Das Ziel: Weiterbildung verbessern Mit Herzblut im Einsatz für die Patienten Eine Kurzfilmreihe porträtiert die Vielfalt des Arztberufs Rehasport: Bewegung ist Medizin Körperliche Aktivität stärkt die Selbsthilfekräfte Zwischen Teilhabe, Sucht und Gewalt Zum Umgang von Kindern mit TikTok, Instagram und Co. September 2026 Heft 9 / 31.08.2026 81. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts
Begrüßung und Grußworte Staatssekretär Matthias Heidmeier, Dr. med. Sven Dreyer, Dr. med. Johannes Albert Gehle Einführung und Moderation Prof. Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione, MSc Geschlechterunterschiede bei psychischen Erkrankungen Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard Baune, MPH, MBA, FRANZCP One Size Fits All? – Warum Geschlecht in der Neurologie entscheidend ist Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee Geschlechteraspekte bei Krebserkrankungen PD Dr. med. Andrea Kindler-Röhrborn Endokrinologische und metabolische Erkrankungen: Geschlechterspezifische Betrachtungen Dr. med. Jenny Bischoff Podiumsdiskussion Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard Baune, MPH, MBA, FRANZCP, Dr. med. Jenny Bischoff, Prof. Dr. med. Dagny Holle-Lee, PD Dr. med. Andrea Kindler-Röhrborn, Prof. Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione, MSc Veranstaltungsinformationen: Nähere Informationen zu den Referierenden finden Sie online. Die Veranstaltung ist kostenfrei und mit 4 Fortbildungspunkten anerkannt! Anmeldung erforderlich unter www.iqn.de. Geschlechtersensible Gesundheitsversorgung Unterschiedlich behandelt – besser versorgt! Präsenzveranstaltung im Haus der Ärzteschaft in Düsseldorf Freitag, 02.10.2026, von 15:00 bis 18:45 Uhr Haben Sie die geschlechterabhängigen Unterschiede im Blick? Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung zeigen eindrücklich, wie Krankheitsrisiken und -verläufe maßgeblich vom biologischen und sozialen Geschlecht beeinflusst werden. In unserer Veranstaltung beleuchten wir die Relevanz der geschlechtersensiblen Medizin für vier große Fachbereiche und erörtern diese in einer Podiumsdiskussion mit Ihnen und den Expertinnen und Experten. Ergänzend zur Veranstaltung wird vom 16.09. bis 14.10.2026 die Wanderausstellung zum Thema „Geschlechtersensible Medizin“ im Haus der Ärzteschaft präsentiert.
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 3 Heft 9 • September 2026 Chance für einen Neuanfang Mit der Ernennung des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Carsten Linnemann zum neuen Bundesgesundheitsminister gab es gleich zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause eine echte Überraschung. Seine Vorgängerin Nina Warken ist im Zuge der Umbildung des Bundeskabinetts in die Leitung des Kanzleramts gerückt. Nachdem Warken mit der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz einen aus Sicht der Bundesregierung wichtigen Meilenstein erreicht hatte, kommt auf ihren Nachfolger Carsten Linnemann direkt viel Arbeit zu. Auf seiner ererbten Agenda stehen unter anderem eine Notfallreform, eine Pflegereform, ein Daten- und Digitalgesetz sowie eine Strukturreform zur Primärversorgung. Der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann wird viel Unterstützung brauchen, um die grundsätzlichen Probleme im Gesundheitswesen anzugehen. Gleichzeitig bietet der Wechsel die Chance auf einen Neuanfang in der Zusammenarbeit zwischen Politik und den Akteuren des Gesundheitswesens. In den vergangenen Monaten entstand vielfach der Eindruck, dass wichtige Partner erst sehr spät in Gesetzgebungsverfahren eingebunden wurden und ihre fachlichen Hinweise nur begrenzt Berücksichtigung fanden. Mit Carsten Linnemann eröffnet sich die Möglichkeit, eine konstruktive Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen, denn nachhaltige Reformen können nur im Dialog entstehen. Wer diejenigen einbindet, die das Gesundheitswesen täglich tragen, erhöht die Akzeptanz politischer Entscheidungen und verbessert ihre Qualität. Zum GKV-Spargesetz hatte Nina Warken auf dem 130. Deutschen Ärztetag in Hannover betont, dass es sich nicht um eine Strukturreform, sondern um ein Spargesetz handele. Die echten Reformen sollen im Herbst folgen. Hier müssen wir genau hinschauen, ob der neue Bundesgesundheitsminister dringend erforderliche Weiterentwicklungen und notwendige Zukunftsinvestitionen voranbringen wird. Der Ausbau des angekündigten Primärversorgungssystems und die Notfallreform sowie der bereits beschlossene Umbau der Krankenhauslandschaft, also die Transformation im ambulanten und im stationären Sektor, wird erst einmal Investitionen verlangen, bevor auf lange Sicht mögliche Einsparungen realisiert werden können. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seiner Rede zum Umbau des Kabinetts gesagt, dass wir den gesamten Gesundheitssektor „leider viel zu häufig als reinen Kostenfaktor betrachten“ – er sei ein ganz wesentlicher Teil unseres gesellschaftlichen Lebens. Dem ist ausdrücklich zuzustimmen. Ein leistungsfähiges, allen zugängliches Gesundheitssystem in seiner Gesamtheit ist eine Investition in die wirtschaftliche Stärke, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Stabilität unseres Landes. Ich wünsche dem neuen Bundesgesundheitsminister den Mut, die anstehenden Reformen entschlossen anzugehen – und die Offenheit, dabei auf die Expertise derjenigen zu setzen, die unser Gesundheitswesen Tag für Tag gestalten. Der Ministerwechsel bietet die Chance für einen echten Neuanfang. Nutzen wir sie. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes
Erfolgreich in die Praxis Ihre Zukunft, Ihre Möglichkeiten Sie denken über eine Anstellung oder den Einstieg in eine Praxis nach? Unsere Veranstaltungsreihe bietet Ihnen: • Beratung zu Niederlassung und Anstellung • Infos zu Förderangeboten • Austausch mit Praxen aus der Region Die Teilnahme ist kostenlos. Informationen und Anmeldung zu allen Land- und Stadtpartien: kvno.de/landpartien Landpartie im Bergischen Land Freitag, 18. September 2026, 15:00 Uhr bis 20:30 Uhr Landpartie am Niederrhein Freitag, 9. Oktober 2026, 15:00 Uhr bis 20:30 Uhr 18.09. 09.10.
