Rheinisches Ärzteblatt 04/2026

Für Krisen gewappnet? Ärzte aus Drittstaaten schneller anerkennen An der Kenntnisprüfung als Regelfall gibt es Kritik Tattoos – Schmuck oder gefährlicher Modetrend? Es gibt keine Positivliste sicherer Tätowierfarben Hilfe im Kampf gegen Organmangel Kreis der Lebendspender von Nieren soll erweitert werden April 2026 Heft 4 / 31.03.2026 81. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 3 Heft 4 • April 2026 Den Arzt-Patienten-Kontakt erhalten Mit Spannung erwarten wir dieser Tage den ersten Bericht der Finanzkommission Gesundheit (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe). Die finanzielle Lage der Kassen ist dramatisch; für 2027 rechnet die Bundesgesundheitsministerin mit einem Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe. Der Bericht soll eine Prognose der GKV-Finanzentwicklung bis 2030 liefern, Kostentreiber identifizieren und kurzfristig wirksame Maßnahmen für Beitragssatzstabilität ab 2027 vorschlagen. Kein leichter Auftrag. Die Kommission wird sich zur Krankenhaus- und Notfallreform positionieren und Vorschläge für ein Primärversorgungssystem unterbreiten. Stand heute plant die Ministerin, bis zum Sommer einen Referentenentwurf für ein Gesetz zur Stärkung der Primärversorgung vorzulegen, bis Ende des Jahres einen Kabinettsentwurf. Ambitioniert, wenn man die Geschwindigkeit anderer Vorhaben betrachtet; aber die GKV-Finanzentwicklung lässt ein „Weiter so“ auch nicht mehr zu. Das gilt übrigens auch für die Notfallversorgung. Grundsätzlich, das wurde in einem Dialogprozess Ende Januar deutlich, sind sich alle Akteure im Gesundheitswesen einig, dass eine bessere Koordination helfen wird, Patienten dort zu versorgen, wo es ihren Beschwerden nach angemessen ist. Auch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales hat Anfang Februar ein 15-Punkte-Papier vorgelegt, in dem Vorschläge für die zukünftige ambulante Versorgung in Nordrhein-Westfalen zu finden sind. Mir ist wichtig, dass wir die Reform der ambulanten Versorgung nicht primär als Sparprogramm konzipieren, sondern als Garant nachhaltiger und verlässlicher Patientenversorgung vor dem Hintergrund einer Gesellschaft des langen Lebens. Ich plädiere weiter dafür, von ärztlicher Primärversorgung zu sprechen und in dieser Richtung zu denken. Mir wird dieser Tage zu viel von digitaler Steuerung und digitalen Versorgungspfaden als kostensparendem Allheilmittel gesprochen. Viele Kassenvertreter möchten Patienten am liebsten mit einer jeweils eigenen Krankenkassen-App digital durch die Versorgungsebenen am Arzt vorbei leiten. Doch ich warne vor diesen Gedankenspielen aus zweierlei Gründen. Erstens muss sich die strukturierte Ersteinschätzung ausschließlich nach medizinischen Kriterien richten. Zweitens müssen Patientinnen und Patienten in Deutschland versicherungsunabhängig gleiche Behandlungspfade angeboten bekommen. Vor allem darf die digitale Ersteinschätzung kein Instrument werden, um den Zugang zur ärztlichen Versorgung im Krankheitsfall zu erschweren. Und noch wichtiger: Wir müssen aufpassen, dass wir die Versorgung unserer Patienten nicht von A bis Z durchdigitalisieren und dabei die Arzt-Patienten-Beziehung aus dem Fokus verlieren. Krankheit ist kein Industrieprozess, sondern ein Zustand, der persönliche Hilfe, Begleitung und Zuwendung erfordert. Bei aller Digitalisierungseuphorie müssen wir für unsere Patientinnen und Patienten persönlich ansprechbar bleiben. Wenn wir ein ärztliches Primärversorgungssystem etablieren wollen, bei dem sich Patienten für eine Primärversorgerpraxis entscheiden, dann müssen sie diese im Krankheitsfall oder bei Nachfragen auch direkt kontaktieren dürfen, ohne vorher eine digitale Ersteinschätzung via Krankenkassen-App durchlaufen zu müssen. Alles andere würde das System ad absurdum führen. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes

Gesundheitskongress des Westens KONGRESSANMELDUNG FÜR ÄRZTINNEN UND ÄRZTE ZUM SONDERTARIF FÜR NIEDERGELASSENE! Kongressbüro +49(0)2234-95322-51 info@gesundheitskongress-des-westens.de Veranstalterin WISO S. E. Consulting GmbH 6. und 7. Mai 2026 | KÖLN www.gesundheitskongress-des-westens.de Dr. Georg Kippels, MdB Bundesministerium für Gesundheit Dr. Frank Bergmann Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein Dr. Florian Hartge gematik GmbH Michaela Evans-Borchers Westfälische Hochschule Karl-Josef Laumann Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW Dr. Johannes Nießen Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit Dr. Thomas Bandorski AdA, Bad Wünnenberg Dr. Daniela Hütwohl Zentrum für Künstliche Intelligenz Medizininformatik und Datenwissenschaften Gabor Steingart Journalist Prof. Josef Hecken Gemeinsamer Bundesausschuss Petra Brakel DRV-Knappschaft Bahn-See Andreas Storm DAK-Gesundheit Oberstarzt Dr. Alexander Bell Bundeswehr Dr. Andreas Gassen Kassenärztliche Bundesvereinigung Dr. Grit Braeseke IGES Institut Günter Wältermann AOK Rheinland / Hamburg Peter Renzel Gesundheitsamt Stadt Essen Nina Boes Deutsche Rentenversicherung Westfalen Dr. Alexia Zurkuhlen Kuratorium Deutsche Altershilfe Cornelia Sennewald Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 5 Heft 4 • April 2026 Meinung Den Arzt-Patienten-Kontakt erhalten Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 Laumann stellt Eckpunkte für Primärversorgungssystem vor · Vor 50 Jahren · Alkohol ist nie unproblematisch · Planetare Gesundheit: Ärzte in der Verantwortung · Kammer Online · Forum Gesundheit: Medizin in Krisenzeiten · MFA: Beliebtester Ausbildungsberuf bei Frauen · Studium und Berufseinstieg Thema Auf den Ernstfall kaum vorbereitet Seite 12 Spezial Tattoos: schmückend oder schädlich? Seite 16 Gesundheits- und Sozialpolitik Was hilft gegen den Organmangel? Seite 20 Kenntnis- statt Gleichwertigkeitsprüfung Seite 22 Praxis COVID-19-Schutzimpfung: Amtshaftungsansprüche, Impfschäden und Aufklärungsdokumentation – Folge 152 der Reihe „Arzt und Recht“ Seite 23 Zukunftsmodell Hybid-DRG: Blaupause für moderne Versorgung Seite 24 Forum Schwangerschaftsabbruch entkriminalisieren Seite 26 Wissenschaft und Fortbildung Rezidivierende Infekte, zunehmende Müdigkeit und Knochenschmerzen bei einer 65-jährigen Patientin – Folge 88 der Reihe „Zertifizierte Kasuistik“ Seite 27 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 30 RÄ Regional Seite 35 Bücher Seite 38 An Rhein und Ruhr Seite 39 Kulturspiegel Das Sommermärchen von Solingen Seite 40 Amtliche Bekanntmachungen Seite 41 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 41 Mein Beruf „Forschung ist kein Hobby“ Seite 51 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: vm/istockphoto.com Tattoos: schmückend oder schädlich? Fast jeder Fünfte in Deutschland trägt ein Tattoo – ein Modetrend, von dem nicht klar ist, welche gesundheitlichen Risiken er birgt. Eine Positivliste sicherer Tätowierfarben gibt es auf EU-Ebene nicht, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt. Kampf gegen den Organmangel Die Zahl der Organspenden stagniert auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Um hier Abhilfe zu schaffen, will die Bundesregierung den Kreis der Nierenlebendspender erweitern. Die Ärzteschaft unterstützt das Vorhaben. Auf künftige Krisenszenarien ist das deutsche Gesundheitssystem nur unzureichend vorbereitet, betonte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, bei der Kammerversammlung am 14. März. Diese befasste sich neben der aktuellen Gesundheitspolitik in einem Schwerpunkt mit dem Thema "Resilienz im Gesundheitswesen". Für Krisen gewappnet?

