Gesundheits- und Sozialpolitik Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 19 Noch kommen sie vor allem im Krankenhaus zum Einsatz. Doch es ist bereits abzusehen, dass Physician Assistants künftig auch Ärztinnen und Ärzte bei der teamorientierten ambulanten Versorgung unterstützen werden. in einem Krankenhaus beschäftigt sind. Die laut den Stellenangeboten im Krankenhaus zu übernehmenden Aufgaben sind breit gestreut. Erwartet wird beispielsweise Unterstützung des Ärztlichen Dienstes bei der Übernahme delegierbarer ärztlicher Tätigkeiten (Durchführung von Blutentnahmen, Legen von nasalen Magensonden und Venenverweilkanülen), Mitwirkung bei der Erstellung von Diagnosen, inklusive der DRG-Kodierung, und Behandlungsplänen sowie bei komplexen Untersuchungen, (Vor-)Bewertung und Dokumentation von Befunden, Überwachung ärztlich eingeleiteter Therapien, Mitwirkung bei Eingriffen und Notfallbehandlungen, Kommunikation und Informationsweitergabe an Sozialdienst, Ärzte, Pflegekräfte sowie Patienten und Angehörige. Für die Krankenhäuser bietet der Einsatz von Physician Assistants den Vorteil, dass diese sich dauerhaft in die speziellen Aufgaben einer Abteilung einarbeiten können, wohingegen Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in der Regel nach einem halben Jahr die Abteilung wechseln. Auch lassen sich die beim Einsatz von Physician Assistants im Krankenhaus entstehenden Personalkosten in einem Fallpauschalensystem besser abbilden als derzeit noch in der ambulanten medizinischen Versorgung. Überschneidungen gibt es in den operativen Fächern mit dem Tätigkeitsbereich der operationstechnischen Assistentinnen und Assistenten; Physician Assistants können jedoch aufgrund ihres breiter angelegten Studiums deutlich mehr delegierbare ärztliche Aufgaben im Krankenhaus übernehmen. Zunehmend auch in Arztpraxen Zunehmend entwickelt sich aber auch in der ambulanten medizinischen Versorgung ein Arbeitsmarkt für Physician Assistants, insbesondere als Folge des bestehenden oder bald zu erwartenden Ärztemangels. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) stehen ihrem verstärkten Einsatz in Arztpraxen inzwischen positiv gegenüber, könnte dies doch künftig ein wichtiger Baustein sein, wenn es um die Sicherstellung der kassenärztlichen Versorgung geht. Aus der KV Nordrhein heißt es, dass sie den Einsatz von Physician Assistants ausdrücklich begrüße, da dies eine sinnvolle Ergänzung in kooperativen Praxisformen darstelle. Entscheidend sei eine klare ärztliche Verantwortung und die sinnvolle Integration in bestehende Praxisstrukturen. Über die Zahl der in nordrheinischen Praxen beschäftigten Physician Assistants liegen der KV Nordrhein keine genauen Angaben vor. Von den 300 niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, die sich 2024 an einer KVUmfrage zu dem neuen Berufsbild beteiligten, gaben 58 an, eine oder einen Physician Assistant in ihrer Praxis beziehungsweise ihrem MVZ zu beschäftigen. Die Umfrage habe gezeigt, dass Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein dem neuen Assistenzberuf gegenüber grundsätzlich sehr aufgeschlossen sind – insbesondere Praxen, die bereits fachgruppenübergreifend zusammenarbeiten. Mit dem gerade vor dem Start stehenden Evaluierungsprojekt „Physician Assistants in Nordrhein“ will die KV Aufschluss darüber erhalten, wie sich deren Einsatz auf die Praxisabläufe auswirken kann. Diesbezüglich erhofft man sich, dass bei Übernahme von Routineaufgaben in der Patientenversorgung durch Physician Assistants für Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit bleibt, sich intensiver um schwerkranke Patientinnen und Patienten zu kümmern. Ein Knackpunkt beim künftigen Einsatz von Physician Assistants in der kassenärztlichen Versorgung wird sein, wie deren Refinanzierung ermöglicht werden kann. Aktuell gibt es für Physician Assistants keine speziellen Abrechnungsmöglichen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab, das heißt, deren Gehalt wird wie das der anderen Praxisangestellten individuell ausgehandelt. Hier sollen im Zuge der Evaluierung in Nordrhein Vorschläge erarbeitet werden – etwa in Form eines Teampraxiszuschlags. Auch solle geprüft werden, ob und inwieweit es in Praxen infolge des Einsatzes eines Physician Assistants zu einer Leistungsausweitung kommt. Zumindest bisher ist keine Arztpraxis mit einem angestellten Physician Assistant aufgrund einer Leistungsausweitung in der Plausibilitätsprüfung auffällig geworden. Studie will Nutzen klären Wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse darüber, welcher Nutzen vom Einsatz der Physician Assistants in der hausärztlichen Versorgung zu erwarten ist, sind von dem gerade angelaufenen Forschungsprojekt „PAAM – Physician Assistants meet Allgemeinmedizin“ zu erwarten, finanziert mit Mitteln aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesauschusses. In einer randomisierten kontrollierten Studie unter der Federführung des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Essen wird 24 Hausarztpraxen in unterversorgten Regionen Westfalens und Schleswig-Holsteins ein Physician Assistant zugeteilt. Über einen Zeitraum von 18 Monaten soll untersucht werden, wie sich bestimmte Parameter, beispielsweise die Rate der Notaufnahmen, die Patientenzufriedenheit, die Inanspruchnahme von Fachärzten, die Impfrate oder Wartezeit in der Praxis, im Vergleich zu Kontrollpraxen ohne Physician Assistant entwickeln. Ausgangspunkt ist auch hier die Überzeugung, dass neue Versorgungsformen notwendig sind, um weiterhin flächendeckend qualitativ hochwertige ärztliche Leistungen sicherstellen zu können. Foto: Amparo Garcia/istockphoto.com
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