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 5 Heft 9 • September 2026 Meinung Chance für einen Neuanfang Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 Niedergelassene: Honorare steigen um 142,5 Millionen Euro · Vor 50 Jahren · Gesund macht Schule sucht Patenärzte · GOÄ: Aktualisierte Fassung vorgelegt · Kammer Online · Verleihung des Medfluencer-Preises am 14. September · Dr. jur. Werner Richter übernimmt Vorsitz der Gutachterkommission · Studium und Berufseinstieg Thema Das Ziel: eine gute Weiterbildung Seite 12 Spezial Bewegung ist Medizin Seite 14 Gesundheits- und Sozialpolitik Soziale Medien: Kinder vor Gefahren schützen Seite 18 Mehr „Beinfreiheit“ für Krankenhäuser Seite 20 Praxis Fokus KI: Erleben, was die Praxis von morgen kann Seite 22 Die Vielfalt des Arztberufs Seite 24 Forum Venezuela: schwierige Hilfe Seite 25 Zum Umgang mit Todesbescheinigungen in der Palliativversorgung Seite 26 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 28 RÄ Regional Seite 33 Bücher Seite 36 An Rhein und Ruhr Seite 38 Kulturspiegel Eine Weltmacht im Wandel Seite 39 Amtliche Bekanntmachungen Seite 40 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 40 Mein Beruf „Psychisch krank heißt nicht automatisch gefährlich“ Seite 47 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: banusevim/istockphoto.com Bewegung ist Medizin Das Ziel von Rehasport: Menschen, die chronisch krank, behindert oder von Behinderung bedroht sind, sollen durch die Förderung körperlicher Aktivität das Fortschreiten ihrer Erkrankung verlangsamen und vor allem ihre Selbsthilfekräfte stärken. Soziale Medien: Kinder schützen Bundesfamilienministerin Karin Prien will Kindern und Jugendlichen unter 13 Jahren den Zugang zu TikTok, Instagram und Co. verbieten. Sie strebt dafür eine gesetzliche Regelung auf Ebene der Europäischen Union an. Viele Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein erleben ihre Weiterbildung weiterhin als schlecht organisiert und wenig wertschätzend. Mit Didaktiktrainings für Weiterbildende, einem Weiterbildungsregister und erweiterten Informationsangeboten will die Ärztekammer Nordrhein gegensteuern. Das Ziel: Weiterbildung verbessern
6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Magazin eÜberweisung KBV will separaten Server Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat ein eigenes Konzept für die elektronische Überweisung entwickelt, die mit dem geplanten Gesetz für Daten und digitale Innovationen im Gesundheitswesen eingeführt werden soll. Die KBV fordert, für die eÜberweisung einen Versorgungsfachdienst in der Telematikinfrastruktur einzurichten. Auf diesem Server könnten überweisende Ärztinnen und Ärzte sämtliche Unterlagen wie notwendige Vorbefunde, Medikationspläne oder Terminvermittlungscodes ablegen, die die Kollegen für die Mit- und Weiterbehandlung benötigten. Die elektronische Patientenakte eigne sich dafür nicht, weil Patienten eigenständig Dokumente löschen, ausblenden oder Zugriffsrechte einschränken könnten. HK Gesundheitsberufe Schulgeldfreiheit in NRW fortgeführt In Nordrhein-Westfalen müssen Auszubildende in den Gesundheitsfachberufen wie zum Beispiel Ergotherapie, Logopädie oder Physiotherapie auch weiterhin kein Schulgeld zahlen. Das Land hat die entsprechende Regelung um weitere fünf Jahre verlängert und stellt für die Schulgeldfreiheit allein in diesem Jahr rund 67 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Angaben der Landesregierung gab es 2025 in NRW 15.800 belegte Ausbildungsplätze in den Gesundheitsfachberufen. 11.200 wurden durch die Schulgeldfreiheit finanziert, die übrigen über das Krankenhausfinanzierungsgesetz. HK Ambulante Versorgung Honorare steigen um 142,5 Millionen Euro Die Vertragsärzte und -psychotherapeuten in Nordrhein können 2026 mit einer Honorarsteigerung von 142,5 Millionen Euro rechnen. Darauf haben sich die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) und die Krankenkassen geeinigt. Unter Berücksichtigung der auf Bundesebene vereinbarten Veränderungen beim Orientierungspunktwert und der Morbidität steigt die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) in Nordrhein in diesem Jahr um 90,4 Millionen Euro. Um zusätzliche 52,1 Millionen Euro wächst die Vergütung für Einzelleistungen. Darunter fallen der KVNO zufolge auch Sondervereinbarungen und Zuschläge wie etwa die zur Förderung der Knochendichtemessung. Die Pflegeheimförderung werde ebenfalls fortgeführt, wobei das Budget für 2026 auf 5,5 Millionen Euro erhöht werde. Mit zusätzlich 8,5 Millionen Euro wird zudem die Sicherstellung der Notdienststrukturen im Rheinland gefördert. Die seit 2019 laufende extrabudgetäre Förderung der Schlafmedizin wurde dagegen beendet. Die Leistungen wurden in die MGV überführt. Der Honorareinigung seien schwierige Verhandlungen vorausgegangen, erklärte die KVNO. Erstmals habe man das Schiedsamt anrufen müssen. Die regionalen Verhandlungsspielräume seien in den letzten Jahren immer geringer geworden, so auch die Bereitschaft der Kassen zur Finanzierung. HK Vor der Bundestagswahl Unmäßige Agitation gegen die Ärzte Der Journalist Kurt Blüchel und der Chirurg Julius Hackethal waren Gegenstand eines ausführlichen Kommentars in der zweiten September-Ausgabe 1976 des Rheinischen Ärzteblatts. „In der spannungsgeladenen Zeit vor Ende des Bundestagswahlkampfes, vielleicht sogar direkt auf den Schlitz der Wahlurne gezielt, sahen sich die Ärzte wieder einmal unmäßiger publizistischer Agitation ausgesetzt.