6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 Magazin Weltärztebund Wechsel an der Verbandsspitze Dr. Ramin Parsa-Parsi, langjähriger Leiter des Dezernats „Internationale Angelegenheiten“ der Bundesärztekammer, wird neuer Generalsekretär des Weltärztebundes. Er folgt am 1. Mai auf Dr. Otmar Kloiber, der in den Ruhestand tritt. ParsaParsi bringe umfangreiche Expertise in Fragen der globalen Gesundheit sowie medizinisch-ethischen Themen in sein neues Amt ein, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt. Unter anderem war Parsa-Parsi maßgeblich an der Revision des Genfer Gelöbnisses von 2017 beteiligt, das die ethischen Prinzipien ärztlichen Handelns zusammenfasst. HK Bewegung Kurzberatung durch Hausärzte Regelmäßige Bewegung verbessert nachweislich Prognose und Lebensqualität von Menschen mit koronarer Herzerkrankung. Im hausärztlichen Alltag fehlen jedoch oft Zeit und praxistaugliche Tools für motivierende Kurzgespräche. Hier setzt das Forschungsprojekt OptiCor an, das ein kompaktes 3,5-stündiges Training zur Bewegungs-Kurzberatung entwickelt hat. Aktuell sucht die Universität Düsseldorf Hausärzte aus NRW, die an dem Training teilnehmen und OptiCor unterstützen möchten. Studienbegleitend erfolgt eine kurze Befragung von jeweils etwa zwölf KHKPatienten der teilnehmenden Praxen. Kontakt: Alicia Prinz, 0211-81 06622, opticor@med.uni-duessel dorf.de; Infos: www.opticorstudy.info EB Ambulante Versorgung Laumann stellt Eckpunkte für Primärversorgungssystem vor Der Weg zur ärztlichen Versorgung soll in Zukunft über eine verbindliche telefonische oder digitale Ersteinschätzung unter der 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) führen. Patientinnen und Patienten sollen zudem nur noch auf Überweisung des Hausarztes Fachärztinnen und Fachärzte aufsuchen dürfen. Ausnahmen gelten unter anderem für Gynäkologen. Das sehen die Eckpunkte für ein Primärversorgungssystem vor, die NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Anfang März gemeinsam mit Vertretern der Ärzteschaft und der Krankenkassen in Düsseldorf vorgestellt hat. Eine gezielte Steuerung und verbindliche Anlaufstellen durch Primärversorgungspraxen könnten dazu beitragen, die vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen gezielter einzusetzen, erklärte Laumann. In ihrem Alltag sollten Praxen zudem durch Bürokratieabbau, stärkere Teamstrukturen, Dauerverordnungen und -überweisungen sowie den Ausbau digitaler Prozesse entlastet werden. Die Ärztekammer Nordrhein sprach sich dafür aus, dass Patienten, die bereits einen Hausarzt haben, diesen bei Bedarf auch weiterhin direkt ohne vorherige Ersteinschätzung aufsuchen dürfen. Die KV Nordrhein betonte, dass nicht jeder Patient pauschal vom Hausarzt gesteuert werden müsse. Insbesondere chronisch Kranke benötigten differenzierte Angebote, beispielsweise eine Steuerung im Tandem von Hausarzt und Facharzt gemeinsam. HK Nordrhein ist Gastgeber 79. Deutscher Ärztetag in Düsseldorf Das Rheinische Ärzteblatt (RÄ) machte in seiner zweiten April-Ausgabe 1976 auf das Programm des 79. Deutschen Ärztetages (DÄT) in Düsseldorf aufmerksam. Das Treffen des Ärzteparlaments fand vom 10. bis 15. Mai 1976 in der neu gestalteten Stadthalle auf dem alten Messegelände in der Fischerstraße statt. Ausdrücklich wurden die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte eingeladen, dem DÄT als Zuhörer beizuwohnen, um ihr „Interesse und ihre Verbundenheit mit ihrem Beruf und an der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens durch ihre Anwesenheit zu unterstreichen“. Auf der Tagesordnung stand unter anderem das Grundsatzreferat des Präsidenten der Bundesärztekammer Professor Dr. Hans Joachim Sewering. Schwerpunktthemen waren die Neufassung der (Muster-)Berufsordnung und der (Muster-) Weiterbildungsordnung sowie die „Ärztliche Zusammenarbeit bei ambulanter und stationärer Versorgung“. Die Eröffnung des 79. DÄT hieß damals noch „Öffentliche Kundgebung“ und war etwas anders gestaltet als heute. Neben der Begrüßung des Präsidenten der gastgebenden Kammer und der Einführung durch den Präsidenten der Bundesärztekammer hielten „Vertreter der eingeladenen politischen Parteien“ Ansprachen. Damals waren diese die im Bundestag vertretenen Parteien CDU/CSU, SPD und FDP. Ihnen waren im Vorfeld „eine Reihe aktueller Fragen zur Gesundheits- und Sozialpolitik“ gestellt worden, sodass diese im Rahmen der Kundgebung beantwortet werden konnten. bre Das Eckpunktepapier des NRWGesundheitsministeriums zur Zukunft der ambulanten Versorgung ist abrufbar unter https://www. mags.nrw/eck punkte-zukunfts feste-ambulantemedizinische- versorgung Grafik: MAGS Eckpunkte für das Gelingen eines Primärversorgungssystems mags.nrw Ambulante Versorgung zukunftsfest gestalten Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 7 Flyer-Neuauflage Alkohol ist nie unproblematisch Der Ausschuss Prävention, Gesundheitsförderung und Klimawandel der Ärztekammer Nordrhein hat seinen Flyer über die Risiken des Alkoholkonsums neu aufgelegt. Denn Endometriose: Zahl der Fälle verdoppelt Die Zahl der Frauen mit gesicherten Endometriose-Diagnosen hat sich von 230.000 im Jahr 2005 auf 510.000 im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Das geht aus dem Arztreport der Barmer hervor. Die Zahl der Krankenhausbehandlungen sei im selben Zeitraum um mehr als 80 Prozent gestiegen. Dabei sei das Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose innerhalb von zehn Jahren um 3,8 Jahre auf 37,4 Jahre gesunken. Ein Grund für die frühere Diagnosestellung ist aus Sicht der Krankenkasse, dass Endometriose stärker im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen sei. Für die Frauen entfielen damit Jahre der Ungewissheit. Wichtig sei, dass die Betroffenen rasch eine passgenaue und langfristige Therapie erhielten, denn sie litten unter einer hohen Krankheitslast. HK Kurz gemeldet Neue Stillempfehlungen veröffentlicht Reifgeborene Kinder sollten in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich oder überwiegend bei zusätzlicher Gabe von Wasser und Tee gestillt werden. Es wird eine Gesamtstilldauer von mindestens zwölf Monaten empfohlen. Das sieht eine