Mehr Angestellte, Frauen und Ruheständler Die Ärztestatistik für 2025 bestätigt langjährige Trends Einsame Jugend und Kindheit Die Gründe für Einsamkeit weisen über die Pandemie hinaus Praktisches Jahr im Gesundheitsamt Die Stadt Köln ist Vorreiterin in Nordrhein-Westfalen Juni 2026 Heft 6 / 29.05.2026 81. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts 130. Deutscher Ärztetag Moderat im Ton, hart in der Sache
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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 3 Heft 6 • Juni 2026 Bürokratieabbau ist gefragt Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat thematisch auch den 130. Deutschen Ärztetag (DÄT) in Hannover stark beeinflusst. Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt schonte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und die amtierende Regierung nicht, kritisierte unter anderem scharf, dass der Staat als einziger Akteur keinen Beitrag zur Sicherung der GKV-Finanzen leiste. Warken ließ die Kritik nüchtern abblitzen – die geplanten Einsparungen seien im Grunde genommen alternativlos. Sie räumte ein, dass das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eine Zumutung für die Leistungserbringenden im Gesundheitswesen sei. Sie sehe aber keinen anderen Ausweg, um das Ruder herumzureißen. Auch wenn auf dem Ärztetag in Hannover endgültig die Erkenntnis durchsickerte, dass die Bundesgesundheitsministerin fest entschlossen ist, das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ohne weitere Änderungen noch vor der Sommerpause vom Bundestag beschließen zu lassen, so ließ eine Anmerkung Warkens aufhorchen: Sie kündigte einen Entbürokratisierungsentwurf für das Gesundheitswesen an – diese Baustelle bestehe schon seit vielen Jahren, so Warken. Ein entsprechender Gesetzentwurf sei in der Mache und darin wolle man viele Anregungen aus der Ärzteschaft aufgreifen. Grundsätzlich begrüßen wir ja ein Bürokratieentlastungsgesetz. Aber wäre es nicht klüger, bei allen anstehenden Gesetzentwürfen darauf zu achten, neue Bürokratielasten gar nicht erst aufzubauen? Wenn es Bundesgesundheitsministerin Warken mit der Entbürokratisierung ernst ist, dann sollte sie die in ihrem Spargesetz vorgesehenen deutlich höheren Prüfquoten für Krankenhausabrechnungen durch den Medizinischen Dienst, das obligatorische Zweitmeinungsverfahren und die kleinteiligen Regelungen bezüglich der Teilkrankschreibungen überdenken. Denn diese Regelungen binden unnötig Personal und kosten Geld. Beispielhaft zeigt sich das Ausmaß der Belastung schon an einem großen Universitätsklinikum: Dort kann die Zahl der Prüffälle durch die neue Prüfquote von unter 5.000 auf rund 12.000 pro Jahr steigen. Entschuldigen Sie bitte meine Wortwahl, aber das ist bürokratischer Irrsinn. Als Ärzteschaft werden wir darauf hinwirken, dass die immer weiter zunehmende Bürokratie, die die Arbeit in den Praxen und in den Krankenhäusern massiv erschwert, endlich auf ein erträgliches Maß heruntergefahren wird. Unter anderem zusammen mit mehreren Mitgliedern des Vorstandes der Bundesärztekammer haben wir einen Antrag beim DÄT eingebracht, der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Darin wird die Bundesregierung nachdrücklich aufgefordert, das aktuelle GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zwingend mit einem nachhaltigen und systemeffektiven Bürokratieabbau einhergehen zu lassen. Ganz in diesem Sinne hat der DÄT auch einen von hauptsächlich nordrheinischen Abgeordneten initiierten Antrag positiv beschieden. Auch dieser fordert Bundesgesundheitsministerin Warken dazu auf, die in ihrem Spargesetz vorgesehene Erhöhung der Quote der vom Medizinischen Dienst zu prüfenden Abrechnungsfälle im Krankenhaus zu streichen. Wer Einsparungen will, darf nicht zugleich neue Kontrollkosten erzeugen. Die Erhöhung der Prüfquote ist ein weiterer Ausdruck der Misstrauenskultur gegenüber den Leistungserbringenden. Echte Entbürokratisierung gelingt nur, wenn diese Spirale von Misstrauen und Bürokratie endlich durchbrochen wird. Dann erst wird aus einem angekündigten Entlastungsgesetz mehr als ein politisches Versprechen. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes
Eröffnung Vorträge Mittagspause Vorträge Begrüßung, Einführung Grußwort Moderation 7 Jahre Erfahrung Kompetenz- zentrum Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW Umgang mit körperlicher Kindesmisshandlung bzw. Verdachtsfällen in der kinderärztlichen Praxis Folgen von Misshandlung und Vernachlässigung im Sinne von Spätfolgen, Konsequenzen für die psychische und physische Entwicklung Diskussion Problematische Mediennutzung und Gewalterfahrung im digitalen Raum Wann wird fehlende Behandlung zur medizinischen Vernachlässigung? Diagnose und Handlungsmöglichkeiten Schulabsentismus und chronische Erkrankungen Diskussion Ende der Veranstaltung Dr. med. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Christiane Thiele, Mitglied im Beirat des Kompetenzzentrums Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW Dr. med. Rudolf Lange, Vorsitzender des Ausschusses Öffentliches Gesundheitswesen ÄkNo Prof. Dr. med. Sibylle Banaschak, Leiterin des Kompetenzzentrums Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW und der rechtsmedizinischen Ambulanz des Universitätsklinikums Köln Dr. med. Jaqueline Demir, niedergelassene Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Pulheim Dr. med. Tanja Brüning, Oberärztin und Leiterin der Kinderschutz- ambulanz an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln Moderation Dr. med. Rudolf Lange Prof. Dr. med. Rainer Thomasius, ehemaliger Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters, Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) Dr. med. Jo N. Ewert, Oberarzt und Kinderschutzkoordinator der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, UKE Dr. med. Andrea Eulgem, Leiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes im Gesundheitsamt der Stadt Köln Moderation Dr. med. Rudolf Lange Samstag, 20. Juni 2026, 10:00– 15:00 Uhr Illustration: tina ennen Anmeldung und Information Die Teilnahme ist kostenfrei. Anmeldungen zur Veranstaltung sind erforderlich und können online durch- geführt werden unter: www.aekno.de/ veranstaltungen/kindergesundheit2026. Bei Interesse bitten wir um eine Anmeldung bis zum 14.06.2024. Fragen zur Veranstaltung beantwortet Ihnen das Team des Veranstaltungs- managements, Tel. 0211 4302-2216, E-Mail: veranstaltungen@aekno.de. Haus der Ärzteschaft, Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf Parkmöglichkeiten Sie finden kostenlose Parkmöglichkeiten in der Tiefgarage, Einfahrt Tersteegenstraße 9. CME-Punkte Die Veranstaltung ist mit 5 Fortbildungspunkten anerkannt. 13. Kammerkolloquium Kindergesundheit Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen Präsenzveranstaltung im Haus der Ärzteschaft, Düsseldorf
