Evaluation der Weiterbildung: Gemischte Bilanz Spezialisiert auf hochpathogene Erreger Die Sonderisolierstation – abgeriegelt und autark Physician Assistants etablieren sich Einheitliche Ausbildungsinhalte für den neuen Beruf fehlen „Kein Krieg auf meinem Körper“ Sexualisierte Kriegsgewalt ist keine Ausnahme, sondern System September 2025 Heft 9 / 29.08.2025 80. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts
Ihr Weg in die Praxis – wir begleiten Sie! Sie möchten in der ambulanten Versorgung tätig werden? In eigener Praxis, in Kooperation mit Kollegen oder angestellt? In unserer Online-Veranstaltung Wege in die Niederlassung erfahren Sie, wie Sie Ihre berufliche Zukunft erfolgreich gestalten können. Freitag, 26. September 2025 15:00 bis 17:30 Uhr online, für Ärztinnen und Ärzte 26.09. 06.10. Montag, 6. Oktober 2025 16:00 bis 18:30 Uhr online, für Psychotherapeutinnen und therapeuten INHALTE • Einstiegsmöglichkeiten in die ambulante Versorgung • Übergangs und Kooperationsmodelle • Ablauf von Ausschreibungs und Nachbesetzungsverfahren • Expertentipps zum Praxisstart Plus: Zeit für Ihre individuellen Fragen Die Teilnahme ist kostenlos. Jetzt anmelden unter kvno.de/wege
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 3 Heft 9 • September 2025 Wir haben es in der Hand Ohne Medizinische Fachangestellte (MFA) kann keine ärztliche Praxis überleben. Doch immer mehr Praxen, so wird mir berichtet, haben Probleme, gutes Personal zu finden beziehungsweise ihre MFA zu halten. Und das, obwohl nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung die Ausbildung zur MFA im vergangenen Jahr auf Platz zwei der beliebtesten Ausbildungsberufe junger Frauen in Deutschland stand. Das Interesse an der Ausbildung zur MFA ist nach wie vor hoch. Unsere Auswertungen für Nordrhein zeigen die hohe Ausbildungsbereitschaft unserer Ärztinnen und Ärzte. So haben sich im zurückliegenden Jahr 2.717 junge Frauen und Männer für die Ausbildung zu Medizinischen Fachangestellten in Arztpraxen entschieden. Das ist allerdings ein Rückgang um 300 Auszubildende gegenüber dem Jahr 2023. Ich bin mir sicher, dass wir noch mehr motivierte junge Menschen ausbilden könnten, wenn wir kommunizieren und zeigen, dass es sich um ein Berufsbild mit spannenden Fortbildungs- und Aufstiegschancen handelt. Gerade in Zeiten, in denen das Gesundheitswesen vor großen Herausforderungen steht, sind gut ausgebildete MFA unverzichtbar. Sie tragen maßgeblich dazu bei, die Versorgung effizient und menschlich zu gestalten und sie werden eine wichtige Rolle in den Teampraxen der Zukunft einnehmen. Aus diesem Grunde möchte ich alle Praxisinhaber weiter ermutigen, ihre eigenen MFA auszubilden, denn damit können sie besonders gut sicherstellen, dass die zukünftigen Fachkräfte genau die Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, die für die spezifischen Abläufe und Anforderungen ihrer Einrichtung notwendig sind. Das fördert nicht nur eine bessere Zusammenarbeit im Team, sondern sorgt auch dafür, dass unsere Patientinnen und Patienten optimal betreut werden. Außerdem stärkt die Ausbildung in der eigenen Praxis die Bindung zwischen den Auszubildenden und dem Praxisteam. Die jungen Fachkräfte lernen die Praxis von Grund auf kennen, entwickeln ein stärkeres Verantwortungs- bewusstsein und bleiben oft länger im Beruf. Darüber hinaus trägt eine Ausbildung in der Praxis dazu bei, den Beruf auch nach außen attraktiver und sichtbarer zu machen. Junge Menschen sehen, wie vielfältig und sinnvoll die Arbeit ist und werden motiviert, den Beruf langfristig zu ergreifen und auch an Peergroups weiterzuempfehlen. Doch wir sollten nicht nur die Ausbildung der MFA in den Blick nehmen, sondern auch die Förderung des Berufsbildes durch Aufstiegschancen. So können wir für unsere ausgebildeten MFA Möglichkeiten der Weiterqualifizierung im Rahmen fachgebietsbezogener Zusatzmodule oder Weiterbildungsangebote nach Curricula der Bundesärztekammer anbieten. Hierzu gehören beispielsweise die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, die Präventionsassistentin bei den Kinder- und Jugendärzten und die Curricula „Ambulantes Operieren“, „Diabetologie“, „Ernährungsmedizin“, „Dialyse und Nephrologie“ und viele weitere Curricula für den fachärztlichen Bereich. Weiterbildungsmöglichkeiten und damit verknüpfte Verantwortung sind eine wichtige Motivation, im Beruf zu bleiben oder nach der Elternzeit in den Beruf zurückzukehren. Und dazu noch ein Appell an die Politik: Um den Herausforderungen der Patientenversorgung in einer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden, benötigen wir Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, das Berufsbild der MFA zukunftsfähig zu gestalten, Qualifizierung zu ermöglichen und entsprechend zu honorieren. Dr. Arndt Berson, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes
Institut für Qualität im Gesundheitswesen Nordrhein Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf Tel.: +49 211 4302-2751 E-Mail: iqn@aekno.de Die Veranstaltungen sind kostenfrei und mit 2 bzw. 3 Fortbildungspunkten anerkannt! Anmeldung erforderlich: www.iqn.de/Fortbildungen des IQN Internet: www.iqn.de Umgang mit Transidentität Mittwoch, 24. September 2025, 15:30 – 17:45 Uhr, Live Online-Seminar • Herausforderungen in der interdisziplinären Versorgung transidenter Patientinnen und Patienten • Hormontherapie bei Transidentität • Operative Möglichkeiten an Brust und inneres Genitale • Trans Sein: Herausforderungen im Jugendalter – Eine kindertherapeutische Perspektive • Perspektive eines Transmannes und Peer-Beraters Dipl.-Psych. Bernadette Bajog, Ute Ebert, Dr. med. Eleni Giannakidou-Jordan, Dipl.-Psych. Gudrun Hoika-Messing-Flöter, David Scholz, Dr. med. Sabine Mewes Neue Impulse für den Praxisalltag: Professionelle Versorgung von Patientinnen und Patienten mit individuellen Bedürfnissen Mittwoch, 8. Oktober 2025, 16:00 – 17:30 Uhr, Live Online-Seminar • Interaktion mit demenziell veränderten Patientinnen und Patienten • Kommunikation und Interaktion mit Patientinnen und Patienten mit Behinderungen • Diversitäts- und kultursensibler Umgang mit Patientinnen und Patienten im Praxisalltag Serin Alma, Dr. Sandra Falkson, Dipl.-Soz.-Wiss. Aline Wybranietz, Dr. med. Sabine Mewes 95. Fortbildungsveranstaltung „Aus Fehlern lernen“ in Zusammenarbeit mit der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein Geburtshilfe im Fokus zwischen Risikogeburt und Hebammenkreißsaal Dienstag, 25. November 2025, 17:30 – 19:45 Uhr, Live Online-Seminar • Mütterliche Geburtsverletzungen – schicksalhaft oder aufklärungspflichtig • Geburtsplanungs-Sprechstunde in der Klinik – Inhalte, Aufgaben und Fallstricke • Neonatale Asphyxie – Was ist vermeidbar? Für Hebammen anerkannt gemäß § 7 Abs. 2 Berufsordnung für Hebammen NRW Prof. Dr. med. Markus Fleisch, Univ.-Prof. Dr. med. Thorsten Orlikowsky, Dr. med. Patricia Van de Vondel, Prof. Dr. med. Friedrich Wolff, Dr. med. Sabine Mewes
