Rheinisches Ärzteblatt 07/2026

Selbstverwaltung ist kein Selbstzweck Wer etwas verändern will, muss sich einbringen Leben in der Großstadt Warum Stadtplanung auch Gesundheitsvorsorge ist Weichenstellung in der Weiterbildung Ärztliche Haltungen und Rollen rücken in den Mittelpunkt Juli 2026 Heft 7 / 30.06.2026 81. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts Suchtmedizin: Prävention stärken

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 3 Heft 7 • Juli 2026 Auf die Haltung kommt es an Die Weiterbildung ist eines der großen Themen auf dem 130. Deutschen Ärztetag (DÄT) gewesen. Mit großer Mehrheit haben die Abgeordneten in Hannover umfassende Änderungen der (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) beschlossen. So werden nach Initiative der Ärztekammer Nordrhein die allgemeinen Weiterbildungsinhalte zukünftig auf Basis des international etablierten CanMEDS-Rollenmodells strukturiert. Ergänzend zu Methoden- und Handlungskompetenzen stellt das neue Modell ärztliche Haltungen und Rollen in den Mittelpunkt und wird damit auch das Arztbild der Zukunft prägen. Das CanMEDS-Rollenmodell beschäftigt sich zum Beispiel mit der Frage, was einen guten ärztlichen Weiterbildenden ausmacht und welche Kompetenzen neben reinem Fachwissen an WBA (Weiterbildungsärztinnen- und -ärzte) weitergegeben werden sollen. Weiterbildende werden nach dem Modell nicht allein als medizinische Expertinnen und Experten gesehen, die bloßes Fachwissen weitergeben. Ihnen kommt laut Definition noch deutlich stärker die Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern zu, die sich an pädagogischen Konzepten orientieren. Weiterbildenden werden Rollen zugeschrieben, die nicht zuletzt den geänderten Wertmaßstäben in unserer Gesellschaft Rechnung tragen. Neben der Kernrolle als „Experten“ (Medical Expert) verstehen sich Weiterbildende danach zusätzlich auch als „Kommunikatoren“ (Communicator), „Teamarbeiter“ (Collaborator), „Manager“ (Leader), „Gesundheitsfürsprecher“ (Health Advocate), „Lebenslang Lernende“ (Scholar) und als „Professionelle Ärzte“ (Professional). Diese zentralen ärztliche Haltungen und Rollen sollen sich langfristig zu einem festen Bestandteil unseres ärztlichen Selbstverständnisses entwickeln. Das klare „Ja“ der DÄT-Abgeordneten zur Aufnahme der CanMEDS-Rollen in die MWBO bedeutet somit gleichzeitig auch ein „Ja“ zu einer modernen, verantwortungsbewussten und qualitativ hochwertigen Weiterbildung. Dies kann man meiner Meinung nach gar nicht hoch genug wertschätzen. Hinzu kommt noch ein weiterer wichtiger Aspekt: Vor allem der ärztliche Nachwuchs selbst fordert Werte wie Teamarbeit, professionelles Handeln sowie eine transparente und respektvolle Kommunikation aktiv ein, wie es Teilnehmende des Dialogforums mit jungen Ärztinnen und Ärzten auf dem DÄT in Hannover eindrucksvoll formuliert haben. Deswegen ist das Wertegerüst, das durch die beschriebenen Rollen vermittelt werden soll, meiner Meinung nach unerlässlich für die Attraktivität unseres Berufsstandes. Mit dem Beschluss zu den CanMEDS-Rollen zeigen wir, dass wir als Ärzteschaft die Zeichen der Zeit erkannt haben. Entscheidend wird es nun sein, die eigentliche Bedeutung dieses DÄTBeschlusses zu vermitteln und die auf der Hand liegenden Vorteile des Modells so herauszuarbeiten, dass sie in den Köpfen von Weiterbildenden und Weiterzubildenden auch ankommen. Dies wird auch deswegen wichtig sein, weil wir Antworten auf die Frage brauchen, wie wir zukünftig Machtmissbrauch im ärztlichen Alltag verhindern können. Laut einer bundesweiten Mitgliederbefragung des Marburger Bundes ist Machtmissbrauch ein drängendes Problem im Klinikalltag. Knapp die Hälfte der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte spricht von Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte in den vergangenen zwölf Monaten. Ich hoffe sehr, dass die durch das CanMEDS-Modell definierten Haltungen und Rollen zu einem deutlich bewussteren und sensibleren Umgang mit diesem Thema führen werden. Alleine die Rolle „Professional“ meint ja, Verantwortung zu übernehmen, ethisch zu handeln und das eigene Verhalten zu reflektieren. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 5 Heft 7 • Juli 2026 Meinung Auf die Haltung kommt es an Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 Hitzeschutz als Teil der Krisenvorsorge · Vor 50 Jahren · Deutscher Ärztetag 2027: Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt werden Schwerpunktthema · Keine Primärversorgung „light“ · Kammer Online · Tabaksteuer soll in Prävention fließen · Paracelsus-Medaille für Dr. Christiane Groß · Studium und Berufseinstieg Thema Den Fokus auf Prävention richten Seite 12 Ärztetag in Hannover: gute Debatten – große Herausforderung Seite 14 Spezial Die gesunde Stadt Seite 18 Gesundheits- und Sozialpolitik Weiterbildung: Weichen gestellt Seite 22 Dialogforum: Ärztliche Selbstverwaltung ist kein Selbstzweck Seite 24 Praxis „Dieses Gesetz spart die Versorgung krank“ Seite 25 Forum Ehre, wem Ehre gebührt Seite 26 Wissenschaft und Fortbildung Patientin mit Herzrhythmusstörungen – Folge 89 der Reihe „Zertifizierte Kasuistik“ Seite 27 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 30 RÄ Regional Seite 35 Bücher Seite 38 An Rhein und Ruhr Seite 39 Kulturspiegel Lichtspiele in der Lichtburg Seite 40 Amtliche Bekanntmachungen Seite 41 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 41 Mein Beruf „Der absolute Klassiker ist Spülmittel“ Seite 47 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: wildpixel/istockphoto.com Die gesunde Stadt Das Leben in der Großstadt kann die Gesundheit belasten und im schlimmsten Fall krank machen. Wie Städte geplant und gestaltet werden, entscheidet maßgeblich darüber, ob sie Stress verstärken oder Wohlbefinden fördern. Weiterbildung: Weichen gestellt Die (Muster-)Weiterbildungsordnung ist umfassend geändert worden. Unter anderem rücken ärztliche Haltungen und Rollen, etwa in Kommunikation und Teamarbeit, stärker in den Mittelpunkt der Weiterbildung. Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Suchterkrankung. Neben dem persönlichen Leid entstehen enorme volkswirtschaftliche Kosten. Die Ärzteschaft spricht sich vor diesem Hintergrund für mehr Prävention und weniger Fokus auf reiner Reparaturmedizin aus. Suchtmedizin: Prävention stärken

