GKV-Finanzen Jetzt wird gespart Markt minderwertiger Studien wächst Sollte die Zahl der Publikationen noch über Karrieren entscheiden? Ärztinnen und Ärzte als Medfluencer Kommerzielle Interessen unvereinbar mit Berufsethos Kampf gegen den Organmangel Erneute Debatte um die Widerspruchslösung August 2026 Heft 8 / 31.07.2026 81. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts
Begrüßung und Grußworte Staatssekretär Matthias Heidmeier, Dr. med. Sven Dreyer, Dr. med. Johannes Albert Gehle Einführung und Moderation Prof. Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione, MSc Geschlechterunterschiede bei psychischen Erkrankungen Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard Baune, MPH, MBA, FRANZCP One Size Fits All? – Warum Geschlecht in der Neurologie entscheidend ist Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee Geschlechteraspekte bei Krebserkrankungen PD Dr. med. Andrea Kindler-Röhrborn Endokrinologische und metabolische Erkrankungen: Geschlechterspezifische Betrachtungen Dr. med. Jenny Bischoff Podiumsdiskussion Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard Baune, MPH, MBA, FRANZCP, Dr. med. Jenny Bischoff, Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee, PD Dr. med. Andrea Kindler-Röhrborn, Prof. Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione, MSc Veranstaltungsinformationen: Nähere Informationen zu den Referierenden finden Sie online. Die Veranstaltung ist kostenfrei und mit 4 Fortbildungspunkten anerkannt! Anmeldung erforderlich unter www.iqn.de. Geschlechtersensible Gesundheitsversorgung Unterschiedlich behandelt – besser versorgt! Präsenzveranstaltung im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf Freitag, 02.10.2026, von 15:00 bis 18:45 Uhr Haben Sie die geschlechterabhängigen Unterschiede im Blick? Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zeigen eindrücklich, wie Krankheitsrisiken und -verläufe maßgeblich vom biologischen und sozialen Geschlecht beeinflusst werden. In unserer Veranstaltung beleuchten wir die Relevanz der geschlechtersensiblen Medizin für vier große Fachbereiche und erörtern diese in einer Podiumsdiskussion mit Ihnen und den Expertinnen und Experten. Ergänzend zur Veranstaltung wird vom 16.09. bis 14.10.2026 die Wanderausstellung zum Thema „Geschlechtersensible Medizin“ im Haus der Ärzteschaft präsentiert.
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 3 Heft 8 • August 2026 Erneuter Weckruf Am extremen Hitzewochenende Ende Juni mit Temperaturen über 40 Grad sind viele Kliniken, Pflegeeinrichtungen und auch Rettungsdienste in Nordrhein-Westfalen an ihre Grenzen gestoßen. Patientinnen und Patienten mussten in überhitzten Krankenzimmern betreut werden. Notaufnahmen und Intensivstationen waren teilweise überlastet. Manche Pflegeeinrichtungen mussten Bewohner aus ihren Zimmern evakuieren. Die Klimaprognosen zeigen, dass wir uns heute und auch in den kommenden Jahren auf häufigere sowie längere Hitzeperioden dieser Art einstellen müssen. Dies wird einen erheblichen und unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit der gesamten Bevölkerung haben, vor allem auf ältere und chronisch kranke Menschen, aber auch auf Säuglinge und Kinder. Wir können den Klimawandel medizinisch nicht behandeln. Wir müssen aber seine Auswirkung auf die Gesundheitsversorgung beherrschbar machen. Das war auch Konsens eines Treffens mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der nach der Juni-Hitzewelle die beiden Landesärztekammern, die Pflegekammer, den Rettungsdienst und die Krankenhausgesellschaft zum Gespräch über die Herausforderungen des Hitzeschutzes geladen hatte. Einig waren sich die Beteiligten des Hitzedialogs darin, dass wir eine bessere Sensibilisierung der Bevölkerung erreichen müssen. Wir benötigen eine durchgreifende Information der Bürgerinnen und Bürger über die schon bestehenden lokalen Hitzeaktionspläne. Insbesondere Angebote von kühlen Räumen wie Kirchen, Bibliotheken oder anderen öffentlichen Gebäuden müssen ausgebaut und bekannt sein. Wir sollten außerdem gemeinsam an einem stärkeren Bewusstsein in der Bevölkerung arbeiten, welche massiven und ganz konkreten Gesundheitsgefahren von Hitze ausgehen – und dass beispielsweise der Anruf bei den eigenen Großeltern, Eltern oder Verwandten sowie das Klingeln an der Tür der älteren Nachbarin schon maßgeblich dazu beitragen können, Leben zu schützen und zu retten. Aber Hitzeschutz darf nicht beim Individuum enden. Hitzeschutz ist mehr. Wenn wir nicht wollen, dass Belegschaften in Kliniken, Praxen, Rettungsdienst und Bereitschaftsdienst in heißen Sommern regelhaft überlastet werden, dann müssen wir auch strukturell etwas ändern und wir müssen jetzt damit beginnen. Laut Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin sind Hitzebelastungen in rund zwei Drittel der Kliniken nicht in Krankenhauseinsatzplänen berücksichtigt. Es fehlen unter anderem kühle Räume und personelle Reserven – eine Situation, die sich durch das vor der Sommerpause von Bundestag und Bundesrat beschlossene GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz eher noch verschärfen wird. Das darf nicht sein, wenn wir Bevölkerungsschutz ernst nehmen. Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen müssen finanziell und organisatorisch dazu befähigt werden, sich auf intensive Hitzephasen einzustellen. Darüber hinaus brauchen wir ein verbindliches Hitzewarnsystem für Kliniken, Rettungsdienste, die ambulanten Bereitschaftsdienste und weitere Gesundheitseinrichtungen, damit Dienstpläne angepasst und benötigte Kapazitäten rechtzeitig freigehalten werden können. Mein Eindruck ist, dass wir die Folgen extremer Hitze immer noch unterschätzen. Laut RKI hat die Hitzewelle bis Ende Juni dieses Jahres 5.100 Menschen das Leben gekostet, davon allein 1.230 in Nordrhein-Westfalen – im gesamten vergangenen Jahr waren es 2.600 Menschen. Bereits in den Sommern 2018 und 2019 starben hitzebedingt tausende Menschen, Lehren haben wir bisher anscheinend kaum daraus gezogen. Das müssen wir ändern und zwar jetzt. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes
Freitag, 11. September 2026, 14:00 bis 19:00 Uhr Präsenz, Düsseldorf 11.09. Samstag, 12. September 2026, 9:00 bis 13:30 Uhr Online, für Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und -therapeuten in getrennten Veranstaltungen 12.09. Jetzt anmelden unter kvno.de/startup Fit für die Praxis 2026 Das Seminar „Start-up in die ambulante Versorgung“ vermittelt in zwei Seminar- tagen alles Wichtige zur Niederlassung. Tag 1 (Freitag): Vorträge, Austausch und Beratung in Präsenz Tag 2 (Samstag): Onlinevorträge zu Abrechnung, Honorar und Verordnungen