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 5 Heft 9 • September 2025 Meinung Wir haben es in der Hand Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 S3-Leitlinie zum Fiebermanagement vorgelegt · Vor 50 Jahren · Zugang zu humanitärer Hilfe für Menschen in Gaza · eHBA der Generation 2.0 müssen ersetzt werden · Kammer Online · Datenbank zu Opfern des Nationalsozialismus verfügbar · MFA: Ärzteschaft wirbt für einen vielseitigen Beruf · Studium und Berufseinstieg Thema Weiterbildung: Gemischte Bilanz Seite 12 Spezial Gewappnet für den Seuchenfall Seite 14 Gesundheits- und Sozialpolitik In der Versorgung angekommen Seite 18 Neue Regeln für die medizinische Forschung Seite 20 Praxis Starke Teams für die regionale Versorgung Seite 22 Grippeimpfung für Gesundheitsberufe: mehr als nur Selbstschutz Seite 23 Forum Sexualisierte Kriegsgewalt ist System Seite 24 „Struktur ist mit das Wichtigste“ Seite 26 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 27 RÄ Regional Seite 31 Bücher Seite 34 An Rhein und Ruhr Seite 35 Kulturspiegel Das Kreuz mit den Tabus Seite 36 Amtliche Bekanntmachungen Seite 37 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 37 Mein Beruf „Wir sind auf einem guten Weg, papierlos zu arbeiten“ Seite 43 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: Vivek Vishwakarma / istockphoto.com Gewappnet für den Seuchenfall Die Sonderisolierstation an der Universitätsklinik Düsseldorf ist eine von nur sieben vergleichbaren Einrichtungen in Deutschland. Abgeriegelt und autark ist sie auf die Behandlung von lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten wie Ebola spezialisiert. Sexualisierte Kriegsgewalt ist System Kriege lassen in der Regel Tausende von vergewaltigten Frauen und Mädchen zurück. Das Leid der Betroffenen ist häufig ein gesellschaftliches Tabu. Die Hilfsorganisation medica mondiale hat sich dem Kampf gegen sexualisierte Kriegsgewalt verschrieben. Im dritten Jahr in Folge hat die Ärztekammer Nordrhein junge Ärztinnen und Ärzte zu ihrer Situation in der fachärztlichen Weiterbildung befragt. Das Ziel: Probleme erkennen und die notwendigen Konsequenzen ziehen. Doch die Beteiligung an der Befragung war mit nur acht Prozent gering. Evaluation der Weiterbildung: Gemischte Bilanz
6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Magazin Marburger Bund Tarifvertrag für Arbeitsmediziner Der Marburger Bund (MB) und BG prevent, einer der größten Gesundheitsdienstleister im Arbeits- und Gesundheitsschutz in Deutschland, haben sich Ende Juli auf Verhandlungen über einen arztspezifischen Tarifvertrag verständigt. Im Fokus stehen dabei geeignete Entgeltstrukturen sowie Regelungen zur Arbeitszeit und zur Fort- und Weiterbildung für die 800 Arbeits- mediziner, die bei der BG prevent beschäftigt sind, erklärten die künftigen Tarifpartner. Die Arbeitsmedizin leiste einen zentralen Beitrag zum Gesundheitsschutz in der Arbeitswelt. Mit den Tarifverhandlungen wolle man den besonderen Bedingungen der ärztlichen Tätigkeit in dem Fachgebiet besser gerecht werden. HK Personalbemessung ÄPS-BÄK wird erprobt Das Bundesgesundheitsministerium hat das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG beauftragt, das Ärztliche Personalbemessungsinstrument der Bundesärztekammer (ÄPS-BÄK) auf seine Praxistauglichkeit hin zu erproben. ÄPS-BÄK ist ein Kalkulationssystem zur Ermittlung des ärztlichen Personalbedarfs im Krankenhaus. Die Krankenhäuser, die im Rahmen einer Stichprobe ausgewählt wurden, sind zur Teilnahme an der Erprobung gesetzlich verpflichtet. Die Datenerhebung und die Befragung einer Fokusgruppe zu Erfahrungen mit der Anwendung von ÄPS-BÄK sollen bis Ende September stattfinden. HK Kinder- und Jugendmedizin S3-Leitlinie zum Fiebermanagement vorgelegt Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat zusammen mit 15 weiteren Fachgesellschaften, Berufsverbänden und Patientenorganisationen eine S3-Leitlinie zum Fiebermanagement bei ansonsten gesunden Kindern und Jugendlichen vorgelegt. Die Leitlinie biete Ärztinnen und Ärzten, Pflegefachpersonen und Gesundheitsberufen, klare, evidenzbasierte Empfehlungen für die ambulante Versorgung, teilte die DGKJ mit. Eine parallel dazu erstellte „Elternleitlinie“ soll den Bezugspersonen vermitteln, wann es ratsam ist, dem natürlichen Heilungsprozess zu vertrauen und ab wann Beschwerden ärztlich abgeklärt werden sollten. „Die neue Leitlinie betont ein grundlegend verändertes Verständnis von Fieber“, erklärte Professor Dr. Tim Niehues, Leitlinienbeauftragter der DGKJ. „Es wird nicht als vorrangig behandlungsbedürftiges Symptom betrachtet, sondern als physiologische und in der Regel hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers.“ Entscheidend für die Einschätzung eines fiebernden Kindes seien nicht allein Temperaturwerte, sondern vor allem der Allgemeinzustand und spezifische Warnzeichen wie Bewusstseinsstörungen, schrilles Schreien, Hauteinblutungen, Austrocknung oder Atemnot. Auch für Frühgeborene, Neugeborene und Säuglinge unter drei Monaten gelten besondere Empfehlungen. Die Leitlinie im Internet: https://register. awmf.org/de/leitlinien/detail/027-074 HK Novellierung Heilberufsgesetz NRW neu gefasst In der ersten September-Ausgabe 1975 des Rheinischen Ärzteblatts (RÄ) wurde die Neufassung des Heilberufsgesetzes NRW vom 19. August 1975 veröffentlicht. Die Neufassung des „Gesetzes über die Kammern, die Berufsausübung, die Weiterbildung und die Berufsgerichtsbarkeit der Ärzte, Apotheker, Tierärzte und Zahnärzte“, so der offizielle Name, war nötig geworden, da im April des gleichen Jahres die Bestimmungen zur Berufsausübung der Ärzte konkretisiert sowie Vorschriften für die Weiterbildung zum Facharzt, zum Allgemeinmediziner und zum Arzt für öffentliches Gesundheitswesen in das Heilberufsgesetz aufgenommen worden waren. Daneben hatte der Gesetzgeber die Reihenfolge der insgesamt 109 Paragraphen verändert. Nach „zähem aber fairen Ringen“ einigten sich Ende Juli 1975 die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen auf eine „Honorar-Bundesempfehlung“. Dieser Empfehlung mussten noch die verantwortlichen Gremien der Ärzteschaft und der Krankenkassen zustimmen. Das RÄ betonte in einem Artikel, der in der zweiten September-Ausgabe erschien, dass die Ärzte „Einsicht und Verantwortung zugleich für die ökonomischen Gesamtinteressen der Bevölkerung gezeigt“ hätten. „Angesichts der drohenden Kostenexplosion bei den Kassen wird von den Ärzten nicht nur eine längerfristige ‚Verschnaufpause‘ zugestanden, sondern gleichzeitig ein Beitrag zur Kosteneindämmung geleistet. Die Honorare sollten laut Empfehlung im zweiten Halbjahr 1975 um 2,29 Prozent und im darauffolgenden Jahr um 2,35 Prozent steigen. Die moderaten Honorarerhöhungen zeigten die sozialpolitische Verantwortung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte.“ bre Novum der neuen Leitlinie: Fieber soll nicht aufgrund seiner Höhe gesenkt werden, sondern nur, wenn das Kind sichtbar unter dem Fieber leidet. Foto: romrodinka/istockphoto.com
