall von Marie Luise Overzier. „2019 ging es mir nicht so gut. Mein Hausarzt hatte mir deshalb Frau Schleimer geschickt, damit sie sich die Versorgungssituation von mir und meinem Mann anschaut“, erinnert sich die 85-Jährige. Schleimer stellte fest, dass ihre Patientin zunächst psychotherapeutische Hilfe benötigte und vermittelte in Absprache mit dem Hausarzt einen Therapieplatz. Im Nachgang leitete sie das Ehepaar Overzier behutsam an, über ihre Wünsche für die letzte Lebensphase nachzudenken, MoniKa nimmt Ärzten viel Arbeit ab Schleimer kümmert sich um den Patientenwillen – und hält Diskussionen zu diesem Thema aus den Praxen heraus. Ralph D. Grünhofer, Vorstand des RGL, erklärt: „Immer mehr Menschen leben komplett alleine, ohne soziales Netz. Sie ernähren sich falsch, trinken zu wenig – und müssen dann irgenderstellte mit ihnen eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht für die Nichte. Im vergangenen Jahr kontaktierte das Paar Helga Schleimer erneut. „Sie hat dann einen Pflegegrad für mich beantragt und eine Hauswirtschaftshilfe besorgt", sagt Marie Luise Overzier. KVNO-Förderung verbessert Versorgung „Die Finanzierung durch die KVNO hilft uns sehr – bei der Aufrechterhaltung unserer Strukturen, aber auch beim Projekt MoniKa“, sagt Jonas Schöben, Netzwerkmanager des RGL. Er rechnet das Potenzial für den Einsatz von Monitoring- und Kommunikationsassistentinnen auf 15.000 Patientinnen und Patienten hoch. „Das reicht locker für drei bis vier MoniKas“, schätzt er. Noch aber ist Helga Schleimer allein. Drei bis vier Hausbesuche macht sie täglich. Beim Ehepaar Overzier schaut sie in einem halben Jahr wieder vorbei. „Wir sind sehr glücklich, dass wir sie haben“, freut sich Karl-Heinz Overzier. „Was Frau Schleimer in die Hand genommen hat, hat immer prima geklappt.“ Ein großer Gewinn für alle Beteiligten in Leverkusen. Thomas Lillig ist Redakteur bei der KV Nordrhein. wann ins Krankenhaus. Nach zwei Tagen sind sie wieder zu Hause, alles ist wie vorher und es geht erneut in die Klinik. MoniKa trägt dazu bei, diesen Drehtüreffekt zu durchbrechen.“ Weniger koordinierende Arbeit für Ärzte Beim Gesundheitsnetz Leverkusen ist die examinierte Altenpflegerin und ausgebildete Palliativkraft Helga Schleimer seit 2018. Schleimer engagierte sich dort bereits in zwei Vorgängerprojekten. Die Vernetzung mit den örtlichen Pflege- und Rettungsdiensten, Kliniken und Apotheken aus dieser Zeit kommt ihr nun auch im Projekt MoniKa zugute: „Ich kann dadurch von den Ärztinnen und Ärzten viel koordinierende Arbeit übernehmen“, sagt sie.

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