S3-Leitlinie vor, die Ende Februar unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaft veröffentlicht wurde. Ziel der Leitlinie sei es, wissenschaftlich fundierte Orientierung zu geben. Dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sind die neuen Empfehlungen zu starr. Erst ab dem siebten Monat Beikost zu füttern, werde der individuellen Entwicklung der Säuglinge nicht gerecht. HK Pflegebudget: Personal und Kosten gestiegen Das 2020 eingeführte Pflegebudget in den Krankenhäusern hat nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) trotz gesunkener Fallzahlen zu einer deutlichen Steigerung der Zahl der Pflegekräfte in den Krankenhäusern und damit auch der Kosten geführt. Demnach wuchs das finanzielle Volumen des Pflegebudgets von 19,4 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 26,1 Milliarden Euro 2024. Zugleich stieg zwischen 2019 und 2024 die Zahl der festangestellten Vollzeitkräfte im Pflegedienst der Krankenhäuser um mehr als 50.000 auf rund 350.600, ein Plus von 3,4 Prozent. Dabei nahm die Zahl der Pflegefachkräfte um zehn Prozent zu, die der Pflegehilfskräfte um 75 Prozent. Seit 2020 gilt beim Pflegebudget das Prinzip der Selbstkostendeckung. HK Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 13. bis 17. Juli 2026. Anmeldeschluss: Freitag, 22. Mai 2026 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiterbil dung/Pruefungen ÄkNo Kreisstelle Regelmäßiger Servicetag in Mönchengladbach Die Ärztekammer Nordrhein bietet ihren Mitgliedern auch nach dem Umzug der Kreisstelle Mönchengladbach nach Düsseldorf weiterhin wöchentlich eine Sprechstunde in Mönchengladbach an, um den Service für Ärztinnen und Ärzte vor Ort aufrechtzuerhalten. Der Servicetag findet ab sofort jeden Mittwoch in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr in den bisherigen Räumlichkeiten der Kreisstelle Mönchengladbach, LudwigWeber-Straße 15, 41061 Mönchengladbach statt. bre aktuelle Studien belegen, dass es keinen völlig unproblematischen Alkoholkonsum gibt. Schon kleinste Mengen wirken sich auf den Organismus aus. Ob Alkohol zu einem Problem werde, hänge dabei nicht nur von der Menge, sondern auch von den Umständen und der Häufigkeit des Konsums ab, heißt es in der Broschüre. Alkohol könne jedes Organ schädigen und das Risiko für Herz-KreislaufErkrankungen, Krebs und Hirnschäden erhöhen. Regelmäßiger Konsum könne zudem zu Abhängigkeit führen, wobei der Übergang vom Genuss zur Gewohnheit und schließlich zur Abhängigkeit oft schleichend verlaufe. Der Flyer benennt die Risiken des Alkoholgebrauchs, gibt Tipps für einen bewussten Umgang mit Alkohol und listet Hilfsangebote, wenn der Konsum außer Kontrolle geraten ist. Er ist erhältlich über snezana.marijan@ aekno.de und abrufbar unter www.aekno.de/ alkoholpraevention. HK Riskanter Konsum: Nach aktuellen Zahlen des Deutschen Krebsforschungszentrums starben im Jahr 2020 rund 14.200 Menschen – 10.600 Männer und 3.600 Frauen – an einer alkoholbedingten Krankheit. Grafik: Davide Angelini/ stock.adobe.com www.aekno.de uppen für Angehörige pen 0 elfen Eltern und Angehörigen htgefährdeter und suchtkranker – Fetales Alkohol Syndrom d.de/hilfe-und-beratung/ e. Hilfe für Familie und Freunde atung-finden/hilfe-fuer-familie-undder und Jugendliche mit suchter und Jugendliche alkoholkranker 0 neue/familienkrankheit/alateen-fuerer von suchtkranken Eltern und nteressenvertretung für Kinder zum Thema Alkohol, sowie eine niken und Suchtambulanzen in Nordwww.aekno.de/praevention/alkohol Über Alkohol neu nachdenken Ärztliche Körperschaften im Internet Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein www.kvno.de Ärzteversorgung Nordrhein www.naev.de

Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 Benutzerprofil auf www.aekno.de Cochrane Library und mehr tet. Dabei ist das Benutzerprofil nicht zu verwechseln mit dem Benutzerkonto des Mitgliederportals „MeineÄkNo“. Beide Konten sind getrennte Angebote. Ein Datenaustausch findet nicht statt. Hintergrund ist, dass die OnlineFortbildungen via www.aekno.de/cme nicht allein nordrheinischen Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung stehen, sondern alle interessierten Mediziner sich ein Benutzerprofil anlegen und an den Fortbildungen teilnehmen können. Das Anlegen eines Benutzerprofils ist über www.aekno.de/registrieren in wenigen Minuten erledigt. Nötige Angaben sind Nachname, Arztnummer (Mitgliedsnummer), einheitliche Fortbildungsnummer und E-Mail-Adresse. Die zukünftige Anmeldung erfolgt dann über die angegebene E-Mail-Adresse und das selbst gewählte Passwort. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Mit der Einführung der Fortbildungsreihe „Zertifizierte Kasuistik“ im Jahr 2004 konnten Ärztinnen und Ärzte sich auf der Homepage (www. aekno.de) der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) erstmals ein Benutzerprofil anlegen, um darüber online an der regelmäßigen Fortbildung teilzunehmen. Die 88. Folge der Fortbildungsreihe ist in dieser Ausgabe des Rheinischen Ärzteblatts ab Seite 27 zu finden. 2008 kam das exklusive Angebot des Vollzugangs zur renommierten Cochrane Library für Mitglieder der ÄkNo hinzu. Den kostenfreien Service stellt die ÄkNo als einzige Ärztekammer in Deutschland durchgehend bis heute zur Verfügung. Auch ist das Abrufen des eigenen CMEPunktekontos und das Erzeugen und Ausdrucken eines Kontoauszugs über das Benutzerprofil auf www.aekno.de jederzeit möglich. Knapp 27.800 Ärztinnen und Ärzte haben sich ein Benutzerprofil auf www.aekno.de eingerichDie zentrale Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten, die Transformation hin zu einem umweltbewussten Gesundheitswesen zu unterstützen, hat die Zentrale Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO) in ihrer Stellungnahme zu „Planetary Health“ formuliert. Sie empfiehlt, Initiativen für „grüne“ Krankenhäuser und Arztpraxen strategisch voranzutreiben und finanziell zu fördern. Im unmittelbaren Patientenkontakt könnten Ansätze der klimasensiblen Gesundheitsberatung sowie des „Green Decision Making“ dazu dienen, Aspekte ökologischer Nachhaltigkeit in die Entscheidungsfindung aufzunehmen, heißt es in der Stellungnahme der