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 7 Bundesärztekammer Zugang zu humanitärer Hilfe für Menschen in Gaza Die Bundesärztekammer (BÄK) hat die politischen Entscheidungsträger in Deutschland, Europa und weltweit aufgerufen, sich für den Schutz medizinischer Einrichtungen und den uneingeschränkten Zugang zu humanitärer Hilfe für die Menschen in Gaza einzusetzen. Die Einfuhr und Verteilung von Medikamenten, Lebensmitteln und Wasser dürfe nicht behindert oder verzögert werden. Der Schutz medizinischer Einrichtungen, des Personals und der Patienten sei für alle Konfliktparteien eine völkerrechtliche Verpflichtung, erklärte BÄKPräsident Dr. Klaus Reinhardt. Hilfszentren, Gesundheitseinrichtungen und zivile Unterkünfte dürften weder angegriffen noch für militärische Zwecke missbraucht werden. Außerdem forderte die BÄK die sofortige und bedingungslose Freilassung aller in Gaza festgehaltenen Geiseln. Deren Inhaftierung stelle ebenfalls einen schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar. Die Ärztekammer Nordrhein unterstützt die Forderungen der Abtreibung: G-BA passt Vorgaben an Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Anforderungen an medizinische Einrichtungen angepasst, die ambulante Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Die Vorgaben für die Ausstattung und das vorzuhaltende Personal richteten sich zukünftig danach, ob eine Einrichtung Schwangerschaftsabbrüche ausschließlich medikamentös oder auch operativ durchführe, erklärte der G-BA. Studien zeigten, dass der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch ein sicheres ambulantes Verfahren sei, das regelmäßig keine operative Intervention erfordere. Spezielle räumliche oder apparative Voraussetzungen seien deshalb im Gegensatz zu operativen Eingriffen nicht erforderlich. HK Kurz gemeldet Gut informiert über mentale Gesundheit Knapp 80 Prozent der Jugendlichen in Deutschland haben eine Vorstellung davon, wie sich psychische Erkrankungen äußern können. 72 Prozent wissen, was ihnen bei psychischen Belastungen helfen könnte. Das geht aus der aktuellen Sinus-Jugendstudie im Auftrag der Barmer hervor. Befragt wurden im September 2024 bundesweit 2.000 Mädchen und Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren. Der Krankenkasse zufolge halten es jedoch nur 38 Prozent der Befragten für leicht, über ihre eigene psychische Situation zu sprechen. Um hier niedrigschwellige Hilfe zu leisten, bietet die Barmer ein kostenfreies Online-Seminar „Mentale Erste Hilfe“ an. HK Suizide verhindern Anlässlich des Welttages der Suizidprävention am 10. September finden auch in diesem Jahr bundesweit zahlreiche Symposien, Fachveranstaltungen und Aktionen statt. Ziel ist es nach Angaben der Organisationen zur Suizidprävention, auf die hohe Zahl an Suiziden sowie auf bestehende Möglichkeiten der Prävention aufmerksam zu machen. Laut Statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jährlich rund 10.000 Menschen durch Suizid. Weltweit sind es etwa 700.000 Todesfälle pro Jahr. Der Aktionstag wurde 2003 von der Weltgesundheitsorganisation und der Internationalen Vereinigung für Suizidprävention initiiert. Weitere Informationen unter www.welttag- suizidpraevention.de MST Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und Zusatz-Weiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 17. bis 21. November 2025. Anmeldeschluss: Freitag, 19. September 2025 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiter bildung/Pruefungen ÄkNo Lösungen zur Zertifizierten Kasuistik Folge 85 27-jähriger Patient mit partieller Verfärbung und Kältegefühl der rechten Hand Richtige Antworten: 1e, 2c, 3e, 4d, 5a, 6e, 7d, 8e, 9b, 10e Folge 86 der Reihe erscheint in der Oktober-Ausgabe 2025 des Rheinischen Ärzteblattes und im Internet unter www.aekno.de/cme. bre Rauchfrei im Mai 21.000 Teilnehmer Mehr als 21.000 Raucherinnen und Raucher haben in diesem Jahr an der Aktion „Rauchfrei im Mai“ teilgenommen. Das hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit mitgeteilt. Rauchen und seine gesundheitlichen Folgen stellten weiterhin ein großes Problem dar, erklärte der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Professor Dr. Hendrik Streeck. Zugleich gelte es, neuen Trends mit Vapes, Tabakerhitzern und Pouches entgegenzuwirken. Ein bloßer Produktwechsel weg von der Zigarette sei kein Fortschritt. HK Die Einfuhr und Verteilung von Medikamenten, Lebensmitteln und Wasser dürfe nicht behindert werden, fordert die Bundesärztekammer. Bundesärztekammer uneingeschränkt. BÄKPräsident Reinhardt begrüßte zudem eine Initiative des Präsidenten des Israelischen Ärzteverbandes, Professor Zion Hagay, der die israelische Regierung in einem Schreiben aufgefordert hat, mutmaßliche Verstöße gegen die medizinische Ethik und das humanitäre Völkerrecht durch das Militär aufzuklären. HK Foto: picture alliance / Anadolu / Dawoud Abo Alkas
Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Service Jahresberichte der Kammer stets griffbereit und aktuell halten werden, sodass zum Beispiel der Jahresbericht der Weiterbildungsabteilung mit Zahlen zu den Weiterbildungsprüfungen schon weit vor dem offiziellen Erscheinungstermin der Broschüre auf der Homepage abgerufen werden kann (www.aekno.de/weiterbildung). Der jeweils aktuelle Jahresbericht ist immer auf der Startseite eines Themengebiets in der oberen rechten Ecke des Browserfensters als grüner Kasten mit einer entsprechenden Beschriftung zu finden. Sämtliche Jahresberichte ab dem Jahr 2003, die bis zum Jahr 2007 als „Tätigkeitsbericht“ bezeichnet wurden, finden sich als PDF-Dokumente auf www.aekno.de/jahresbericht. Ab 2011 stehen sie als PDF-Dokumente und zusätzlich als interaktive E-Paper zur Verfügung. Die Jahresberichte ab 2023 sind per se interaktiv gestaltete PDF-Dokumente. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Im November wird die Ärztekammer Nordrhein wieder ihren neuen Jahresbericht vorlegen. Seit wenigen Jahren wird der Bericht in einer Kombination aus analoger und digitaler Form veröffentlicht. Zentrale Plattform ist die Homepage der Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de. Denn sämtliche Themen und Aufgabenbereiche, die in der Printversion angesprochen werden, verfügen über einen Hinweis, wo sich das Thema auf der Homepage wiederfindet. Oftmals ist ein QRCode abgedruckt, der den direkten Zugriff auf die ergänzenden Inhalte auf der Homepage über die Scanfunktion eines mobilen Endgerätes erlaubt. Dies bietet den Vorteil, dass der Jahresbericht in Papierform wesentlich schlanker und lesefreundlicher ist und zugleich kostensparender produziert werden kann. Auf der anderen Seite können die Beiträge auf der Homepage auch während des ganzen Jahres auf dem aktuellen Stand geAus Sicherheitsgründen dürfen ab dem 1. Januar 2026 keine elektronischen Heilberufsausweise (eHBA) der Generation 2.0 mehr verwendet werden. Das hat die Bundesnetzagentur mitgeteilt. Die bisherigen eHBA 2.0 müssen bis Ende 2025 gegen eHBA der Generation 2.1 getauscht werden, deren Verschlüsselung dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Die Ärztekammer Nordrhein empfiehlt, den Austausch der Karten zeitnah zu erledigen, um die Dienste, die einen eHBA benötigen, auch ab 1. Januar 2026 nutzen zu können. Die „alten eHBA“ werden zum 31. Dezember 2025 automatisch gesperrt. Von dem Austausch sind eHBA der Anbieter D-Trust (Bundesdruckerei-Gruppe) sowie medisign betroffen. Karten der Anbieter TSystems und SHC+CARE verfügen bereits über die geforderte Verschlüsselungstechnik. Betroffene erhalten von den Anbietern eine E-Mail, in der die Vorgehensweise für den Auf der Rückseite des elektronischen Heilberufsausweises ist in der rechten oberen Ecke unter dem CE-Zeichen die Kartengeneration vermerkt. Hier im Bild: G 2.1. Foto: bre Telematikinfrastruktur eHBA der Generation 2.0 ersetzen HIV Lebenserwartung steigt Die Zahl der ambulant versorgten HIV-Patientinnen und -Patienten hat sich von gut 63.500 im Jahr 2014 auf inzwischen fast 84.500 erhöht. Wie das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) mitteilte, ist im Zuge der sinkenden Sterblichkeit und damit des Anstiegs der Lebenserwartung von HIV-Patienten die Prävalenz von 0,09 auf 0,11 Prozent gestiegen – und zwar bezogen auf alle gesetzlich Krankenversicherten. Hohe Zuwachsraten verzeichnete das Zi zudem bei der Zahl der Menschen, die eine HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) nutzen. 2023 erhielten 51.600 Personen PrEP-Leistungen. Im Jahr 2020, dem ersten vollständigen Jahr seit Einführung, lag die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer dem Zi zufolge bei 26.000. HK Kinderkrankengeld Mehr Anträge von Frauen Frauen beantragen nach einer Analyse der Barmer fast dreimal häufiger als Männer Kinderkrankengeld. Demnach wurden im Jahr 2024 bundesweit rund 296.000 Anträge auf die Lohnersatzleistung von Frauen und 109.000 Anträge von Männern eingereicht. Das spiegelt nach Ansicht der Krankenkasse die fortbestehende ungleiche Verteilung der familiären Betreuungsverantwortung wider. Der Barmer zufolge profitieren Eltern seit dem 1. Januar 2024 von einem erweiterten Anspruch auf Kinderkrankengeld. Statt bisher zehn Tage pro Jahr können Eltern nun pro Kind 15 Tage beantragen. Bei Alleinerziehenden sind es 30 Tage. HK Kartentausch detailliert beschrieben wird. Ob der eHBA ausgetauscht werden muss, kann anhand eines Vermerks auf der Rückseite des eHBA unter dem CE-Zeichen geprüft werden. bre
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 9 Medizinische Fachangestellte Ärzteschaft wirbt für einen vielseitigen Beruf film der Kampagne auf ihren Websites einzubinden oder zu verlinken: Videos - Bundesärztekammer. HK Nach dem Erfolg der ersten Kampagne „Von Beruf wichtig“ aus dem August 2023 haben die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zum zweiten Mal gemeinsam eine Werbeoffensive für den Beruf der Medizinischen Fachangestellten (MFA) gestartet. Die Tätigkeit als MFA sei vielseitig und verantwortungsvoll. Sie verlange medizinisches Fachwissen, Organisationstalent und Einfühlungsvermögen. In einem Video zur Kampagne zeigt ein Praxisteam, warum der MFA-Beruf so vielfältig und wichtig ist. Denn MFA seien die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten und prägten maßgeblich den ersten Eindruck einer Praxis. BÄK und KBV appellieren an Praxisinhaberinnen und -inhaber, den KurzSachverständige Sozialgericht lädt zum Austausch Am 24. September 2025 von 15 bis 18 Uhr lädt das Sozialgericht Düsseldorf zusammen mit der Ärztekammer Nordrhein zum Erfahrungsaustausch mit medizinischen Sachverständigen ein. Auf dem Programm stehen Vorträge zur Gender-Medizin sowie parallele Arbeitskreise, die die medizinisch geprägten Rechtsgebiete abdecken, mit denen sich Sozialgerichte befassen. Darunter fallen Themen aus dem Renten-, Pflege-, Unfall-, Schwerbehinderten- und Krankenversicherungsrecht. Die Veranstaltung findet im Sozialgericht Düsseldorf, Ludwig-Erhard-Allee 21, 40227 Düsseldorf statt. Sie ist gebührenfrei und mit vier Punkten anerkannt. Anmeldung bis spätestens 12. September: verwaltung@sg- duesseldorf.nrw.de bre Notfälle 116 117 und 112 vernetzen Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) fordert von der Politik einen verbindlichen Fahrplan, um in Nordrhein-Westfalen die elektronische Vernetzung der Rufnummern 116 117 für den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst und 112 für den Rettungsdienst so schnell wie möglich umsetzen zu können. Noch fehle die digitale Infrastruktur für die 52 Leitstellen im Land. Anlass für die Forderung ist die Auswertung eines Pilotprojekts in Bonn, das im November 2024 gestartet war. Die Steuerung von Patienten über einen zentralen Kontaktpunkt habe eine „systemschonende und am medizinischen Bedarf orientierte Zuweisung der Anrufenden“ ermöglicht, teilte die KVNO mit. HK Medizinische Zwangsforschung Datenbank zu Opfern des Nationalsozialismus verfügbar Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) stellen seit Kurzem eine Datenbank zur Verfügung, die mehrere Tausend Biografien von Menschen umfasst, die im Nationalsozialismus Opfer der Euthanasie-Morde und unethischer