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 5 Heft 8 • August 2026 Meinung Erneuter Weckruf Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 Hitzewelle belastet Gesundheitswesen · Vor 50 Jahren · MFA: Qualifizierter Nachwuchs für Nordrheins Praxen · Rettungsdienst NRW: Übergangslösung zur Finanzierung von Fehlfahrten · Kammer Online · Kindergesundheit: Zahl der Fälle von Misshandlungen auf Höchststand · Gebühr entfällt bei erster Facharztprüfung · Studium und Berufseinstieg Thema Jetzt wird gespart Seite 12 Spezial Publizieren ohne Ende Seite 14 Gesundheits- und Sozialpolitik „Gute Delegation ist ein geplanter Qualitätsprozess“ Seite 18 Praxis Ärztinnen und Ärzte als „Medfluencer“ – Folge 154 der Reihe „Arzt und Recht“ Seite 20 Forum Diversitätssensible Versorgung erhöht die Patientensicherheit Seite 21 Integrierte Notfallplanung für mehr Handlungssicherheit in der Notfallmedizin Seite 22 Widerspruchslösung wieder auf der Tagesordnung Seite 24 Wissenschaft und Fortbildung Fehlerhafte Diagnostik und Therapie nach Quad-Unfall – Folge 151 der Reihe „Aus der Arbeit der Gutachterkommission“ Seite 26 Tagungen und Kurse Seite 28 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 29 RÄ Regional Seite 33 Bücher Seite 36 An Rhein und Ruhr Seite 38 Kulturspiegel Von beschleunigten Teilchen und verzweifelten Schwestern Seite 39 Amtliche Bekanntmachungen Seite 40 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 40 Mein Beruf „Patienten sagen, sie können endlich sie selbst sein“ Seite 47 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: banusevim/istockphoto.com Publizieren ohne Ende Der Druck auf Wissenschaftler und Mediziner nimmt zu, Forschungsergebnisse zu publizieren, um Karrieren zu sichern oder Fördermittel zu erhalten. Dies schafft auch einen Markt, auf dem gefälschte oder minderwertige Texte im Angebot sind. Widerspruchslösung wieder auf der Tagesordnung Bei einer Grundsatzdiskussion im Deutschen Bundestag warb Ende Juni eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten erneut dafür, dass künftig jeder als potenzieller Organspender gilt, der zu Lebzeiten nicht aktiv widersprochen hat. Bundestag und Bundesrat haben am 10. Juli grünes Licht für das umstrittene Sparpaket der Bundesregierung zur Sanierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung gegeben. Es sieht allein für 2027 Minderausgaben von knapp 19 Milliarden Euro vor. Praxen und Krankenhäuser warnen vor einer spürbaren Verschlechterung der Versorgung. GKV-Finanzen Jetzt wird gespart
6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 Magazin Umfrage Landleben gesünder als in der Stadt Menschen auf dem Land bewerten ihr Wohnumfeld häufiger als gesundheitsförderlicher als Stadtbewohner. Das zeigt eine Umfrage im Auftrag der Barmer. Demnach schätzten 47 Prozent der Befragten aus ländlichen Regionen ihr Umfeld als sehr gesund ein, in städtischen Gebieten waren es dagegen nur 27 Prozent. Auch beim Einkommen zeigten sich Unterschiede: Befragte mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von mindestens 5.000 Euro bewerteten ihr Wohnumfeld häufiger als sehr gesund als Personen mit weniger als 3.000 Euro Einkommen. MST Weltdrogentag Kokainkonsum steigt Der Konsum von Kokain unter jungen Erwachsenen hat in Deutschland deutlich zugenommen. Das geht aus der Drogenaffinitätsstudie 2025 hervor, die Ende Juni vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit veröffentlicht wurde. Demnach stieg der Anteil der 18- bis 25-Jährigen, die in den vergangenen zwölf Monaten Kokain konsumiert hatten, innerhalb von zehn Jahren von 1,2 auf 4,1 Prozent. Bei jungen Männern erhöhte sich der Anteil deutlich von 1,8 auf 5,7 Prozent. Bei jungen Frauen stieg er im gleichen Zeitraum von 0,5 auf 2,4 Prozent. Insgesamt gaben 18,7 Prozent der jungen Erwachsenen an, bereits Erfahrungen mit mindestens einer illegalen Droge gemacht zu haben. Bei Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren lag dieser Anteil bei 2,5 Prozent. MST Hitzeschutz Hitzewelle belastet Gesundheitswesen Die Hitzewelle Ende Juni führte in Teilen des nordrhein-westfälischen Gesundheitswesens zu erheblichen Belastungen. Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums kam es insbesondere im Rettungsdienst und in den Krankenhäusern zu hitzebedingten Überlastungssituationen. Das Robert Koch-Institut schätzte die Zahl der hitzebedingten Todesfälle bis Ende Juni bundesweit auf etwa 5.100, davon 1.230 in NRW. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann lud Anfang Juli die Akteure des Gesundheitswesens, darunter die beiden Ärztekammern des Landes, zum Austausch über die Herausforderungen künftiger Hitzeperioden. Die Beteiligten forderten unter anderem, dass die Bevölkerung und die Einrichtungen besser für die Risiken durch extreme Hitze sensibilisiert werden müssten. Zudem müsse eine flächendeckende Warnsystematik eingeführt sowie Hitzewellen stärker in der Krankenhausalarmplanung berücksichtigt werden. Außerdem solle der Ausbau sogenannter kühler Orte in den Kommunen vorangetrieben werden. Im Rahmen des Hitzeschutzes stellte das Land in diesem Jahr nach eigenen Angaben rund 250.000 Euro für Hilfen für wohnungslose Menschen bereit. Das Ministerium wies zudem darauf hin, dass im Rahmen der Krankenhausplanung im Zeitraum von 2024 bis 2027 rund 800 Millionen Euro für Klimaanpassungsmaßnahmen vorgesehen sind. MST Laudation und Fortbildung Vom Vater der Ärzteversorgung und Norderney In der zweiten August-Ausgabe des Rheinischen Ärzteblatts (RÄ) 1976 wurde dem Leitenden Geschäftsführer der Nordrheinischen Ärzteversorgung Dr. Werner Möller zum 65. Geburtstag gratuliert. „Die Verdienste, die sich der Jubilar in der langen Zeit seines berufsständischen Wirkens erworben hat, sind gar nicht hoch genug einzuschätzen“. Der Essener Hautarzt war Gründer der Nordrheinischen Ärzteversorgung, die er seit 1959 leitete und die als „Organisation mit Vorbildcharakter“ galt. „Ärztliche Versorgungswerke in anderen Bundesländern wurden nach dem Düsseldorfer Modell aufgebaut“, schrieb das RÄ. Es sei Möller erstmals in der Bundesrepublik Deutschland gelungen, das System der „dynamischen einkommensbezogenen Rente mit dem Verfahren der vollen Kapitaldeckung zu verbinden“. Mit einer Sonderausgabe des RÄ im August 1976 wurden die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte auf die Fortbildungswoche der Ärztekammer Nordrhein auf Norderney aufmerksam gemacht. Einige Vorträge aus dem Jahr zuvor wurden komplett abgedruckt. Der Veranstaltungsplan sei „eine gesunde Mischung“ aus Vorträgen, Kursen und Seminaren, der Raum lasse, „die klimatischen und sonstigen Möglichkeiten der Insel zu nutzen“, beschrieb der damalige Fortbildungsbeauftragte Professor Dr. Ulrich Kanzow das Konzept. Damit war die Fortbildungswoche eine Synthese aus fachlicher Fortbildung und „körperlicher Erholung und Entspannung“. Das Sonderheft sollte „eine gute Übersicht“ über das Angebot auf Norderney vermitteln und den einen oder anderen anregen, „sich einmal persönlich von der Qualität der Vorträge“ zu überzeugen, schrieb Kanzow. bre Zu 1.230 hitzebedingten Todesfällen kam es bis Ende Juni allein in NRW, schätzt das Robert Koch-Institut. Foto: FotografiaBasica/istockphoto.com