6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Magazin Gesundheitsatlas Rückgang bei Herzinfarkten Einen Rückgang bei der Zahl der Herzinfarkte in Deutschland zeigt der aktuelle Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Danach ist die Zahl der im Krankenhaus behandelten Herzinfarkte von 2017 bis 2024 um 14 Prozent auf 185.400 Fälle gesunken. Den positiven Trend führt das WIdO unter anderem auf Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und eine verbesserte medizinische Behandlung der Risikofaktoren für Herzinfarkte zurück. Im selben Zeitraum sei jedoch die Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 um 0,6 Prozent und von Bluthochdruck um 1,1 Prozent gestiegen, die jeweils als Risikofaktoren für Herzinfarkte gelten. Der Gesundheitsatlas bietet epidemiologische Daten für insgesamt 26 Erkrankungen unter www.gesundheitsatlasdeutschland.de. HK Behörde Warnung vor DripSpa-Infusionen Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt vor möglichen gesundheitlichen Risiken sogenannter Drip-Spa- oder Longevity-Infusionen, bei denen zur Steigerung des Wohlbefindens hochdosiert Vitamine, Mineralstoffe und weitere Substanzen intravenös verabreicht werden. Die Infusionslösungen seien in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und deren Qualität und Sicherheit mithin arzneimittelrechtlich nicht belegt, so die Behörde. Es bestehe unter anderem das Risiko von Hypervitaminosen, Hyperhydration und allergischen Reaktionen. HK Hitzeaktionstag 2026 Hitzeschutz als Teil der Krisenvorsorge Unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“ hat ein breites Bündnis von Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft dazu aufgerufen, den gesundheitsbezogenen Hitzeschutz in Deutschland konsequent und flächendeckend umzusetzen. Hitze müsse systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz integriert werden. Deutschland sei auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, anlässlich des Hitzeaktionstages 2026 am 11. Juni. Längere und intensivere Hitzeperioden infolge des Klimawandels belasteten insbesondere ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen. Zugleich stellten sie das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. „Hitzeschutz muss deshalb verbindlich in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz integriert werden“, forderte Reinhardt. „Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssen auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben.“ Dafür müssten angemessene finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Zwar sind nach Auffassung des Bündnisses in den vergangenen Jahren erste wichtige Schritte im Hitzeschutz unternommen worden. Auf ausgeprägte, mehrtägige oder sich überlagernde Extremhitzelagen seien Politik, Verwaltung, Institutionen und Bevölkerung bislang nicht vorbereitet. HK Prävention Gesundheitserziehung als ärztliche Aufgabe und Verpflichtung Dr. Horst Bourmer, von 1981 bis 1993 Präsident der Ärztekammer Nordrhein, schrieb in der ersten Juli-Ausgabe 1976 des Rheinischen Ärzteblatts noch als Präsident des Hartmannbundes den Artikel „Die Gesundheitserziehung: Aufgabe und Verpflichtung“. Er forderte, „ein Unterrichtsfach ‚Gesundheitslehre‘ oder ‚Gesundheitskunde‘ in Analogie zur ‚Sozialkunde‘ zu schaffen“. Es sei zu bedauern, wie wenig die Gesundheitserziehung in den Schulen Eingang gefunden habe. Ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Bevölkerung könne zur Begrenzung der Kosten des Gesundheitswesens beitragen. „Selbst die politischen Parteien haben die Priorität dieser Aufgabe erkannt“ und wiesen in ihren Grundsatzprogrammen auf die Notwendigkeit hin, das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zu wecken und sie zur Gesundheitsvorsorge zu motivieren. Zwar sähen viele Bürgerinnen und Bürger ihre Gesundheit als höchstes Gut an, das Wissen über gesundheitsförderliches Verhalten sei allerdings gering, schrieb Bourmer. Er stellte Zahlen gegenüber. Rund 90 Prozent aller Krankheitsfälle würden in den Praxen behandelt. Kostenpunkt: 10 Milliarden DM im Jahr. 43 Milliarden DM gaben die Deutschen im Jahr 1974 für Nikotin und Alkohol aus. Gesundheitsförderliches Verhalten zu etablieren, müsse bei der Erziehung in der Schule und in den Familien ansetzen, forderte Bourmer. Die Ärztekammer Nordrhein rief 1995 das Programm „Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung in der Primarstufe“ ins Leben, das seit dem Schuljahr 2001/2002 unter dem Namen Gesund macht Schule flächendeckend in Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg in Nordrhein eingeführt wurde. bre Die Zahl extremer Hitzetage mit über 35 Grad Celsius wird nach Ansicht von Meteorologen infolge des Klimawandels in Deutschland zunehmen. Foto: BlackSalmon/istockphoto.com

Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 7 131. Deutscher Ärztetag 2027 Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt werden Schwerpunktthema Nach der Schilderung von Medizinstudentinnen über Grenzverletzungen und Übergriffe von Teilnehmern des 130. Deutschen Ärztetages Mitte Mai in Hannover wird das Ärzteparlament im nächsten Jahr in Wiesbaden das Thema „Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung“ zu einem Schwerpunkt machen. Grenzüberschreitendes Verhalten, sexuelle Belästigung sowie jede Form verbaler oder körperlicher Übergriffe seien absolut inakzeptabel und mit dem Selbstverständnis des ärztlichen Berufs unvereinbar, teilten die Bundesärztekammer und die 17 Landesärztekammern in einer gemeinsamen Erklärung mit. Man werde die Betroffenen bei der Aufarbeitung der konkreten Vorfälle umfassend unterstützen. Um Übergriffe in Zukunft zu verhindern, wollen die Kammern verbindliche Verhaltenskodizes für Veranstaltungen entwickeln und unabhängige Vertrauenspersonen für Betroffene benennen. Eine Umfrage des Marburger Bundes hatte Mitte Jugendliche nutzen KI als Gesundheitsratgeber Fast jeder zweite Jugendliche hat bereits einen KI-Chatbot zu Gesundheitsfragen genutzt. Das zeigt die aktuelle Sinus-Jugendstudie der BARMER. Demnach gaben 48 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an, bei Symptomen oder Gesundheitsfragen eine KI konsultiert zu haben. 53 Prozent halten die vorgeschlagenen Gesundheitstipps für tendenziell vertrauenswürdig. Zudem haben 16 Prozent bereits KI-Anwendungen genutzt, die bei psychischen Belastungen helfen sollen. Insgesamt ist der Studie zufolge die KINutzung stark gestiegen. Rund die Hälfte der Jugendlichen verwendet entsprechende Anwendungen regelmäßig oder täglich. 2023 waren es erst 20 Prozent. MST Kurz gemeldet Gruppentherapie etabliert Die 2020 eingeführte gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung hat sich etabliert und wird vor allem in der Erwachsenenpsychotherapie genutzt. Das geht aus einem Evaluationsbericht des Gemeinsamen Bundesausschusses hervor. Demnach wurde das Angebot zwischen 2021 und 2024 zunehmend in Anspruch genommen. Knapp 73 Prozent der Patienten nahmen nach der gruppenpsychotherapeutischen Grundversorgung eine Richtlinientherapie in Anspruch. 