“ Kurz vor der Wahl am 3. Oktober waren die beiden arztkritischen Bücher „Medizinsyndikat“ von Blüchel und „Auf Messers Schneide“ von Hackethal erschienen. Hackethal warf der Ärzteschaft vor, mit der Berufsordnung „einen Schutzwall um Dilettanten, Pfuscher und gewissenlose Ärzte“ gezogen zu haben und Behandlungsfehler und deren Aufklärung systematisch zu verhindern. Blüchel verglich die Ärzteschaft mit einem „Verbrechersyndikat“ und zog nach Ansicht des Kommentators damit auch die Verantwortlichen in den ärztlichen Organisationen und Verbänden „in den Dreck“. Er fasste die Zielrichtung beider Autoren folgendermaßen zusammen: „Die Ärzteschaft als gesellschaftliche Gruppe – so wollen sie den Lesern weismachen – sei eine Zunft, die ohne Rücksicht auf das Wohl der Patienten ausschließlich auf ihren Vorteil bedacht sei.“ Gerichtlich gegen die Bücher vorzugehen, hat nach Auffassung des Kommentators, kaum Aussicht auf Erfolg, wie Beispiele der Rechtsprechung aus der jüngsten Vergangenheit gezeigt hätten. Er empfahl: „Die Antwort der Ärzte kann daher nur eine politische sein: Einwirkung auf die öffentliche Meinungsbildung insgesamt durch eine offene Informationspolitik und gleichzeitig durch ein Verhalten aller Ärzte, also jedes einzelnen Arztes, gegenüber den Patienten, das die Anschuldigungen Lügen straft.“ bre Das Honorarvolumen für die 24.000 Vertragsärztinnen und -ärzte sowie Vertragspsychotherapeuten in Nordrhein liegt in diesem Jahr bei insgesamt rund sechs Milliarden Euro. Foto: MQ-Illustrations/stock.adobe.com
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 7 Präventionsprogramm Gesund macht Schule sucht Patenärzte Für das Schuljahr 2026/27 sucht das Präventionsprogramm Gesund macht Schule der Ärztekammer Nordrhein und der AOK Rheinland/ Hamburg Ärztinnen und Ärzte, die sich ehrenamtlich als Paten an einer Grundschule engagieren möchten. Im Rahmen der Schulpatenschaften unterstützen sie die Schulen bei der Gesundheitsförderung. Dazu besuchen sie beispielsweise Klassen im Unterricht und vermitteln Kindern altersgerechtes Wissen zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Den Patenärzten stellt die Ärztekammer Nordrhein Materialien für den Unterricht und die Elternarbeit zu den Themen „Der menschliche Körper / Beim Arzt“, „Essen und Ernährung“, „Bewegung und Entspannung“, „Sexualerziehung“ sowie „Ich-Stärkung“ zur Verfügung. Für die Unterrichtsbesuche an den Schulen können zudem verschiedene Anschauungs- und Unterrichtsmaterialien ausgeliehen werden. Ziel von Gesund macht Schule ist es, Kinder, Lehrkräfte, Mitarbeitende im Ganztag und Eltern für Gesundheitsthemen zu sensibilisieren. Weitere Informationen zur Teilnahme Ergotherapie: Kassen sehen Ausgabenanstieg Nach zwei Jahren Praxiserfahrung mit der Blankoverordnung in der Ergotherapie liegt der erste Zwischenbericht vor. Der GKV-Spitzenverband sieht positive Ansätze, befürchtet aber auf Grundlage der vorliegenden Daten einen weiter überproportionalen Kostenanstieg. Die GKV-Ausgaben für Ergotherapie stiegen von 2,12 Milliarden Euro im Jahr 2024 um 20,3 Prozent auf 2,55 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die Kassen fordern deshalb politische Maßnahmen zur Vermeidung weiterer unverhältnismäßiger Mengen- und Ausgabensteigerungen. Aussagen zur Entwicklung der Behandlungsqualität lassen sich auf Grundlage des ersten Zwischenberichts noch nicht machen. tg Kurz gemeldet Weiterbildungsverbünde stärken Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert, die ärztliche Weiterbildung bei der Umsetzung der Krankenhausreform konsequent mitzudenken und Weiterbildungsverbünde gezielt zu stärken. In einem Positionspapier warnt sie davor, die Auswirkungen der Reform auf die Weiterbildung zu unterschätzen. Zu befürchten sei, dass angehende Fachärztinnen und Fachärzte nicht mehr alle erforderlichen Kompetenzen an einer Weiterbildungsstätte erwerben können. Die BÄK betont daher die Notwendigkeit verlässlicher rechtlicher Rahmenbedingungen für Weiterbildungsverbünde – auch als Basis für eine Refinanzierung des zusätzlichen Aufwands für die Weiterbildungsstätten. tg Aktualisierte Substitutionsrichtlinie Die Bundesärztekammer (BÄK) hat ihre Richtlinie zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger aktualisiert. Ein Schwerpunkt der Aktualisierung ist die Aufnahme von nasalem Take-homeNaloxon zur Notfallbehandlung bei Opioid-Überdosierung als Maßnahme zur Schadensminimierung (Harm Reduction). Dieser Ansatz adressiert vor allem Personen, die nicht abstinent leben können oder wollen. „Mit der Aufnahme stärkt die Richtlinie einen evidenzbasierten Ansatz, um Todesfälle infolge von OpioidÜberdosierungen zu verhindern“, betonte Erik Bodendieck, Co-Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Sucht