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 7 Medizinische Fachangestellte Qualifizierter Nachwuchs für Nordrheins Praxen Insgesamt 2.321 Auszubildende zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) haben in Nordrhein ihre Abschlussprüfung im Winter 2025/26 oder im Sommer 2026 erfolgreich bestanden. Auf den Lossprechungsfeiern überreichten zahlreiche Kreisstellen den neuen MFA in feierlichem Rahmen ihre Abschlusszeugnisse. Dr. Martin Ditges, Ausbildungsbeauftragter der Kreisstelle Wesel der Ärztekammer Nordrhein, betonte in seiner Laudatio auf der Lossprechungsfeier Anfang Juli im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft die große Bedeutung des Berufs der Medizinischen Fachangestellten für die Patientenversorgung, insbesondere vor dem Hintergrund des anhaltenden Fachkräftemangels. „Sie haben einen verantwortungsvollen Beruf erlernt, der nicht nur Fachwissen, sondern auch Einfühlungsvermögen verlangt. In Zeiten des Fachkräftemangels sind Sie gefragter denn je. Die Praxen und vor allem die Patientinnen und Patienten brauchen Sie“, sagte Ditges. Arzneimittel: Hilfe beim Entlassmanagement Ein Drittel der Patientinnen und Patienten kann nach einem stationären Aufenthalt nicht oder nur verzögert mit benötigten Arzneimitteln versorgt werden; beim Übergang in eine Einrichtung für Senioren oder ein Pflegeheim sind es sogar zwei Drittel. Das geht aus einer Untersuchung der Amtsapothekerinnen und Amtsapotheker in NordrheinWestfalen und des Landesamts für Gesundheit und Arbeitsschutz hervor. Die Organisationen haben deshalb eine Arbeitshilfe herausgegeben, die Krankenhausärztinnen und -ärzte beim arzneimittelbezogenen Entlassmanagement unterstützen soll. Die Broschüre ist auf der Webseite des Landesamts abrufbar: https://www.lfga.nrw.de/ HK Kurz gemeldet Wechsel an der Spitze des G-BA Dr. rer. pol. Sonja Optendrenk ist seit dem 1. Juli die neue unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie folgt auf Professor Josef Hecken, der das Amt nach 14 Jahren auf eigenen Wunsch aufgab. Optendrenk war vor ihrem Wechsel nach Berlin Staatssekretärin im hessischen Gesundheitsministerium. Dem Beschlussgremium des G-BA gehören 13 stimmberechtigte Mitglieder an. Zehn vertreten die gesetzlichen Krankenkassen, die Vertragsärzte und die Vertragszahnärzte sowie die Krankenhäuser. Dazu kommen drei unparteiische Mitglieder; neben Optendrenk sind das Karin Maag und Dr. Bernhard van Treeck. HK Kindeswohlgefährdung: Einheitliche Meldewege Bei Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung sollen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte mehr Handlungssicherheit erhalten. Dazu haben die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Nordrhein und Westfalen-Lippe mit den kommunalen Spitzenverbänden in NRW eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Sie trat am 1. Juli in Kraft und schafft einheitliche Strukturen für die Zusammenarbeit zwischen Praxen und Jugendämtern, indem beispielsweise Mitteilungs- und Rückmeldebögen bei Verdachtsfällen zur Verfügung stehen. Die KVen weisen zudem darauf hin, dass Meldungen an das Jugendamt und Fallbesprechungen über den EBM abgerechnet werden können. MST Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 23. bis 27. November 2026. Anmeldeschluss: Freitag, 2. Oktober 2026 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiterbil dung/Pruefungen ÄkNo Weiterbildung Übergangsfrist endet 2027 Ab dem 1. Juli 2027 können Facharztanerkennungen nur noch nach der aktuellen Weiterbildungsordnung (WBO) von 2020 erworben werden. Die Übergangsvorschriften laufen am 30. Juni 2027 aus. Darauf weist die Weiterbildungsabteilung der Ärztekammer Nordrhein hin. Absatz 4 § 20 WBO regele, dass Ärztinnen und Ärzte, die sich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens einer neuen Weiterbildungsordnung bereits in einer Facharztweiterbildung befinden, die Möglichkeit haben, ihre Weiterbildung innerhalb von sieben Jahren noch nach der alten Ordnung abzuschließen. Wer also eine Facharztanerkennung nach der WBO von 2014 anstrebe, müsse sich bis zum 30. Juni 2027 zur Prüfung anmelden. Sämtliche Weiterbildungsbefugnisse nach der WBO 2014 enden der Weiterbildungsabteilung zufolge ebenfalls am 30. Juni 2027. ÄkNo Insgesamt traten 2.565 Auszubildende zur Abschlussprüfung an, davon 924 zur Winterprüfung, von denen 846 bestanden. Zur Sommerabschlussprüfung traten 1.641 Prüflinge an, von denen 1.475 bestanden. Die Bestnote „Sehr gut“ erzielten 45 Absolventinnen, darunter 23 in der Winter- und 22 in der Sommerprüfung. Ausführliche Berichte über die Lossprechungsfeiern unter www.aekno.de/kreisstellen. MST Ein Grund zum Feiern: Die Absolventinnen aus dem Kreisstellenbereich Wesel freuen sich über den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung. Foto: MST
Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 Tipps und Service Veranstaltungsdokumentationen und Punktekonto sich auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein unter www.aekno.de/dokumentationen oder in der Rubrik „Wissenswertes > Dokumentenarchiv > Dokumentation“. Zum 30. September 2026 entfällt auf der Homepage der Service, das eigene Fortbildungspunktekonto unter www.aekno.de/aerzte/fort bildung/fortbildungspunktekonto einzusehen. Ab 1. Oktober 2026 können Kammermitglieder ausschließlich über das Mitgliederportal „meine ÄkNo“ auf ihr Punktekonto zugreifen. Die Ärztekammer Nordrhein empfiehlt, sich bereits im Vorfeld dieser Umstellung einen Zugang zum Mitgliederportal zu erstellen, falls dieser noch nicht vorhanden ist. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Die Ärztekammer Nordrhein veranstaltet im Laufe eines Jahres Kammerkolloquien und Symposien, zum Beispiel zur Kindergesundheit oder die Fortbildungsreihe „Der ältere Mensch“, die in Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung, der Nordrheinischen Akademie und dem Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein stattfinden. Im Nachgang dieser Veranstaltungen stellen die Referentinnen und Referenten oftmals ihre Vortragsfolien zur Verfügung, damit die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltungen die Themen nochmals vertiefen und sich Interessierte einen Überblick verschaffen können. Die Dokumentationen, die jeweils eine begrenzte Zeit zur Verfügung stehen, finden Die Kommunalen Spitzenverbände in Nordrhein-Westfalen und die gesetzlichen Krankenkassen haben sich auf einen Musterbeschluss „Rettungsdienst“ geeinigt, der eine Übergangslösung für die Finanzierung von sogenannten Fehlfahrten vorsieht, bei denen kein Patiententransport in ein Krankenhaus anfällt. Wie das Landesgesundheitsministerium mitteilte, sieht das Sozialgesetzbuch V den Rettungsdienst als reine Transportleistung in ein Krankenhaus vor und nicht als medizinische Leistung, die gegebenenfalls auch die Behandlung eines Patienten vor Ort beinhaltet. Mit Verweis auf die geltende Rechtslage hätten die Krankenkassen erklärt, dass ihnen die Erstattung der Rettungsgebühren im Falle von Fehlfahrten deshalb nicht ohne weiteres möglich sei. Die Kommunen als Träger der Rettungsdienste drohten auf den Kosten sitzen zu bleiben beziehungsweise diese an die Patientinnen und Patienten weiterzureichen. Im Musterbeschluss haben die Kassen jetzt zugesagt, bis zum Ende dieses Jahres Fehlfahrten weiter anteilig mitzufinanzieren. Müssen Patienten für Fehlfahrten des Rettungsdienstes zahlen? In NRW zeichnet sich ein Kompromiss ab – zumindest bis Ende 2026. Foto: filmfoto/istockphoto.com Rettungsdienst NRW Übergangslösung zur Finanzierung von Fehlfahrten Zecken Mehr Fälle von Borreliose Bei 138.107 gesetzlich Versicherten wurde im Jahr 2024 erstmals eine Lyme-Borreliose diagnostiziert. Nach Angaben des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) lag die bundesweite Inzidenz bei 221 Neuerkrankungen je 100.000 Versicherte und damit leicht über dem Vorjahreswert von 207 Fällen. Besonders hohe Erkrankungsraten wurden in den ostdeutschen Bundesländern sowie in Bayern registriert. In Nordrhein sei die Rate dagegen mit 116 Fällen je 100.000 Versicherte deutlich niedriger. Das Zi weist darauf hin, dass klimatische Veränderungen wie mildere Winter und längere warme Perioden die Aktivität von Zecken begünstigen können. MST RKI-Studie Jeder Fünfte leidet unter Stress Rund jede fünfte Person in Deutschland fühlt sich stark durch Stress belastet. Das zeigt eine Auswertung des Panels „Gesundheit in Deutschland“ des Robert Koch-Instituts, für die die Angaben von mehr als 26.000 Erwachsenen analysiert wurden. Insbesondere Frauen, Erwerbstätige sowie Menschen mit niedrigem oder mittlerem Bildungsabschluss sind demnach von einer erhöhten Stressbelastung betroffen. Zudem zeigt die Untersuchung, dass vermeidende Bewältigungsstrategien wie Verdrängung mit einem höheren Stresserleben einhergehen. Dagegen sei beispielsweise problemorientiertes Handeln mit einer geringeren Stressbelastung verbunden. MST Perspektivisch soll die geplante Reform der Notfallversorgung auf Bundesebene neben dem Krankentransport das medizinische Notfallmanagement sowie die Versorgung vor Ort und während des Transports als Sachleistung der Krankenkassen im SGB V verankern. HK
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 9 „Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung leisten über viele Jahre einen unverzichtbaren Beitrag zur Versorgung. Es ist deshalb ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung, dass die Ärztekammer Nordrhein für die erste Facharztprüfung künftig keine zusätzliche Gebühr mehr erhebt“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer. ÄkNo Weitere Informationen unter https://www.aekno.de/fileadmin/user_upload/aekno/ downloads/2026/amt-202607-07-gebuehrenordnung.pdf Facharztprüfung Tipps für die richtige Anmeldung Eine der letzten Hürden auf dem Weg zur Fachärztin oder zum Facharzt ist die Anmeldung zur Prüfung bei der Ärztekammer Nordrhein. Damit diese problemlos gelingt, bietet die Weiterbildungsabteilung allen Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung Unterstützung an. Unter dem Titel „Fehler vermeiden bei der Anmeldung zur Facharztprüfung“ finden ab sofort regelmäßig rund einstündige Online-Seminare statt, in denen der Leiter der Weiterbildungsabteilung Olaf Tkotsch erläutert, welche Unterlagen wann eingereicht werden müssen, damit eine zeitnahe Zulassung zur Prüfung erfolgen kann. Die nächsten Seminare finden am Donnerstag, 13. und Montag, 31. August 2026 jeweils von 15 bis 16 Uhr statt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Alle Termine unter www.aekno.de/aekno- veranstaltungen. bre Verbraucherschutz Warnung vor Fake-Webseiten Ehemalige Klinik-, Praxis- oder Apothekenwebseiten werden zunehmend genutzt, um dubiose Gesundheitsprodukte zu verkaufen. Davor warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ob es sich bei einem Anbieter um eine seriöse Online-Apotheke handele, erkenne man insbesondere an einem EUSicherheitslogo, das auf legalen Webseiten vorhanden sein müsse und das Nutzer zum Eintrag der Apotheke im Versandhandelsregister des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte führe. HK Kindergesundheit Zahl der Fälle von Misshandlungen auf Höchststand Änderung der Gebührenordnung Erste Facharztprüfung in Nordrhein jetzt gebührenfrei Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen hat zum dritten Mal in Folge einen neuen Höchststand erreicht: Dem Statistischen Bundesamt zufolge stieg sie binnen fünf Jahren um fast ein Drittel auf knapp 73.000 Fälle. In den meisten Fällen von Kindeswohlgefährdung stellten die Behörden Anzeichen von Vernachlässigung fest (58 Prozent). In 37 Prozent der Fälle fanden sie Hinweise auf psychische Misshandlungen, in weiteren 28 Prozent der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlungen und in sechs Prozent für sexuelle Gewalt. Diese Zahlen aus dem Dezember 2025 zitierte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, zum Auftakt des 13. Kammerkolloquiums Kindergesundheit am 20. Juni im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft. Es beschäftigte sich mit der Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen im analogen und digitalen Raum. Christiane Thiele, Landesvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein, betonte vor den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wichtigkeit der Vernetzung beim Umgang mit dieser heiklen Thematik. „Wir brauchen den Austausch unter Kolleginnen und Kollegen ebenso wie den Austausch mit Jugendämtern sowie Lehrerinnen und Lehrern“, erklärte Thiele. VerVon Vernachlässigung, psychischen oder körperlichen Misshandlungen sowie sexueller Gewalt waren Ende vergangenen Jahres 73.000 Kinder betroffen. Ein wichtiges Signal für den ärztlichen Nachwuchs: Ärztinnen und Ärzte müssen für ihre erste Facharztprüfung bei der Ärztekammer Nordrhein ab sofort keine Gebühr mehr zahlen. Die entsprechende Änderung der Gebührenordnung ist am 1. Juli 2026 in Kraft getreten. Die nordrheinische Kammerversammlung hatte bereits im November 2023 mit großer Mehrheit beschlossen, die Gebühr für die erste Facharztprüfung abzuschaffen. Nach der inzwischen erfolgten Genehmigung durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen konnte der Beschluss nun umgesetzt werden. netzung sei wichtig, weil man sich in schwierigen oder uneindeutigen Fällen immer wieder Rat suchen müsse, um sich besser abzusichern. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Angebote des Kompetenzzentrums Kinderschutz im Gesundheitswesen NRW, das Angehörigen der Gesundheitsberufe per Telefon, E-Mail oder Online für Fragen zur Verfügung steht (www.kkg-nrw.de). HK Foto: bramgino/stock.adobe.com
Magazin 10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Wie viel kann ein Plastikstuhl tragen? Die Patientin sitzt in der Mitte des Untersuchungsraumes der Hauttumorambulanz und knibbelt an der linken oberen Ecke ihres dicken Ordners, während die Ärztin ihre mitgebrachten Unterlagen durchgeht. Die Patientin sitzt dort kerzengerade und folgt den Augen der Ärztin, die jetzt schon zum dritten Mal über die schlechten Nachrichten aus dem Tumorboard rollen. Es braucht etwas Zeit, bis die Ärztin die Worte gefunden hat, der Patientin die neuen Befunde zu übersetzen: „Es sind zwei neue Hirnmetastasen gefunden worden.“ Die Augen der beiden Frauen treffen sich kurz, dann huschen die Augen der Ärztin zurück zum Computerbildschirm und die Patientin lässt sich von der Rückenlehne des Plastikstuhls auffangen. Ein sehr schwerer Moment für alle im Raum. Ich sitze in der Ecke hinter der Ärztin und fühle mich ganz fehl am Platz. Ich will, dass dieser Moment wieder leichter wird, dass jetzt irgendetwas Gutes geschieht und aufgeatmet wird. Ich will irgendwie helfen, aber das ist nicht meine Rolle. Also schlucke ich meine Gedanken herunter und folge dem Moment zwischen Ärztin und Patientin noch aufmerksamer. Es werden viele Fragen durch die Luft geworfen und von der Ärztin aufPaten gesucht Internationaler Austausch mit Bonner Region Seit dem Wintersemester 2025/2026 bringt das Studienförderproramm „iStudy Family and Friends“ der Universität Bonn internationale Studierende mit Menschen aus Bonn und der Region Rhein-Sieg zusammen. Dabei konnten seit dem Start 125 Studentinnen und Studenten aus 40 Ländern mit 33 Patinnen und Paten zusammengebracht werden, wie die Universität mitteilte. Eine Patin lud beispielsweise mehrere internationale Studierende Mail aus Bonn Lüko Fischer Foto: privat Kompetenzzentrum Seminare für angehende Hausärzte Das Kompetenzzentrum Weiterbildung Allgemeinmedizin Nordrhein bietet regelmäßig evidenz-basierte und interaktive kostenfreie Seminare für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung für die Fächer Allgemeinmedizin sowie Kinder- und Jugendmedizin an. Am Mittwoch, 12. August 2026 bietet das Kompetenzzentrum die OnlineFortbildung „Reisemedizin inklusive Impfungen für Reisen in der Hausarztpraxis“ an. Das Seminar startet um 16.30 Uhr mit einem Selbststudium bevor ab 18 Uhr zwei interaktive Vorträge zu den Themen „Reisemedizinische Beratung in der Hausarztpraxis“ und „Neues aus der STIKO und zur Reisemedizin“ auf dem Programm stehen. „Arzneimittelmanagement mit Notfällen und klimasensiblen Aspekten“ ist ein weiteres Online-Seminar, das am Mittwoch, 26. August 2026 vom Kompetenzzentrum angeboten wird. Die Vorträge beschäftigen sich mit der Pharmakotherapie in der Praxis und mit „Arzneimittelmanagement und Dokumentation“. Die Anmeldung erfolgt über www.kompetenzzentrumnordrhein.de. bre zum Abendessen ein. Ein Ehepaar öffnete an Heiligabend seine Tür für junge Menschen, die Weihnachten fernab ihrer Familien verbringen mussten. Das Patenprogramm „Family and Friends“ soll internationale Studierende beim Ankommen in Deutschland unterstützen und den Austausch mit den Menschen aus der Region fördern. Durch die persönlichen Patenschaften entstünden Kontakte, die soziale Integration, interkulturelles Verständnis und gesellschaftliche Teilhabe stärkten. Das iStudy-Team organisiert zahlreiche Workshops für die Studierenden sowie gemeinsame Aktivitäten und sucht weitere Interessierte, die sich als Paten in das Programm einbringen. Zum Beispiel findet das nächste Vernetzungstreffen zum Kennenlernen am 21. November 2026 statt. Wer Patin oder Pate werden möchte, kann sich allein, als Paar oder als Familie anmelden und selbst entscheiden, ob eine oder mehrere Studierende begleitet werden sollen. https://uni-bonn.de/istudy, E-Mail: istudy@uni-bonn.de. bre Internationale Studierende an der Uni Bonn lernen in ungezwungener Atmosphäre Menschen aus der Region Bonn, Rhein-Sieg kennen, die ihnen beim Ankommen in der fremden Umgebung helfen. Foto: Klarisse Roth/Universität Bonn gefangen. Es wird nichts beschönigt, niemand in dem Raum kann etwas für diese Krankheit. Das Therapieschema wird zum dritten Mal erklärt, bis der Patientin keine Fragen mehr einfallen. Es braucht knapp eine dreiviertel Stunde bis die Patientin wieder den Mut aufbringen kann, bei alldem mitzugehen. Dabei fällt mir auf, dass es nicht die vielen Antworten auf die Fragen oder die vielen Erklärungen waren, die das Vertrauen zwischen Ärztin und Patientin wiederhergestellt haben. Es war die Zeit, die Ruhe, die Ehrlichkeit über das Stadium der Krankheit, das Gefühl von „wir stecken da zusammen drin“, das Sehen ihrer Sorgen, und es war die Ärztin, an die sich die Patientin besser anlehnen konnte, als an die Rückenlehne des Plastikstuhls. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de