ZEKO. Ärztinnen und Ärzte könnten ihre Patienten beispielsweise dazu anregen, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen oder weniger Fleisch zu essen. Im Rahmen des „Green Informed Consent“ sollten sich Patienten für umweltschonende Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden entscheiden können. „Gesundheit und Wohlergehen der Menschen hängen ganz wesentlich vom Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen ab“, Gefährdeter Planet: Neue Krankheitsbilder etwa durch extreme Hitze oder Feinstaubbelastung verdeutlichen nach Ansicht der Bundesärztekammer, dass die Krisen der Ökosysteme und insbesondere der Klimawandel ein gesundes Leben gefährden. Foto: spql/stock.adobe.com Planetare Gesundheit Ärztinnen und Ärzte in der Verantwortung Ethikkommission Vorstand bestätigt Die Onkologin Professorin Dr. med. Dr. phil. Eva Winkler bleibt Vorsitzende der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer (ZEKO). Der stellvertretende Vorsitzende, Biowissenschaftler Professor Dr. phil. Dirk Lanzerath wurde ebenfalls in seinem Amt bestätigt. Das hat die Bundesärztekammer mitgeteilt. Das multidisziplinär zusammengesetzte, unabhängige Gremium nimmt nach eigenen Angaben Stellung zu ethisch bedeutsamen Fragen, die für die ärztliche Berufsausübung von grundsätzlicher Bedeutung sind, unter anderem zum Umgang mit finanziellen Anreizen in der Patientenversorgung oder der ärztlichen Verantwortung für die planetare Gesundheit. HK Zi-Trendreport Weiterhin hohe Fallzahlen Im 1. Halbjahr 2025 sind in der ambulanten Versorgung 292,3 Millionen Behandlungsfälle dokumentiert worden; 0,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem Trendreport des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hervor. Gestiegen sind die Fallzahlen demnach nur in der Psychotherapie und Psychiatrie und zwar um 3,4 Prozent. Laut Zi hielt zudem der Aufwärtstrend bei Telefon-Beratungen und Videosprechstunden an. Die Zahl der telefonischen Beratungen stieg im 1. Halbjahr 2025 um 5,6 Prozent an, die der Videosprechstunden um 14,2 Prozent. Allerdings hätten die telemedizinischen Leistungen insgesamt lediglich einen Anteil von zwei Prozent an allen Behandlungsfällen. HK sagte der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt. „Ihr Schutz ist deshalb immer auch Gesundheitsschutz.“ Es sei ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen. HK

Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 9 Renate Massmann Mehr als 40 Jahre Lebenshilfe Über 40 Jahre lang hat sich Renate Massmann in der lokalen und überregionalen Lebenshilfe engagiert, die sich für die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen einsetzt. Die Wuppertaler Allgemeinärztin war Mitinitiatorin der Lebenshilfe in ihrer Heimatstadt und hatte Jahrzehnte lang deren medizinische Leitung inne. Vorurteile gegenüber behinderten Menschen abzubauen und deren Integration zu fördern, seien ihr Zeit ihres Lebens ein besonderes Anliegen gewesen, wie sie selbst sagt. Für ihre „Pionierarbeit“ in der Lebenshilfe erhielt sie 1993 das Bundesverdienstkreuz. Am 4. März 2026 wurde Renate Massmann 90 Jahre alt und noch immer ist sie – jetzt vor allem künstlerisch – aktiv. vt Influenza Impfquote ist zu gering Die Influenza-Impfquoten in Deutschland bleiben deutlich hinter den Zielen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zurück. Wie aus dem Arzneimittelreport der Barmer hervorgeht, waren im Jahr 2023 nur 40,8 Prozent der Versicherten der Krankenkasse ab 60 Jahren gegen Grippe geimpft. Die WHO empfehle eine Quote von 75 Prozent. Nach Angaben der Barmer hat die Einführung der Möglichkeit, sich auch in der Apotheke gegen Influenza impfen zu lassen, keinen Effekt auf die Impfquote gezeigt. Diese sei nur zu 0,5 Prozent durch die Impfung in Apotheken und zu 99,5 Prozent in Arztpraxen erzielt worden. HK Kreisstelle Mülheim „Forum Gesundheit“: Medizin in Krisenzeiten Medizinische Fachangestellte Beliebtester Ausbildungsberuf bei Frauen Medizinische Verantwortung und Vorsorge in Krisenzeiten standen im Mittelpunkt des 16. „Forum Gesundheit“ der Kreisstelle Mülheim der Ärztekammer Nordrhein. Die Gynäkologin Dr. Vivian Simm berichtete von ihren Einsätzen für die humanitäre Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Afghanistan und Haiti. Dort seien qualifizierte Geburtshilfe und Basisversorgung oft nur in wenigen Einrichtungen verfügbar und zwei Drittel der vermeidbaren mütterlichen Todesfälle träten in Konflikt- und Katastrophenregionen auf. Dr. Rainer Kram, Leiter der Stabsstelle Katastrophenschutz am Universitätsklinikum Düsseldorf, warnte, dass deutsche KrankenhäuDiskussion über die medizinische Versorgung in Krisenzeiten (v.l.): die stellvertretende Kreisstellenvorsitzende Dr. Eva Niedziella-Rech, Dr. Vivian Simm, Kreisstellenvorsitzender Uwe Brock, Dr. Rainer Kram sowie Moderator und geschäftsführender Arzt der Ärztekammer Nordrhein Dr. Christian Köhne Mitte März in Mülheim Foto: Andreas Köhring Mit 16.680 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen führte die „Medizinische Fachangestellte“ im vergangenen Jahr bei den Frauen die Rangliste der beliebtesten Ausbildungsberufe an. Im Vorjahr hatte der Beruf noch auf Rang drei gelegen, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Anfang März mitteilte. Auf Rang zwei folgte wie bereits 2024 die „Zahnmedizinische Fachangestellte“, auf Rang drei die „Kauffrau für Büromanagement“. Bei den Männern rangierte wie in den Vorjahren der Beruf des „Kraftfahrzeugmechatronikers“ mit 23.007 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen auf Platz eins der Rangliste. Den stärksten Zuser auf Großschadenslagen und einen möglichen Verteidigungsfall noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Er forderte belastbare Alarm- und Einsatzpläne, regelmäßige Übungen, Materialreserven sowie Konzepte für chemische, biologische, radiologische und nukleare Lagen. Die anschließende Podiumsdiskussion arbeitete die zentrale Rolle von Kliniken und Niedergelassenen in Krisen- und Verteidigungsfällen heraus. Die Kliniken könnten trotz begrenzter Kapazitäten Patientenströme steuern, wenn regionale Netzwerke Konkurrenzdenken und Sektorengrenzen überwinden. Mehr unter www.aekno.de/kreis stelle/muelheim. usa wachs bei den Männern verzeichnete dem BIBB zufolge der Beruf des „Medizinischen Fachangestellten“ mit 1.146 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen (2024: 837). Im Zeitraum von 2009 bis 2025 seien die Zahlen der Männer in diesem weiblich dominierten Beruf nahezu kontinuierlich gestiegen, erklärte das BIBB. Auf die Bedeutung des Berufs für die Patientenversorgung wies der Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein Dr. Arndt Berson anlässlich der BIBB-Erhebung hin. „Denn soziale Kompetenz und menschliche Interaktion möchten wir in unseren Praxen nicht durch Chatbots und KI ersetzen“, betonte der Hausarzt. HK