und Drogen“. tg Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist vom 23. bis 27. November 2026. Anmeldeschluss: Freitag, 2. Oktober 2026 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiterbildung/Pruefungen ÄkNo Lösungen zur Zertifizierten Kasuistik Folge 89 Patientin mit Herzrhythmusstörungen Richtige Antworten: 1b, 2c, 3d, 4e, 5d, 6e, 7d, 8a, 9d, 10d Folge 90 der Reihe erscheint in der OktoberAusgabe 2026 des Rheinischen Ärzteblattes und im Internet unter www.aekno.de/cme. bre Medizinstudium NRW erhöht die Landarztquote Das Land NRW hat den Anteil der Medizinstudienplätze an staatlichen Universitäten, die für die Landarztquote zur Verfügung stehen, von 7,8 auf 8,8 Prozent erhöht. Damit können im kommenden Studienjahr 227 Studienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, nach Abschluss ihrer Weiterbildung zehn Jahre lang in einer unterversorgten Region hausärztlich tätig zu sein. Das sind 25 mehr als bisher. Aktuell studieren in NRW mehr als 1.100 angehende Landärzte. HK und zur Aufwandsentschädigung unter www. gesundmachtschule.de/aerzte/teilnahme-amprogramm. MST Für das laufende Schuljahr suchen noch zahlreiche Grundschulen in Nordrhein nach einem Patenarzt oder einer Patenärztin. Grafik: Tina Ennen
Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Fortbildung CME-Punkte ab 1. Oktober nur noch unter „meine ÄkNo“ abrufbar angesteuert werden kann. Auch können darüber weiterhin Online-Fortbildungen der ÄkNo absolviert werden, wie etwa die Pflichtfortbildung „Verantwortung als Weiterbilder“ oder Fortbildungen der Reihe „Zertifizierte Kasuistik“. Ein Benutzerprofil auf der Homepage ist in wenigen Minuten angelegt unter www.aekno. de/service-presse/login-registrierung. Dazu werden lediglich die Einheitliche Fortbildungsnummer (EFN) und die Mitgliedsnummer der Ärztekammer Nordrhein – nicht die lebenslange Arztnummer – sowie eine E-MailAdresse benötigt. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Zum 30. September 2026 entfällt auf der Homepage der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) die Möglichkeit, das eigene Fortbildungspunktekonto unter www.aekno.de/ aerzte/fortbildung/fortbildungspunktekonto einzusehen. Ab 1. Oktober 2026 können Kammermitglieder nur noch über das Mitgliederportal „meine ÄkNo“ (www. meineaekno.de) auf ihr Punktekonto zugreifen. Die ÄkNo empfiehlt, sich bereits im Vorfeld dieser Umstellung einen Zugang zum Mitgliederportal zu erstellen, falls dieser noch nicht vorhanden ist. Weiterhin bestehen bleibt für Mitglieder der ÄkNo der kostenfreie Vollzugang zur Cochrane Library, der über das Benutzerprofil Die Bundesärztekammer (BÄK) und der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) haben dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) Ende Juli 2026 eine aktualisierte Fassung ihres gemeinsamen Entwurfs für eine neue Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) übermittelt. Ein erster zwischen Ärzteschaft und Kostenträgern konsentierter Entwurf einer neuer GOÄ war dem BMG nach Beschluss des 129. Deutschen Ärztetages im Mai 2025 mit der Forderung nach zügiger Umsetzung übergeben worden. BÄK und PKV-Verband haben die Zeit seit Sommer 2025 wie vereinbart genutzt, um weitere medizinische Innovationen in das Leistungsverzeichnis aufzunehmen und das Bewertungsgefüge an einigen Stellen nachzubessern. „Mit der aktualisierten Fassung entsprechen BÄK und PKV-Verband ihrer Verantwortung, dem Verordnungsgeber eine kontinuierlich an den medizinischen Fortschritt angepasste Entwurfsversion für die neue GOÄ zur Verfügung zu stellen“, betonten in einer gemeinsamen Erklärung BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt und Dr. iur. Florian Reuther, Direktor des PKV-Verbands. Die Bundesärztekammer und der PKV-Verband halten ein Inkrafttreten der neuen GOÄ Anfang 2028 weiterhin für möglich. Foto: Ralf/stock.adobe.com Gebührenordnung für Ärzte Aktualisierte Fassung vorgelegt Umfrage Jugend-Psychiatrie unter Druck Insbesondere Essstörungen haben unter Kindern und Jugendlichen deutlich zugenommen, ebenso Internet- und Medienabhängigkeit, suizidale Krisen, Angststörungen und Depressionen. Das ergab eine Befragung psychiatrischer Fachkrankenhäuser und Fachabteilungen im Rahmen des Psychiatrie-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts. Gleichzeitig bewertet die überwiegende Mehrheit der psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen ihre wirtschaftliche Lage als mäßig bis schlecht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor diesem Hintergrund vor zunehmenden Behandlungsengpässen und mahnt eine verlässliche Finanzierung der Einrichtungen an. HK Hitzeschutz EU zum Handeln aufgefordert Mehr als 80 europäische Gesundheitsorganisationen, darunter die Bundesärztekammer, haben die Europäische Union aufgefordert, angesichts der Hitzewellen im Juni und Juli mehr für den Hitzeschutz insbesondere von alten Menschen, Säuglingen, Schwangeren und chronisch Kranken zu tun. Die EU müsse einen verbindlichen Hitze-Aktionsplan verabschieden, der von einem Notfall-Anpassungsfonds flankiert werde. Das Ziel sei, die Hitzeüberwachung und die Resilienz von Städten und Gemeinden zu fördern sowie Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimafest zu machen. HK Die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte zu Beginn ihrer Amtszeit angekündigt, den GOÄ-Novellierungsprozess im Jahr 2026 auf den Weg zu bringen. Aktuell arbeitet das BMG an einem Referentenentwurf für die neue GOÄ, sodass aus Sicht von BÄK und PKV-Verband ein Inkrafttreten zum Jahresbeginn 2028 weiterhin möglich erscheint. tg
Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 9 Jurist trat 1989 in den Justizdienst des Landes Nordrhein-Westfalen ein und wurde 1992 zum Richter am Landgericht Köln ernannt. 1998 wechselte er als Richter an das Oberlandesgericht Köln. 2006 wurde er an das Justizministerium Nordrhein-Westfalen abgeordnet. Dort übernahm er im März 2012 als Ministerialdirigent die Leitung der Personalabteilung und die Verantwortung für das Richter-, Anwalts- und Notarrecht in NRW. MST HIV/Aids UNAIDS warnt vor Rückschritten Vor Rückschritten im Kampf gegen die weltweite Ausbreitung von HIV/Aids hat das Aidsprogramm der Vereinten Nationen gewarnt. Die internationalen Finanzhilfen zur Prävention und Behandlung seien um 18 Prozent gesunken: von 8,8 Milliarden USDollar im Jahr 2024 auf 7,3 Milliarden 2025. Erfolge im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit in den besonders betroffenen ärmeren Ländern des Südens seien damit in Gefahr, denn diese könnten den Wegfall von Hilfsgeldern nicht aus eigenen Mitteln kompensieren. Auch Deutschland hat seine Zuwendungen an den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria um gut 20 Prozent auf eine Milliarde Euro gekürzt. HK Kinderärzte Empfehlungen zur Ernährung erneuert Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat ihre Empfehlungen zur vegetarischen und veganen Ernährung im Kindes- und Jugendalter aktualisiert. Grundsätzlich könne jede einseitige oder stark einschränkende Ernährungsweise das Risiko von Nährstoffdefiziten erhöhen, erklärt die DGKJ. Sie empfiehlt deshalb eine medizinische und ernährungswissenschaftliche Begleitung der Kinder. Von besonderer Bedeutung sei ein Monitoring und die Supplementierung mit Vitamin B12. Zugleich warnt die DGKJ davor, Eltern und Jugendliche pauschal zu verunsichern. Allerdings dürften auch Risiken nicht bagatellisiert werden. HK Medfluencer-Preis 2026 Preisverleihung am 14. September Gutachterkommission Dr. jur. Werner Richter wird neuer Vorsitzender Die Ärztekammern Nordrhein und WestfalenLippe verleihen am 14. September im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft erstmals den „Medfluencer-Preis 2026.“ Mit der Auszeichnung würdigen die Kammern Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudierende aus Nordrhein-Westfalen, die medizinische Themen auf Social-Media-Kanälen wie Instagram, TikTok und YouTube fachlich fundiert, verständlich und zielgruppengerecht vermitteln. Ausgezeichnet werden Beiträge, die zur Stärkung der Gesundheitskompetenz beitragen sowie Desinformationen entgegenwirken. Im Anschluss an die Preisverleihung diskutieren die Jurymitglieder unter dem Motto „Medfluencing – Spagat zwischen Kamera und Heilberuf“ mit den Preisträgern über Chancen und Herausforderungen ärztlicher Kommunikation in den sozialen Medien. An der Talkrunde beteiligen sich unter anderem Dr. Heinz-Wilhelm Esser („Doc Esser“), Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Kardiologie, Dr. Nibras Naami, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Mitbegründer des Kanals @handfussmund, Meral Thoms, gesundheitspolitische Zum 1. September übernimmt Dr. jur. Werner Richter den Vorsitz der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein (GAK). Im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt würdigte er die GAK als niedrigschwelliges Angebot zur außergerichtlichen Konfliktlösung für Patientinnen und Patienten. Künftig wolle er den Austausch zwischen der gerichtlichen Praxis und der GAK weiter intensivieren sowie die Kontakte zu den juristischen Fakultäten der nordrhein-westfälischen Universitäten ausbauen. Ein besonderes Anliegen seien ihm zudem Fehlerprävention und Qualitätssicherung. Dazu sollten unter anderem anonymisierte Fallbeispiele beitragen, wie sie das Rheinische Ärzteblatt regelmäßig veröffentlicht. Richter war von 2018 bis August 2026 Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Der Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen sowie Stephanie Weltmann, Redakteurin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Preisverleihung findet statt am 14. September ab 19 Uhr im Haus der Ärzteschaft, Tersteegenstraße 9, 40474 Düsseldorf. Weitere Informationen sowie die Anmeldung unter www.aekno.de/preis2026. MST Dr. jur. Werner Richter war bis August 2026 Präsident des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Foto: Justiz NRW Fachlich fundierte Beiträge von Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinstudierenden in sozialen Medien sollen mit dem Medfluencer-Preis gewürdigt werden. Foto: Simon2579/istockphoto.com