43 Prozent erhielten eine Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie. Die gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung wurde als niedrigschwellige Leistung eingeführt und ist anzeige-, antrags- und genehmigungsfrei. MST Heilmittelkosten deutlich gestiegen Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Heilmitteltherapien sind deutlich gestiegen, während über die Versorgungsqualität weiterhin nur wenig bekannt ist. Zu diesem Fazit kommt der Heilmittel-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Demnach beliefen sich die Ausgaben der GKV im Jahr 2024 auf rund 13,3 Milliarden Euro. Innerhalb von zehn Jahren haben sie sich damit mehr als verdoppelt. Im Jahr 2015 lagen sie noch bei rund sechs Milliarden Euro. Insbesondere die 2024 eingeführte Blankoverordnung für bestimmte Leistungen in der Ergo- und Physiotherapie führe zu höheren Kosten, während ihr Nutzen bislang unklar sei, so der Report. MST Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 14. bis 18. September 2026. Anmeldeschluss: Freitag, 24. Juli 2026 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiterbil dung/Pruefungen ÄkNo Lösungen zur Kasuistik Folge 88 Rezidivierende Infekte, zunehmende Müdigkeit und Knochenschmerzen bei einer 65-jährigen Patientin Richtige Antworten: 1c, 2c, 3d, 4b, 5c, 6c, 7c, 8b, 9b, 10b Folge 89 der Reihe finden Sie in dieser Ausgabe auf S. 27 und im Internet unter www.aekno.de/cme. bre Unikliniken Höhere Gehälter für Ärzte Der Marburger Bund und die Tarifgemeinschaft der Länder haben sich für die Ärztinnen und Ärzte an den landeseigenen Universitätskliniken auf eine Gehaltserhöhung in zwei Schritten geeinigt. Rückwirkend zum 1. April 2026 steigen die Gehälter um 2,95 Prozent, ab 1. September 2027 gibt es weitere 2,45 Prozent mehr. An den Unikliniken in Hamburg, Berlin, Mainz und Hessen gelten abweichende Regelungen. HK April belegt, dass Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung ein strukturelles Problem im Klinikalltag sind. „Wir müssen uns als Ärzteschaft den Umfrageergebnissen und den Schilderungen der Medizinstudentinnen stellen“, erklärte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer. „Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens und Ansprechens von Fehlverhalten. Das muss selbstverständlich werden – für Führungskräfte ebenso wie für Kolleginnen und Kollegen.“ HK Kein Platz für Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt: Die Ärztekammern beziehen Position. Grafik: arcady_31/istockphoto.com

Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Tipps und Service Neues Merkblatt Praxisschilder und Punktekonto welche in welcher Form gemacht werden können. Das Merkblatt findet sich in der Rubrik „Wissenswertens“ und der Unterrubrik „Dokumentenarchiv“ unter der Überschrift „Recht“ (www.aekno.de/dokumentenarchiv). Zum 30. September 2026 entfällt auf der Homepage der Service, das eigene Fortbildungspunktekonto einzusehen unter www.aekno. de/aerzte/fortbildung/fortbildungspunktekonto. Ab 1. Oktober 2026 können Kammermitglieder ausschließlich über das Portal „meine ÄkNo“ auf ihr Punktekonto zugreifen. Die Ärztekammer Nordrhein empfiehlt, sich zeitnah einen Zugang zum Mitgliederportal zu erstellen, falls noch nicht vorhanden. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Die Rechtsabteilung der Ärztekammer Nordrhein hat das Merkblatt „Praxisschilder und Anzeigen ärztlicher Praxen“ aktualisiert. Es steht über die Homepage der Ärztekammer www.aekno.de zur Verfügung. Das 13 Seiten umfassende PDF-Dokument gibt konkrete Hinweise, was bei Praxisschildern nach der Berufsordnung für die Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein, dem Heilmittelwerbegesetz und dem Gesetz zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs zu beachten ist. Auch werden die Normen und Vorgaben mithilfe von Beispielen illustriert. Das Merkblatt geht auf verschiedene Kooperationsformen wie Gemeinschaftspraxen oder Berufsausübungsgemeinschaften ein und informiert darüber, welche Angaben gemacht werden müssen und Forderungen der Apotheker nach mehr Kompetenzen in der Primärversorgung haben die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung Anfang Juni eine Absage erteilt. Statt paralleler Strukturen, die mehr Bürokratie als Entlastung schaffen, müssten die bestehende ärztliche Versorgung sowie die sinnvolle Zusammenarbeit der Berufsgruppen im Gesundheitswesen entsprechend ihrer jeweiligen Qualifikationen gestärkt werden, erklärten die ärztlichen Organisationen. Die Idee einer Primärversorgung durch nichtärztliche Berufe führe zu einer deutlichen Verschlechterung der Versorgung und zu Zusatzkosten. Ein Positionspapier der ABDA – Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände zur zukünftigen Rolle der Apotheken in der Primärversorgung sieht mehr Kompetenzen der Apothekerinnen und Apotheker in der Versorgung vor. Danach sollten die Pharmazeuten künftig stärker in Aufklärung und Information der Patienten zu Gesundheitsthemen eingebunden werden, Präventions- und Früherkennungsangebote in den Apotheken sollten ausgebaut und die Offizin bei unkomplizierten BeschwerMehr als Arzneimittelabgabe und Beratung: Die Apothekerinnen und Apotheker fordern erweiterte Kompetenzen in der Primärversorgung der Patienten. Ärzteschaft Keine Primärversorgung „light“ Rettungskräfte NRW erleichtert Durchfahrt Das Land Nordrhein-Westfalen erleichtert niederländischen und belgischen Rettungskräften die Durchfahrt durch deutsches Gebiet. Künftig dürfen nach Angaben der NRW-Landesregierung Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und weiterer Gefahrenabwehrorganisationen Sonderrechte im Straßenverkehr nutzen, wenn sie auf kürzestem Wege zu einem Einsatz im eigenen Land durch Deutschland fahren. Ziel der Neuregelung ist es, Verzögerungen im Einsatzfall zu vermeiden und rechtliche Unsicherheiten zu beseitigen. Der neue Erlass stärke die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und erleichtere die schnelle Hilfe in der dicht vernetzten Grenzregion. MST DKG und KBV Bürokratieabbau gefordert Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) haben Anfang Juni die Politik aufgefordert, ein längst überfälliges Bürokratieentlastungsgesetz auf den Weg zu bringen. Beide Organisationen hätten bereits Vorschläge unterbreitet, wie durch den Abbau medizinisch unsinniger Vorgaben Geld und Arbeitszeit eingespart werden könnten. Die Zahl an Prüfungen, Anträgen, Genehmigungen und Berichtspflichten habe ein Ausmaß angenommen, das mit keinem Wunsch nach Qualität oder Transparenz mehr zu rechtfertigen sei. Die Politik müsse endlich den Mut zur Deregulierung aufbringen. HK den stärker als erste Anlaufstelle der Patienten etabliert werden, um das Gesundheitssystem zu entlasten, heißt es dort. Dasselbe gelte für die direkte Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel durch Apotheker bei klar abgegrenzten Indikationen wie zum Beispiel Allergien, Konjunktivitis oder Sinusitis. HK Foto: zamrznutitonovi/istockphoto.com

Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 9 RKI Informationen über Ebola Unter www.rki.de/ebola veröffentlicht das Robert Koch-Institut (RKI) Informationen zum aktuellen Ausbruch von Ebolafieber im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, der von der Ebolavirus-Spezies Bundibungyo hervorgerufen wird. Auf der Internetseite ist unter anderem ein Flussschema für Ärztinnen und Ärzte zu empfohlenen Maßnahmen bei Verdacht auf Ebolafieber abrufbar. Ebenfalls abrufbar ist dort das Rahmenkonzept zu Ebola, das die vorhandenen Informationen, Empfehlungen und Regelungen zum seuchenhygienischen und klinischen Management von Ebolafieber in Deutschland zusammenfasst. HK Psychotherapie Honorarabsenkung nicht beanstandet Das Bundesgesundheitsministerium hat die geplante Absenkung der Honorare für Psychologische Psychotherapeuten um 4,5 Prozent nicht beanstandet. Dafür gebe es keine rechtlichen Anhaltspunkte, zitierte das Deutsche Ärzteblatt am 2. Juni das Ministerium. Damit gilt der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses von Mitte März, der gegen die Stimmen der Ärzteseite gefällt wurde. Gegen die Honorarabsenkung hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung damals Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. „Wir gehen fest davon aus, dass dieser Beschluss rechtswidrig ist“, sagte deren Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Ein Urteil steht noch aus. HK Weltnichtrauchertag Tabaksteuer soll in Prävention fließen Paracelsus-Medaille Einsatz für Gleichstellung im Beruf Anlässlich des Weltnichtrauchertags Ende Mai hat die Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) erneut gefordert, die Präventionsmaßnahmen im Kampf gegen den Tabakkonsum zu verstärken. Sie befürworte deshalb die geplante Erhöhung der Tabaksteuer in diesem Jahr und schließe sich den Forderungen des Drogenbeauftragten der Bundesregierung an, die zusätzlichen Einnahmen zweckgebunden im Gesundheitswesen einzusetzen. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer müssten in die Prävention, Rauchentwöhnung und Behandlung von Folgeerkrankungen fließen. Gerade angesichts der drohenden Finanzlücke im Gesundheitswesen und der Diskussionen um Einsparungen sei Prävention kein Add-On mehr, sondern zwingend notwendig, um das Gesundheitssystem langfristig zu entlasten: „Der Tabakkonsum in Deutschland kostet in jedem Jahr rund 131.000 Menschenleben und verursacht über 30 Milliarden Euro direkte Gesundheitskosten“, sagte ÄkNo-Präsident Dr. Sven Dreyer. Rauchen sei das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko hierzulande. Vor allem Kinder und Jugendliche müssten besser vor den Folgen von Nikotin- und Tabakkonsum geschützt werE-Zigaretten werden von Jugendlichen häufig als harmlos wahrgenommen. Gesundheitsexperten warnen aber vor den Risiken. Die beim Erhitzen der Liquids entstehenden Aerosole hätten das Potenzial, das Herz-Kreislauf-System zu schädigen sowie Atemwegserkrankungen und Allergien auszulösen. Foto: RealPeopleGroup/istockphoto.com Dr. Christiane Groß, Allgemeinärztin und Psychotherapeutin aus Wuppertal und langjähriges ehemaliges Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein, ist am 12. Mai in Hannover mit der Paracelsus-Medaille geehrt worden, der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft. Die deutsche Ärzteschaft ehre in Christiane Groß eine Ärztin, die sich in außerordentlicher Weise für gleichberechtigte Karrierewege von Ärztinnen im Gesundheitswesen sowie eine geschlechtersensible Medizin eingesetzt habe, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, im Rahmen der Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetages. Dabei habe Groß immer auch neue, innovative Vorhaben und Technologien wie die Digitalisierung im Gesundheitswesen mit ihren Möglichkeiten und Risiken im Blick gehabt. Berufspolitisch war Groß bis 2024 für die Ärzden. Gerade E-Zigaretten würden von Jugendlichen häufig als harmlos wahrgenommen. „Sie sind es aber nicht", erklärte Dreyer. Werbeverbote für Tabak- und Nikotinprodukte müssten ausgeweitet werden. ÄkNo tekammer Nordrhein aktiv – unter anderem ab 2001 als Mitglied der Kammerversammlung sowie von 2005 bis 2015 und von 2017 bis 2024 im Vorstand. Ihre berufspolitische Heimat ist der Marburger Bund. 2015 wurde Groß für ein ganzes Jahrzehnt Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. 2025 wurde sie zu dessen Ehrenpräsidentin ernannt. Für ihr Engagement für gerechte Karrierewege und eine geschlechtersensible Medizin wurde ihr 2024 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. HK Christiane Groß erhielt die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft. Foto: Jochen Rolfes

Magazin 10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Ich bin richtig froh, dass es mittlerweile endlich Sommer wird. Wenn die Sonne scheint, es warm ist und wenn man Sonnencreme riecht, ist das Leben auch schon viel schöner. Ich mag das Sommersemester im Vergleich zum Wintersemester generell sowieso viel lieber. Denn dann kann ich endlich wieder einen Stuhl auf den Balkon stellen und meine Anki-Karten mit einer Sonnenbrille auf der Nase klicken. Mir fällt bei schönem Wetter auch nochmal mehr auf, wie wichtig es doch ist, einen Ausgleich zum Studieren und Lernen zu haben und auch einmal einfach andere Dinge zu tun. Sei es, ein Erfrischungsgetränk im Park zu genießen oder oder sich auf´s Rennrad zu schwingen und Aachen sowie Umgebung unsicher zu machen. Maastricht ist wirklich schön, da gibt es sehr viele schöne Cafés mit sehr leckerem Kaffee und Kuchen. Allerdings sind tatsächlich hin und zurück 500 Höhenmeter zu überwinden. Ich habe irgendwie gedacht, dass die Niederlande flacher sind. Das hat aber gut gepasst, denn ich stecke gerade mitten im Systemblock Atmungsapparat. Ich konnte also am eigenen Leibe spüren, wie sich so ein absinkender pH-Wert des Blutes durch vermehrte Produktion von Laktat anfühlt und wie toll das meine Lunge durch Abatmen von CO₂ kompensieren kann. Ich finde es immer wieder spannend, das, was ich lerne, auch an meinem Körper zu sehen, zu spüren und auch zu verstehen, obwohl ich das auf den Anstiegen mit Gegenwind nach Maastricht eigentlich gar nicht so cool fand. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de Gesundheit. Gut erklärt. Jetzt für den Medfluencer-Preis 2026 bewerben Die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe vergeben erstmals in diesem Jahr den Medfluencer-Preis. Bei dem Wettbewerb können auch Medizinstudentinnen und -studenten Beiträge einreichen, denn der Wettbewerb ist aufgeteilt in die Kategorien „Ärztinnen und Ärzte“ sowie Medizinstudierende. Dem Gewinner winkt ein Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro. Die Schirmherrschaft für den Medfluencer-Preis 2026 hat Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann übernommen. Ausgezeichnet werden fachlich fundierte und allgemeinverständliche Videobeiträge auf Social Media wie Youtube Shorts, Instagram und TikTok. Alle Beiträge müssen den professionellen Standards der journalistischen Arbeit und der ärztlichen Sorgfaltspflicht genügen. Es können bis zu drei Beiträge eingereicht werden, die zwischen dem 1. Januar und dem 1. Juli 2026 entstanden sind. Über die Preisvergabe entscheidet bis Anfang September 2026 eine sechsköpfige Jury. Dazu zählen die Präsidenten der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, und der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Hans-Albert Gehle. Ebenfalls konnten für die Jury die beiden Medfluencer Dr. Heinz-Wilhelm Esser, besser bekannt als Doc Esser, sowie Dr. Nibras Naami gewonnen werden, der den bekannten Instagram-Kanal „handfussmund“ betreibt. Zudem gehören zur Jury die gesundheitspolitische Sprecherin des Bündnis 90 / Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag Meral Thoms sowie die Journalistin Stephanie Weltmann. Mit dem Preis wollen die beiden Ärztekammern Videos auf Social Media auszeichnen, die auf informative, wissensbasierte und auch Mail aus Aachen Klara Schmitz Foto: privat Praktisches Jahr Forderungen zum Teil erfüllt Im aktuellen Verordnungsentwurf zur Approbationsordnung sind zum Teil seit langem von Medizinstudierenden und ärztlichen Verbänden geforderte Änderungen für das Praktische Jahr (PJ) enthalten. Der Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums sieht bis zu zehn zusätzliche krankheitsbedingte Fehltage sowie die Aufhebung der Deckelung der PJ-Aufwandsentschädigung vor. Die geplanten Änderungen begrüßten sowohl die Bundesvertretung der Medizinstudierenden e.V. (bvmd) als auch der Ausschuss Medizinstudierender im Hartmannbund als erste wichtige Schritte. „Die neue Fehlzeitenregelung ist eine echte Erleichterung, weil nun endlich eine Krankmeldung möglich ist – ohne Sorge, dabei den Urlaub oder Lerntage vor dem dritten Staatsexamen zu verlieren”, sagte Aljoscha Lorentz von der bvmd. Der Wegfall der Deckelung der Aufwandsentschädigung biete Kliniken im ländlichen Raum die Möglichkeit, finanzielle Anreize für PJler zu schaffen und dadurch ihre Attraktivität als Ausbildungsstelle zu steigern. Die Medizinstudierenden im Hartmannbund mahnen gleichzeitig weitere Strukturreformen beim PJ an. Die von der Politik geplanten Maßnahmen ließen zentrale Probleme unberührt. Beispielsweise würden PJler häufig mit Tätigkeiten betraut, die keinen erkennbaren Lernwert haben, wie Botengänge oder Routinetätigkeiten. Ebenfalls fehle es vielerorts an verlässlichen Lehrstrukturen, klar definierten Lernzielen und kontinuierlicher Betreuung, wie eine aktuelle Befragung des Hartmannbunds unter PJ-Studierenden ergab. bre verständliche Weise medizinische Sachverhalte für ein breites Publikum aufbereiten. Die Bewerbungsfrist endet am Freitag, 10. Juli 2026. Nähere Informationen zu den Bewertungskriterien der Beiträge, den Jury-Mitgliedern sowie ein Formular für die Online-Bewerbung finden sich auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein unter www.aekno.de/preis2026. bre

BERATUNG AUF EINEN BLICK www.aekno.de/aerzte/beratung ARZNEIMITTELBERATUNG Dr. med. Ina Falbrede, 0211 4302 2280 ina.falbrede@aekno.de KRISENINTERVENTION NACH TRAUMATISCHEN ERFAHRUNGEN IM ÄRZTLICHEN BERUF Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de BERATUNGSSTELLE FÜR SEXUELLE BELÄSTIGUNG AM ARBEITSPLATZ RAin Katharina Eibl, Aggi Schneider 0211 4302 2306 katharina.eibl@aekno.de aggi.schneider@aekno.de MOBBINGBERATUNG Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de SUBSTITUTIONSGESTÜTZTE BEHANDLUNG OPIOIDABHÄNGIGER Jo Shibata, 0211 4302 2213 stefan.kleinstueck@aekno.de BERUFSRECHTLICHE BERATUNG 0211 4302 2303 rechtsabteilung@aekno.de CIRS-NRW – PATIENTENSICHERHEIT Stephan Linnartz, 0211 4302 2713 stephan.linnartz@aekno.de www.cirsmedical.de/nrw GOÄ Dr. med. Anja Pieritz, Dr. med. Kerrin Prangenberg, Sevda Thomas 0211 4302-2133, -2134, -2135 goae@aekno.de GRENZVERLETZUNGEN UND MISSBRAUCH Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, Gülenay Grevenig, 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de INTERVENTIONSPROGRAMM FÜR ABHÄNGIGKEITSKRANKE ÄRZTE Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de PATIENTENBERATUNG Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, Gülenay Grevenig 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de PRÄVENTIONSGESETZ Sabine Schindler-Marlow, Snezana Marijan 0211 4302 2010, -2031 snezana.marijan@aekno.de ARBEITSSICHERHEIT UND BETRIEBSMEDIZIN Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de MEDIZINETHISCHE BERATUNG (GRÜNDUNGSAUSSCHUSS) Stefan Kleinstück, 0211 4302 2208 ethikberatung@aekno.de QS-STRAHLENSCHUTZ Thomas Winter 0211 4302 2290 qsradnr@aekno.de ÄRZTLICHES HILFSWERK Stefan Kleinstück, 0211 4302 2566 aerztliches.hilfswerk@aekno.de WEITERBILDUNG Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie auf der Internetseite www.aekno.de/weiterbildung Cameravit/istockphoto.com, denisismagilov/stock.adobe.com, Ed Telling/istockphoto.com, fizkes/stock.adobe.com, Alvaro Heinzen/istockphoto.com, Till Erdmenger, jeremias münch/stock.adobe.com, wavebreakmediaMicro/stock adobe.com, PeopleImages/ istockphoto.com, wavebreakmedia/istockphoto.com, Vassiliki Latrovali, Viktor_ Gladkov, pressmaster/stock. adobe.com, unsplash/gettyimages, alvarez/istockphoto.com, Minerva Studio/Fotolia, virtua73/Fotolia, Westend61/Fotolia