10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Aktuell erlebe ich einen Zwischenraum in meinem Studium – ein letztes Freisemester, das ich mir bewusst genommen habe. Nach einem lernintensiven Sommer, drei anstrengenden M2-Prüfungstagen und einer wunderbaren Reise mit meinen Studienfreundinnen und -freunden hat eine Zeit begonnen, in der sich die Wege trennen. Während die meisten meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen ihre teils internationalen Tertiale des Praktischen Jahrs (PJ) angetreten haben oder sogar schon fertig mit dem Studium sind, habe ich mich entschieden, mir noch ein Freisemester zu nehmen und mich so voll auf die Fertigstellung meiner experimentellen Doktorarbeit zu konzentrieren. Ich finde es schön, noch einmal einige Monate meinen Alltag frei einteilen zu können. Die Arbeit an meiner Promotion ist gerade sehr abwechslungsreich, denn ich beschäftige mich sowohl mit praktischem Arbeiten im Labor als auch mit Analysen am Computer und der kreativen Aufgabe, meine Forschungsergebnisse möglichst ansprechend auf einem Poster für den Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie darzustellen. Außerdem genieße ich es sehr, noch einmal mein studentisches Leben mit Orchester, Sprachkurs und Mensa zu leben. Trotzdem ist das Ende meines Studiums im nächsten Jahr in greifbarer Nähe. Viele Jahre nach meiner letzten größeren Lebensentscheidung, der zum Medizinstudium, werde ich bald Fragen konkret beantworten müssen wie zum Beispiel: „In welcher Fachrichtung und an welchem Krankenhaus möchte ich mein Arbeitsleben beginnen? Wie möchte ich arbeiten und wie leben?“ Natürlich habe ich dazu schon einige Vorstellungen und bin mir bewusst, dass man sich auch umorientieren kann und viele Karrierewege ungeplante Wendungen nehmen – trotzdem ist das keine Kleinigkeit. Zuerst erwartet mich aber ab Mai mein PJ. Ich freue mich darauf, täglich mit Patientinnen und Patienten zu interagieren, mein Wissen in die Tat umzusetzen und viel dazuzulernen. Außerdem ist das PJ eine fantastische Möglichkeit, in einer anderen Stadt oder sogar in einem anderen Land zu arbeiten. Deswegen werde ich mein Tertial der Inneren Medizin in München und ein halbes Chirurgie-Tertial in Kyoto verbringen. Auf die Zeit in Japan freue ich mich besonders. Ich bin sehr gespannt auf die Einblicke ins japanische Gesundheitssystem. Und wann werde ich wohl das nächste Mal die Gelegenheit haben, zwei Monate dort zu leben und zu arbeiten? Die Anki-Karten mit medizinischen Vokabeln lerne ich jedenfalls voller Vorfreude. Und wenn das PJ nach meinem Wahltertial in der Neurologie schließlich enden wird, sind vermutlich auch die Antworten auf die oben genannten Lebensfragen etwas näher gerückt. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@aekno.de. Hartmannbund Forderung nach modernem Praktischen Jahr Das Praktische Jahr (PJ) stecke im letzten Jahrhundert fest, kritisierte der Ausschuss der Studierenden im Hartmannbund kürzlich die seit Jahren unveränderten Rahmenbedingungen. Gleichzeitig warnte der Ausschuss vor den Folgen des politischen Stillstandes. Er forderte eine einheitliche und praktikable Fehlzeitenregelung, verbindliche Mindeststandards für die didaktische Qualität im PJ sowie eine angemessene, flächendeckend verlässliche Vergütung. Es sei unbegreiflich, dass „wir im Jahr 2026 noch immer mit Regelungen konfrontiert sind, die der Realität eines modernen Medizinstudiums nicht gerecht werden“, erklärte die Co-Vorsitzende des Ausschusses, Kimberley Gärtner. Die im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD zugesagten Verbesserungen müssten endlich umgesetzt werden, denn ohne klare politische Entscheidungen drohe das PJ eine Phase zu bleiben, in der Studierende organisatorisch und finanziell übermäßig belastet würden, statt eine hochwertige Vorbereitung auf den ärztlichen Beruf zu erhalten, so der Hartmannbund. bre Düsseldorf Tag der Allgemeinmedizin Zum 15. Mal veranstaltet das Institut für Allgemeinmedizin des Düsseldorfer Universitätsklinikums den Tag der Allgemeinmedizin am 9. Mai 2026. Im Anschluss an die Plenarveranstaltung „Entlastet und vernetzt: Die smarte Hausarztpraxis“ bietet das Institut Workshops zu den Themen KI und Digitalisierung in der hausärztlichen Praxis, Ernährungsmedizin sowie Freizeitkonsum von Cannabis bei Patientinnen und Patienten von allgemeinmedizinischen Praxen an. Speziell für Medizinstudierende, auch im Praktischen Jahr, und für Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung ist der Workshop konzipiert: „Ankommen in der Allgemeinmedizin: Orientierung, Förderung und starke Netzwerke“. Es besteht die Möglichkeit, jeweils einen Workshop sowie eine Alternative für den Vormittag und den Nachmittag auszuwählen. Der kostenfreie 15. Tag der Allgemeinmedizin findet statt am Samstag, 9. Mai 2026 von 9 bis 15 Uhr in der O.A.S.E, Universitätsstraße 1, 40225 Düsseldorf. Nähere Informationen und Anmeldung unter https://tda2026. aanmelder.nl/startseite. bre Service Kostenloses Abo für Studierende Die Ärztekammer Nordrhein bietet Medizinstudierenden der Fakultäten in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Duisburg-Essen und Köln, die das neunte Fachsemester erreicht haben, ein kostenloses Abonnement des Rheinischen Ärzteblatts an. Es erscheint monatlich mit Informationen rund um den ärztlichen Beruf, Gesundheits-, Sozial- und Ärztekammerpolitik sowie Fort- und Weiterbildung. Interessierte senden der Redaktion bitte eine E-Mail mit Namen, Anschrift und einer aktuellen Studienbescheinigung an rheinisches-aerzteblatt@aekno.de. bre Mail aus Aachen Carla Schikarski Foto: privat

