40 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Kulturspiegel die schreitenden Füße der Passanten werfen abstrakte Geometrien auf den Boden, und auch der einsame Frosch erhüpft seine eigene Lichtspur. Für diese Entdeckung des Nebensächlichen gab es auch den „Preis der Ökumenische Jury“ und eine lobende Erwähnung. Mich hat der Streifen „an open field“ von Teboho Edkins (F/D/SA) sehr angesprochen. 157 Menschen starben vor Jahren bei einem Flugzeugabsturz in Äthiopien, vornehmlich junge Menschen auf dem Weg zu einer Konferenz in London. Der Filmemacher, der der Bruder eines der Opfer ist, reist zum Absturzort und schildert mit subtilen, einfühlsamen Bildern, wie die dortige einheimische, bettelarme Bevölkerung mit den Opfern der Katastrophe umgeht und mit der eigenen, ritualen Toten-Kultur den fremden Unfalltoten eine würdige Erinnerungsstätte erschafft. Eine großartige Zeichnung von Menschen, die ihre eigenen Werte und Würde leben. Alle Preisträger und prämierten Filme können auf der Homepage www.kurzfilm tage.de nachgeschlagen werden. Dr. Rainer M. Holzborn ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Vorsitzender der Kreisstelle Duisburg der Ärztekammer Nordrhein. Was macht diesen Film so besonders? Nur eine Kamera, fest installiert, filmt im Dunkel der Nacht eine Landschaft, einen Ortsrand, mystisch und geheimnisvoll. Ist alles statisch, ist da Leben? Ja, hier dringt ein Lichtstrahl aus einem Fenster, eine Tür öffnet und schließt sich wieder. Licht reißt Bäume, Büsche und Häuser aus der Finsternis. Ein Traktor fährt weg und kommt wieder. Im Licht der Scheinwerfer ein Weg, dann wieder Dunkel, Stille. Ein Mensch kommt, wo bleibt er? Wie im GuckkastenKino enthüllt punktuell das Licht das Ensemble, bis dann im ersten Morgengrauen aus den Lichttupfern ein Gesamtbild wird, das man endlich erkennt. Auch der Hauptpreis der Internationalen Jury „Hei Dong Dong“ (Dunkler Tunnel) des Chinesen Ye Zhe beobachtet elf Minuten lang belebtes Licht. Ein schmaler Tunnel unter einer Schnellstraße verbindet den Wald mit der Stadt. Menschen und Tiere aller Art nutzen die triste Betonröhre. Das kalte Neonlicht spiegelt sich in Wasserpfützen. Und dieses gespiegelte Lichtband hat ein faszinierendes Eigenleben. Die Erschütterungen des Verkehrs verursachen bizarre Zackenmuster, die Reifen der Radfahrer, Gewinnerfilme der Oberhausener Kurzfilmtage spielen mit Licht. von Rainer M. Holzborn Vor wenigen Wochen fanden in Oberhausen die 72. Internationalen Kurzfilmtage statt. Ein buntes, vornehmlich junges, internationales Publikum bevölkerte bei bestem Frühlingswetter die Innenstadt der ehemaligen Montanstadt im Ruhrgebiet. Wieder einmal zeigte sich, dass dieses Festival zu den bedeutendsten Kurzfilm-Werkschauen der Welt gehört. In den fünf Wettbewerben zeigten die Kurzfilmtage 121 Produktionen aus 48 Ländern. Es wurden Preisgelder in Höhe von insgesamt 45.000 Euro verteilt. Einen breiten Raum nahmen auch die Kinder- und Jugendfilmwettbewerbe ein, und Musik-Videos können sogar online vom Publikum gesehen und bewertet werden. In diesen Tagen erfuhr man aus der Presse, dass man in Bocholt die roten Sessel des Stadttheaters vermisst. Wie gut, dass dies der Spielstätte der Kurzfilmtage, der Lichtburg in Oberhausen, nicht passiert ist. So konnte ich an den sechs Festival-Tagen auf dem gewohnten roten Velour-Polstersitz Nr. 8, Reihe 12 bequem Platz nehmen und die Kino-Atmosphäre genießen, als der Vorhang aufging. Pünktliches Erscheinen war angesagt, denn die neun Vorstellungen des „Internationalen Wettbewerbs“ waren jeweils bis auf den letzten Platz von Cineasten belegt. 90 Beiträge wurden in diesem Wettbewerb gezeigt, die Filmemacher waren fast alle persönlich anwesend. Nach der Vorstellung in der Lichtburg ging es für das fachkundige Publikum zum „Festival Space“, um mit Jury und Autoren über die vorher gezeigten Werke zu diskutieren. Absoluter Abräumer war in diesem Jahr der Film „Opera“ des 43 Jahre alten Kroaten Igor Zelić. Der 19 Minuten lange Farbfilm, der in Oberhausen seine Welt-Uraufführung hatte, erhielt gleich drei Preise: Den „Großen Preis der Stadt Oberhausen“, dotiert mit 8.000 Euro, den „Ersten Preis der Jury des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW“, dotiert mit 5.000 Euro und den „Preis der Internationalen Filmkritik“. Lichtspiele in der Lichtburg Der Film „Opera“ wurde mit drei Preisen auf den diesjährigen Oberhausener Kurzfilmtagen ausgezeichnet und war damit der erfolgreichste Film des Festivals. Foto: Opera @ Igor Zelić, Kroatien 2026
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