12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Thema – 130. Deutscher Ärztetag Foto: wildpixel/istockphoto.com Gut zwei Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Alkohol, bis zu 1,9 Millionen von Medikamenten und schätzungsweise 170.000 von illegalen Opiaten. Diese Zahlen stammen aus dem Jahrbuch Sucht 2026 der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) und belegen, dass Suchtmittelkonsum und Abhängigkeitserkrankungen kein Randphänomen sind. Für den 130. Deutschen Ärztetag war das ein Grund, das Thema Mitte Mai in Hannover auf die Tagesordnung zu setzen und eine Wende in der Suchtmedizin zu fordern: hin zu mehr Prävention, einer Stärkung der Suchthilfe mit der Möglichkeit früher Interventionen sowie einer Förderung suchtmedizinischer Kompetenzen in der ärztlichen Aus-, Weiter- und Fortbildung. Außerdem traten die Abgeordneten dafür ein, der fortdauernden Stigmatisierung von Suchtkranken entgegenzuwirken. Rückenwind erhielten sie dabei aus der Politik. „Wir investieren den größten Teil unseres Geldes in die Reparatur von Krankheiten und nicht in ihre Vermeidung“, kritisierte Professor Dr. Hendrik Streeck vor dem Ärzteparlament. Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung machte dafür auch Fehlanreize im Vergütungssystem für medizinische Leistungen verantwortlich. Es finanziere den späten Schaden besser als die frühe Hilfe. Gerätemedizin und einzelne Prozeduren würden verlässlicher abgebildet als sprechende Medizin, Behandlung, Begleitung und Rehabilitation. Dasselbe gelte für komplexe Behandlungspfade, die Medizin, Psychiatrie, Rehabilitation, Jugendhilfe und Schule zusammenbringen würden, wie das zum Beispiel eine leitliniengerechte Suchtbehandlung von Kindern und Jugendlichen erfordere. „Prävention scheitert in Deutschland nicht an mangelnder Evidenz“, sagte Streeck. Sie scheitere an einer Finanzierungslogik, die Reparatur belohne und Vermeidung benachteilige. „Prävention ist politisch unbequem, weil ihr Erfolg leise ist“, erklärte der Arzt und CDU-Politiker. Gemessen werde dabei nicht, was passiere, sondern was nicht passiere: weniger Sucht, weniger Herzinfarkte, weniger Diabetes, weniger Krebs. Diese Effekte stellten sich aber oft erst nach Jahren ein. Kinder besser schützen Streeck sprach sich in diesem Zusammenhang für tiefgreifende Veränderungen hin zu einem präventionsorientierten Gesundheitssystem aus. Voraussetzung dafür sei neben einer Reform des Vergütungssystems ein Primärversorgungssystem, das nicht nur überweise, sondern führe, und die Förderung von mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. Das sei auch entscheidend für die Suchtmedizin. „Suchterkennung, Suchtvermeidung, Prävention und Frühintervention passen schlecht in ein System, das vor allem dann verlässlich reagiert, wenn die Suchterkrankung manifest ist, wenn sie eindeutig und teuer geworden ist“, sagte Streeck. Suchtmedizin bedeute frühes Erkennen, frühe Hilfe und frühe Intervention. Der Bundesdrogenbeauftragte wies zugleich darauf hin, dass sich die Welt, in der Sucht entstehe, gewanDen Fokus auf Prävention richten Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer Suchterkrankung. Die gesundheitlichen Folgen sind oft gravierend. Neben dem persönlichen Leid entstehen enorme volkswirtschaftliche Kosten. Die Ärzteschaft spricht sich vor diesem Hintergrund für eine Wende in der Suchtmedizin aus: mehr Prävention, frühere Hilfen und weniger Fokus auf reiner Reparaturmedizin. von Heike Korzilius

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 13 Thema – 130. Deutscher Ärztetag delt habe. Sie sei schneller geworden, digitaler, aggressiver und näher an der Lebenswelt junger Menschen. Zu Alkohol, Tabak und illegalen Drogen seien neue Nikotinprodukte hinzugekommen: Einweg-Vapes mit Aromen wie Salted Caramel oder Coca Cola, Nikotinbeutel, die eigentlich verboten, aber dennoch auf Schulhöfen immer häufiger zu finden seien. Synthetische Opioide wie Tilidin und Benzodiazepine seien Teil der Rap-Kultur, während Kokain als Partydroge in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei. Einstieg, Verfügbarkeit und Verharmlosung dieser Drogen seien näher zusammengerückt. „Produkte werden süßer, Verpackungen bunter, Werbung gezielter, Beschaffung einfacher und Risiken insgesamt unsichtbarer“, warnte Streeck. Darauf müsse eine moderne Suchtpolitik antworten und insbesondere Kinder und Jugendliche besser vor Produkten schützen, die gezielt auf Einstieg und Gewöhnung angelegt seien. Er werbe deshalb seit Monaten für eine Erhöhung der Tabaksteuer, strengere Regeln bei Vapes und ein Verbot gesundheitsschädlicher Zusatzstoffe – entsprechende Gesetzentwürfe seien in Arbeit, so Streeck. Auch beim Alkohol müsse gegengesteuert und das begleitete Trinken ab 14 Jahre abgeschafft werden. „Wir müssen Prävention dort verankern, wo junge Menschen sich aufhalten: in Schulen, in Familien, in Sozialen Medien, auf Plattformen, in Parks und Innenstädten“, forderte der Bundesdrogenbeauftragte. Prävention müsse altersgerecht, wiederkehrend und praktisch sein. Dazu gehört für ihn auch ein Kinder- und Jugendschutz, der in digitalen Welten funktioniert. Dazu brauche es auf den Plattformen verlässliche Altersgrenzen, Altersverifikationen und Voreinstellungen, die Kinder schützten – nicht nur vor den Inhalten, sondern auch vor den manipulierenden, suchtfördernden Algorithmen, so Streeck. Ähnliche Forderungen formulierte auch das Ärzteparlament. Am Beispiel Alkohol wies Professor Dr. Norbert Scherbaum auf die gesellschaftlichen Folgen von Suchterkrankungen hin. Im Jahr 2024 seien gut 280.000 Patientinnen und Patienten aufgrund einer ausschließlich durch Alkohol bedingten Diagnose stationär im Krankenhaus behandelt worden, erklärte der 1. Vorsitzende der DHS und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen. Bei mehr als 14.000 Unfällen im Straßenverkehr mit 198 Getöteten sei Alkohol im Spiel gewesen. Die verminderte Impulskontrolle unter Alkoholeinfluss sei mitverantwortlich für zahlreiche Gewaltdelikte, von Widerstand gegen die Staatsgewalt (47,5 Prozent der Tatverdächtigen), über Mord (12,7 Prozent), Totschlag (21,7 Prozent) oder gefährliche Körperverletzung (19,1 Prozent). Dazu kommen Scherbaum zufolge weitere soziale Folgeschäden: Arbeitsunfähigkeit, Fehlzeiten am Arbeitsplatz, Betriebsunfälle, häusliche Gewalt sowie Überforderung beim Umgang mit Kindern, Familie, Freunden und Kollegen. Die volkswirtschaftlichen Kosten des Alkoholkonsums bezifferte der Psychiater mit 57 Milliarden Euro, davon schlagen knapp 16,6 Milliarden an Behandlungskosten zu Buche. Wie Streeck betonte auch Scherbaum die Notwendigkeit von mehr Verhältnisprävention im Kampf gegen die Sucht. Im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern, in denen Alkohol nur in lizensierten Fachgeschäften verkauft werde, sei er in Deutschland flächendeckend und rund um die Uhr verfügbar. Der Preis für alkoholische Getränke sei zudem um 14 