Rheinisches Ärzteblatt 04/2026

18 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 4 / 2026 Spezial für Verunreinigungen vorsieht, ist der Einsatz anderer Pigmente seit Anfang 2023 komplett verboten. Verbindliche Kriterien, nach denen eine Sicherheitsbewertung von Tätowiermitteln erfolgen kann, gebe es bislang nicht, so Giulbudagian. Obgleich das BfR Mindestanforderungen für Tätowiermittel und Prüfmethoden für Hersteller erarbeitet habe, seien die Hersteller nach wie vor selbst für die Sicherheit der Tätowiermittel verantwortlich. Allergien häufigste Nebenwirkung Allergische Reaktionen zählen laut dem BfR-Experten zu den häufigsten Nebenwirkungen von Tätowierungen. Die Datenlage dazu sei allerdings unzureichend. Zum einen, so Giulbudagian, würden die Zahlen nicht systematisch erfasst, zum anderen gingen nur wenige Tätowierte mit Problemen zum Dermatologen. Die meisten holten sich im Tätowierstudio Rat. Man gehe davon aus, dass zwischen ein und sechs Prozent der Tätowierungen unerwünschte Nebenwirkungen hätten, berichtet Giulbudagian. Dazu gehörten auch Infektionen sowie Verkapselungen, die sich als Knötchen oder Wülste an der Tätowierung zeigten sowie eine gestörte Hitze- und Kälteempfindlichkeit an den betroffenen Hautstellen oder Empfindlichkeit bei Sonnenstrahlung. Gerade Allergien könnten dabei für die Betroffenen schwerwiegend sein, erklärt Giulbudagian: „Anders als bei anderen allergieauslösenden Stoffen befinden sich die Farbpigmente im Körper und können nicht so einfach entfernt werden.“ Bis die Wundheilung nach der Tätowierung vollständig abgeschlossen ist, vergehen laut dem Experten etwa sechs Wochen. Gerade in dieser Zeit sei die Gefahr einer Infektion hoch, eine gute Wundhygiene unbedingt notwendig, betont Giulbudagian. Was mit den Farbpigmenten im Körper passiert und welche Langzeiteffekte Tattoos haben, ist Giulbudagian zufolge noch immer weitgehend unerforscht. Was man wisse sei, dass ein Großteil der Farbpigmente ein Leben lang im menschlichen Körper verbleibt. Schon mit dem ersten Nadelstich finden sich Pigmente im Blut und Urin der Tätowierten, von denen die meisten nach vier bis sechs Stunden jedoch nicht mehr nachweisbar sind. Anders sehe es in den Lymphknoten aus. Dort verblieben die Farbpigmente ein Leben lang, weiß Giulbudagian. „Bei Obduktionen oder auch bei Operationen sehen Ärzte bei tätowierten Patienten immer wieder verfärbte Lymphknoten. Ein Hinweis dafür, dass Farbpigmente im Körper wandern und keinesfalls nur in der Hautoberfläche verbleiben.“ Erhöhtes Krebsrisiko nicht erwiesen Für den, der wisse, wie Wundheilung funktioniere, sei diese Beobachtung keine Überraschung. Welche langfristigen Folgen die Pigmentwanderung habe, sei ebenfalls noch ungeklärt. Auch die Frage, ob Tätowierungen im Zusammenhang mit der Entstehung von Lymphomen oder Hautkrebs stehen, könne man bislang nicht beantworten. „Es gibt widersprüchliche Studien, doch bis dato können wir nicht sagen, ob ein kausaler Zusammenhang besteht“, sagt Giulbudagian. Eine jüngst veröffentlichte schwedische Studie war zu dem Schluss gekommen, dass Menschen mit Tätowierungen ein um 21 Prozent erhöhtes Risiko haben, an Hautkrebs zu erkranken. Obwohl es in den vergangenen Jahren viele epidemiologische Studien in dem Feld gegeben habe, sei die Menge der Störfaktoren wie Rauchen, Übergewicht oder chronische Erkrankungen groß und müsse bei den Ergebnissen berücksichtigt werden, bewertet Giulbudagian diese und weitere Studienergebnisse. Das gelte auch für die Entfernung von Tattoos. Während Giulbudagian strikt von chemischen Peelings oder Ähnlichem abrät, ist ihm zufolge bislang kein kausaler Zusammenhang zwischen Laserbehandlungen zur Tattoo-Entfernung und einem erhöhten Krebsrisiko festgestellt worden. „Es wurde jedoch experimentell nachgewiesen, dass einige der durch Laserstrahlung zersetzten Pigmente krebserregende Abbauprodukte enthalten“, so Giulbudagian. Welche Langzeitfolgen dies habe, sei aber noch nicht klar. Es gebe keine Hinweise darauf, dass das Hautkrebsrisiko bei Tätowierten durch eine Laserbehandlung zur Entfernung des Tattoos steige, bestätigt auch Dr. Marcus Nippesen, Facharzt für Dermatologie und Venerologie. Nippesen ist seit 2007 in Bünde niedergelassen. In der 50.000 Einwohner-Stadt führt er im Schnitt jede Woche etwa drei bis vier Laserbehandlungen durch. Nicht viel im Vergleich zu Praxen in Düsseldorf oder Köln, die sich teilweise komplett auf Laserbehandlungen zur Tattooentfernung spezialisiert haben, meint Nippesen. Lasertherapie bedingt erfolgreich Doch der Dermatologe betont: „Eine Laser-Tattooentfernung ist keine Wellness-Behandlung.“ Die Farbpigmente absorbierten das Laserlicht und würden zersprengt. „Ich sage immer zu meinen Patienten: Jeder Schuss ein Treffer. Denn egal wohin ich mit dem Laser ziele, er trifft immer ein Farbpigment und das tut weh.“ Eine Lasertherapie könne Tattoos jedoch meist nur aufhellen, selten vollständig entfernen. „Wir sind zufrieden, wenn man nur noch einen Schimmer sieht. Darauf müssen wir die Patienten vorbereiten.“ Für viele sei dies jedoch völlig ausreichend, weiß Nippesen. Denn die meisten seiner Patientinnen und Patienten kämen nicht zu ihm, um das Tattoo vollständig entfernen zu lassen. Ihnen reiche es, das alte Tattoo aufzuhellen, um im Anschluss ein neues Tattoo an dieselbe Stelle tätowieren lassen zu können, ein sogenanntes Cover-Up Tattoo. Eine Behandlung dauere je nach Größe des Tattoos und der benutzten Farbpigmente mindestens fünf Sitzungen, berichtet Nippesen. „Gerade schwarze Farbe besteht meist aus verschiedenen Farbpigmenten.

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