Humanexperimente wurden. Neben Datensätzen zu den Betroffenen würden Informationen zu einzelnen Experimenten und beteiligten Institutionen bereitgestellt, teilten die beiden Organisationen mit. Eine interaktive Karte gebe Aufschluss über das Ausmaß und die geografische Verteilung der Verbrechen. Aufgebaut wurde die Datenbank im Rahmen des von der MPG geförderten Verbundprojekts „Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten“ mit Forschungsgruppen in Deutschland, Österreich und Großbritannien. Seit 2017 untersuchten Forscherinnen und Forscher tausende Hirnschnitte aus Sammlungen mikroskopischer Präparate der Max-Planck-Institute für Hirnforschung und für Psychiatrie, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus zwei Kaiser-Wilhelm-Instituten hervorgegangen waren. Ziel war es der MPG zufolge, den Opfern einen Namen zu geben und deren Gehirne, die für die Forschung missbraucht worden waren, nach Abschluss des Projekts würdig zu bestatten. Die MPG finanzierte das Projekt mit insgesamt fünf Millionen Euro. Die Datenbank im Internet: https://ns-medical-victims.org HK Denkmal für die Opfer medizinischer Zwangsforschung am ehemaligen Standort des Kaiser-WilhelmInstituts für Hirnforschung in Berlin Buch. Foto: Svea Pietschmann, Max Delbrück Center „Von Beruf wichtig“: Werbung für den Beruf des Medizinischen Fachangestellten Foto: BÄK
10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Magazin – Studium und Berufseinstieg Während ich diesen Text schreibe, sitze ich in Frankreich am Strand. Ohne dabei auch nur einen Gedanken an überfällige Anki-Karten zu verschwenden oder den Stoffwechselweg der Glykolyse in meinem Kopf herunterzubeten. Alle Klausuren des zweiten Semesters sind geschrieben und sogar einigermaßen gut bestanden, obwohl ich diesmal etwas entspannter an die Sache herangegangen bin als noch im ersten Semester. Ich habe gemerkt, dass mein Leben nicht nur aus Lernen bestehen muss. Man darf sich auch einfach mal Zeit für andere Dinge nehmen, statt sich ständig mit komplizierten lateinischen Phrasen oder eben der Glykolyse zu beschäftigen. Mein Lieblingsenzym ist übrigens die zungenbrecherische „Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase“. Ich habe mir also bewusst öfter Pausen gegönnt, teilweise auch etwas längere. Zum Beispiel auf den Medimeisterschaften, einem Festival für Medizinstudierende aus ganz Deutschland bvmd Dachverband aller medizinischer Fachschaften Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd) feierte 2024 ihr 20. Gründungsjubiläum. Im Mai 2004 hatten sich die „Fachtagung Medizin e.V.“ und der „Deutsche Famulantenaustausch“ entschieden, die beiden Organisationen in einen Verein zu überführen. Das war die Geburtsstunde der bvmd, wie deren Pressesprecherin Lilly Aepfelbach mitteilt. Die bvmd sei der Dachverband der 40 medizinischen Fachschaften und vertrete damit über 113.000 Medizinstudierende in Deutschland. Eines der Hauptziele sei die Vernetzung von Medizinstudentinnen und -studenten. Daneben seien die Austauschprogramme und die politische Interessenvertretung wichtige Säulen der Arbeit des bvmd. Dreimal jährlich treffen sich Vertreter zu Mitgliederversammlungen, auf denen unter anderem Positionspapiere oder Satzungsänderungen des Vereins diskutiert und beschlossen würden, so Aepfelbach. Das Plenum wählt jährlich sowohl den Geschäftsführenden als auch den Erweiterten Vorstand, der neben dem Präsidenten und sieben Vizepräsidentinnen und -präsidenten die thematische Bundeskoordination und die Trainings- und Projektkoordination umfasst. Jede Lokalvertretung im Plenum der Mitgliederversammlung habe bei den Wahlen eine Stimme, so Aepfelbach. „Eines unserer Hauptanliegen ist die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium und die längst überfällige Reform der Ärztlichen Approbationsordnung. Wir setMail aus Aachen Klara Schmitz Foto: privat zen uns im Rahmen dessen auch für ein faires Praktisches Jahr ein.“ Daneben befasst sich der Verband in sogenannten Bundeskoordinationen mit Themen wie Public Health, Sexualität und Prävention, Medizin und Menschenrechte, Europäische Integration, medizinische Ausbildung sowie Wissenschaftlichkeit und faires Praktisches Jahr. „Mit Sicherheit Verliebt“, das „Teddybärkrankenhaus“ und „Aufklärung Organspende“ sind einige der fortlaufenden Projekte der bvmd. International sei der Verband in der „European Medical Students‘ Association“ (EMSA) und der „International Federation of Medical Students‘ Associoation“ (IFMSA) aktiv. Über die IFMSA organisiert die Bundesvereinigung auch die studentischen Austauschprogramme. So kann Medizinstudierenden ein kostengünstiger und niederschwelliger Famulatur-, Forschungs- und Public Health-Austausch in über 100 Ländern angeboten werden. Medizinstudierende, die sich für die Arbeit der bvmd interessieren oder aktiv mitarbeiten möchten, können sich an ihre Fachschaft wenden, so Aepfelbach. Aber auch die Teilnahme an einem der AG-Wochenenden oder an einem Bundeskongress sei möglich. Weitere Informationen, auch zur Mitarbeit bei der Bundesvertretung finden sich unter www.bvmd.de. bre und Umgebung. Jede Uni hat dort ihre eigenen Lieder, Kostüme und Mottos. An Lernen war da nicht zu denken. Außerdem war ich öfter laufen, manchmal auch aus Frust, weil ich den Stoff einfach nicht in meinen Kopf bekommen habe, aber das zählt ja trotzdem. Meine Ausdauer war nie wirklich schlecht, aber die Aachener „Berge“ kamen mir dann doch höher vor, als sie aussehen. Wenn ich Glück habe, ist diese Ausdauer ja auch noch da, wenn ich Anfang Oktober nach den Semesterferien zu Hause wieder zurück nach Aachen komme. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de. Start der Reihe „Organisationen der Jungmediziner“ Das Rheinische Ärzteblatt wird in den kommenden Ausgaben an dieser Stelle Organisationen und Vereinigungen vorstellen, die sich explizit an Medizinstudierende oder junge Ärztinnen und Ärzte wenden, sie bei ihrer medizinischen Laufbahn unterstützen und gesundheitspolitische Interessen vertreten, die im Fokus der jungen Ärztegeneration stehen. bre
Erfolgreich in die Praxis Ihre Zukunft, Ihre Möglichkeiten Sie denken über eine Anstellung oder den Einstieg in eine Praxis nach? Unsere Veranstaltungsreihe bietet Ihnen: • Beratung zu Niederlassung und Anstellung • Infos zu Förderangeboten • Austausch mit Praxen aus der Region Die Teilnahme ist kostenlos. Jetzt informieren und anmelden! kvno.de/landpartien Landpartie Niederrhein Krefeld im Kornspeicher Freitag, 19. September 2025, 15:00 Uhr bis 20:30 Uhr 19.09.
Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Foto: Vivek Vishwakarma / istockphoto.com „Beinahe keine Weiterbildung. Learning by doing, kein Personal“, „Weiterbildung wird im Krankenhaussystem zu wenig berücksichtigt. Dienste gehen immer vor“, „Das Logbuch nicht erst am Ende ausgefüllt zu bekommen, wäre schön“ – Die Freitextantworten bei der diesjährigen Evaluation der Weiterbildung spiegeln wider, dass sich die Ergebnisse in den vergangenen Jahren kaum verbessert haben. Lediglich 47 Prozent der Befragten würden ihre Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. 2024 waren es noch 54 Prozent gewesen. Mit 72,6 Prozent ist auch der Anteil der Ärztinnen und Ärzte unverändert hoch, denen bei der Aufnahme ihrer Tätigkeit an der aktuellen Weiterbildungsstätte kein Weiterbildungsprogramm ausgehändigt wurde (2024: 72,32). Das sei umso erstaunlicher, als jeder Weiterbilder ein solches Programm vorlegen müsse, wenn er bei der Ärztekammer die Befugnis zur Weiterbildung beantrage und er zudem im Rahmen der verpflichtenden Fortbildung „Verantwortung als Weiterbilder“ auf die Aushändigung hingewiesen werde, heißt es aus der Weiterbildungsabteilung der Kammer. Auch Weiterbildungsgespräche seien vorgeschrieben, würden aber nur in jedem zweiten Fall regelmäßig geführt. Geschmälert wird die Aussagekraft der Evaluationsergebnisse durch die geringe Beteiligung. Von 15.401 angeschriebenen Ärztinnen und Ärzten antworteten nur 1.240, also gerade einmal rund acht Prozent. Zu dem niedrigen Wert dürften auch Streuverluste beigetragen haben. Denn ihren kurzen Standardfragebogen hatte die Kammer im Frühjahr per E-Mail an alle Mitglieder bis zum Alter von 45 Jahren geschickt, die bis dahin ohne Facharztbezeichnung waren. Dabei war nicht klar, ob alle Angeschriebenen auch tatsächlich eine Weiterbildung durchlaufen. Denn ein Register sämtlicher Ärztinnen und Ärzte, die in Nordrhein eine Weiterbildung absolvieren, gibt es bislang nicht. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Weiterbildung befasst und der Weiterbildungskommission der Kammer vorsitzt, will das zeitnah ändern. „Wir brauchen die Daten, wer sich wo und seit wann in der Weiterbildung befindet“, sagt Dreyer im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Zum einen könne man dann die Weiterzubildenden gezielt direkt kontaktieren und den ein oder anderen auf diese Weise zusätzlich zur Teilnahme an der jährlich stattfindenden Evaluation motivieren. Zum anderen benötigten die Kammern in Zeiten des Fachkräftemangels einen Überblick darüber, in welchen Gebieten sich die angehenden Fachärztinnen und -ärzte spezialisieren und wie lange sie dafür im Durchschnitt brauchen. Von denjenigen, die in diesem Jahr an der Befragung teilnahmen, befanden sich 13 Prozent in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin; 12,5 Prozent absolvierten eine Weiterbildung in Innerer Medizin; zwölf Prozent in Anästhesie; jeweils 6,5 Prozent in Gynäkologie und Geburtshilfe sowie in Orthopädie und Unfallchirurgie. Sechs Prozent befanden sich in Weiterbildung: Gemischte Bilanz Im dritten Jahr in Folge hat die Ärztekammer Nordrhein junge Ärztinnen und Ärzte zu ihrer Situation in der fachärztlichen Weiterbildung befragt. Das Ziel: Probleme erkennen und die notwendigen Konsequenzen ziehen. Allerdings haben sich lediglich – aus Sicht der Kammer enttäuschende – acht Prozent der angeschriebenen Ärzte an der Befragung beteiligt und nur knapp die Hälfte von ihnen würde ihre Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. von Heike Korzilius
Thema Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 13 Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Die übrigen 43,5 Prozent verteilten sich auf 46 andere Fachrichtungen. Register für den Überblick Die Landesärztekammer Hessen hat bereits im Jahr 2013 mit dem Aufbau eines Weiterbildungsregisters begonnen und bittet seither einmal jährlich im Oktober sämtliche Weiterbildungsbefugten in den Gebieten, ihre Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung zu melden. Zusatz- und Schwerpunktweiterbildungen werden der Ärztekammer Hessen zufolge bei der Abfrage nicht berücksichtigt. Das Register diene in erster Linie dazu, potenzielle Engpässe in der zukünftigen ärztlichen Versorgung zu identifizieren und frühzeitig gegensteuern zu können, heißt es aus der Kammer. Außerdem könnten bei Evaluationen die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung direkt und ohne „Umweg“ über die Weiterbildungsbefugten angeschrieben werden. Die Ärztekammer Hamburg hat die Abfrage für das Weiterbildungsregister im vergangenen Jahr als Test durchgeführt. Rund ein Drittel der Befugten habe geantwortet, erklärte die Kammer auf Anfrage. „Das ist für den Test in unseren Augen ein guter Wert, wenn auch noch nicht ausreichend, um valide Aussagen treffen zu können“, heißt es dort. Inzwischen sei die Abfrage für die Weiterbilder in Hamburg verpflichtend. Deshalb hoffe man auf aussagekräftigere Daten in der diesjährigen Abfrage. „Mit dem Weiterbildungsregister schaffen wir die Grundlage für eine weitere und vor allem datengestützte Qualitätssicherung in der Weiterbildung“, ist der Präsident der Ärztekammer Hamburg, Dr. Pedram Emami, überzeugt. Auch Nordrheins Präsident Dreyer verspricht sich von einem Weiterbildungsregister wertvolle Informationen und ein umfassenderes Bild der Lage. Zurzeit sei es schwierig einzuschätzen, warum sich die Umfragewerte nicht steigern, obwohl inzwischen einige Maßnahmen ergriffen worden seien, um die Lehre in der Weiterbildung zu verbessern – was auch von den Weiterzubildenden zunehmend eingefordert werde. Bereits seit etwa drei Jahren bietet die Ärztekammer Nordrhein regelmäßig in Präsenz und online die verpflichtende Fortbildungsveranstaltung „Verantwortung als Weiterbilder“ an. Der Leiter der Weiterbildungsabteilung der Kammer, Olaf Tkotsch, erläutert dort die wichtigsten Bestimmungen der Weiterbildungsordnung sowie die Rechte und Pflichten der Weiterbilder. Ab September 2025 bietet zudem die Ärztliche Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein die ersten Kurse „Didaktiktraining für Weiterbilder“ an. Diese sind für Weiterbilder, die erstmals eine Weiterbildungsbefugnis beantragen, ebenfalls verpflichtend. Das hatte der 128. Deutsche Ärztetag im Mai 2024 beschlossen. Damit sollen die Weiterbilder medizindidaktisches Rüstzeug an die Hand bekommen, um Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten ihres Fachs angemessen vermitteln zu können. Neben diesen Maßnahmen erwägt Kammerpräsident Dreyer, den sogenannten strukturierten Dialog mit denjenigen Weiterbildern, die bei der Evaluation schlecht abgeschnitten haben, wiederaufzunehmen. Dieses Format des Peer Reviews musste aufgrund personeller Engpässe vorübergehend eingestellt werden. „Die betroffenen Weiterbilder waren in der Vergangenheit jedenfalls immer sehr dankbar für den Dialog“, sagt Dreyer. Zur Qualitätsverbesserung könne möglicherweise auch die weitere Verbreitung von Gütesiegeln beitragen. Beispielsweise verleihe der Marburger Bund (MB) auf Initiative junger Ärztinnen und Ärzte in den Landesverbänden Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz, Saarland, Berlin/Brandenburg und Hessen das Siegel „Gute Weiterbildung“. Dabei wird bei den Bewerbern um das Siegel ein Zertifizierungsverfahren durchgeführt, das die Befragung sämtlicher Ärztinnen und Ärzte der Fachabteilung einschließt. Man wolle zeigen, dass gute Weiterbildung möglich ist, heißt es aus dem MB. Weiterbildung: besser als ihr Ruf Dreyer macht darüber hinaus auch die äußeren Rahmenbedingungen für die zum Teil unbefriedigende Lage der Weiterzubildenden mitverantwortlich. „Das finanzielle Korsett in den Krankenhäusern und in den Praxen der niedergelassenen Ärzte wird zunehmend enger, was gleichzeitig bedeutet, dass Zeit für Weiterbildung fehlt.