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 5 Heft 6 • Juni 2026 Meinung Bürokratieabbau ist gefragt Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 Bündnis Gesundheit: Faire Lastenverteilung gefordert · Vor 50 Jahren · Medfluencer-Preis 2026 ausgeschrieben · Gut besuchter Begrüßungstag im Haus der Ärzteschaft · Kammer Online · Bernd Zimmer: Verfechter des freien Arztberufs · Von der Reparaturmedizin zur Prävention · Studium und Berufseinstieg Thema „Es ist eine Zumutung“ Seite 12 Spezial Einsame Kindheit Seite 14 Gesundheits- und Sozialpolitik Ärztestatistik: Mehr Angestellte, mehr Ärztinnen, mehr Ruheständler Seite 18 Gewappnet für Extremwetter- Ereignisse? Seite 19 Praxis „Hausbesuche sind mein Ding“ Seite 20 Irreführende Berufsbezeichnungen – Folge 153 der Reihe „Arzt und Recht“ Seite 22 Forum Gute Weiterbildung, gute Fachärztinnen und Fachärzte Seite 23 PJ im Gesundheitsamt: eine völlig neue Erfahrung Seite 24 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 25 RÄ Regional Seite 30 Bücher Seite 33 An Rhein und Ruhr Seite 35 Kulturspiegel Ein Wolkenkuckucksheim in Pink Seite 36 Amtliche Bekanntmachungen Seite 37 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 37 Mein Beruf „Es ist ein sehr schnelllebiges Arbeitsgebiet“ Seite 43 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: Jürgen Gebhardt Einsame Kindheit Einsamkeit galt lange als Thema, das insbesondere ältere Menschen betrifft. Neue Studien zeigen aber, dass schon Kinder im Grundschulalter ebenso wie Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend unter Einsamkeit leiden. Die Ursachen sind vielfältig. Mehr Angestellte, mehr Frauen, mehr Ruheständler Die Ärztestatistik für 2025 bestätigt Trends aus den Vorjahren: In Nordrhein sind inzwischen mehr Ärztinnen als Ärzte berufstätig. Die Zahl der Angestellten im ambulanten Bereich steigt stetig. Auch die Ruhestandswelle beginnt zu rollen. Die heftig kritisierten Sparpläne der Bundesregierung für das Gesundheitswesen standen im Mittelpunkt des Austauschs zwischen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken und Bundesärztekammerpräsident Dr. Klaus Reinhardt bei der Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetags Mitte Mai in Hannover. 130. Deutscher Ärztetag Moderat im Ton, hart in der Sache
6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 Magazin NRW Psychiatrieplan veröffentlicht Das NRW-Gesundheitsministerium hat den aktualisierten Landespsychiatrieplan veröffentlicht. Er dient als Grundlage für die weitere Gestaltung der Psychiatriepolitik der Landesregierung (www.mags.nrw). Ein Schwerpunkt liege neben der gemeindenahen Versorgung in der Vernetzung der Hilfsstrukturen, erklärte das Ministerium. So sollten etwa gemeindepsychiatrische Verbünde im Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten verankert werden, um die gemeinsame Planung, Sicherstellung und Qualitätssicherung der Hilfen vor Ort zu gewährleisten. Zudem wolle man den Zugang zu den Hilfesystemen verbessern und den Fokus stärker auf die Prävention von psychischen Erkrankungen richten. HK Krebsgesellschaft Ärzte als Referenten gesucht Die Krebsgesellschaft NRW sucht Ärztinnen und Ärzte, die als Referenten die Tumor-Präventionsarbeit unterstützen. Die Krebsgesellschaft bietet beispielsweise im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements Unternehmen an, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Möglichkeiten der Krebsprävention und Früherkennung zu informieren. Präsentationsmaterial, Beamer und Laptop stellt die Krebsgesellschaft zur Verfügung. Sie kümmert sich auch um die Organisation. Kontakt: joana.diaz-amate@ kgnrw.de; Telefon: 0211 15760 9973; www.kgnrw.de bre Bündnis Gesundheit Faire Lastenverteilung gefordert Das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz gefährdet eine verlässliche Patientenversorgung. Davor hat das Bündnis Gesundheit gewarnt, ein Zusammenschluss von mehr als 40 Verbänden und Organisationen des Gesundheitswesens, darunter die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung. Die Bindung der Ausgabenentwicklung an die Grundlohnsumme, also die Gesamtsumme der beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), werde dem realen Versorgungsbedarf nicht gerecht, erklärte das Bündnis. Maßstab müsse der medizinische Bedarf sein, der angesichts der demografischen Entwicklung deutlich steigen werde. Die Stabilisierung der GKV dürfe zudem nicht einseitig zulasten von Patientinnen und Patienten, Versicherten und Leistungserbringern erfolgen. Der Staat müsse seiner finanziellen Mitverantwortung gerecht werden und einen substanziellen Beitrag leisten. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben, insbesondere die Finanzierung von Beiträgen für Bürgergeldempfänger, seien aus Steuermitteln zu tragen. Statt der zwölf Milliarden Euro jährlich, die dafür notwendig wären, will der Bund dem Gesetzentwurf zufolge seinen Anteil an der Finanzierung jedoch nur schrittweise steigern, bis im Jahr 2031 zusätzlich zwei Milliarden Euro jährlich fließen. Zugleich soll aufgrund der notwendigen Haushaltskonsolidierung des Bundes der Bundeszuschuss an den Gesundheitsfonds ab dem Jahr 2027 um zwei Milliarden Euro auf 12,5 Milliarden Euro reduziert werden. Am 29. April billigte das Kabinett den Entwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, das jetzt im parlamentarischen Verfahren beraten wird. HK Umfrage Wie glaubwürdig sind Ärzte und Journalisten? Das Rheinische Ärzteblatt stellte in seiner ersten Juni-Ausgabe 1976 die Ergebnisse einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vor. Passend zu den hitzigen öffentlichen Diskussionen um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen und nötige Reformen stellte Allensbach die Berufsgruppen von Ärzten und Journalisten gegenüber. Die Aussage, dass Ärztinnen und Ärzte ein besonderes Ansehen in der Bevölkerung genießen, bejahten 81 Prozent der Befragten – die Spitzenposition unter den Professionen. Ein anderes Bild ergab sich beim Thema Abrechnungsbetrug: „Einmal angenommen, in der Zeitung steht ein Artikel darüber, daß viele Ärzte bei der Krankenkasse mehr Leistungen abrechnen als sie in Wirklichkeit für die Patienten erbracht haben. Die Ärzte bestreiten das“. Die Befragten sollten sagen, wem sie eher glaubten, den Journalisten oder den Ärzten. „Die Antworten der Bundesbürger zeigen: Man glaubt den Journalisten mehr als den Ärzten – und unter den Journalisten den Fernsehjournalisten mehr als den Zeitungsjournalisten“. Der Zeitungsmeldung hätten vor 50 Jahren 38 Prozent der Bevölkerung eher geglaubt als dem Dementi der Ärzte (31 Prozent). 43 Prozent glaubten eher den Fernsehjournalisten als den Ärzten (25 Prozent). Das Verhältnis änderte sich mit Blick auf die Altersstruktur, die Geschlechterverteilung und ob die Menschen auf dem Land oder in der Stadt lebten. bre „Solidarität erfordert eine ausgewogene Beteiligung aller“, heißt es in der Resolution des Bündnis Gesundheit zu den Sparplänen der Bundesregierung. Foto: Igor/stock.adobe.com