BERATUNG AUF EINEN BLICK www.aekno.de/aerzte/beratung ARZNEIMITTELBERATUNG Dr. med. Ina Falbrede, 0211 4302 2280 ina.falbrede@aekno.de KRISENINTERVENTION NACH TRAUMATISCHEN ERFAHRUNGEN IM ÄRZTLICHEN BERUF Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de BERATUNGSSTELLE FÜR SEXUELLE BELÄSTIGUNG AM ARBEITSPLATZ RAin Katharina Eibl, Aggi Schneider 0211 4302 2306 Natharina.eibl@aekno.de aggi.schneider@aekno.de MOBBINGBERATUNG Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de SUBSTITUTIONSGESTÜTZTE BEHANDLUNG OPIOIDABHÄNGIGER Jo Shibata, 0211 4302 2213 stefan.kleinstueck@aekno.de BERUFSRECHTLICHE BERATUNG 0211 4302 2303 rechtsabteilung@aekno.de CIRSNRW PATIENTENSICHERHEIT 6teShan /innart] steShan Oinnart]#aeNno Ge ZZZ FirsmeGiFaO Ge nrZ GOÄ Dr. med. Anja Pieritz, Dr. med. Kerrin Prangenberg, Sevda Thomas 0211 4302-2133, -2134, -2135 goae@aekno.de GRENZVERLETZUNGEN UND MISSBRAUCH Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, *¾Oena\ *reYeniJ, 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de INTERVENTIONSPROGRAMM FÜR ABHÄNGIGKEITSKRANKE ÄRZTE Dr. med. Stefan Spittler, 0172 2425122 dr.stefanspittler@t-online.de PATIENTENBERATUNG Dr. med. Axel Herzog, Dr. med. Elisabeth Lüking, Nadja Rößner, *¾Oena\ *reYeniJ 0211 4302 2500 patientenberatung@aekno.de PRÄVENTIONSGESETZ Sabine Schindler-Marlow, Snezana Marijan 0211 4302 2010, -2031 snezana.marijan@aekno.de ARBEITSSICHERHEIT UND BETRIEBSMEDIZIN Stefanie Esper M. A., 0211 4302 2204 stefanie.esper@aekno.de MEDIZINETHISCHE BERATUNG ¥GRÜNDUNGSAUSSCHUSS¦ Stefan Kleinstück, 0211 4302 2208 ethikberatung@aekno.de QSSTRAHLENSCHUTZ Thomas Winter 0211 4302 2290 qsradnr@aekno.de ÄRZTLICHES HILFSWERK Stefan Kleinstück, 0211 4302 2566 aerztliches.hilfswerk@aekno.de WEITERBILDUNG Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner finden Sie auf der Internetseite www.aekno.de/weiterbildung Cameravit/istockphoto.com, denisismagilov/stock.adobe.com, Ed Telling/istockphoto.com, zkes/stock.adobe.com, Alvaro Heinzen/istockphoto.com, Till Erdmenger, jeremias münch/stock.adobe.com, wavebreakmediaMicro/stock adobe.com, PeopleImages/ istockphoto.com, wavebreakmedia/istockphoto.com, Vassiliki Latrovali, Viktor_ Gladkov, pressmaster/stock. adobe.com, unsplash/gettyimages, alvarez/istockphoto.com, Minerva Studio/Fotolia, virtua73/Fotolia, Westend61/Fotolia
12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 Thema Foto: banusevim/istockphoto.com „B ei einem notwendigen Einsparvolumen von fast 19 Milliarden Euro alleine im kommenden Jahr ist es klar, dass es zu spürbaren Veränderungen kommt“, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vor der entscheidenden Abstimmung über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Deutschen Bundestag am 10. Juli. Dieses Gesetz verlange allen Seiten etwas ab (siehe Kasten). Klares Ziel sei, die Beitragssätze in der GKV zu stabilisieren und die Ausgaben wieder an die Entwicklung der Einnahmen anzupassen. Denn die Ausgaben seien zuletzt doppelt so stark gestiegen wie die GKV-Einnahmen. „Wir wollen künftig mit dem Geld auskommen, das wir haben, und nur noch das bezahlen, was nutzt“, sagte Warken im Parlament und stellte zugleich klar, dass sie das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz als reines Spargesetz sieht. Ebenfalls dringend notwendige Strukturreformen unter anderem in der Notfall- und Primärversorgung stellte sie für Ende des Jahres in Aussicht. Die Reihenfolge der Reformschritte erklärte sie mit der dramatischen Finanzlage der GKV, die keinen Aufschub mehr erlaube. Zuvor hatten die Abgeordneten Janosch Dahmen (Bündnis 90/ Die Grünen) und Ates Gürpinar (Die Linke) mit Eilanträgen beim Bundesverfassungsgericht vergeblich versucht, die Abstimmung über das Sparpaket im Bundestag auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die Begründung – zu wenig Zeit, um sich mit umfangreichen Änderungsanträgen angemessen zu beschäftigen – ließ das Gericht nicht gelten. Bei der Aussprache im Bundestag kochten dann die Emotionen hoch. Dahmen warf der Regierung eine Politik der sozialen Kälte und wirtschaftlichen Unvernunft vor. Heidi Reichineck (Die Linke) warnte, mit dem Gesetz werde die Axt an die Gesundheitsversorgung angelegt. Am Ende einer aufgeheizten Debatte stimmten 319 Abgeordnete für das Sparpaket und 286 dagegen, vier Abgeordnete enthielten sich. Weniger Geld, weniger Leistungen Die Debatte im Deutschen Bundestag spiegelt in etwa die Stimmungslage im Gesundheitswesen wider. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) summieren sich im kommenden Jahr allein in der ambulanten Versorgung die Einsparungen auf rund drei Milliarden Euro. Die Folge: Die ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen müssten das Leistungsangebot analog nach unten anpassen, führte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen aus. Er rechnet damit, dass sich die Fallzahl je nach Fachgruppe um fünf bis 15 Prozent reduzieren wird. Für Patienten könne das bedeuten, dass sie in einer Praxis keinen Termin mehr erhielten, weil das Geld für die GKV-Sprechstunde in dem Quartal aufgebraucht sei. „Es wird immer noch eine qualitätsgesicherte, gute Versorgung für die Menschen in Deutschland geben“, betonte Gassen. „Aber jeder alles überall zu jeder Zeit wird nicht mehr funktionieren.“ Der KBV-Vorsitzende kritisierte zudem ganz grundsätzlich die Wiedereinführung einer einnahmeorientierJetzt wird gespart Die Widerstände waren gewaltig. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Krankenhäuser und Pharmaindustrie warnten vor einer spürbaren Verschlechterung der medizinischen Versorgung, sollte die Bundesregierung ihre Sparpläne zur Sanierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) umsetzen. Jetzt haben Bundestag und Bundesrat grünes Licht für das umstrittene Sparpaket gegeben, das allein im nächsten Jahr Minderausgaben von knapp 19 Milliarden Euro vorsieht. von Heike Korzilius
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 13 Thema ten Ausgabenpolitik, die die Vergütung medizinischer Leistungen systematisch an die Entwicklung der Grundlohnsumme koppelt. Diese bilde weder die tatsächlichen Kostensteigerungen in den Praxen noch den wachsenden Versorgungsbedarf ab. Die Bundesärztekammer (BÄK) richtete ihre Kritik am GKV-Sparpaket insbesondere darauf, dass der Bund sich selbst bei der Sanierung der Kassenfinanzen weitgehend aus der Verantwortung nehme. Zwar leiste dieser nun einen etwas höheren Beitrag zur Finanzierung der Behandlungskosten für Empfänger von Grundsicherungsleistungen und habe den Bundeszuschuss zum Gesundheitsfonds weniger stark gesenkt. „Beides bleibt jedoch weiterhin deutlich hinter dem zurück, was eigentlich erforderlich wäre“, kritisierte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. Würde der Bund seiner Verantwortung für die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen endlich vollumfänglich gerecht werden, würde der notwendige finanzielle und zeitliche Handlungsspielraum geschaffen, um die Stabilisierung der GKV-Finanzen mit den Erfordernissen einer guten Patientenversorgung in Einklang zu bringen. Strukturreformen erschwert Die Bundesregierung lehnt angesichts klammer Kassen eine vollständige Übernahme der Gesundheitskosten für Empfänger von Grundsicherung in Höhe von bis zu zwölf Milliarden Euro ab. Allerdings hat sie an diesem Punkt im parlamentarischen Verfahren zum GKV-Spargesetz noch leicht nachgebessert. Der Anteil des Bundes an den Kosten soll jährlich steigen, bis er ab dem Jahr 2031 dauerhaft 2,75 Milliarden Euro beträgt. Außerdem soll der Bundeszuschuss für die GKV nicht, wie ursprünglich geplant, um zwei Milliarden Euro sinken, sondern nur noch um knapp 500 Millionen Euro. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, warnte vor diesem Hintergrund, dass trotz der Nachbesserungen erhebliche Finanzierungslücken blieben. Dringend notwendige Strukturreformen würden so erschwert, erklärte Dreyer. „Der Sparzwang entzieht dem Gesundheitssystem Milliarden, die beim Ausbau des angekündigten Primärversorgungssystems und beim bereits beschlossenen Umbau der Krankenhauslandschaft fehlen“, sagte er. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) beziffert die Kürzungen, die jetzt auf die stationäre Versorgung zukommen, bis zum Jahr 2030 mit rund 30 Milliarden Euro. Die Folgen seien dramatisch, schreibt die DKG in einem offenen Brief. Zahlreiche unverzichtbare Krankenhausstandorte und Fachabteilungen müssten schließen, und rund 140.000 Beschäftigten drohe der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Der kalte Strukturwandel in der Krankenhausversorgung sei damit nicht mehr aufzuhalten und die Umsetzung der erst vor Kurzem beschlossenen Krankenhausreform kaum noch möglich. Die Reform könne nur gelingen, wenn die Krankenhäuser während des Umbaus handlungsfähig blieben. Auch die Pharmaverbände warnten vor der Verabschiedung des Sparpakets vor drastischen Folgen für die Versorgung. Bis 2030 würden die Unternehmen mit rund 4,5 Milliarden Euro belastet, kritisierte der Verband forschender Arzneimittelhersteller, der insbesondere die eigenen Mitglieder betroffen sieht. „Das sendet ein verheerendes Signal an Unternehmen, die in Deutschland investierten und die Versorgung mit Innovationen sichern sollen“, sagte dessen Präsident Han Steutel. Damit verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für innovative Arzneimittel in Deutschland weiter. Etwas Positives können einzig die Krankenkassen dem Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Warken abgewinnen. Zwar beklagen auch sie, dass der Bund seiner Verantwortung für eine Finanzierung versicherungsfremder Leistungen nicht ausreichend nachkomme. Dagegen läuft zurzeit eine Klage vor dem Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen. Richtig ist es aus Sicht der Kassen jedoch, zu einer Ausgabenpolitik zurückzukehren, die sich an den Einnahmen orientiert. Langfristig stabile Beiträge für Versicherte und Arbeitgeber seien aber nur möglich, wenn dem Sparpaket jetzt auch die notwendigen Strukturreformen folgten, hieß es vonseiten der Krankenkassen. Praxen: · Für die Jahre 2027 bis 2029 wird sich die Honorarentwicklung an der Grundlohnsumme orientieren, allerdings pauschal um einen Prozentpunkt abgesenkt. · Die Vergütungsanreize aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz zum Beispiel für die Terminvermittlung und offene Sprechstunden entfallen. · Psychotherapeutische Leistungen werden nicht mehr extrabudgetär vergütet, sondern in die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung zurückverlagert. Krankenhäuser: · Von 2027 bis 2029 gilt auch in den Krankenhäusern eine Obergrenze für den Kostenanstieg gemäß der Grundlohnsumme, abzüglich eines Prozentpunkts. · An die Stelle eines verpflichtenden Personalbemessungsinstruments in der Pflege sowie im ärztlichen Bereich tritt eine Generalnorm, die die Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, in allen Personalbereichen für eine Besetzung zu sorgen, die eine gute Qualität der Leistungen sicherstellt. · Tarifsteigerungen werden nicht mehr vollständig refinanziert. Die Differenz zwischen Tarifsteigerung und Grundlohnsumme wird von den Krankenkassen zu 50 Prozent ausgeglichen. · Es wird ein obligatorisches Zweitmeinungsverfahren bei mengenanfälligen Eingriffen eingeführt. Dazu zählen beispielsweise Hüftgelenkersatz oder Eingriffe an der Wirbelsäule. · Bei den Abrechnungen werden Prüfquoten und Schwellenwerte angehoben. Es gilt: Je höher der Anteil der regelkonformen Rechnungen ausfällt, desto weniger Prüfungen fallen an. Pharmaindustrie: · Der gesetzlich festgeschriebene Herstellerabschlag wird von derzeit sieben auf 15,5 Prozent erhöht. · Krankenkassen können auch für patentgeschützte Arzneimittel Gruppen mit therapeutisch vergleichbarer Wirkung bilden und dafür Rabattverträge schließen. Versicherte: · Die Zuzahlungsbeträge und -grenzen in der GKV werden um 50 Prozent angehoben. Statt mindestens fünf Euro werden künftig 7,50 Euro und statt bisher höchstens zehn künftig 15 Euro fällig. · Ab 2028 müssen Versicherte für bislang beitragsfrei mitversicherte Partner einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen. Ausnahmen gelten unter anderem für Eltern mit Kindern bis zwölf Jahre. · Die Beitragsbemessungsgrenze wird ab 2027 um 300 Euro angehoben. Zentrale Regelungen im GKV-Sparpaket
14 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 15 Spezial Publizieren ohne Ende Seit Jahrzehnten nimmt weltweit die Zahl der medizinisch-wissenschaftlichen Publikationen zu; täglich erscheinen tausende neuer Beiträge, nicht zuletzt Folge eines zunehmenden Drucks auf Wissenschaftler und Mediziner, Forschungsergebnisse zu publizieren, um Karrieren zu sichern oder Fördermittel zu erhalten. Dies schafft auch einen Markt, auf dem gefälschte oder minderwertige Texte im Angebot sind. Kritiker fordern einen Systemwechsel. von Thomas Gerst Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ausgerechnet die AfD-Bundestagsfraktion, die im Zuge der Coronapandemie oftmals gegen Entscheidungen auf der Grundlage medizinisch-wissenschaftlicher Forschungsergebnisse Stellung bezogen hat, beantragt im Deutschen Bundestag, die Bundesregierung solle eine unabhängige Prüfstelle errichten, um die Qualität von wissenschaftlichen Publikationen zu sichern. Als Grund dafür wird auf einen „besorgniserregenden Trend“ verwiesen: Sogenannte „Predatory Journals“ und „Paper Mills“ würden gegen Bezahlung Texte, bei denen Peer Review und wissenschaftliche Qualitätsstandards nicht eingehalten werden, zur Veröffentlichung anbieten. Diese Praxis führe dazu, dass wertlose oder sogar gefälschte Studien in den wissenschaftlichen Diskurs geEinsatz von KI in der Medizinpublizistik Wie sich unter dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) die Medizinpublizistik weiterentwickeln wird, ist derzeit für Professor Dr. Christopher Baethge, den Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes, kaum absehbar. „Das ist die zentrale Frage für die Zukunft. Welchen Einfluss wird KI auf die Erstellung von Manuskripten haben?“ Hier sieht Baethge einen großen Graubereich, in dem die Zuordnung, inwieweit es sich noch um eine eigenständige wissenschaftliche Leistung handelt, schwerfalle. Autoren des Deutschen Ärzteblattes seien angehalten, die Nutzung von KI in der Methodendarstellung transparent zu machen. „Aber letztlich sind die Anwendungsmöglichkeiten von KI so vielfältig, dass sich das kaum in einem allgemeinen Regelwerk abdecken lässt.“ Foto groß: Tina Ennen Foto klein: IM Imagery/stock.adobe.com