“ Wenn zum Beispiel der OP-Manager in der Klinik aus wirtschaftlichen Erwägungen eine höhere Taktzahl anmahne, nähe eben nicht der Arzt in Weiterbildung die Anastomose, sondern der Oberarzt. Eine Herausforderung für die Weiterbildung sei auch die Krankenhausreform, wie sie in Nordrhein-Westfalen derzeit umgesetzt werde. Spezialisierung und Zentrenbildung könnten dazu führen, dass junge Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung nicht mehr ausschließlich an einer Weiterbildungsstätte absolvieren können. Hier müssten verbindliche Rotationen und Weiterbildungsverbünde geschaffen werden, um dem ärztlichen Nachwuchs eine reibungslose Spezialisierung ohne Brüche zu ermöglichen. „Da sind auch wir Ärztekammern gefordert, gegenüber der Politik entsprechende Regelungen anzumahnen“, erklärt Dreyer. Welchen Stellenwert kann man vor diesem Hintergrund den regelmäßigen Evaluationen der Weiterbildung zumessen? „Ich finde sie zwingend notwendig, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, was draußen vor sich geht“, betont der Kammerpräsident. „Die Umfragen müssen aber unbedingt repräsentativer werden.“ Alles in allem sei die Weiterbildung vermutlich auch besser als ihr Ruf. Dreyer macht das an den Ergebnissen der Facharztprüfungen fest. Die Durchfallquote liege bei niedrigen fünf bis sechs Prozent. „Das spricht dafür, dass die jungen Ärztinnen und Ärzte über ihre Weiterbildungszeit hinweg gelernt haben, ihr Fach selbstständig zu vertreten und ihre Patientinnen und Patienten gut zu behandeln.“
14 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 15 Spezial Gewappnet für den Seuchenfall Die Sonderisolierstation am Universitätsklinikum Düsseldorf ist einzigartig in Nordrhein-Westfalen und eine von nur sieben vergleichbaren Einrichtungen bundesweit: Sie ist auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit hochinfektiösen und lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Lassa-Fieber oder Ebola spezialisiert – unter strengsten Sicherheitsbedingungen. Ein Besuch von Marc Strohm Die Sonderisolierstation (SIS) wirkt wie eine vergessene Abteilung: Sie verbirgt sich im Erdgeschoss des Leber- und Infektionszentrums auf dem weitläufigen Campus des Universitätsklinikums Düsseldorf, abgeschottet vom übrigen Klinikbetrieb in einem unscheinbar wirkenden Gebäude mit hellgrauen Fassadenplatten. Eine gläserne Schiebetür führt in einen schmalen Linoleumkorridor, von dem rechts und links die Räume der Sonderisolierstation abgehen. Auch an diesem sonnigen Julimorgen ist die besondere Technik der Station – wie an den meisten Tagen im Jahr – nicht in Betrieb: Die Türen zum Labor und zur Dekontaminationsdusche sind abgeschlossen, die Lichter gelöscht, niemand eilt über den langen Flur. Sicherheit hat Priorität Es sind Szenen wie aus einem Katastrophenfilm: Ein Patient wird unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen auf der Sonderisolierstation behandelt. Zum Schutz tragen die Einsatzkräfte spezielle Gebläsefilteranzüge: Innerhalb der Einrichtung nutzen Ärztinnen, Ärzte und Pflegepersonal eine gelbe Variante, während die Feuerwehr auf eine orangefarbene, besonders reißfeste Ausführung setzt, die auch außerhalb des Klinikgebäudes eingesetzt werden kann. Mindestens einmal im Jahr findet eine große, interdisziplinäre Übung statt. Dabei werden unterschiedliche Szenarien trainiert – etwa die Verlegung eines hochinfektiösen Patienten vom Düsseldorfer Flughafen auf die Sonderisolierstation. Zusätzlich gibt es rund zwanzig kleinere Übungen pro Jahr. Geprobt wird dabei unter anderem das korrekte Anlegen der Schutzanzüge. Fotos: Universitätsklinikum Düsseldorf
16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Spezial Die Monitore in der Schaltzentrale sind mit einer orangefarbenen Wolldecke abgedeckt, damit sie nicht verstauben. Im Vorbereitungsraum stapeln sich in den Schwerlastregalen Kartons mit gelben Schutzanzügen. Daneben laden Funkgeräte, die grünen Kontrolllämpchen blinken synchron auf. Die drei Patientenzimmer sind allerdings belegt – mit regulären Patienten aus der Infektiologie, erklärt PD Dr. Björn Jensen, Leiter der Speziellen Infektiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Denn soweit wie möglich werden die Räumlichkeiten der SIS in den regulären Klinikbetrieb eingebunden. In ständiger Alarmbereitschaft Doch die Ruhe täuscht. Die Sonderisolierstation ist rund um die Uhr für den Ernstfall gerüstet, sollten Patienten mit dem Verdacht auf eine hochinfektiöse und lebensbedrohliche Erkrankung eingeliefert werden und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen behandelt werden müssen. Das geschieht bei allen Erkrankungen der Risikostufe 4 der Biostoffverordnung, unter die beispielsweise Erreger von hämorrhagischem Fieber fallen, wie Ebola, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber oder das Marburg-Virus. „Innerhalb von vier Stunden kann die Sonderisolierstation einsatzbereit gemacht werden“, erklärt Jensen. Um sie „scharfzuschalten“, ist ein Schlüsseldreh im Kontrollzentrum nötig; dann schließen sich die Türen und die Einheit wird hermetisch abgeriegelt. Ein gestaffeltes Unterdrucksystem in der Station verhindert, dass gefährliche Keime in die Umgebung gelangen. Die betroffenen Patienten werden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in einem Krankenwagen für Hochinfektionstransporte in einer eigenen Garage eingeliefert. Abgeriegelt und autark Einen möglichen Einsatz schildert Jensen so: Während der Patient von der Feuerwehr in das Behandlungszimmer gebracht werde, bereiteten sich Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte auf die Behandlung vor. „Die Versorgung eines solchen Verdachtsfalles ist sehr personalintensiv“, erklärt Jensen. Insgesamt benötige man 25 Ärzte und Pflegekräfte, um einen Patienten für 24 Stunden zu betreuen. Beim Kontakt mit dem Patienten trage das medizinische Personal klobig wirkende, gelbe Gebläsefilteranzüge mit durchsichtigen Visieren, die eine Frischluftversorgung ermöglichen. „Aufgrund des Atemschutzgebläses ist es in den Anzügen sehr laut. Darum findet die Kommunikation ausschließlich über Funk statt“, sagt Jensen. Zwar wirkten die Anzüge, in denen die Mitarbeiter im Durchschnitt vier Stunden verbringen, auf den ersten Blick sehr unbequem. Doch es werde darin im Gegensatz zu anderen Modellen beispielsweise nicht überdurchschnittlich warm. Die enganliegenden Handschuhe böten den Trägern zudem ein gutes Feingefühl, sodass präzise Arbeiten wie Blutentnahmen möglich seien. In den Anzügen könne man theoretisch sogar trinken. Die meisten Mitarbeiter verzichteten allerdings darauf, denn spontane Toilettengänge seien nur bedingt möglich, weil jeder, der den Behandlungsraum aus welchem Grund auch immer verlasse, sich in der Dekontaminationsschleuse gründlich unter einer Sicherheitsdusche mit alkalisierter Peressigsäure reinigen müsse. Dies geschehe mindestens zu zweit, damit auch schwererreichbare Körperstellen wie