Am Eggenkamp 37-39 48268 Greven Telefon 0 25 71/93 76-0 e-mail: verlag@wwf-medien.de Kontaktieren Sie uns über verlag@wwf-medien.de Bestellen Sie Todesbescheinigungen, Praxisdrucksachen und vieles mehr nun auch bequem per Internet! Besuchen Sie uns auf shop.wwf-medien.de

Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 Grafik: vm/istockphoto.com Es sind Vorfälle der vergangenen Jahre, wie die Coronapandemie oder Cyberangriffe auf Krankenhäuser und insbesondere der Krieg in der Ukraine sowie daraus resultierende Krisenszenarien, die das Vertrauen in vermeintliche Sicherheiten erschüttert haben. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, verwies bei der Kammerversammlung in seinem Bericht zur Lage auf die vorliegenden Analysen, nach denen das deutsche Gesundheitswesen auf künftige Bedrohungslagen nur unzureichend vorbereitet sei. Hier bestehe Handlungsbedarf; denn gerade in Krisen müsse Daseinsvorsorge adäquat funktionieren, sagte Dreyer. Deshalb begrüße er die Ankündigung der Bundesgesundheitsministerin, im Sommer 2026 ein Gesundheitssicherstellungsgesetz vorzulegen. „Dieses Gesetz muss Zuständigkeiten, Finanzierung und Versorgungsstrukturen rechtzeitig klären, damit eine Umsetzung nicht erst in der nächsten Katastrophe erprobt wird.“ Der Ärztekammerpräsident betonte vor den Abgeordneten aber auch den Wert der Demokratie in einer Gesellschaft, die angesichts von Krisenszenarien zunehmend mit Wut und Unzufriedenheit auf die Politik der demokratischen Parteien reagiere und diese für die Krisen verantwortlich mache. Nur in einem demokratischen System, in dem Gewaltenteilung, Wissenschafts-, Presse- und Meinungsfreiheit herrschen, könne auf Dauer ärztliche Berufsausübung im Einklang mit dem Genfer Gelöbnis gelingen. Dreyer verwies auf die Lage im Iran, aber auch in anderen Ländern, wo Ärztinnen und Ärzte verfolgt würden, weil sie ihrer berufsethischen Verpflichtung nachgekommen seien. Und auch dort, wo Wissenschaftsfeindlichkeit den Diskurs bestimme, sei die adäquate Gesundheitsversorgung bedroht, etwa in den USA, wo die Impfquoten zurückgingen, aber auch hierzulande, wo über Social Media die Impfskepsis geschürt werde. Mehr Tempo bei der Gesetzgebung Von der Bundesregierung forderte Dreyer, mehr Tempo bei den gesundheitspolitischen Vorhaben zu machen, auf deren gesetzgeberische Umsetzung man bereits seit Jahren warte – sei es die Notfallreform, Suizidprävention und Suizidassistenz oder Bürokratieentlastung. Stattdessen widme man sich dem KleinKlein, stelle die Patientinnen und Patienten unter Pauschalverdacht und plane, die Möglichkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach telefonischem Kontakt wieder rückgängig zu machen. Die Kammerversammlung sprach sich hingegen für die Beibehaltung der telefonischen und videobasierten Krankschreibung für diejenigen Patientinnen und Patienten aus, die dem Arzt oder der Ärztin bekannt sind. Dies diene zur Entlastung von Praxen und Patienten gerade in Infektzeiten. Ohnehin sei die Bedeutung der telefonischen AU-Bescheinigungen mit einem Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen AU-Bescheinigungen für die Gesamtentwicklung der AU-Fälle sehr geAuf den Ernstfall kaum vorbereitet Auf künftige Krisenszenarien ist das deutsche Gesundheitssystem nur unzureichend vorbereitet, betonte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, bei der Kammerversammlung am 14. März. Diese befasste sich in einem Schwerpunkt mit dem Thema „Resilienz im Gesundheitswesen“. Gleichzeitig hob Dreyer den Wert der Demokratie für die Stabilität der medizinischen Versorgung hervor. von Thomas Gerst und Heike Korzilius

Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 13 ring. Sie hätten daher keinen Einfluss auf den Krankenstand in Deutschland, heißt es in dem Beschluss. Die Politik wird stattdessen aufgefordert, den Missbrauch in Form gekaufter Krankschreibungen über anonyme Online-Plattformen zu unterbinden. Freie Arztwahl erhalten Skeptisch äußerte sich der Ärztekammerpräsident in seinem Lagebericht zu Plänen einer durchdigitalisierten Versorgungssteuerung. Diese könnte den direkten ArztPatienten-Kontakt erschweren. „Krankheit ist kein Industrieprozess, sondern ein Zustand, der persönliche Hilfe, Begleitung und Zuwendung erfordert. Bei aller Digitalisierungseuphorie müssen wir für unsere Patientinnen und Patienten persönlich ansprechbar bleiben“, führte Dreyer aus. Dies gelte auch im Zusammenhang mit dem auf Bundesebene vorgesehenen Gesetz zur Stärkung der Primärversorgung. Grundsätzlich herrsche Einigkeit bei allen Akteuren im Gesundheitswesen darüber, dass eine bessere Steuerung die medizinische Versorgung verbessern könne, merkte Dreyer dazu an. „Aber ich möchte nicht erleben, dass Chatbots zu Instrumenten werden, um den Arzt-Patienten-Kontakt zu verhindern, so wie es manch eine Krankenkasse gerne hätte.“ Die Kammerversammlung unterstützte diesen Standpunkt mit der Feststellung, dass die freie ärztliche Berufsausübung und die freie Arztwahl unabhängig von künftigen Reformen der medizinischen Versorgung grundsätzlich erhalten bleiben müssen. Dies müsse auch gelten, wenn in der gesetzlichen Krankenversicherung Zugangsbeschränkungen, wie etwa die verpflichtende Vorschaltung von anderen medizinischen Berufen, Telefon- oder Videodiensten, Checklisten oder digitalen Instrumenten, vorgesehen seien. Kritik an Vorschlägen zur Versorgungssteuerung gab es auch bei den Wortmeldungen der Abgeordneten. Innovation dürfe nicht bedeuten, dass ärztliche Verantwortung durch Administration von oben gesteuert wird, betonte Sebastian Exner, Stolberg. Immer mehr werde von der Politik in den Arztberuf eingegriffen, kritisierte Wieland Dietrich, Essen; dies gehe so weit, dass der direkte Zugang zum Arzt künftig nicht mehr möglich sei. Wenig Verständnis zeigte Kammerpräsident Dreyer für die Ablehnung einer steuerlichen Regulierung stark zuckerhaltiger Produkte seitens der Politik. Das pauschale Argument, man dürfe die Freiheitsgrade der Bürger nicht weiter einschränken, irritiere ihn zunehmend. Für Dr. Oliver Funken, Rheinbach, ist „die Reduktion von Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln eines der zentralen Themen, die wir nach vorne treiben wollen“. Eine Einschränkung beim Konsum sei wichtig für die Verhinderung von Erkrankungen. Beschränkungen forderte die Ärztekammer Nordrhein auch beim Umgang mit Medizinal-Cannabis, so wie sie im Gesetzentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes bereits Konzentriert bei der Arbeit: Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein beschied mehr als 30 Anträge zur aktuellen Gesundheitspolitik. Fotos: Jochen Rolfes „Krankheit ist kein Industrieprozess, sondern ein Zustand, der Zuwendung erfordert.