Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 23 Forum Die Qualität in der Patientenversorgung steht und fällt mit der Qualität der fachärztlichen Weiterbildung. Doch viele Ärztinnen und Ärzte sind unzufrieden mit ihrer Weiterbildung oder beklagen Machtmissbrauch durch ihre Vorgesetzten. Dabei haben die Ärztekammern in den vergangenen Jahren einige Anstrengungen unternommen, Weiterbilder für die Lehre besser zu qualifizieren. von Heike Korzilius Mitte April sorgte eine Umfrage des Marburger Bundes (MB) für Schlagzeilen. Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung seien ein relevantes Problem im Klinikalltag, lautete das Fazit. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) berichteten, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte erlebt zu haben, weit überwiegend von männlichen ärztlichen Vorgesetzten. Am häufigsten klagten die Betroffenen über einen respektlosen und herablassenden Umgangston, die grundlose Infragestellung der fachlichen Kompetenz sowie an dritter Stelle über Mobbing oder öffentliche Bloßstellung vor dem Team oder vor Patienten. Insgesamt nahmen gut 9.000 Mitglieder des Marburger Bundes an der Befragung teil, 39 Prozent von ihnen waren Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung. In der Ärztekammer Nordrhein hatten bereits die Ergebnisse einer regionalen MBUmfrage zu ärztlichem Machtmissbrauch in Hamburg Ende vergangenen Jahres für Betroffenheit gesorgt. Die Kammerversammlung beschloss im November, Aufklärung, Prävention und die Unterstützung von Betroffenen in Fällen von Machtmissbrauch, sexueller Gewalt und Diskriminierung deutlich zu verstärken. Unter anderem forderte sie, für die Problematik schon in der Aus- und Weiterbildung zu sensibilisieren. Während die MB-Umfrage vor allem die steilen Hierarchien in den Krankenhäusern für Missstände verantwortlich macht, beklagten Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in der jüngsten Evaluation der Ärztekammer Nordrhein aus dem vergangenen Jahr eine schlechte Organisation, zu wenig Zeit, zu wenig Feedback und zu wenig Lehre während ihrer Weiterbildung. Das ernüchternde Fazit: Nur 47 Prozent der Befragten würden ihre Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. Fortbildungspflicht für Befugte Dabei haben die Ärztekammern, nicht zuletzt auf der Grundlage der Beschlüsse Deutscher Ärztetage, in den vergangenen Jahren einige Maßnahmen ergriffen, um die Qualität der Weiterbildung zu verbessern. So hat die Ärztekammer Nordrhein eine verpflichtende Fortbildung für Weiterbilder eingeführt, in der diese in Präsenz oder Online über die formalen Vorgaben der Weiterbildung sowie über ihre Aufgaben und die Verantwortung als Weiterbilder unterrichtet werden. Die Befugnis zur Weiterbildung ist in der Regel auf sieben Jahre befristet. Wird sie erneuert, müssen die Weiterbilder auch den Kurs wieder besuchen, denn die Weiterbildungsordnung wird regelmäßig an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst. 2024 beschloss der 128. Deutsche Ärztetag die verpflichtende Einführung eines Kurses „Didaktik für Weiterbilder“, die erstmals eine Befugnis beantragen. In Nordrhein bot die Ärztliche Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung Didaktik-Kurse für Weiterbilder bereits 2023 und 2024 auf ihrem jährlich stattfindenden Fortbildungskongress „ä“ an. Seit 2025 sind sie nach einem Beschluss des Vorstands der Ärztekammer Nordrhein Pflicht für die jährlich rund 900 Ärztinnen und Ärzte, die erstmals eine Befugnis zur Weiterbildung beantragen. Für sie bietet die Akademie seither regelmäßig Didaktiktrainings an. Die Kurse gehörten aktuell zu den am besten bewerteten Veranstaltungen, heißt es dort. „Ich bilde gerne weiter.“ Ende April haben sich am späten Nachmittag im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf circa 50 Ärztinnen und Ärzte in einem Seminarraum eingefunden, um sich von Olaf Tkotsch, Leiter der Weiterbildungsabteilung der Ärztekammer Nordrhein, über ihre „Verantwortung als Weiterbilder“ informieren zu lassen. Die Atmosphäre ist locker, die Gruppe „gemischt“: Niedergelassene Ärzte sitzen neben Klinikern, erfahrene Weiterbilder neben Ärzten, die erstmals einen Weiterzubildenden betreuen. Er finde Veranstaltungen wie diese sinnvoll, weil man schließlich als Weiterbilder eine große Verantwortung trage, sagt ein Teilnehmer. „Ich bilde gerne weiter“, sagt ein anderer. „Ich muss schließlich irgendwann auch einmal operiert werden.“ Er wünsche sich allerdings zuweilen etwas weniger Bürokratie und eine bessere Finanzierung der Weiterbildung. Eine gute Qualität in der Weiterbildung sei die Voraussetzung dafür, dass künftig gute Fachärztinnen und Fachärzte die Patienten versorgen, betonte Weiterbildungsleiter Tkotsch. Diese Qualität zu befördern sei Sinn und Zweck von Fortbildungsveranstaltungen wie dieser. An die Weiterbilder appellierte er, die Weiterzubildenden auf die Nutzung des eLogbuchs hinzuweisen, in dem diese regelmäßig ihre neu erworbenen Kompetenzen dokumentieren müssen. Bundesweit hätten zwar 180.000 Nutzer ein eLogbuch angelegt. Von diesen seien zwei Drittel Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, deren eLogbücher aber zu einem großen Teil noch leer seien, sagte Tkotsch. Wichtig ist, Neugier zu erhalten Professor Dr. Hansjörg Heep ist Orthopäde und Unfallchirurg am St. Josef Krankenhaus in Essen-Werden und bildet selbst – in Kooperation mit der Uniklinik Essen – seit 15 Jahren Ärztinnen und Ärzte weiter. Der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses Ärztliche Weiterbildung der Ärztekammer Nordrhein betreut zurzeit sieben Weiterzubildende in verschiedenen Stadien ihrer Weiterbildung. „Ich lege Wert auf flache Hierarchien und auf eine gute Fehlerkultur“, beschreibt er seinen Anspruch als Weiterbilder. Wer einen Fehler gemacht habe, könne das offen im Team ansprechen. Er selbst lasse sich immer gerne von Argumenten überzeugen – Alter und Rang spielten da keine Rolle. „Man ergänzt sich in der Weiterbildung gegenseitig“, sagt Heep. „Mir ist es wichtig, die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung neugierig zu halten“, fügt er hinzu. Die Fortbildungskurse für Weiterbilder hat er im Rahmen seines berufspolitischen Engagements mit initiiert. Er habe selbst für seine Habilitation Didaktikkurse belegen müssen. „Ich habe davon auf jeden Fall profitiert“, sagt Heep. „Es ist kein lästiges Übel, das man absitzen muss. Es erweitert den Horizont.“ Gute Weiterbildung, gute Fachärztinnen und Fachärzte
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