Rheinisches Ärzteblatt 09/2025

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2025 3 Heft 9 • September 2025 Wir haben es in der Hand Ohne Medizinische Fachangestellte (MFA) kann keine ärztliche Praxis überleben. Doch immer mehr Praxen, so wird mir berichtet, haben Probleme, gutes Personal zu finden beziehungsweise ihre MFA zu halten. Und das, obwohl nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung die Ausbildung zur MFA im vergangenen Jahr auf Platz zwei der beliebtesten Ausbildungsberufe junger Frauen in Deutschland stand. Das Interesse an der Ausbildung zur MFA ist nach wie vor hoch. Unsere Auswertungen für Nordrhein zeigen die hohe Ausbildungsbereitschaft unserer Ärztinnen und Ärzte. So haben sich im zurückliegenden Jahr 2.717 junge Frauen und Männer für die Ausbildung zu Medizinischen Fachangestellten in Arztpraxen entschieden. Das ist allerdings ein Rückgang um 300 Auszubildende gegenüber dem Jahr 2023. Ich bin mir sicher, dass wir noch mehr motivierte junge Menschen ausbilden könnten, wenn wir kommunizieren und zeigen, dass es sich um ein Berufsbild mit spannenden Fortbildungs- und Aufstiegschancen handelt. Gerade in Zeiten, in denen das Gesundheitswesen vor großen Herausforderungen steht, sind gut ausgebildete MFA unverzichtbar. Sie tragen maßgeblich dazu bei, die Versorgung effizient und menschlich zu gestalten und sie werden eine wichtige Rolle in den Teampraxen der Zukunft einnehmen. Aus diesem Grunde möchte ich alle Praxisinhaber weiter ermutigen, ihre eigenen MFA auszubilden, denn damit können sie besonders gut sicherstellen, dass die zukünftigen Fachkräfte genau die Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, die für die spezifischen Abläufe und Anforderungen ihrer Einrichtung notwendig sind. Das fördert nicht nur eine bessere Zusammenarbeit im Team, sondern sorgt auch dafür, dass unsere Patientinnen und Patienten optimal betreut werden. Außerdem stärkt die Ausbildung in der eigenen Praxis die Bindung zwischen den Auszubildenden und dem Praxisteam. Die jungen Fachkräfte lernen die Praxis von Grund auf kennen, entwickeln ein stärkeres Verantwortungs-­ bewusstsein und bleiben oft länger im Beruf. Darüber hinaus trägt eine Ausbildung in der Praxis dazu bei, den Beruf auch nach außen attraktiver und sichtbarer zu machen. Junge Menschen sehen, wie vielfältig und sinnvoll die Arbeit ist und werden motiviert, den Beruf langfristig zu ergreifen und auch an Peergroups weiterzuempfehlen. Doch wir sollten nicht nur die Ausbildung der MFA in den Blick nehmen, sondern auch die Förderung des Berufsbildes durch Aufstiegschancen. So können wir für unsere ausgebildeten MFA Möglichkeiten der Weiterqualifizierung im Rahmen fachgebietsbezogener Zusatzmodule oder Weiterbildungsangebote nach Curricula der Bundesärztekammer anbieten. Hierzu gehören beispielsweise die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis, die Präventionsassistentin bei den Kinder- und Jugendärzten und die Curricula „Ambulantes Operieren“, „Diabetologie“, „Ernährungsmedizin“, „Dialyse und Nephrologie“ und viele weitere Curricula für den fachärztlichen Bereich. Weiterbildungsmöglichkeiten und damit verknüpfte Verantwortung sind eine wichtige Motivation, im Beruf zu bleiben oder nach der Elternzeit in den Beruf zurückzukehren. Und dazu noch ein Appell an die Politik: Um den Herausforderungen der Patientenversorgung in einer älter werdenden Gesellschaft gerecht zu werden, benötigen wir Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, das Berufsbild der MFA zukunftsfähig zu gestalten, Qualifizierung zu ermöglichen und entsprechend zu honorieren. Dr. Arndt Berson, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes

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