10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Im Mai habe ich mein Praktisches Jahr (PJ) in der Inneren Medizin begonnen. Nach drei Monaten möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen – mit dem einen oder anderen Appell. In einer idealen Welt lernt man im PJ, „Ärztin zu sein“ und übernimmt im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen viele ärztliche Aufgaben. In der realen Welt ist es leider nicht selten, dass PJ-Studierende den Vormittag mit Blutentnahmen und anderen Zuarbeiten verbringen, teils dadurch sogar die Visite verpassen und auch sonst nicht gut involviert sind. Meine Erfahrung liegt dazwischen: Seit dem Trainingslager Nephrologie/Geriatrie schrecken mich „schlechte Venen“ nicht mehr, aber ich habe in Visiten und spontanen Teachings viel gelernt. Trotzdem merke ich, dass es sehr viel Eigeninitiative braucht, um langfristigere und verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen zu dürfen. Nichts hat mich so gefordert und weitergebracht wie das gelegentliche „Übernehmen“ von Patientinnen und Patienten, also einen Fall eng supervidiert von Aufnahme bis Entlassung selbst zu managen. Davon brauchen wir unbedingt mehr! Liebe Ärztinnen und Ärzte: Danke, dass Ihr uns mitnehmt und uns so viel beibringt! Die Zeit ist im Klinikalltag immer knapp, und wir unterstützen gerne bei den alltäglichen kleinen Aufgaben. Bitte gebt uns routinemäßig auch größere Aufgaben mit mehr Verantwortung: Lasst uns neue Patientinnen und Patienten nicht nur untersuchen, sondern auch das Procedere konzipieren und den Fall in der Visite besprechen. Natürlich werden wir dafür länger brauchen und viele Fragen haben, aber die Lernkurve ist mit Verantwortung steiler, und produktiver werden wir auch. Liebe Krankenhäuser: Danke, dass Ihr PJ-Unterricht und Logbücher mit ambitionierten Zielen organisiert. Bitte setzt Euch dafür ein, dass PJ-Studierende tatsächlich zum eigenständigen Arbeiten angeleitet werden. Und stellt sicher, dass der PJ-Unterricht stattfindet – anders als das Innere-Seminar meiner Klinik haben wir keine „Sommerferien“. Schließlich ein Appell an meine Mit-PJStudierende und an mich selbst: Es ist einfach, in einen Trott des Mitlaufens und Danebensitzens zu verfallen – gerade, wenn die morgendliche Blutentnahmerunde die einzige definierte Aufgabe zu sein scheint. Lasst uns komplexere Tätigkeiten einfordern und es uns nicht zu sehr auf dem Beifahrersitz bequem machen. Denn da sitzen wir wirklich nicht mehr lange. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de Hartmannbund Hitzeschutz präventiv und sektorübergreifend angehen Der Ausschuss der Medizinstudierenden im Hartmannbund kritisierte kürzlich, dass die öffentliche Diskussion rund um Hitzeschutz, Trockenheit und niedrige Wasserstände vor allem aus verkehrs- und wirtschaftspolitischer Perspektive geführt werde. Es fehle die gesundheitliche Dimension, die die Folgen insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen berücksichtige. Daher forderten die Medizinstudierenden, die medizinische und gesundheitswissenschaftliche Expertise systematisch in Strategien zur Klimafolgenanpassung einzubeziehen. Nach Meinung des Ausschusses ist Mail aus München Carla Schikarski Foto: privat Fortbildung Von der Uniklinik in die Praxis In Aachen bietet die Sektion Lehre und Didaktik Allgemeinmedizin des Instituts für Digitale Allgemeinmedizin am Samstag, 5. September 2026 das Fortbildungssymposium „Praxisupdate 2026“ an. Die Veranstaltung verbindet aktuelle medizinische Wissenschaft und praktische Anwendung in der Hausarztmedizin. Auf dem Programm stehen zahlreiche interdisziplinäre Themen wie die Diagnostik und Therapie degenerativer Rückenschmerzen, die moderne Versorgung bei Presbyakusis sowie Aspekte von ADHS im Erwachsenenalter. Weitere Referenten rücken praxisnahe Updates zur Menopause, Einblicke in die moderne Leitlinienentwicklung und aktuelle urlogisch-gynäkologische Interventionsmöglichkeiten bei Kontinenzbeschwerden in den Mittelpunkt. Die ärztlichen Referentinnen und Referenten kommen aus verschiedenen medizinischen Einrichtungen der Uniklink der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Das Praxisupdate 2026 findet statt am Samstag, 5. September 2026 von 9 bis 13.15 Uhr, ist mit 4 Punkten anerkannt und kostenfrei. Veranstaltungsort ist das CT Center for Teaching and Training, Forckenbeckstraße 71, 52074 Aachen. Anmeldung: per E-Mail an imallems@ukaachen.de, Fax: 0241 / 80338 8093. bre ein verstärkter präventiver Ansatz der richtige Weg. Gesundheitsschutz dürfe nicht erst in der Notaufnahme beginnen. Hitzeextreme, Wasserknappheit und andere klimabedingte Belastungen erforderten vorausschauende politische Entscheidungen. Wer Prävention stärke, entlaste langfristig auch das Gesundheitssystem und erhöhe die gesellschaftliche Resilienz gegenüber künftigen Krisen. Medizin und Gesundheitspolitik müssten daher einen festen Platz in den relevanten Krisen- und Anpassungsstrukturen erhalten, so die Studierenden im Hartmannbund. bre Ärztliche Körperschaften im Internet Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein www.kvno.de Ärzteversorgung Nordrhein www.naev.de