“: Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, setzte sich in seinem Bericht zur Lage kritisch mit Ideen zur ausschließlichen digitalen Ersteinschätzung auseinander. Foto: Jochen Rolfes

Thema 14 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 vorgesehen sind. Mit der Teillegalisierung von Cannabis als Konsumdroge habe die Verschreibung von Cannabis zu medizinischen Zwecken über Online-Plattformen ohne persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt immens zugenommen. Die ärztliche Sorgfaltspflicht setze aber bei der Verordnung von Medizinal-Cannabis nicht zuletzt aufgrund seiner psychoaktiven Wirkung einen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt voraus, bei dem die medizinische Indikation geprüft und über mögliche Neben- und Wechselwirkungen aufgeklärt wird, heißt es in einem Beschluss der Ärztekammer. Gefordert werden weitere Studien mit dem grundsätzlichen Ziel, den Missbrauch einzugrenzen, ohne den Zugang für Patientengruppen mit einer evidenzbasierten medizinischen Indikation zu erschweren. Berufsbild des PA regeln Ausführlich beschäftigten sich die Abgeordneten in der Kammerversammlung auch mit dem Berufsbild der Physician Assistants (PAs). Ärztlicher Fachkräftemangel sowie wirtschaftliche Überlegungen seien Gründe dafür, dass PAs zunehmend in stationärer wie ambulanter Versorgung tätig würden, ohne dass ein Berufsgesetz die rechtliche Stellung und die Ausbildung regele, kritisierten die Delegierten. Zu befürchten sei der Ersatz von Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung durch PAs, gab Dr. Stefan Schröter, Essen, bei der Diskussion zu bedenken. „Ärzte werden zukünftig Probleme haben, Weiterbildungsstellen zu finden.“ Entsprechend beauftragte die Kammerversammlung den Vorstand, Empfehlungen zur sicheren und wirksamen Integration von PAs in der Versorgung zu entwickeln. Neben den Diskussionen und Beschlüssen zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen bildete die Resilienz des Gesundheitswesens in Krisenzeiten den Auftakt und den Schwerpunkt der Kammerversammlung. In einem Grußwort kündigte der Staatssekretär im NRWGesundheitsministerium, Matthias Heidmeier, gleich zu Beginn der Sitzung einen Operationsplan für ein krisenresilientes Gesundheitswesen an. Er soll im Dezember dieses Jahres vorliegen und die Expertise der nordrheinischen Ärzteschaft ebenso einbinden wie die der anderen Gesundheitsberufe. Ziel sei es, gemeinsam einen Gesamtplan zu entwickeln, sagte Heidmeier. Dabei müsse unter anderem die zentrale Frage geklärt werden, welche personellen Ressourcen wo im Krisenfall zur Verfügung stehen und wie diese gut vernetzt werden könnten. „Wir wollen keine Panik verbreiten, sondern Sicherheit schaffen in Zeiten großer Unsicherheit“, betonte der Staatssekretär. Insbesondere mit Blick auf den Ukraine-Krieg – in direkter Nähe zu Deutschland – gelte es, sich zu wappnen und vorbereitet zu sein. Resilienz im Krisenfall Zunehmend an Bedeutung gewinne vor dem Hintergrund dieser Bedrohungslage die zivil-militärische Zusammenarbeit, sagte Oberstarzt Dr. Martin Henes vom Kommando Gesundheitsversorgung der Bundeswehr. Während sich bisher der Katastrophenschutz und die Krankenhäuser im Krisenfall auf die Unterstützung der Bundeswehr verlassen hätten, kehre sich dieses Verhältnis bei der Landes- und Bündnisverteidigung um. Dann würden die Streitkräfte die Unterstützung der Krankenhäuser und Praxen benötigen. Dafür brauche man bereits im Vorfeld eine klare Struktur und Aufgabenverteilung sowie gemeinsame Übungen. Die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung sei im Verteidigungsfall nur in einem gesamtstaatlichen Ansatz möglich, betonte der Oberstarzt. Mit den Unikliniken des Landes gebe es bereits eine enge Kooperation. „Wir brauchen aber auch die niedergelassenen Haus- und Fachärzte. Dazu werden wir die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder adressieren“, sagte Henes. Dr. Felix Kolibay, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Krankenhaus-Einsatzplanung, warb dafür, angesichts der sich zuspitzenden militärischen Bedrohungslage, aber auch mit Blick auf zunehmende Naturkatastrophen infolge des Klimawandels eine „Basisrobustheit“ in der gesamten Breite des Gesundheitswesens zu schaffen. In ein Sicherheitskonzept müssten alle Versorgungsbereiche eingebunden werden, von den Krankenhäusern über die Praxen bis hin zu den Rehakliniken. „Das ist entscheidend für die Resilienz und einen angemessenen Umgang mit Großschadenslagen“, erklärte Kolibay. Die Vorbereitung auf solche Lagen im Rahmen einer Resilienzstrategie biete große Vorteile, wie Studien belegten. „Doch wie anfällig sind wir?“, fragte der ärztliche Notfallkoordinator der Uniklinik Köln. Auf eine Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein stimmte am 14. März Änderungen der Richtlinie zur assistierten Reproduktion zu. Die Richtlinie legt die Mindestanforderungen über die personellen, technischen und räumlichen Voraussetzungen für die In-vitroFertilisation (IVF) fest. Unter anderem wurden dort Qualifikationsanforderungen präzisiert. So gilt in Zukunft, dass ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten, mit denen die IVF-Arbeitsgruppen kooperieren müssen, über mindestens zwei Jahre Berufserfahrung verfügen. Um eine IVF-Arbeitsgruppe leiten zu dürfen, müssen Fachärzte für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin ebenfalls über mindestens zwei Jahre Leitungserfahrung verfügen. Die aktuelle Fassung der IVF-Richtlinie mit diesen und weiteren Änderungen findet sich unter https:// www.aekno.de/aerztekammer/ staendige-kommission-ivf Dr. Arndt Berson, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, erläuterte die Änderungen an der IVF-Richtlinie. Foto: Jochen Rolfes Anpassung der IVF-Richtlinie

Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 15 Die Ärztliche Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein habe sich als „Karrierebegleiterin“ neu aufgestellt, sagte der Vorsitzende des Fortbildungsausschusses der Ärztekammer Nordrhein, Professor Dr. Gisbert Knichwitz, vor der Kammerversammlung. In diesem Jahr rechne man mit der Durchführung von mehr als 315 Kursen und 7.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. 2025 veranstaltete die Akademie 246 Kurse mit rund 6.500 Teilnehmern. 52 Prozent der Kurse werden Knichwitz zufolge 2026 in Präsenz stattfinden, 39 Prozent Live-Online und elf Prozent als eLearning-Kurse. Auch beim jährlich stattfindenden Fortbildungskongress ä im ehemaligen Bundestag in Bonn steigen die Teilnehmerzahlen im Jahresvergleich. Waren es zum Start im Jahr 2023 noch 720 Teilnehmer, lag deren Zahl im vergangenen Jahr bei 1.201. Der ä26 findet vom 7. bis 10. Oktober in Bonn statt. Karrierebegleitende Fortbildung Blitzumfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter 165 Kliniken hätten 98 Prozent geantwortet, sie seien mit Notstromaggregaten mit einer Laufzeit von 24 bis 72 Stunden ausgestattet. Allerdings verfügten nur 14 Prozent über Trinkwasserreserven beziehungsweise Trinkwasseraufbereitungssysteme. Auf die Frage, ob sie über erweiterte Lagerkapazitäten für Arzneimittel und Medizinprodukte verfügten, antworteten 19 Prozent der Krankenhäuser mit „Ja“ und 39 Prozent mit „teilweise“. Kolibays Fazit: Die Krankenhäuser müssen sich auf die neuen Herausforderungen einstellen und sich trägerübergreifend vernetzen, um Ressourcen zu bündeln. Ambulante Versorgung mitdenken Im Krisen- und Verteidigungsfall gelte es, sowohl die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung aufrechtzuerhalten als auch die Versorgung von verletzten Soldaten von Bundeswehr und Nato-Partnern zu gewährleisten und damit gesellschaftliche Stabilität zu sichern, hieß es in mehreren Beschlüssen der Kammerversammlung zum Thema Resilienz. Um diese Aufgaben zu meistern, müssten klare Zuständigkeiten, ausreichende Behandlungskapazitäten, genügend Personal sowie ausreichende Vorräte von Arzneimitteln und Medizinprodukten geschaffen werden. Zudem müsse die Sicherheit der IT-Systeme im Gesundheitswesen im Mittelpunkt einer Resilienzstrategie stehen. Das Ärzteparlament betonte außerdem, dass die ambulante Versorgung in der nationalen Krisen- und Verteidigungsplanung berücksichtigt und an der Entwicklung eines Konzeptrahmens beteiligt werden müsse. Im Krisen- und Verteidigungsfall verursachten die kleinteiligen Praxisstrukturen Probleme. So sei zum Beispiel eine Vollausstattung aller Praxen mit Notstromversorgung, Lagerhaltung und Redundanzstrukturen weder realistisch noch wirtschaftlich. Stattdessen müsse man für Krisenzeiten klar unterschiedliche Versorgungsrollen definieren. Referierten zur Krisenresilienz im Gesundheitswesen (v. l.): Oberstarzt Dr. Martin Henes, Staatssekretär im NRW-Gesundheitsministerium Matthias Heidmeier, der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, und Dr. Felix Kolibay, Notfallkoordinator der Uniklinik Köln Foto: Jochen Rolfes Die Diskussion zur Resilienz im Gesundheitswesen unter den 121 Abgeordneten des Ärzteparlaments verlief über die Fraktionsgrenzen hinweg einmütig. „Wir als Ärztekammer wollen mit unseren Beschlüssen ein klares Signal setzen“, sagte Dr. Annette Bauer, Essen. Man müsse diejenigen unterstützen, die in den medizinischen Einrichtungen in ihren eigenen Gremien daran arbeiteten, die Gesundheitsversorgung auch in der Krise funktionstüchtig zu erhalten. Dr. Lydia Berendes, Krefeld, sprach sich für ein sektorenübergreifendes Register ärztlicher Fachkräfte aus. Im Ernstfall sei es wichtig zu wissen, wer über welche Kompetenzen verfüge und wer wann und in welchem Rahmen einsatzbereit sei. „Ich möchte in der Krise wissen, wo ich stehe, wo ich hingehen muss, damit ich mir und anderen helfen kann“, sagte Berendes. Die weit überwiegende Mehrheit der Kammerversammlung schloss sich dem an und stimmte für den Aufbau eines solchen Registers unter Regie der ärztlichen Selbstverwaltung. www.aekno.de/entschlie ßungen-maerz-2026

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 17 Spezial Tattoos: schmückend oder schädlich? Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat fast jeder fünfte Deutsche ein Tattoo. Was den Körper schmücken soll, kann ihm aber auch schaden. Doch welche gesundheitlichen Risiken haben Tattoos wirklich und wie einfach ist es, sich des Körperschmuckes wieder zu entledigen? von Jocelyne Naujoks „Es gibt keine sicheren Tätowiermittel“, sagt Dr. Michael Giulbudagian. Er ist Mitarbeiter im Bereich Chemikalien und Produktsicherheit des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Auf europäischer Ebene gebe es lediglich eine Negativliste mit Stoffen, die nicht in Tätowiermitteln enthalten sein dürfen. Eine Liste sicherer Tätowiermittel gebe es dagegen nicht, erklärt Giulbudagian. Die sogenannte REACH-Verordnung reguliert seit Januar 2022 die Verwendung von rund 4.000 potenziell krebserregenden oder allergenen Stoffen und Stoffgruppen für Tätowierfarben und Permanent Makeup. Während sie für manche Stoffe strenge Grenzwerte Laserbehandlung: Nicht ganz folgenlos Erst die Immunreaktion der Haut ermöglicht es, die Farbpigmente beim Tätowieren an Ort und Stelle zu binden. Auch bei der Laserbehandlung haben die Immunzellen eine zentrale Funktion: Sie transportieren die durch die Laserstrahlen zersprengten Pigmentpartikel ab. Es ist belegt, dass dabei mit den Pigmentpartikeln auch giftige Elemente wie Nickel oder Chrom in die Lymphdrüsen gelangen. Foto groß: Zamrznuti tonovi/stockadobe.com Foto klein: ruizluquepaz/istockphoto.com

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