Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 13 ring. Sie hätten daher keinen Einfluss auf den Krankenstand in Deutschland, heißt es in dem Beschluss. Die Politik wird stattdessen aufgefordert, den Missbrauch in Form gekaufter Krankschreibungen über anonyme Online-Plattformen zu unterbinden. Freie Arztwahl erhalten Skeptisch äußerte sich der Ärztekammerpräsident in seinem Lagebericht zu Plänen einer durchdigitalisierten Versorgungssteuerung. Diese könnte den direkten ArztPatienten-Kontakt erschweren. „Krankheit ist kein Industrieprozess, sondern ein Zustand, der persönliche Hilfe, Begleitung und Zuwendung erfordert. Bei aller Digitalisierungseuphorie müssen wir für unsere Patientinnen und Patienten persönlich ansprechbar bleiben“, führte Dreyer aus. Dies gelte auch im Zusammenhang mit dem auf Bundesebene vorgesehenen Gesetz zur Stärkung der Primärversorgung. Grundsätzlich herrsche Einigkeit bei allen Akteuren im Gesundheitswesen darüber, dass eine bessere Steuerung die medizinische Versorgung verbessern könne, merkte Dreyer dazu an. „Aber ich möchte nicht erleben, dass Chatbots zu Instrumenten werden, um den Arzt-Patienten-Kontakt zu verhindern, so wie es manch eine Krankenkasse gerne hätte.“ Die Kammerversammlung unterstützte diesen Standpunkt mit der Feststellung, dass die freie ärztliche Berufsausübung und die freie Arztwahl unabhängig von künftigen Reformen der medizinischen Versorgung grundsätzlich erhalten bleiben müssen. Dies müsse auch gelten, wenn in der gesetzlichen Krankenversicherung Zugangsbeschränkungen, wie etwa die verpflichtende Vorschaltung von anderen medizinischen Berufen, Telefon- oder Videodiensten, Checklisten oder digitalen Instrumenten, vorgesehen seien. Kritik an Vorschlägen zur Versorgungssteuerung gab es auch bei den Wortmeldungen der Abgeordneten. Innovation dürfe nicht bedeuten, dass ärztliche Verantwortung durch Administration von oben gesteuert wird, betonte Sebastian Exner, Stolberg. Immer mehr werde von der Politik in den Arztberuf eingegriffen, kritisierte Wieland Dietrich, Essen; dies gehe so weit, dass der direkte Zugang zum Arzt künftig nicht mehr möglich sei. Wenig Verständnis zeigte Kammerpräsident Dreyer für die Ablehnung einer steuerlichen Regulierung stark zuckerhaltiger Produkte seitens der Politik. Das pauschale Argument, man dürfe die Freiheitsgrade der Bürger nicht weiter einschränken, irritiere ihn zunehmend. Für Dr. Oliver Funken, Rheinbach, ist „die Reduktion von Zucker in verarbeiteten Lebensmitteln eines der zentralen Themen, die wir nach vorne treiben wollen“. Eine Einschränkung beim Konsum sei wichtig für die Verhinderung von Erkrankungen. Beschränkungen forderte die Ärztekammer Nordrhein auch beim Umgang mit Medizinal-Cannabis, so wie sie im Gesetzentwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes bereits Konzentriert bei der Arbeit: Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein beschied mehr als 30 Anträge zur aktuellen Gesundheitspolitik. Fotos: Jochen Rolfes „Krankheit ist kein Industrieprozess, sondern ein Zustand, der Zuwendung erfordert.“: Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, setzte sich in seinem Bericht zur Lage kritisch mit Ideen zur ausschließlichen digitalen Ersteinschätzung auseinander. Foto: Jochen Rolfes
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