der Rücken oder die Fußsohlen dekontaminiert werden können. Da die Anzüge zugeklebt werden, müssen Ärzte und Pflegekräfte nach der Dekontamination herausgeschnitten werden, sprich: sie könnten nicht wiederverwendet werden. Das verursache beträchtliche Kosten. Ein Anzug schlägt Jensen zufolge mit rund 130 Euro zu Buche. Insgesamt dauere es etwa 20 Minuten, um aus dem kontaminierten Bereich „herausgeschleust“ zu werden. Der Bau des Leber- und Infektionszentrums inklusive der Sonderisolierstation hat das Land NRW insgesamt 19 Millionen Euro gekostet. Ein großer Teil des Geldes floss Jensen zufolge in die Technik. Neben der medizinischen Ausstattung, darunter ein eigenes Labor, musste etwa eine hochmoderne Belüftungsanlage mit Spezialfiltern eingebaut werden, damit Krankheitserreger nicht nach außen gelangen. Nach dem Ende eines Einsatzes kann die Station inklusive Lüftungsanlage sowie sämtlicher Gerätschaften mit Wasserstoffperoxid begast und damit desinfiziert werden. Die SIS verfügt zudem über eine eigene thermische Abwasseranlage, in der kontaminiertes Wasser aufbereitet wird. Im Brandfall wird eine Hochdruck-Wassernebel-Anlage aktiviert, das Löschwasser wird in einem gesonderten Auffangbecken gesammelt. „Die Sonderisolierstation ist ein völlig autarkes System innerhalb Im vergangenen Jahr wurde in einer interdisziplinären Übung die innereuropäische Verlegung eines Patienten von Irland nach Düsseldorf auf die Sonderisolierstation geprobt. Der Patient wird dabei in einer Art „gläsernem Shuttle“ transportiert. Foto: Universitätsklinikum Düsseldorf
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 17 verstärkten Stress und Ängste bei Betroffenen und ihren Angehörigen. Jensen setzt daher bei seinen Patienten auf eine klare Kommunikation, um ihnen Ungewissheit und Ängste möglichst zu nehmen. Die Mitarbeiter der SIS achteten zudem während der Behandlung eines Verdachtsfalles sehr genau darauf, dass keine Informationen zum Zustand des Patienten nach außen dringen. Vorbereitet auf neue Erreger Die Sonderisolierstation sei bestens ausgerüstet für einzelne Reisende, die mit hochinfektiösen Erkrankungen nach Deutschland kommen, resümiert Infektiologe Jensen. Sie gelte damit als ein wichtiger Baustein im Seuchenschutzkonzept des Landes NRW – doch sie sei bei Weitem nicht der einzige. Der Infektionsschutzplan NRW bildet die Grundlage für die Seuchenvorsorge- und -bekämpfung im Land. Darin sind Konzepte für den Umgang mit hochpathogenen Erregern festgeschrieben, und es werden detailliert die Zuständigkeiten, Meldewege und erforderliche Schutzmaßnahmen in einem solche Fall festgelegt. Ein Stresstest für die Seuchenabwehr war dem NRW-Gesundheitsministerium zufolge die Coronapandemie. Sie habe deutlich die Stärken und Schwächen des Gesundheitssystems offenbart. Eine Konsequenz daraus habe die Bundesregierung im Jahr 2020 mit dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) gezogen und bis 2026 insgesamt knapp vier Milliarden Euro für zusätzliches Personal und eine Modernisierung der Infrastruktur bereitgestellt. Unter anderem sollten mit dem Geld auch See- und Flughäfen bei der Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation unterstützt werden, um die grenzüberschreitende Verbreitung von Krankheiten einzudämmen. So hat der internationale Flughafen in Düsseldorf nach Angaben des Landes Fördermittel für die Anschaffung von Notfallfahrzeugen und ein mobiles Schnelleinsatzzelt erhalten. Zur Überwachung des Corona-Infektionsgeschehens wurde 2022 in Nordrhein-Westfalen ein Abwassermonitoring eingeführt, das mittlerweile auf die Überwachung von Influenza-Viren und des Respiratorischen Synzytial-Virus ausgedehnt wurde. Darüber hinaus hatte die 96. Gesundheitsministerkonferenz im Jahr 2023 das Bundesgesundheitsministerium aufgefordert, den Nationalen Pandemieplan (NPP) zu überarbeiten, der Grundlage für die Pandemiepläne der Länder ist. „Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis neue Erreger zu einer Bedrohung werden“, sagt Infektiologe Jensen. Der zunehmende internationale Reiseverkehr, medizinische Hilfseinsätze in Ausbruchsregionen und der Klimawandel erhöhten die Wahrscheinlichkeit importierter Infektionen. So gelte beispielsweise das KrimKongo-Fieber inzwischen in Teilen Spaniens als endemisch. Auch frühere Ereignisse wie Ausbrüche von Ebola und Lassa-Fieber verdeutlichen die Relevanz der Vorsorge. Für Fälle wie diese bleibt die Düsseldorfer Sonderisolierstation auch in Zukunft rund um die Uhr einsatzbereit. des Krankenhauses“, betont Jensen. Alle sicherheitsrelevanten Geräte seien dabei doppelt vorhanden, falls eines ausfalle. Eine besondere Rolle spielten die beiden Autoklaven, in denen kontaminierte Materialien, wie beispielsweise gebrauchte Schutzanzüge, mithilfe von Vakuum und heißem Wasserdampf vor der Entsorgung sterilisiert würden. Vom Stand der Technik her gelte die Sonderisolierstation in Düsseldorf als eine der modernsten Einrichtungen in Europa, sagt Jensen. Um Hochinfektionspatienten optimal zu versorgen, steht die Düsseldorfer Sonderisolierstation in engem Kontakt mit den Betreibern der übrigen sechs Einrichtungen im Bundesgebiet. Sie alle sind Mitglieder im „Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger“ (STÄKOB), dessen Geschäftsstelle beim Robert Koch-Institut angesiedelt ist. Ob ein Patient auf einer Sonderisolierstation behandelt werden müsse, werde nach klaren Richtlinien entschieden, erklärte das NRWGesundheitsministerium auf Anfrage des Rheinischen Ärzteblattes. Liege im Land ein Verdachtsfall auf eine entsprechende Erkrankung vor oder bestätige sich dieser, setze sich die zuständige untere Gesundheitsbehörde mit dem Kompetenzzentrum Infektionsschutz in Verbindung, das beim Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist. Gemeinsam mit dem Behandlungszentrum der Uniklinik Düsseldorf entscheide dann das Kompetenzzentrum Infektionsschutz über die Verlegung des Patienten auf die Sonderisolierstation. Hohe Belastungen „Im Durchschnitt wird auf der SIS alle ein bis zwei Jahre ein Verdachtsfall unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen behandelt“, erklärt Jensen. Zu seinen Patienten zählten in der Regel Reisende aus afrikanischen oder südamerikanischen Ländern – die Nähe zum internationalen Flughafen war daher auch ein Grund, weshalb die SIS in Düsseldorf errichtet wurde. Gut erinnern kann sich der Infektiologe an den Fall eines US-amerikanischen Krankenpflegers, der in Togo während eines Lassa-Ausbruchs Erkrankte versorgte und sich dabei unbemerkt selbst infizierte. Nach seiner Rückkehr starb der Mann in Köln. Vier Kontaktpersonen des Verstorbenen wurden damals mit dem Verdacht auf eine Lassa-Infektion in der Düsseldorfer Sonderisolierstation behandelt. Für die Patienten stelle die Behandlung in einer Sonderisolierstation unter den strengen Sicherheitsvorkehrungen häufig eine große psychische Belastung dar, weiß Jensen. Zum einen durchlebten sie aufgrund der Infektion mit einem potenziell tödlichen hämorrhagischen Fieber große Ängste um ihr eigenes Leben, zum anderen sorgten sich viele Patienten um ihnen nahestehende Menschen, die sie möglicherweise angesteckt hätten. Viele litten zudem unter der fehlenden Nähe, denn der Kontakt finde ausschließlich mit Personal in Schutzanzügen statt. Auch reißerische Berichte in den Medien Spezial
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