Rheinisches Ärzteblatt 09/2025

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 17 verstärkten Stress und Ängste bei Betroffenen und ihren Angehörigen. Jensen setzt daher bei seinen Patienten auf eine klare Kommunikation, um ihnen Ungewissheit und Ängste möglichst zu nehmen. Die Mitarbeiter der SIS achteten zudem während der Behandlung eines Verdachtsfalles sehr genau darauf, dass keine Informationen zum Zustand des Patienten nach außen dringen. Vorbereitet auf neue Erreger Die Sonderisolierstation sei bestens ausgerüstet für einzelne Reisende, die mit hochinfektiösen Erkrankungen nach Deutschland kommen, resümiert Infektiologe Jensen. Sie gelte damit als ein wichtiger Baustein im Seuchenschutzkonzept des Landes NRW – doch sie sei bei Weitem nicht der einzige. Der Infektionsschutzplan NRW bildet die Grundlage für die Seuchenvorsorge- und -bekämpfung im Land. Darin sind Konzepte für den Umgang mit hochpathogenen Erregern festgeschrieben, und es werden detailliert die Zuständigkeiten, Meldewege und erforderliche Schutzmaßnahmen in einem solche Fall festgelegt. Ein Stresstest für die Seuchenabwehr war dem NRW-Gesundheitsministerium zufolge die Coronapandemie. Sie habe deutlich die Stärken und Schwächen des Gesundheitssystems offenbart. Eine Konsequenz daraus habe die Bundesregierung im Jahr 2020 mit dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) gezogen und bis 2026 insgesamt knapp vier Milliarden Euro für zusätzliches Personal und eine Modernisierung der Infrastruktur bereitgestellt. Unter anderem sollten mit dem Geld auch See- und Flughäfen bei der Umsetzung der Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation unterstützt werden, um die grenzüberschreitende Verbreitung von Krankheiten einzudämmen. So hat der internationale Flughafen in Düsseldorf nach Angaben des Landes Fördermittel für die Anschaffung von Notfallfahrzeugen und ein mobiles Schnelleinsatzzelt erhalten. Zur Überwachung des Corona-Infektionsgeschehens wurde 2022 in Nordrhein-Westfalen ein Abwassermonitoring eingeführt, das mittlerweile auf die Überwachung von Influenza-Viren und des Respiratorischen Synzytial-Virus ausgedehnt wurde. Darüber hinaus hatte die 96. Gesundheitsministerkonferenz im Jahr 2023 das Bundesgesundheitsministerium aufgefordert, den Nationalen Pandemieplan (NPP) zu überarbeiten, der Grundlage für die Pandemiepläne der Länder ist. „Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis neue Erreger zu einer Bedrohung werden“, sagt Infektiologe Jensen. Der zunehmende internationale Reiseverkehr, medizinische Hilfseinsätze in Ausbruchsregionen und der Klimawandel erhöhten die Wahrscheinlichkeit importierter Infektionen. So gelte beispielsweise das KrimKongo-Fieber inzwischen in Teilen Spaniens als endemisch. Auch frühere Ereignisse wie Ausbrüche von Ebola und Lassa-Fieber verdeutlichen die Relevanz der Vorsorge. Für Fälle wie diese bleibt die Düsseldorfer Sonderisolierstation auch in Zukunft rund um die Uhr einsatzbereit. des Krankenhauses“, betont Jensen. Alle sicherheitsrelevanten Geräte seien dabei doppelt vorhanden, falls eines ausfalle. Eine besondere Rolle spielten die beiden Autoklaven, in denen kontaminierte Materialien, wie beispielsweise gebrauchte Schutzanzüge, mithilfe von Vakuum und heißem Wasserdampf vor der Entsorgung sterilisiert würden. Vom Stand der Technik her gelte die Sonderisolierstation in Düsseldorf als eine der modernsten Einrichtungen in Europa, sagt Jensen. Um Hochinfektionspatienten optimal zu versorgen, steht die Düsseldorfer Sonderisolierstation in engem Kontakt mit den Betreibern der übrigen sechs Einrichtungen im Bundesgebiet. Sie alle sind Mitglieder im „Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger“ (STÄKOB), dessen Geschäftsstelle beim Robert Koch-Institut angesiedelt ist. Ob ein Patient auf einer Sonderisolierstation behandelt werden müsse, werde nach klaren Richtlinien entschieden, erklärte das NRWGesundheitsministerium auf Anfrage des Rheinischen Ärzteblattes. Liege im Land ein Verdachtsfall auf eine entsprechende Erkrankung vor oder bestätige sich dieser, setze sich die zuständige untere Gesundheitsbehörde mit dem Kompetenzzentrum Infektionsschutz in Verbindung, das beim Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen angesiedelt ist. Gemeinsam mit dem Behandlungszentrum der Uniklinik Düsseldorf entscheide dann das Kompetenzzentrum Infektionsschutz über die Verlegung des Patienten auf die Sonderisolierstation. Hohe Belastungen „Im Durchschnitt wird auf der SIS alle ein bis zwei Jahre ein Verdachtsfall unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen behandelt“, erklärt Jensen. Zu seinen Patienten zählten in der Regel Reisende aus afrikanischen oder südamerikanischen Ländern – die Nähe zum internationalen Flughafen war daher auch ein Grund, weshalb die SIS in Düsseldorf errichtet wurde. Gut erinnern kann sich der Infektiologe an den Fall eines US-amerikanischen Krankenpflegers, der in Togo während eines Lassa-Ausbruchs Erkrankte versorgte und sich dabei unbemerkt selbst infizierte. Nach seiner Rückkehr starb der Mann in Köln. Vier Kontaktpersonen des Verstorbenen wurden damals mit dem Verdacht auf eine Lassa-Infektion in der Düsseldorfer Sonderisolierstation behandelt. Für die Patienten stelle die Behandlung in einer Sonderisolierstation unter den strengen Sicherheitsvorkehrungen häufig eine große psychische Belastung dar, weiß Jensen. Zum einen durchlebten sie aufgrund der Infektion mit einem potenziell tödlichen hämorrhagischen Fieber große Ängste um ihr eigenes Leben, zum anderen sorgten sich viele Patienten um ihnen nahestehende Menschen, die sie möglicherweise angesteckt hätten. Viele litten zudem unter der fehlenden Nähe, denn der Kontakt finde ausschließlich mit Personal in Schutzanzügen statt. Auch reißerische Berichte in den Medien Spezial

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