Rheinisches Ärzteblatt 09/2025

Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Foto: Vivek Vishwakarma / istockphoto.com „Beinahe keine Weiterbildung. Learning by doing, kein Personal“, „Weiterbildung wird im Krankenhaussystem zu wenig berücksichtigt. Dienste gehen immer vor“, „Das Logbuch nicht erst am Ende ausgefüllt zu bekommen, wäre schön“ – Die Freitextantworten bei der diesjährigen Evaluation der Weiterbildung spiegeln wider, dass sich die Ergebnisse in den vergangenen Jahren kaum verbessert haben. Lediglich 47 Prozent der Befragten würden ihre Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. 2024 waren es noch 54 Prozent gewesen. Mit 72,6 Prozent ist auch der Anteil der Ärztinnen und Ärzte unverändert hoch, denen bei der Aufnahme ihrer Tätigkeit an der aktuellen Weiterbildungsstätte kein Weiterbildungsprogramm ausgehändigt wurde (2024: 72,32). Das sei umso erstaunlicher, als jeder Weiterbilder ein solches Programm vorlegen müsse, wenn er bei der Ärztekammer die Befugnis zur Weiterbildung beantrage und er zudem im Rahmen der verpflichtenden Fortbildung „Verantwortung als Weiterbilder“ auf die Aushändigung hingewiesen werde, heißt es aus der Weiterbildungsabteilung der Kammer. Auch Weiterbildungsgespräche seien vorgeschrieben, würden aber nur in jedem zweiten Fall regelmäßig geführt. Geschmälert wird die Aussagekraft der Evaluationsergebnisse durch die geringe Beteiligung. Von 15.401 angeschriebenen Ärztinnen und Ärzten antworteten nur 1.240, also gerade einmal rund acht Prozent. Zu dem niedrigen Wert dürften auch Streuverluste beigetragen haben. Denn ihren kurzen Standardfragebogen hatte die Kammer im Frühjahr per E-Mail an alle Mitglieder bis zum Alter von 45 Jahren geschickt, die bis dahin ohne Facharztbezeichnung waren. Dabei war nicht klar, ob alle Angeschriebenen auch tatsächlich eine Weiterbildung durchlaufen. Denn ein Register sämtlicher Ärztinnen und Ärzte, die in Nordrhein eine Weiterbildung absolvieren, gibt es bislang nicht. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Weiterbildung befasst und der Weiterbildungskommission der Kammer vorsitzt, will das zeitnah ändern. „Wir brauchen die Daten, wer sich wo und seit wann in der Weiterbildung befindet“, sagt Dreyer im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Zum einen könne man dann die Weiterzubildenden gezielt direkt kontaktieren und den ein oder anderen auf diese Weise zusätzlich zur Teilnahme an der jährlich stattfindenden Evaluation motivieren. Zum anderen benötigten die Kammern in Zeiten des Fachkräftemangels einen Überblick darüber, in welchen Gebieten sich die angehenden Fachärztinnen und -ärzte spezialisieren und wie lange sie dafür im Durchschnitt brauchen. Von denjenigen, die in diesem Jahr an der Befragung teilnahmen, befanden sich 13 Prozent in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin; 12,5 Prozent absolvierten eine Weiterbildung in Innerer Medizin; zwölf Prozent in Anästhesie; jeweils 6,5 Prozent in Gynäkologie und Geburtshilfe sowie in Orthopädie und Unfallchirurgie. Sechs Prozent befanden sich in Weiterbildung: Gemischte Bilanz Im dritten Jahr in Folge hat die Ärztekammer Nordrhein junge Ärztinnen und Ärzte zu ihrer Situation in der fachärztlichen Weiterbildung befragt. Das Ziel: Probleme erkennen und die notwendigen Konsequenzen ziehen. Allerdings haben sich lediglich – aus Sicht der Kammer enttäuschende – acht Prozent der angeschriebenen Ärzte an der Befragung beteiligt und nur knapp die Hälfte von ihnen würde ihre Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. von Heike Korzilius

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