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 7 Ärztekammern in NRW Medfluencer-Preis 2026 ausgeschrieben Ab sofort können Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudierende aus Nordrhein-Westfalen Videobeiträge für den Medfluencer-Preis 2026 einreichen. Der Wettbewerb wird erstmals gemeinsam von den Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe unter der Schirmherrschaft von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ausgeschrieben. Ziel des Preises ist es, qualitativ hochwertige Gesundheitsinformationen in sozialen Medien zu fördern und der Verbreitung von Desinformation entgegenzuwirken. Pro Teilnehmer können bis zu drei Beiträge eingereicht werden, die zwischen dem 1. Januar und dem 1. Juni 2026 auf TikTok, Instagram oder YouTube Shorts veröffentlicht wurden. Einsendeschluss ist der 10. Juli 2026. Der Preis ist in den Kategorien „Ärztinnen und Ärzte“ sowie „Medizinstudierende“ mit jeweils 2.500 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Beiträge, die medizinische Inhalte verständlich, evidenzbasiert und zielgruppengerecht vermitteln. Außerdem müssen sie den Standards journalistischer Arbeit sowie der ärztlichen SorgfaltsMehr Auszubildende in den Gesundheitsberufen Die Zahl der Menschen, die sich in NRW für eine Ausbildung in den Pflege- und Gesundheitsberufen entscheiden, nimmt zu. Das teilte das Gesundheitsministerium mit. Demnach schlossen 10.412 Pflegefachkräfte 2024 ihre Ausbildung ab, ein Plus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zuwächse verzeichneten auch die Pflegefachassistenten. 2025 stieg die Zahl der Auszubildenden um 14 Prozent auf 7.000 im Vergleich zum Vorjahr. In den Gesundheitsfachberufen lagen die Schülerzahlen 2025 rund 56 Prozent höher als 2017, kurz bevor die Schulgeldbefreiung eingeführt wurde. Die Zahlen markierten zentrale Fortschritte in der Fachkräftesicherung, so das Ministerium. HK Kurz gemeldet Angriffe auf Krankenhäuser angeprangert Die Weltgesundheitsorganisation, das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen haben die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, das humanitäre Völkerrecht durchzusetzen und Angriffe auf medizinische Einrichtungen zu verhindern. Vor zehn Jahren hätten die Vereinten Nationen Resolution 2286 verabschiedet, die vorsieht, im Kriegsfall Ärzte, Patienten, Pflege- und Rettungskräfte zu schützen. Die Situation habe sich aber seither nicht verbessert, sondern verschlechtert. Auch der Weltärztebund verurteilte Ende April Angriffe auf Gesundheitsfachkräfte und medizinische Einrichtungen in Kriegs- und Krisenregionen. HK Organspenden auf höchstem Stand seit 2012 Mit 985 Organspendern verzeichnete die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 2012. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht hervor. Gegenüber 2024 nahm demnach die Zahl der Menschen, die nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe spendeten, um 3,4 Prozent zu. Die Zahl der postmortalen Organspenden lag 2025 mit 3.020 um 5,8 Prozent höher als im Vorjahr. Trotz dieses Fortschritts gebe es weiterhin einen deutlichen Mangel an Spenderorganen. Im vergangenen Jahr standen 8.202 Patienten auf der Warteliste. Ihre Entscheidung für oder gegen eine Organspende haben bislang 474.000 Menschen online registriert. HK Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 14. bis 18. September 2026. Anmeldeschluss: Freitag, 24. Juli 2026 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiterbil dung/Pruefungen ÄkNo ÖGD Dr. Rudolf Lange ausgezeichnet Der langjährige Leiter des Kreisgesundheitsamtes Mettmann, Dr. Rudolf Lange, ist mit der Johann-Peter-FrankMedaille für seine „herausragenden Verdienste um den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ ausgezeichnet worden. Besonders habe er sich für die Kinder- und Jugendgesundheit sowie die Weiterentwicklung des sozialpsychiatrischen Dienstes eingesetzt, betonte der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens anlässlich der Preisverleihung. Der Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Sozial- und Umweltmedizin engagierte sich zudem über viele Jahre hinweg berufspolitisch, sowohl im Berufsverband als auch in der Ärztekammer Nordrhein. Lange gehört der Kammerversammlung an und sitzt dem Ausschuss Öffentliches Gesundheitswesen und Infektiologie vor. HK pflicht entsprechen. Die Gewinnerinnen und Gewinner werden schriftlich benachrichtigt; der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Preisverleihung findet am 14. September im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft im Rahmen einer Talkrunde zum Thema „Spagat zwischen Kamera und Heilberuf“ statt. Informationen unter www.aekno.de/preis2026 MST Großer Einfluss der Influencer: Ein Großteil der 18- bis 34-Jährigen informiert sich vor allem in Sozialen Medien über Gesundheitsthemen. Foto: simon2579/istockphoto.com
Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 Schwarzes Brett für MFA und Praxisinhaber Über die Jobbörse Mitarbeiter finden eine Anzeige aufzugeben. Das Angebot wird rege genutzt. Beinahe täglich werden Stellenangebote und -gesuche mithilfe des zur Verfügung stehenden Formulars aufgegeben. Die hinterlegten Informationen ermöglichen die direkte Kontaktaufnahme. Um missbräuchliche Inhalte zu verhindern, werden die eingegebenen Informationen erst nach vorheriger Prüfung online gestellt. Dies geschieht wochentags in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Die Stellenangebote und Stellengesuche sind sechs Wochen sichtbar und werden danach automatisch gelöscht. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Die kostenfreie Jobbörse auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein (www.aekno.de) kann dabei helfen, Auszubildende zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) oder ausgelernte MFA zu finden. Sowohl Praxisärztinnen und -ärzte als auch interessierte junge Menschen, die den Beruf der MFA erlernen oder ausüben möchten, können mit wenigen Klicks ein kostenloses Inserat an diesem digitalen Schwarzen Brett hinterlassen. Unter www.aekno.de/jobboerse bietet die Ärztekammer MFA und Medizinisch-Technischen Assistenten die Möglichkeit, nach freien Ausbildungs-, Praktikums- oder Arbeitsplätzen zu suchen, oder selbst Rund 100 zumeist junge neue Kammermitglieder nahmen das Angebot der Ärztekammer Nordrhein wahr und kamen am 24. April zum Begrüßungstag ins Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Sie wurden vom Vizepräsidenten der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Arndt Berson, und Andrej Weissenberger, Vorsitzender des Lenkungsausschusses zum Forum „Junge Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende, ärztliche Arbeitsbedingungen“ herzlich willkommen geheißen. Berson gab den jungen Kolleginnen und Kollegen zu Beginn einen Einblick in die Aufgaben und den Auftrag der Ärztekammer Nordrhein. Gleichzeitig wies er auf die Vorteile der ärztlichen Selbstverwaltung hin, die ganz entscheidend vom ehrenamtlichen Engagement der Kammermitglieder lebe. Hierbei lud er die neuen Kammermitglieder ein, die Selbstverwaltung mitzugestalten und sich ehrenamtlich einzubringen. Andrej Weissenberger ermutigte seine Kolleginnen und Kollegen zusätzlich, sich bei Schwierigkeiten im ärztlichen Alltag – zum Beispiel in der Weiterbildung – an die Service- und Beratungsstellen in der Ärztekammer zu wenden. Sein Appell: „Nutzen Sie uns, nutzen Sie die Ärztekammer NordIm Gespräch mit neuen Kammermitgliedern: Dr. Arndt Berson (l.), Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein, und Andrej Weissenberger (r.), Vorsitzender des Lenkungsausschusses zum Forum „Junge Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende, ärztliche Arbeitsbedingungen“ Willkommen für neue Kammermitglieder Gut besuchter Begrüßungstag im Haus der Ärzteschaft Alkoholkonsum Hohe Krankheitslast Alkoholkonsum verursacht in Deutschland weiterhin eine erhebliche Krankheitslast. Das geht aus dem Jahrbuch Sucht 2026 hervor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) kürzlich veröffentlicht hat. Demnach lassen sich jährlich rund 44.000 Todesfälle auf Alkoholkonsum zurückführen; zugleich machen alkoholbezogene Störungen einen erheblichen Anteil an der Gesamtkrankheitslast aus. So wurden im Jahr 2024 etwa 283.000 Patientinnen und Patienten aufgrund einer ausschließlich alkoholbedingten Diagnose stationär behandelt. Die DHS fordert vor diesem Hintergrund unter anderem eine Einschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol sowie höhere Verbrauchssteuern. MST Frühe Hilfen Besuche positiv bewertet Willkommensbesuche bei Familien mit Neugeborenen im Rahmen der Frühen Hilfen werden von Eltern überwiegend positiv bewertet. Eine Umfrage des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen zeigt, dass mehr als 90 Prozent der befragten Eltern mit dem freiwilligen Angebot ihrer Kommune zufrieden oder sehr zufrieden sind. Bei den Besuchen werden Informationen zu lokalen Angeboten und Anlaufstellen vermittelt. Rund 84 Prozent der Eltern sagten, sie fühlten sich durch den Besuch gut informiert, 82 Prozent stimmten der Aussage zu, dass es ihnen dadurch leichter fällt, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Etwa 60 Prozent der Kommunen in Deutschland setzten die Besuche bereits um. MST rhein als Anlaufstelle. Und achten Sie im ärztlichen Alltag auf sich selbst. Gute Medizin entsteht nicht, wenn man sich ständig überlastet.“ Alle Teilnehmenden sprachen mit den Referenten gemeinsam feierlich das Genfer Gelöbnis, das die ethischen Prinzipien ärztlichen Handelns zusammenfasst. svl Foto: sas
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 9 Malteser Mehr Menschen ohne Versicherung Die „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ (MMM) hat im Jahr 2025 fast zehn Prozent mehr nicht krankenversicherte Menschen behandelt als im Jahr zuvor. Wie die Hilfsorganisation mitteilt, suchten 17.900 Personen erstmals oder zum wiederholten Mal eine der bundesweit 21 Ambulanzen für Nichtversicherte auf. Mehr als 1.000 Schwangere und 1.200 Kinder und Jugendliche im Alter bis 18 Jahre seien von MMM behandelt worden. Die meisten Patienten stammten aus EU-Ländern, gefolgt von Asien und dem übrigen Europa. Rund die Hälfte hatte einen legalen Aufenthaltsstatus, knapp 33 Prozent waren ohne Aufenthaltsstatus und bei 20 Prozent lagen keine Angaben vor. HK Arzneimittel Aktionsplan fortgeschrieben Das Bundeskabinett hat kürzlich den Aktionsplan 2026–2029 des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beschlossen. Die Bundesärztekammer und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft begrüßten die Fortschreibung des Aktionsplans. Zu dessen Schwerpunkten zählen die Stärkung der AMTS-Forschung und die Weiterentwicklung des digitalen Medikationsprozesses. Dem Aktionsplan zufolge sollen auch die Risiken bei Polymedikaton und das sichere Absetzen von Arzneimitteln in den Blick genommen werden. HK Bernd Zimmer Verfechter des freien Arztberufs und Förderer der MFA-Ausbildung Fortbildung in Essen Von der Reparaturmedizin zur Prävention Die berufliche Unabhängigkeit von Ärztinnen und Ärzten, das besondere Vertrauensverhältnis zu den Patientinnen und Patienten und die Bedeutung starker, gut qualifizierter Praxisteams für die medizinische Versorgung prägten und prägen noch immer das berufspolitische Engagement von Bernd Zimmer. Der langjährige Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein (2009 bis 2024) und amtierende Vorsitzende des Verbandes freier Berufe NRW wird am 2. Juni 70 Jahre alt. Geboren in Wuppertal, studierte Zimmer in Düsseldorf Medizin und wurde 1982 approbiert. 1986 ließ er sich in seiner Heimatstadt als Allgemeinarzt nieder. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten zählte unter anderem die Geriatrie, für deren Ausbau er sich auch berufspolitisch einsetzte. Besonders am Herzen liegt Zimmer als Vorsitzendem des Berufsbildungsausschusses weiterhin die Förderung des Ausbildungsberufs der Medizinischen Fachangestellten (MFA). Als Vizepräsident setzte er sich insbesondere dafür ein, Möglichkeiten der Weiterqualifizierung für MFA zu fördern. „Fort- und Weiterbildung sind motivationsstärkend, weil junge Menschen dauerhaft Verantwortung übernehmen möchten und Bernd Zimmer, ehemaliger Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein und amtierender Vorsitzender des Verbandes freier Berufe NRW, wird am 2. Juni 70 Jahre alt. Foto: Jochen Rolfes Wie lässt sich das Missverhältnis zwischen Rekordausgaben für eine reine Reparaturmedizin und dem Mangel an Prävention und nachhaltiger Gesundheitsvorsorge auflösen? Diese Frage stand im Zentrum der Fortbildungsveranstaltung der Kreisstelle Essen der Ärztekammer Nordrhein unter dem Titel „Prävention – was gibt es, was geht noch?