Ihr Weg in die Praxis - wir begleiten Sie! Sie möchten in der ambulanten Versorgung tätig werden? in eigener Praxis, in Kooperation mit Kollegen oder angestellt? In unserer Online-Veranstaltung Wege in die Niederlassung erfahren Sie, wie Sie Ihre berufliche Zukunft erfolgreich gestalten können. INHALTE • Einstiegsmöglichkeiten in die ambulante Versorgung • Übergangs- und Kooperationsmodelle • Ablauf von Ausschreibungs- und Nachbesetzungsverfahren • Expertentipps zum Praxisstart Plus: Zeit für Ihre individuellen Fragen Die Teilnahme ist kostenlos. Mittwoch, 7. Oktober 2026 15:00 bis 17:30 Uhr Online, für Ärztinnen und Ärzte 07.10. Montag, 28. September 2026 16:00 bis 18:30 Uhr Online, für Psychotherapeutinnen und -therapeuten 28.09. Jetzt anmelden unter kvno.de/wege
12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Thema Foto: Georgiy Datsenko/istockphoto.com Die diesjährige Evaluation der Weiterbildung in Nordrhein bestätigt die Befunde der Vorjahre: Viele Defizite bestehen fort. So würde nur gut die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung die eigene Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. Regelmäßige Weiterbildungsgespräche und eine strukturierte Dokumentation des Weiterbildungsstands finden vielerorts nicht statt. Auch das für die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis vorgeschriebene Weiterbildungsprogramm bildet häufig nicht die Grundlage der Weiterbildung und wird teilweise gar nicht ausgehändigt. Über die quantitativen Ergebnisse hinaus zeichnen insbesondere die Freitextkommentare ein ernüchterndes Bild. Viele Assistenzärzte berichten, Weiterbildung finde lediglich „nebenher“ statt. Statt gezielt angeleitet zu werden, würden sie vor allem eingesetzt, um Versorgungslücken im Klinikalltag zu schließen. Andere beklagen mangelnde Wertschätzung, eine hohe Fluktuation aufgrund schlechter Führung oder gar ein toxisches Arbeitsklima. Dass diese Erfahrungen keine Einzelfälle sind, legt eine aktuelle Befragung des Marburger Bundes nahe: Mehr als die Hälfte der rund 9.000 Teilnehmer berichtete von Machtmissbrauch im Klinikalltag, der reichte vom respektlosen Umgang über Mobbing bis hin zu öffentlicher Bloßstellung. Knapp 40 Prozent der Befragten waren Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung. Um Missstände und Schwachstellen systematisch zu identifizieren und die Weiterbildungsbedingungen strukturell zu verbessern, führt die Ärztekammer Nordrhein seit 2023 jährlich eine Evaluation der Weiterbildung durch. Die Initiative geht auf einen Beschluss des Deutschen Ärztetages zurück. An der aktuellen Befragung haben sich in diesem Jahr rund 1.200 Ärzte beteiligt. Dennoch hält Olaf Tkotsch, Leiter der Weiterbildungsabteilung der Ärztekammer Nordrhein, eine höhere Rücklaufquote als die derzeitigen 7,5 Prozent für wünschenswert. „Nur mit einem starken und breiten Feedback können wir die Weiterbildungssituation umfassend nachvollziehen. Wenn aus einer Abteilung eine aussagekräftige Anzahl an Rückmeldungen vorläge, könnten wir konkrete Handlungsfelder identifizieren und mit den Beteiligten in den Dialog treten“, erklärt Tkotsch im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Weiterbilder im Fokus Um die Situation in der ärztlichen Weiterbildung zu verbessern, hat der 128. Deutsche Ärztetag 2024 in Mainz eine bessere didaktische Qualifizierung der Weiterbildungsbefugten gefordert, damit sie Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten angemessen vermitteln können. In Nordrhein fanden im Sommer 2025 die ersten verpflichtenden Didaktiktrainings für alle neu befugten Weiterbilder statt. Sie werden seither regelmäßig von der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung veranstaltet. Darüber hinaus informiert die Ärztekammer Nordrhein im Rahmen der verpflichtenden Fortbildung „VerDas Ziel: eine gute Weiterbildung Viele Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein erleben ihre Weiterbildung weiterhin als schlecht organisiert und wenig wertschätzend. Fehlende Struktur, mangelnde Betreuung und eine belastende Arbeitskultur prägen vielerorts den Weiterbildungsalltag. Mit Didaktiktrainings, einem Weiterbildungsregister und neuen Informationsangeboten will die Ärztekammer Nordrhein gegensteuern. von Marc Strohm
Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 13 Thema antwortung als Weiterbilder“ über die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen der Weiterbildung sowie über die Aufgaben und Pflichten von Weiterbildern. Da die Weiterbildungsbefugnis in der Regel auf sieben Jahre befristet ist, muss die Fortbildung bei einer Verlängerung der Befugnis erneut absolviert werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die Weiterbilder mit den regelmäßigen rechtlichen und fachlichen Anpassungen der Weiterbildungsordnung vertraut sind. Bei aller Bedeutung einer hochwertigen Qualifizierung der Weiterbilder weist Tkotsch darauf hin, dass zusätzliche Anforderungen immer sorgfältig abgewogen werden müssen. Neue Vorgaben sollten einen erkennbaren Beitrag zur Qualität der Weiterbildung leisten und nicht vor allem den