16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 Spezial langten und von Politik und Verwaltung als Grundlage für Entscheidungen herangezogen würden, heißt es in dem Antrag, über den am 25. Juni 2026 im Bundestag abschließend debattiert wurde. Global agierende Agenturen Der Antrag stieß auf breite Ablehnung durch die anderen Parteien im Bundestag. Ein real existierendes Problem werde als Hebel genutzt, um Kontrollmechanismen einzufordern, die im Kern die Wissenschaftsfreiheit massiv gefährdeten, hieß es etwa aus den Reihen der SPD-Fraktion. Qualitätssicherung müsse durch die Wissenschaft selbst erfolgen. Andere warfen der AfD vor, über die Prüfstelle steuernd Einfluss auf die Wissenschaft nehmen zu wollen. Erkennbar sei hier das klassische Drehbuch des Autoritarismus. Es sei Angelegenheit der Wissenschaft selbst, der Herausforderung durch die „Paper Mills“ entgegenzutreten. Gegen das von der AfD geforderte Kontrollgremium wurde deutlich Stellung bezogen. Dass grundsätzlich ein Problem beim wissenschaftlichen Publizieren besteht, von dem nicht zuletzt die Medizin betroffen ist, stand nicht zur Debatte und wurde auch von Vertretern der anderen Fraktionen nicht bestritten. Die Zahl der Veröffentlichungen, die sich mit „Paper Mills“ und „Predatory Journals“ befassen, dazu auch Forschungsergebnisse vorlegen und auf dringenden Handlungsbedarf hinweisen, ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Als „Paper Mills“ werden global agierende kommerzielle Agenturen bezeichnet, die zumeist mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) auf der Grundlage öffentlich zugänglicher oder gefälschter Daten Manuskripte im Kundenauftrag erstellen oder zum Verkauf anbieten. Sie kümmern sich auf Wunsch um die Veröffentlichung in mehr oder minder zweifelhaften Journalen unter Umgehung eines regulären PeerReview-Verfahrens. Im Angebot ist oft auch der Verkauf von Autorenschaften an einem zur Publikation eingereichten oder bereits angenommenen Manuskript. Unter „Predatory Journals“ versteht man unseriöse Pseudo-Fachzeitschriften, deren Geschäftsmodell darin besteht, von Autorinnen und Autoren in der Regel unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hohe Publikationsgebühren für eine schnelle Open-Access-Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse zu verlangen. Oft werden Websites, Namen oder Merkmale renommierter Zeitschriften imitiert, um Interessenten anzulocken. Ein regelgerechtes Review-Verfahren findet nicht statt. Häufig wird auch nur das Geld von Autoren kassiert, ohne dass es irgendeine Gegenleistung gibt. Unseriöse Anbieter in Form von „Paper Mills“ und „Predatory Journals“ bedienen weltweit die Nachfrage auf einem Markt, der insbesondere dadurch gekennzeichnet ist, dass die Bewertung eines Wissenschaftlers oder einer Wissenschaftlerin vor allem auf Grundlage des Umfangs der Publikationsliste erfolgt. Gerade auch in der Medizin hängt die wissenschaftliche Karriere oft von der Zahl der Publikationen in Peer-Review-Zeitschriften ab – „publish or perish“ lautet eine im Medizinbetrieb gängige Redewendung. Da mag derjenige, der wenige qualitativ hochwertige Veröffentlichungen vorlegen kann, ins Hintertreffen geraten gegenüber demjenigen, der als „Paper Mill“-Kunde für pseudowissenschaftlichen Ausstoß gesorgt hat. In welchem Ausmaß die unterschiedlichen Formen betrügerischen Handelns bei Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Journalen zum Tragen kommen, ist allerdings unbestimmt, was wenig überraschend ist, da es in der Natur der Sache liegt, möglichst unentdeckt zu bleiben. Zudem gibt es unter dem Einsatz von KI eine große Grauzone, bei der die Zuordnung schwerfällt – beispielsweise, wenn Forschungsergebnisse auf der Grundlage von frei zugänglichen Datenbanken wie dem US National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) oder der UK Biobank präsentiert werden. Hier gibt es mithilfe von KI immer neue Möglichkeiten, quasi automatisiert unter minimal veränderter Fragestellung neue Ergebnisse zu produzieren und in ein wissenschaftliches Format zu bringen. Schätzungen zufolge wurden von den Manuskripten, die in den Jahren von 2019 bis 2021 bei wissenschaftlichen Journalen zur Veröffentlichung eingereicht wurden, rund zwei Prozent von „Paper Mills“ produziert. Eine in den Niederlanden durchgeführte Befragung unter den Angehörigen verschiedener akademischer Fachrichtungen ergab, dass rund vier Prozent der Befragten angaben, Forschungsergebnisse komplett erfunden oder in ihrem Sinne verfälscht zu haben. Vorliegende seriöse Studien zeigen, dass im Bereich der Medizin insbesondere die biomedizinische Grundlagenforschung von den betrügerischen Aktionen der „Paper Mills“ betroffen ist. So fiel beispielsweise in onkologischen Fachzeitschriften in den untersuchten Veröffentlichungen eine zunehmend hohe Fehlerrate bei der Zuordnung von Nukleotidsequenzen auf, was den Verdacht nahelegte, dass es sich hierbei um Produkte aus „Paper Mills“ handelte. Großes Aufsehen erregte im Jahr 2023 der Fall des zwei Jahre zuvor vom Wiley-Verlag übernommenen Open-Access-Verlags Hindawi mit Hauptsitz in London. Mehr als 8.000 der dort im Laufe der Jahre veröffentlichten Paper wurden zurückgezogen, weil sie mit „Paper Mills“ in Verbindung gebracht werden konnten. Bei aller Sorge über die Zunahme wertloser oder gefälschter Studien und das Agieren von „Predatory Journals“ in der Medizin sollten die Auswirkungen auf die Versorgung realistisch eingeschätzt werden, meint Professor Dr. Christopher Baethge, Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes. Selbstverständlich sei es wichtig, betrügerisches Handeln in der Medizinpublizistik ausfindig zu machen und zu sanktionieren; darüber hinaus müsse aber konkret der Frage nachgegangen werden, welche Konsequenzen sich daraus für die medizinische Versorgung ergeben. „Wie oft landen gefälschte Ergebnisse in klinischen Leitlinien?“, wäre für ihn beispielsweise ein Forschungsansatz, der darüber Aufschluss geben könnte. Baethge, als Mitglied im International Commit-
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