“. Dr. Arndt Berson, Vizepräsident der Kammer, mahnte einen „Präventions-Kulturwandel“ an. Trotz hoher Ausgaben liege die Lebenserwartung in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Staaten nur im Mittelfeld – ein deutliches Indiz für ungenutzte Potenziale. Professor Dr. Christian Berg verdeutlichte die Relevanz der Primärprävention: Eine Optimierung klassischer Risikofaktoren könne Ereignisse wie Herzinfarkt oder Tod um zehn bis 15 Jahre hinauszögern. Denberufliche Perspektiven brauchen“, schrieb er 2023 in einem der letzten Editorials in seiner Amtszeit als Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein im Rheinischen Ärzteblatt. vt noch dominiere die „Reparaturmedizin“, die oft erst bei irreversiblen Spätfolgen eingreife. Ein Beispiel für moderne Sekundärprävention lieferte Priv.-Doz. Dr. Lars Hagmeyer mit dem neu eingeführten Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-CT für Hochrisikogruppen. Ziel dieses Programms ist es, Tumore in frühen Stadien zu entdecken. Einigkeit herrschte bei den politischen Forderungen: Um die Verhältnisprävention zu stärken, forderten die Experten unter anderem Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel sowie eine höhere Besteuerung von Tabak, Alkohol und Zucker. Ziel müsse es sein, Gesundheit statt Krankheit in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Ausführlicher Bericht unter: www.aekno.de/ aerztekammer/kreisstellen/kreisstelle-essen/ aktuelles usa
10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Griaß eich! Das letzte Tertial meines Praktischen Jahres (PJ) habe ich in Villach in Österreich verbracht. Bei mir stand das chirurgische Tertial noch aus, und so landete ich in der Unfallchirurgie. In einer wintersportaktiven Region bedeutet das vor allem eines: Ski, Snowboard, Rodeln. Und leider auch alles, was dabei schiefgehen kann. Das hätte ich mir wohl eigentlich schon denken können, aber über die wirklich zahlreichen Fälle war ich doch überrascht und infolgedessen anfänglich ausgesprochen unsicher auf meinen eigenen Skiern. Im Krankenhaus hatten wir PJler erfreulich viele Freiheiten und konnten uns in den Bereichen einbringen, die uns am meisten interessierten. In der Ambulanz mit ihren drei Untersuchungskojen herrschte ein reges Kommen und Gehen. Hier standen vor allem die körperliche Untersuchung, das Befunden zahlreicher Röntgenbilder sowie die Planung des weiteren Procederes im Vordergrund. In der Wundversorgung reichte das Spektrum von Schnitt-, Platz- und Quetschwunden bis hin zu Tierbissen. Im Laufe der Zeit durften wir die Wunden auch selbst versorgen und nähen – ein Moment, der sich irgendwo zwischen Stolz und der leisen Hoffnung bewegte, dass der Knoten nicht nur gut aussieht, sondern auch wirklich hält. Was natürlich auch nicht fehlen darf, ist die Arbeit im OP – inklusive Pausenraum mit Blick auf den Dobratsch, den Villacher Hausberg. Im OP selbst geht es erstaunlich handwerklich zu: Es wird gebohrt, geschraubt, gehämmert und gemeißelt. Ich mag diese sehr logische, mechanische Vorgehensweise, bei der man häufig einen direkten Effekt beoHausärztinnen- und Hausärzteverband Forum Weiterbildung Das Forum Weiterbildung wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, die Positionen und Interessen des hausärztlichen Nachwuchses in die Arbeit des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes (HÄV) einzubringen. Zweck und Aufgabe des Forums ist es dabei, die Rahmenbedingungen der Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt zu verbessern. Die Mitglieder, bestehend aus mindestens einem Vertreter oder einer Vertreterin pro Landesverband, treffen sich hierzu zweimal im Jahr bei den Delegiertenversammlungen des HÄV und setzen neben der Erarbeitung von Positionen auch eigene Projekte und Konzepte um. Dazu gehört zum Beispiel die Seminarreihe „Werkzeugkasten Niederlassung“ mit inzwischen 17 Modulen, die junge Hausärztinnen und Hausärzte auf dem Weg in die eigene Praxis unterstützt. Der kostenlose „Leitfaden für angehende Hausärztinnen und Hausärzte“ gibt hilfreiche Tipps vom Studium bis zur Niederlassung und enthält über 80 praktische Checklisten. Als neues Projekt wird in diesem Jahr erstmals der Preis für exzellente Weiterbildung vergeben. Weiterbilderinnen und Weiterbildern soll die verdiente Anerkennung für ihr Engagement zuteilwerden und gleichzeitig sollen andere Praxen durch die Positivbeispiele inspiriert werden. In Nordrhein sind Vanessa Schaffrath und die Autorin dieses Artikels die Vertreterinnen des Forums Weiterbildung. Hier wird eine Kooptierung mit Teilnahme an den Vorstandssitzungen ermöglicht, die dazu führt, dass die Perspektive des Nachwuchses direkt mit in die Arbeit im Vorstand einfließt und gleichzeitig eine Heranführung an die Berufspolitik erfolgt. Seit 2025 sind die nordrheinischen Vertreterinnen des Forums Weiterbildung auch Vorstandsmitglieder des HÄV Nordrhein. Seitdem wurde zum Beispiel das Mentoring Programm neugestaltet Mail aus Villach Hannah Stamm Foto: privat bachten kann. Besonders beeindruckte mich dabei, wie diese zunächst eher grob anmutende Arbeit auf kleinster und sehr filigraner Ebene umgesetzt wird, etwa bei Eingriffen an der Hand. Ebenso faszinierend ist die Möglichkeit, arthroskopische Eingriffe an nahezu jedem Gelenk durchzuführen. Jetzt bin ich seit ein paar Tagen wieder in Deutschland, hadere noch etwas mit dem rheinischen Flachland und vermisse gelegentlich den Blick auf verschneite Gipfel. Die nächsten Wochen werde ich nun erst einmal wieder am Schreibtisch verbringen und mich auf das letzte Examen des Studiums vorbereiten, bevor es dann anschließend auf die Suche nach der ersten Stelle als Assistenzärztin geht – bevorzugt in der Gynäkologie oder Inneren Medizin in und um Köln. Falls also jemand jemanden kennt oder selbst auf der Suche ist: Meldet euch gerne bei mir – ich wäre bereit! Bis dahin: Pfiat‘s eich und baba. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de Organisationen der Jungmediziner Das Rheinische Ärzteblatt stellt an dieser Stelle in loser Folge Organisationen und Vereinigungen vor, die die Interessen von Medizinstudierenden sowie von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung vertreten und sie in ihrer medizinischen Laufbahn unterstützen. bre und der „Kompass“ Primärversorgung entwickelt. Verschiedene Programme unterstützen junge Hausärztinnen und -ärzte vom Studium über die Weiterbildungszeit bis zur Niederlassung oder der Praxisübergabe. Weitere Informationen unter https://www.hausaerztenordrhein.de. Wer Interesse hat, sich im Forum Weiterbildung einzubringen oder Fragen zur Weiterbildung hat, melde sich unter info@hausaerzte-nordrhein.de. Gwen Rabe D r. Gwen Rabe ist Fachärztin für Allgemeinmedizin, Vorstandsmitglied im Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein sowie Vertreterin für Nordrhein im Forum Weiterbildung.
