Rheinisches Ärzteblatt 09/2025

16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 Spezial Die Monitore in der Schaltzentrale sind mit einer orangefarbenen Wolldecke abgedeckt, damit sie nicht verstauben. Im Vorbereitungsraum stapeln sich in den Schwerlastregalen Kartons mit gelben Schutzanzügen. Daneben laden Funkgeräte, die grünen Kontrolllämpchen blinken synchron auf. Die drei Patientenzimmer sind allerdings belegt – mit regulären Patienten aus der Infektiologie, erklärt PD Dr. Björn Jensen, Leiter der Speziellen Infektiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Denn soweit wie möglich werden die Räumlichkeiten der SIS in den regulären Klinikbetrieb eingebunden. In ständiger Alarmbereitschaft Doch die Ruhe täuscht. Die Sonderisolierstation ist rund um die Uhr für den Ernstfall gerüstet, sollten Patienten mit dem Verdacht auf eine hochinfektiöse und lebensbedrohliche Erkrankung eingeliefert werden und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen behandelt werden müssen. Das geschieht bei allen Erkrankungen der Risikostufe 4 der Biostoffverordnung, unter die beispielsweise Erreger von hämorrhagischem Fieber fallen, wie Ebola, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber oder das Marburg-Virus. „Innerhalb von vier Stunden kann die Sonderisolierstation einsatzbereit gemacht werden“, erklärt Jensen. Um sie „scharfzuschalten“, ist ein Schlüsseldreh im Kontrollzentrum nötig; dann schließen sich die Türen und die Einheit wird hermetisch abgeriegelt. Ein gestaffeltes Unterdrucksystem in der Station verhindert, dass gefährliche Keime in die Umgebung gelangen. Die betroffenen Patienten werden unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen in einem Krankenwagen für Hochinfektionstransporte in einer eigenen Garage eingeliefert. Abgeriegelt und autark Einen möglichen Einsatz schildert Jensen so: Während der Patient von der Feuerwehr in das Behandlungszimmer gebracht werde, bereiteten sich Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte auf die Behandlung vor. „Die Versorgung eines solchen Verdachtsfalles ist sehr personalintensiv“, erklärt Jensen. Insgesamt benötige man 25 Ärzte und Pflegekräfte, um einen Patienten für 24 Stunden zu betreuen. Beim Kontakt mit dem Patienten trage das medizinische Personal klobig wirkende, gelbe Gebläsefilteranzüge mit durchsichtigen Visieren, die eine Frischluftversorgung ermöglichen. „Aufgrund des Atemschutzgebläses ist es in den Anzügen sehr laut. Darum findet die Kommunikation ausschließlich über Funk statt“, sagt Jensen. Zwar wirkten die Anzüge, in denen die Mitarbeiter im Durchschnitt vier Stunden verbringen, auf den ersten Blick sehr unbequem. Doch es werde darin im Gegensatz zu anderen Modellen beispielsweise nicht überdurchschnittlich warm. Die enganliegenden Handschuhe böten den Trägern zudem ein gutes Feingefühl, sodass präzise Arbeiten wie Blutentnahmen möglich seien. In den Anzügen könne man theoretisch sogar trinken. Die meisten Mitarbeiter verzichteten allerdings darauf, denn spontane Toilettengänge seien nur bedingt möglich, weil jeder, der den Behandlungsraum aus welchem Grund auch immer verlasse, sich in der Dekontaminationsschleuse gründlich unter einer Sicherheitsdusche mit alkalisierter Peressigsäure reinigen müsse. Dies geschehe mindestens zu zweit, damit auch schwererreichbare Körperstellen wie der Rücken oder die Fußsohlen dekontaminiert werden können. Da die Anzüge zugeklebt werden, müssen Ärzte und Pflegekräfte nach der Dekontamination herausgeschnitten werden, sprich: sie könnten nicht wiederverwendet werden. Das verursache beträchtliche Kosten. Ein Anzug schlägt Jensen zufolge mit rund 130 Euro zu Buche. Insgesamt dauere es etwa 20 Minuten, um aus dem kontaminierten Bereich „herausgeschleust“ zu werden. Der Bau des Leber- und Infektionszentrums inklusive der Sonderisolierstation hat das Land NRW insgesamt 19 Millionen Euro gekostet. Ein großer Teil des Geldes floss Jensen zufolge in die Technik. Neben der medizinischen Ausstattung, darunter ein eigenes Labor, musste etwa eine hochmoderne Belüftungsanlage mit Spezialfiltern eingebaut werden, damit Krankheitserreger nicht nach außen gelangen. Nach dem Ende eines Einsatzes kann die Station inklusive Lüftungsanlage sowie sämtlicher Gerätschaften mit Wasserstoffperoxid begast und damit desinfiziert werden. Die SIS verfügt zudem über eine eigene thermische Abwasseranlage, in der kontaminiertes Wasser aufbereitet wird. Im Brandfall wird eine Hochdruck-Wassernebel-Anlage aktiviert, das Löschwasser wird in einem gesonderten Auffangbecken gesammelt. „Die Sonderisolierstation ist ein völlig autarkes System innerhalb Im vergangenen Jahr wurde in einer interdisziplinären Übung die innereuropäische Verlegung eines Patienten von Irland nach Düsseldorf auf die Sonderisolierstation geprobt. Der Patient wird dabei in einer Art „gläsernem Shuttle“ transportiert. Foto: Universitätsklinikum Düsseldorf

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