Prozent niedriger als im EU-Durchschnitt. Außerdem dürften Jugendliche schon ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt kaufen und konsumieren. Dabei belegten internationale Studien, dass höhere Preise oder ein restriktiverer Zugang den Konsum gesundheitsschädlicher Produkte verringern könnten. Alkohol gehört zur Trinkkultur Verschärfend kommen Scherbaum zufolge soziale Risikofaktoren für den Suchtmittelkonsum hinzu. So gehöre Alkohol in Deutschland zur Trinkkultur, sei Bestandteil von Festen und Freizeitgestaltung und werde massiv beworben. Allein 2024 flossen 465 Millionen Euro in die Alkoholreklame. Auf eine bessere Verhältnisprävention zielten auch die Beschlüsse des 130. Deutschen Ärztetages. Die Politik schöpfe wirksame Maßnahmen bei legalen Suchtmitteln bei Weitem nicht aus, kritisierten die Abgeordneten. Sie forderten Bund und Länder auf, suchtpolitische Maßnahmen an wissenschaftlicher Evidenz auszurichten. Dabei dürften wirtschaftliche Interessen nicht über gesundheitliche Ziele gestellt werden. Die Ärzteschaft kritisierte zudem die vielerorts unzureichend finanzierten Strukturen der Suchthilfe. Die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen erfolge multiprofessionell und beinhalte neben der medizinischen Behandlung auch die Inanspruchnahme von Suchtberatungsstellen für Prävention und Frühintervention. Dabei würden allerdings nur drei Viertel der öffentlich finanzierten Beratungsstellen kostendeckend finanziert. Niedrigschwellige Angebote müssten deshalb ausgebaut und besser mit der medizinischen Versorgung verzahnt werden. Um den Zugang zur Versorgung zu verbessern, muss nach Ansicht des Ärzteparlaments auch der fortdauernden Stigmatisierung von Suchtkranken entgegengewirkt werden. Schuldzuweisungen, moralische Bewertungen und gesellschaftliche Ausgrenzung führten häufig dazu, dass Betroffene notwendige Hilfe zu spät oder gar nicht in Anspruch nähmen. Der ärztlichen Profession komme hier eine besondere Verantwortung zu. Ein vorurteilsfreier, empathischer und fachlich fundierter Umgang mit Betroffenen müsse sowohl in der Aus-, Weiter- und Fortbildung als auch in der Versorgungspraxis verankert sein. Der Bundesdrogenbeauftragte Streeck formulierte es so: „Suchterkrankungen isolieren und stigmatisieren. Sie werden versteckt, verharmlost und entschuldigt – nach außen und auch oft vor sich selbst.“ Für die Suchtmedizin gelte deshalb ein sehr einfacher Grundsatz: Es gebe selten ein zu früh, aber sehr leicht ein zu spät.

14 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Thema – 130. Deutscher Ärztetag Der 130. Deutsche Ärztetag (DÄT), das „Parlament der Ärzteschaft“, kam vom 12. bis 15. Mai 2026 zusammen, um gesundheitspolitische Impulse zu setzen und wichtige berufspolitische Entscheidungen zu treffen. Im Fokus des berufspolitischen Interesses standen die Ausführungen von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, die rückblickend von den Abgeordneten als wenig visionär bewertet wurden. Jeweils einen ganzen Tag beschäftigte sich das Parlament mit den Themen „Suchtmedizin im Wandel“ und der „Weiterentwicklung der Weiterbildungsordnung“. Die berufspolitische Debatte wurde am letzten Sitzungstag überschattet von Berichten über herabwürdigende Äußerungen und Grenzüberschreitungen gegenüber weiblichen Medizinstudierenden während des Ärztetags (siehe Seite 7). Wie die nordrheinischen Abgeordneten den Ärztetag in Hannover ganz persönlich erlebt haben und welche Anträge und Debatten ihnen am wichtigsten waren, schilderten sie im Nachgang dem Rheinischen Ärzteblatt. Als Delegierte habe ich den diesjährigen Deutschen Ärztetag mit großen Erwartungen, aber auch mit einer großen Verantwortung für die Zukunft unseres Berufsstandes besucht. Rückblickend hinterlässt diese Woche in mir ein zutiefst zwiespältiges Gefühl: Auf der einen Seite steht der lang ersehnte meilensteinartige Fortschritt in der ärztlichen Weiterbildung – auf der anderen Seite ein erschreckendes zwischenmenschliches und kulturpolitisches Ärztetag in Hannover: gute Debatten – große Herausforderung Armutszeugnis im Umgang mit unserem eigenen Nachwuchs. Ein Meilenstein für die Zukunft: Die neue (Muster-)Weiterbildungsordnung und die Einführung der CanMEDS-Rollen im allgemeinen Teil der Weiterbildung, mit denen wir den Anforderungen einer modernen, flexiblen und qualitativ hochwertigen Ausbildung gerecht werden. Ärztinnen und Ärzte werden explizit nicht mehr nur als medizinische Experten definiert, sondern auch in ihren Rollen als Kommunikatoren, Teamworker, Führungskräfte und gesellschaftliche Interessenvertreter. Diese Reform war überfällig, um die Weiterbildung an die Realität des 21. Jahrhunderts anzupassen und den Beruf für nachfolgende Generationen attraktiv zu gestalten. Leider hat mich der geschilderte Umgang mit weiblichen Medizinstudierenden am letzten Sitzungstag fassungslos und wütend gemacht. Wir haben junge, engagierte Medizinstudierende – die Zukunft unserer Versorgung – explizit auf diesen Ärztetag eingeladen, um ihnen eine Stimme zu geben und sie für die Standespolitik zu begeistern. Doch anstatt sie mit Offenheit und Mentoring zu empfangen, wurden sie patriarchalen Verhaltensmustern ausgesetzt, die in einer modernen Medizin absolut keinen Platz mehr haben dürfen. Fazit und Forderung: Wir können nicht auf dem Podium mühsam ein fortschrittliches Kompetenzmodell wie CanMEDS beschließen – das Werte wie Teamarbeit, professionelles Handeln und Kommunikation einfordert – während im Plenarsaal und am Rande der Debatten genau diese Werte mit Füßen getreten werden. Das Missbrauchs-Thema als Paukenschlag am letzten Tag des DÄT war laut und nachhallend. Es ist ausgesprochen wichtig, ebenso wie das Thema „Respekt und Grenz-Wahrung, Austarieren von Nähe und Distanz“ in der Arzt-Arzt-, Arzt-Team- ebenso wie in der Arzt-Patientenbeziehung, womit wir uns in der ÄkNo seit langer Zeit beschäftigen. Bundesärztekammerpräsident Dr. Reinhardt hat die brandgefährliche politische Situation der Medizin in seiner hervorragenden Eröffnungsrede auf den Punkt gebracht. Das GKV-Spargesetz lässt ein patientenorientiertes Gesundheitssystem nicht mehr möglich erscheinen, das geplante Digitalgesetz (GeDIG) untergräbt die ärztliche Schweigepflicht und das Vertrauen in die Arzt-Patienten-Beziehung ebenso wie die von verschiedenen Bundesländern in die Diskussion gebrachte Veränderung der Gesetzgebung zum Thema „Gefahr der Gewalt von psychisch Kranken“, die u. a. Meldepflicht und Melderecht im PsychKG regelt. Hervorragend der geänderte VorstandsAntrag Ic-8, der bei diesen Patienten die Behandlung vor Stigmatisierung sieht – und zwar unter ärztlicher Leitung und Verantwortung! Sucht als wichtiges Thema wurde von den Referenten beleuchtet, insbesondere das „Neudenken“ des Cannabis-Themas. Sicherlich war nicht nur ich enttäuscht, dass weit über 100 Anträge aus zwei TOPs, in die viel Herzblut und geistige Anstrengung investiert worden waren, aus Zeitmangel im Konvolut an den Vorstand überwiesen werden mussten. Wie in den letzten Jahren waren darunter leider auch wieder die Anträge zum TOP Ic-Unterthema „Psychotherapie, Versorgung psychisch kranker Menschen“, von denen lediglich der erwähnte Vorstandsantrag abgestimmt wurde. Die freundliche, wertschätzende und konstruktive Diskussion unter uns Delegierten der Ärztekammer Nordrhein, aber auch mit Kolleginnen und Kollegen anderer Kammern war ausgesprochen wohltuend und fruchtbar. Ich bin in diesem Jahr mit sehr gemischten Gefühlen vom Ärztetag in Hannover heim- „Ein Meilenstein für die Zukunft: Die Einführung der CanMEDSRollen.