BERATUNG AUF EINEN BLICK www.aekno.de/aerzte/beratung ARZNEIMITTELBERATUNG Dr. med. Ina Falbrede, 0211 4302 2280 ina.falbrede@aekno.de KRISENINTERVENTION NACH TRAUMATISCHEN ERFAHRUNGEN IM ÄRZTLICHEN BERUF Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de BERATUNGSSTELLE FÜR SEXUELLE BELÄSTIGUNG AM ARBEITSPLATZ RAin Katharina Eibl, Aggi Schneider 0211 4302 2306 katharina.eibl@aekno.de aggi.schneider@aekno.de MOBBINGBERATUNG Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de SUBSTITUTIONSGESTÜTZTE BEHANDLUNG OPIOIDABHÄNGIGER Jo Shibata, 0211 4302 2213 stefan.kleinstueck@aekno.de BERUFSRECHTLICHE BERATUNG 0211 4302 2303 rechtsabteilung@aekno.de CIRS-NRW – PATIENTENSICHERHEIT Stephan Linnartz, 0211 4302 2713 stephan.linnartz@aekno.de www.cirsmedical.de/nrw GOÄ Dr. med. Anja Pieritz, Dr. med. Kerrin Prangenberg, Sevda Thomas 0211 4302-2133, -2134, -2135 goae@aekno.de GRENZVERLETZUNGEN UND MISSBRAUCH Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, Thomas Gröning, 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de INTERVENTIONSPROGRAMM FÜR ABHÄNGIGKEITSKRANKE ÄRZTE Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de PATIENTENBERATUNG Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, Thomas Gröning 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de PRÄVENTIONSGESETZ Sabine Schindler-Marlow, Snezana Marijan 0211 4302 2010, -2031 snezana.marijan@aekno.de ARBEITSSICHERHEIT UND BETRIEBSMEDIZIN Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de MEDIZINETHISCHE BERATUNG (GRÜNDUNGSAUSSCHUSS) Stefan Kleinstück, 0211 4302 2208 ethikberatung@aekno.de QS-STRAHLENSCHUTZ Thomas Winter 0211 4302 2290 qsradnr@aekno.de ÄRZTLICHES HILFSWERK Stefan Kleinstück, 0211 4302 2566 aerztliches.hilfswerk@aekno.de WEITERBILDUNG Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie auf der Internetseite www.aekno.de/weiterbildung Cameravit/istockphoto.com, denisismagilov/stock.adobe.com, Ed Telling/istockphoto.com, fizkes/stock.adobe.com, Alvaro Heinzen/istockphoto.com, Till Erdmenger, jeremias münch/stock.adobe.com, wavebreakmediaMicro/stock adobe.com, PeopleImages/ istockphoto.com, wavebreakmedia/istockphoto.com, Vassiliki Latrovali, Viktor_ Gladkov, pressmaster/stock. adobe.com, unsplash/gettyimages, alvarez/istockphoto.com, Minerva Studio/Fotolia, virtua73/Fotolia, Westend61/Fotolia
Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 Foto: Jürgen Gebhardt Jazz klingt oft schräg, die Harmonien komplex. Und doch entsteht aus dem spannungsreichen Zusammenspiel nicht selten große Kunst. Ob der musikalische Auftakt zur Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetages am 11. Mai in Hannover ein Symbol für das künftige Miteinander von Politik und Ärzteschaft wird, muss die Zeit erst zeigen. Denn seit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken Ende April ihren Entwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorstellte, hagelt es Protest von allen Seiten. Warken will bereits im nächsten Jahr rund 15 Milliarden Euro einsparen, um den stetigen Anstieg der Beiträge von Versicherten und Arbeitgebern zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu stoppen. Auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie die Krankenhäuser sind in erheblichem Maße betroffen. Sie sei sich bewusst, dass ihre Sparpläne eine Zumutung für die Leistungserbringer im Gesundheitswesen seien, räumte Warken in Hannover ein. Beim GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz handle es sich nicht um eine Strukturreform – die folge im Herbst, stellte Warken klar. Das Gesetz diene allein dazu, die Finanzen der GKV zu stabilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu sichern. Ohne das Sparpaket müssten die Versicherten und Arbeitgeber das drohende Defizit alleine schultern. „20 Prozent Krankenversicherungsbeitrag sind aber keine Option“, mahnte Warken. Es gelte, die Ausgaben wieder in Einklang mit den Einnahmen zu bringen und nur solche Leistungen zu finanzieren, die einen nachweisbaren Nutzen hätten. Die jetzige Ausgabendynamik führe über kurz oder lang zum Kollaps des Systems. „Wir wollen das Ruder herumreißen“, sagte die Ministerin, die der Ärzteschaft zwar eine weitere Zusammenarbeit zusicherte, in der Sache aber keine Abstriche machte. Sparpaket als erster Schritt Nachbesserungen am Sparpaket seien möglich – vorausgesetzt, dass die Prinzipien der Evidenz und Effizienz eingehalten würden, betonte die Ministerin. Wichtig sei ihr, dass alle ihren Beitrag zur Konsolidierung der Finanzen leisteten. Dass der Bund dazu nicht mehr beitrage und nicht, wie gefordert, die Kosten für versicherungsfremde Leistungen in voller Höhe übernehme, könne man nicht schönreden. Die Haushaltslage lasse aber zurzeit keine Spielräume. Allein bei den Beiträgen, die der Staat für Grundsicherungsempfänger zahlt, klafft den Krankenkassen zufolge eine Lücke von zehn bis zwölf Milliarden Euro jährlich. „Das ist keine Reform, die man sich als Gesundheitsministerin wünscht“, betonte Warken. Die Probleme der GKV seien aber nicht mit immer mehr Geld zu lösen. Das Sparpaket sei nur ein erster Schritt, auf den weitere Strukturveränderungen folgen müssten. Dabei ist der Zeitplan für das aktuelle Gesetzgebungsverfahren ambitioniert. Es soll bis zur Sommerpause Bundestag und Bundesrat passieren. Denn man wolle für stabile Beiträge sorgen, bevor im Herbst der GKV-Schätzerkreis „Es ist eine Zumutung“ Moderat im Ton, aber hart in der Sache: Das beschreibt die Atmosphäre, die bei der Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetages zwischen Bundesgesundheitsministerin und Ärzteschaft herrschte. Die von Ärztinnen und Ärzten heftig kritisierten Sparpläne der Bundesregierung für das Gesundheitswesen standen im Zentrum des Austauschs Mitte Mai in Hannover. von Heike Korzilius
Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 13 auf der Basis der amtlichen Statistiken eine Prognose über die Entwicklung der Kosten im Folgejahr trifft. Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Dr. Klaus Reinhardt, räumte ein, dass sich angesichts der desolaten Finanzlage der GKV die Frage nach der dauerhaften Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens stelle. „Die Rahmenbedingungen, unter denen wir Gesundheit organisieren, finanzieren und verantworten, sind mehr als herausfordernd“, sagte Reinhardt. Dazu trügen auch der Fachkräftemangel, der medizin-technische Fortschritt, der zum Teil erhebliche Kosten verursache, sowie die weiterhin unkoordinierte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen durch die Patientinnen und Patienten bei. „Der Reformbedarf ist zweifellos da – und er ist dringend und zwingend“, sagte Reinhardt. Von 2010 bis 2025 seien die Ausgaben der GKV um mehr als 100 Prozent gestiegen, während die allgemeine Preisentwicklung knapp 37 Prozent betragen habe. Die Ärzteschaft stehe deshalb zu Einsparungen im Gesundheitswesen, aber nur, wenn die Lasten fair verteilt würden. Dass aber ausgerechnet der Staat als einziger Akteur nach den aktuellen Gesetzesplänen keinen Beitrag zur Sicherung der GKV-Finanzen leiste, sei überhaupt nicht einzusehen. Finanzminister Lars Klingbeil lasse nach wie vor keinerlei Bereitschaft erkennen, wenigstens einen wesentlichen Einstieg in die vollständige Refinanzierung versicherungsfremder Leistungen einzuleiten. Die staatliche Übernahme dieser Leistungen hatte Ende März auch die von Bundesgesundheitsministerin Warken eingesetzte Finanzkommission empfohlen. Auf der einen Seite – wie jetzt vorgesehen – den jährlichen Zuschuss zur Finanzierung der Gesundheitskosten der Grundsicherungsempfänger um 250 Millionen Euro zu erhöhen und auf der anderen Seite den Bundeszuschuss zum Gesundheitsfonds um zwei Milliarden Euro auf 12,5 Milliarden Euro zu kürzen, sei ein finanzpolitischer Etikettenschwindel zulasten von Versicherten, Patienten und Beschäftigten im Gesundheitswesen, kritisierte Reinhardt. „Das ist weder seriös, noch solide, noch solidarisch“, erklärte er unter dem Beifall der Anwesenden. Es gelte, den klassischen Zielkonflikt zwischen Finanzierung und Versorgung aufzulösen, forderte Reinhardt. Dabei seien zwei Prämissen grundlegend: Es dürfe keine unangemessenen Kürzungen zulasten der Patientenversorgung und keine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im Gesundheitswesen geben. „Es liegt auf der Hand, dass die Einnahmen und die Ausgaben der GKV wieder in Einklang gebracht werden müssen“, erklärte der BÄK-Präsident. Das sei aber nicht gleichbedeutend mit einer Bindung aller GKV-Ausgaben an die Entwicklung der Grundlohnrate. Ein solidarisches Gesundheitssystem müsse sich immer am medizinisch notwendigen Bedarf der Bevölkerung ausrichten. Um das zu gewährleisten, brauche es Strukturreformen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen einschlössen, die Fehlanreize vermieden und eine kluge Patientensteuerung implementierten. Wer das System stabilisieren wolle, müsse Solidarität, Subsidiarität und Eigenverantwortung wieder in ein tragfähiges Gleichgewicht bringen. „Stellen Sie diese Reform noch einmal auf Hold“, appellierte BÄK-Präsident Reinhardt an Ministerin Warken und bot zugleich die konstruktive Zusammenarbeit der Ärzteschaft an. Weniger Geld, weniger Leistung Ganz in diesem Sinne positionierte sich auch der 130. Deutsche Ärztetag zu den Sparplänen der Bundesregierung. Das Ärzteparlament forderte den Gesetzgeber auf, das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zu überarbeiten. Dazu gehöre, dass der Bund die vollständige finanzielle Verantwortung für versicherungsfremde Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung übernehme. Insbesondere müssten die Beiträge für Bürgergeldempfängerinnen und -empfänger vollständig aus Steuermitteln und nicht, wie zurzeit, zum großen Teil von den GKV-Versicherten finanziert werden. Darüber hinaus kritisierte das Ärzteparlament die vorgesehene Streichung der Vergütungselemente des Terminservice- und Versorgungsgesetzes sowie die geplante Begrenzung der Wachstumsdynamik der extrabudgetären Leistungen im ambulanten Bereich. Ein Rückgang der verfügbaren Facharzttermine, längere Wartezeiten und Leistungskürzungen seien absehbar, hieß es in einem Beschluss. Massive Verwerfungen in der Versorgung drohten auch, wenn die vollständige Refinanzierung von Tarifsteigerungen bei den Beschäftigten in den Krankenhäusern durch die GKV gestrichen werde. Neben einer Stabilisierung der Kassenfinanzen und notwendigen Strukturreformen unter anderem durch eine Reform der Notfallversorgung und die Einführung eines Primärversorgungssystems forderte das Ärzteparlament, die Präventionspolitik neu auszurichten und angemessen zu finanzieren. Nur auf der Grundlage eines solchen dreistufigen Gesamtkonzeptes lasse sich die Gesundheitsversorgung für die Zukunft sichern. „Prävention ist die Voraussetzung dafür, dass unser System langfristig finanzierbar und leistungsfähig bleibt“, bekräftigte BÄK-Präsident Reinhardt. Dazu gehöre auch ein neuer politischer Stellenwert von Gesundheitskompetenz. Forschungsergebnisse für Deutschland zeigten, dass knapp 60 Prozent der Bevölkerung erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsrelevanten Informationen habe. Besonders betroffen seien Menschen mit unzureichender Bildung und niedrigem Einkommen. „Deshalb muss Gesundheitskompetenz als fester Bestandteil früher Bildung in Kitas, in Schulen, in Aus- und Fortbildung gefördert werden – niedrigschwellig, alltagsnah und lebensweltbezogen“, forderte Reinhardt. Um Prävention und Gesundheitskompetenz strukturell und finanziell stärker zu verankern, schlug der BÄK-Präsident einen zweckgebundenen Public-HealthFonds vor, finanziert etwa aus Abgaben auf Alkohol, Zucker und Tabak. Höhere Preise auf gesundheitsschädliche Genussmittel senkten nachweislich den Konsum und seien damit ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die großen Volkskrankheiten wie Tumor-, Herz-KreislaufErkrankungen, COPD oder Adipositas.