“ Dr. Annette Bauer (Essen) Foto: privat „Das geplante Digitalgesetz untergräbt die ärztliche Schweigepflicht.“ Christa Bartels (Zülpich) Foto: Jochen Rolfes

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 15 gesordnungspunkte, inklusive der dazugehörigen Debatten zu vielen Anträgen, der Zeit zum Opfer fielen und gebündelt an den Vorstand überwiesen wurden. Dazu gehört unter anderem der Unterpunkt IVc zum Schwerpunkt-Thema Weiterbildung sowie auch einige Anträge unter Ic. Ich verstehe nicht, warum man aus den Erfahrungen der letzten Jahre nicht gelernt hat, um die Abläufe zu optimieren. Müssen es wirklich zwei Schwerpunktthemen sein? Suchtmedizin und Weiterbildung sind immens wichtig, aber vielleicht hätte man die Themen auf zwei Ärztetage verteilen können. Und ich stelle mir auch die Frage, ob alle Berichte in epischer Breite gehalten werden müssen? Hier könnte man über neuere Formate nachdenken, wie zum Beispiel eine dem Ärztetag vorgeschaltete Videokonferenz. Auf dieser könnten den Delegierten die Berichte zur Kenntnis gebracht und die Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. So könnte die Zeit auf dem Ärztetag selbst effektiv für gezielte inhaltliche Rückfragen an die Referenten genutzt werden. Mit so einem Verfahren bliebe dann auch die Zeit für die Anträge und Diskussionen, die nicht zu den Schwerpunktthemen gestellt werden, aber dennoch wichtig für unsere Berufsausübung sind. Ein Deutscher Ärztetag hat im Vorfeld eine Tagesordnung, bei der man denken muss, es wäre schnell abgehandelt und alles sei klar. Nein, so war es dieses Jahr wieder einmal nicht. Viel besser gestaltet als in den letzten Jahren war die Antragsannahme mit Zeitvorgaben, die es einem gestattete, sich mit den Anträgen ausreichend vorher zu beschäftigen und dann zum Teil auch nochmals in Gespräche mit den Antragstellern zu gehen. Auch wurden mögliche Unklarheiten von dem Team der Bundesärztekammer frühzeitig erkannt und mit den Antragstellern im konstruktiven und wertschätzenden Austausch geklärt. Dafür bedanke ich mich bei den Mitarbeitern im „Hintergrund“ sehr herzlich. Mein Dank gilt auch der eigenen Kammerbegleitung. Enttäuscht war ich nur von der Gesundheitsministerin, die sich als Politikerin präsentierte, die eher verwaltet als gestaltet. Es fehlte leider die Vision einer Weiterentwicklung unseres Gesundheitswesens. Auch frage ich mich, warum eine abgestimmte GOÄ-Vorlage nochmals unabhängig geprüft werden muss? In der Befassung mit unserer Weiterbildung wurde ein Kapitel abgeschlossen, so dass ich mir erhoffe, dass durch die Eingaben der „jungen Ärztinnen und Ärzte“ eine Weiterbildungsordnung entwickelt werden kann, die sich den modernen Lehr- und Lernmethoden öffnet. Stichwort: Neu-Denken. Ich komme nach diesem Ärztetag mit vielen verschiedenen Eindrücken und Emotionen zurück. Neben all den Diskussionen und Kontroversen sowie teils knappen Abstimmungsergebnissen ist mir sehr positiv aufgefallen, wieviel Zuspruch die Einführung der CanMEDS-Rollen in die (Muster-) Weiterbildungsordnung hatte. Mehr Haltung beziehen – Weiterbildung nicht nur als rein fachliche Aufgabe betrachten! Wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen, auch gekehrt. Sehr gut hat mir auf der Eröffnungsveranstaltung die Rede des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, gefallen, in der er die Auswirkungen des GKVBeitragssatzstabilisierungsgesetz für Kliniken und Praxen klar benannt hat. Ebenfalls habe ich mich sehr gefreut, dass bei der Eröffnungsveranstaltung Dr. Christiane Groß, Ehrenpräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes und langjähriges ehemaliges Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein, mit der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet wurde. Wir haben Christiane Groß als Kollegin kennengelernt, die sich mit großem und geduldigem Engagement für die Gleichstellung von Ärztinnen in der Medizin eingesetzt hat. Dass ihre Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist, zeigen viele Umfragen. Einen ganzen Tag hat sich der Ärztetag mit dem Thema einer moderneren und schlankeren Weiterbildung beschäftigt. Eine wichtige Anpassung ist die Neustrukturierung der allgemeinen Inhalte der Weiterbildung an verschiedene ärztliche Rollen (CanMEDS-Modell). Beschlossen wurde zudem, dass Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung künftig strukturiert lernen sollen, mit Todes- und Suizidwünschen ihrer Patientinnen und Patienten umzugehen und Grundlagen der Suizidprävention zu kennen. Neben diesen vielen guten Beschlüssen haben mich die Schilderungen von Medizinstudentinnen über Grenzverletzungen und Übergriffe von Teilnehmenden des 130. Deutschen Ärztetages, die ich aufgrund anderer Verpflichtungen nur medial verfolgt habe, erschüttert. Ich begrüße daher den Beschluss, das Thema auf dem nächsten Deutschen Ärztetag intensiv zu besprechen. Dass es sich hier nicht um Einzelfälle handelt, belegt ja die Erhebung des Marburger Bundes aus diesem Frühjahr. Besonders bemerkenswert und ärgerlich finde ich es, dass nun erneut wichtige TaThema – 130. Deutscher Ärztetag „Ein Plus: die pointierte Rede von Dr. Klaus Reinhardt.“ Dr. Arndt Berson (Kempen) Foto: Jochen Rolfes „Wir brauchen eine effizientere Zeitgestaltung für den Ärztetag.“ Sebastian Exner (Stolberg) Foto: Jochen Rolfes „Bundesgesundheitsministerin Warken fehlt eine Vision für unser Gesundheitswesen.“ Professor Dr. med. Hansjörg Heep (Essen) Foto: Jochen Rolfes „Ich bin heute schon gespannt auf den 131. Deutschen Ärztetag!“ Jana Rönsch (Köln) Foto: Sabine Schindler-Marlow

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