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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 15 Spezial Einsame Kindheit Einsamkeit galt lange als Thema, das insbesondere ältere Menschen betrifft. Neue Studien zeigen aber, dass schon Kinder im Grundschulalter ebenso wie Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend unter Einsamkeit leiden – mit zum Teil erheblichen gesundheitlichen Folgen. von Jocelyne Naujoks „Wir wissen nicht, warum sich junge Menschen heute einsamer fühlen als vor der Coronapandemie“, sagt Professorin Dr. phil. Maike Luhmann, Lehrstuhlinhaberin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum. Sie forscht seit vielen Jahren zum Thema Einsamkeit und warnt vor vorschnellen Schlussfolgerungen: „Wir haben kaum Daten darüber, wie einsam Menschen – vor allem junge Menschen – vor zwanzig oder dreißig Jahren waren.“ Der Erzählung von einer Einsamkeitsepidemie steht sie daher eher kritisch gegenüber. „Es gibt allerdings Hinweise, dass junge Menschen heute einsamer sind als vor der Pandemie.“ Die Ursachen dafür alleine in der Coronapandemie zu suchen, ist ihr aber zu einfach. „Die meisten Menschen haben sich von den Folgen erholt. Die Kontaktbeschränkungen waren einschneidend, aber sie sind nun fast fünf Jahre her. Die Pandemie kann also nicht der einzige Faktor sein, der junge Menschen heute einsamer macht als vor 2020.“ Fehlende soziale Beziehungen als Einsamkeitsrisiko Soziale Beziehungen vor allem zu Gleichaltrigen spielen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter eine entscheidende Rolle. Sie helfen, sich auszuprobieren, herauszufinden, wer man ist und sein möchte. Wer es nicht schaffe, sich in seiner PeerGroup zu verorten, sei damit umso anfälliger für Einsamkeitserfahrungen, sagt Einsamkeitsforscherin Professorin Dr. phil. Maike Luhmann. Foto groß: Brian Niles/istockphoto.com Foto klein: martin-dm/istockphoto.com
16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 Spezial Nach Ansicht von Luhmann kommen aktuell viele Faktoren zusammen, die zu Einsamkeitserfahrungen beitragen. Stichwort Polykrisen: „Kriege und Krisen weltweit, eine Radikalisierung in vielen Ländern sowie der politische Rechtsruck unserer Gesellschaft tragen zur Verunsicherung bei. Dazu kommen die Wirtschaftskrise, der Aufstieg der KI, der die Arbeitswelt verändern wird, und nicht zuletzt die Klimakrise. All das kreiert Unsicherheit und Angst.“ Auch die fortschreitende Digitalisierung, Smartphones und soziale Medien seien relevant für die Einsamkeitsentwicklung. Diese grundsätzlich zu verdammen, sei aber falsch, sagt Luhmann. „Der Austausch über WhatsApp oder soziale Medien kann soziale Kontakte auch erweitern oder bereichern. Erst wenn sie beginnen, Begegnungen im realen Leben zu ersetzen, wird es problematisch.“ Jeder fünfte Jugendliche ist einsam Im Jahr 2023 veröffentlichte Luhmann im Auftrag der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eine Studie zur Einsamkeit unter Jugendlichen im Land und fand heraus: Fast jeder fünfte Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren ist stark von Einsamkeit belastet, bei den 13- bis 15-Jährigen etwa jeder zehnte. Dabei sind Mädchen tendenziell einsamer als Jungen. Mehr als jeder zweite Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren fühlt sich der Studie zufolge manchmal einsam. Grundsätzlich gehöre Einsamkeit zum Leben dazu und habe zudem eine wichtige Funktion, betont die Einsamkeitsforscherin. „Sie weist auf einen Mangel an sozialen Kontakten hin und motiviert uns, soziale Beziehungen zu stärken oder neu aufzubauen.“ Einsamkeit werde schädlich, wenn dies nicht gelinge und man in eine Negativspirale gerate. „Einsamkeit führt dann zu einer Angst vor Zurückweisung. Manche Menschen reagieren in der Folge misstrauisch oder gar feindselig oder sie ziehen sich zurück, was die soziale Isolation natürlich noch verstärkt.“ Dies könne zu einem chronischen Stresszustand führen, der typischerweise auch mit psychischen und körperlichen Problemen einhergehe. Dabei sei Einsamkeit durchaus subjektiv: „Sie entsteht, wenn man die Qualität und Quantität seiner sozialen Beziehungen als unzureichend empfindet. Ab wann Einsamkeit als Belastung wahrgenommen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.“ Luhmanns Studienergebnisse zeigen zudem: Je mehr Zeit Jugendliche mit Freunden verbringen oder Sport treiben, desto weniger einsam fühlen sie sich. Armut erhöht Einsamkeitsrisiko Neben der individuellen Persönlichkeitsstruktur und der Erziehung spielten vor allem äußere Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle in der Einsamkeitsentwicklung. „So trägt zum Beispiel Armut bei Kindern und Jugendlichen entscheidend zur Einsamkeit bei“, sagt Luhmann. Das gleiche gelte für Diskriminierungserfahrungen. Wer sich aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung ausgeschlossen fühle, habe ein erhöhtes Einsamkeitspotenzial. Um hier gegenzusteuern, brauche es dringend mehr altersgerechte Präventionsangebote, fordert Luhmann. Sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene sei das Thema Einsamkeit durchaus präsent, räumt die Psychologin ein, die selbst dem Beirat des Kompetenznetzes Einsamkeit des Bundesfamilienministeriums angehört. Im Dezember 2023 habe die damalige Bundesregierung eine 111 Maßnahmen umfassende Strategie gegen Einsamkeit verabschiedet. Auch die NRW-Landesregierung kümmere sich insbesondere seit der Pandemie verstärkt um das Thema. Allerdings stehen und fallen all diese Bemühungen mit der Finanzierung, so Luhmann. „Wir müssen Kinder und Jugendliche da erreichen, wo sie sind: in der Schule und im Internet“, erklärt die Wissenschaftlerin. So könnten Schulen beispielsweise Workshops zum Thema Einsamkeit anbieten, um soziale Kompetenzen zu verbessern. Auch Sozialarbeiter oder Schulpsychologen als Ansprechpartner in Schulen zu etablieren, sei eine von vielen Möglichkeiten. Luhmann zufolge haben auch Sportvereine großes Potenzial, Einsamkeit entgegenzuwirken. „Doch dazu müssen gerade ehrenamtliche Trainer geschult werden. Denn dass hinter dem Sport mehr stecken sollte als der reine Leistungsgedanke, ist vielen nicht klar.“ Prävention: in Schulen ansetzen Einsamkeitsprävention müsse in vorhandene pädagogische Praktiken eingebettet werden und dürfe keinen zusätzlichen Dokumentations- oder Organisationsaufwand erzeugen, betont Professorin Dr. phil. Susanne Bücker vom Lehrstuhl für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der Universität Witten/ Herdecke. „Wirksam ist, was ohnehin guten Unterricht und gute Ganztagsbetreuung ausmacht: kooperative Lernformen, strukturierte Konfliktlösung, sozial-emotionales Lernen, Mitbestimmung und verlässliche Übergänge.“ Dabei machten viele Schulen und der Offene Ganztag schon jetzt vieles richtig, auch wenn es nicht das Label Einsamkeitsprävention trage. Verlässliche Beziehungsangebote, Morgenkreise und Konfliktbearbeitung, Patensysteme, feste Kleingruppen oder partizipative Formate seien wertvolle Schritte, um Einsamkeit zu verhindern. Bücker begleitet das Projekt InspireYouth wissenschaftlich, das Einsamkeit an zehn Grundschulen mit hoher sozialer Belastung in Nordrhein-Westfalen untersucht. Das Projekt zeige, dass auch Grundschüler schon von Einsamkeit betroffen seien: jedes vierte Grundschulkind fühle sich manchmal einsam, jedes zehnte sogar oft oder immer, sagt Bücker. Dabei empfänden Grundschüler Einsamkeit meist sehr konkret und alltagsnah: „Die Kinder beschreiben Einsamkeit weniger als abstrakten inneren Zustand, sondern vor allem als etwas, das in Peer-Beziehungen und im Schulalltag entsteht: niemanden zum Spielen haben, ausgeschlossen werden, keinen festen Platz in der Gruppe finden,
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