administrativen Aufwand erhöhen. Information für Weiterzubildende Gleichzeitig beobachtet Tkotsch, dass nicht nur bei den Weiterbildern, sondern auch bei Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung ein hoher Informationsbedarf besteht. Die Weiterbildungsabteilung der Ärztekammer Nordrhein habe deshalb im Sommer 2026 die Vortragsreihe „Fehler vermeiden bei der Anmeldung zur Facharztprüfung“ ins Leben gerufen. Die Veranstaltung informiert unter anderem über die formalen Voraussetzungen für die Prüfungszulassung und die notwendigen Unterlagen, die eingereicht werden müssen. Seit 2023 bietet die Kammer zudem regelmäßig Informationsveranstaltungen zum elektronischen Logbuch an. Das Angebot richtet sich sowohl an Weiterbildungsassistenten als auch an Weiterbildungsbefugte. In den Schulungen erläutern die Mitarbeiterinnen der Ärztekammer unter anderem, wie ein eLogbuch angelegt wird, welche Funktionen es bietet und wie die Freigabe an den weiterbildungsbefugten Arzt erfolgt. Bei der Dokumentation der Weiterbildung seien nicht nur die Weiterbildungsbefugten, sondern auch die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung gefordert, sagt Weiterbildungsleiter Tkotsch. Register für mehr Übersicht Um einen fundierten Überblick über die Situation in der fachärztlichen Weiterbildung zu erhalten, hat der Vorstand der Ärztekammer Nordrhein im vergangenen Jahr beschlossen, ein Weiterbildungsregister aufzubauen. Es soll unter anderem dazu dienen, Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung gezielt anzusprechen, sie für künftige Evaluationen der Weiterbildung zu gewinnen und sie über passende Angebote während der Weiterbildung zu informieren. Als erste Maßnahme wurden Ärzte in der Weiterbildung zur Allgemeinmedizin beispielsweise auf die Nutzung des eLogbuchs sowie auf den Kurs „Psychosomatische Grundversorgung“ hingewiesen, der für diese Facharztgruppe obligat ist. Darüber hinaus soll das Register dazu dienen, drohende Engpässe in der ärztlichen Versorgung frühzeitig zu erkennen und daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten. Gleichzeitig verspricht man sich in der Kammer weitere statistische Erkenntnisse, beispielsweise über das Betreuungsverhältnis von Weiterbildungsbefugten und Weiterbildungsassistenten in den nordrheinischen Weiterbildungsstätten. Die Erfassung der Ärzte in Weiterbildung für das Register erfolgt durch die jeweiligen Weiterbildungsbefugten. Diese werden von der Ärztekammer jährlich aufgefordert, ihre Weiterzubildenden zu melden. Von den rund 8.500 registrierten Weiterbildungsbefugten in Nordrhein beteiligten sich im vergangenen Jahr 44 Prozent an der Erhebung und meldeten insgesamt 8.059 Ärzte in Weiterbildung für das Register. Der nächste Aufruf zur Aktualisierung des Registers beginnt am 1. Oktober. Die Kammer informiert die Weiterbildungsbefugten über das Mitglieder-Portal „meine.aekno.de“ oder per E-Mail. Künftig ist geplant, das Weiterbildungsregister mit dem eLogbuch zu verknüpfen. So könnten beispielsweise Lücken in der Weiterbildung frühzeitig erkannt und die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung rechtzeitig darauf hingewiesen werden. Schwierige Rahmenbedingungen Die Ergebnisse der diesjährigen Evaluation der Weiterbildung zeigen nach Einschätzung von Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, weiterhin deutlichen Verbesserungsbedarf. Um jedoch ein annähernd repräsentatives Bild der Weiterbildungssituation zu erhalten, sei eine deutlich höhere Beteiligung an der Evaluation erforderlich. In Österreich erzielte die „Ausbildungsevaluierung“ der Österreichischen Ärztekammer im vergangenen Jahr beispielsweise mit einer Rücklaufquote von 59 Prozent einen Rekordwert. Dreyer appelliert deshalb an alle Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung in Nordrhein, sich an der kommenden Evaluation zu beteiligen. Zugleich sei es angesichts der tiefgreifenden Veränderungen im Gesundheitswesen bemerkenswert, dass sich die Ergebnisse insgesamt nicht verschlechtert hätten. „Nach wie vor stellen ökonomischer Druck, Personalmangel und eine zunehmende Arbeitsverdichtung viele Kliniken vor große Herausforderungen. Dadurch sind Zeit und personelle Ressourcen für eine strukturierte Weiterbildung vielerorts knapp“, sagt Dreyer. Erschwerend komme eine vermehrte Zentrenbildung durch die Krankenhausreform hinzu. Die Folge: Viele Krankenhäuser könnten in Zukunft nicht mehr das ganze Spektrum eines Fachgebiets abdecken. Damit es dadurch nicht zu Brüchen in der Weiterbildung komme, müssten in Zukunft vermehrt Weiterbildungskooperationen zwischen den Einrichtungen geschlossen werden. Die Ärztekammer Nordrhein bietet Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung sowie Weiterbildungsbefugten ein umfassendes Informations- und Fortbildungsangebot unter: www.aekno.de/weiterbildung. Gut informiert zum Facharzt
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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 15 Spezial Bewegung ist Medizin Allein unter dem Dach des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes NRW gibt es rund 18.500 zertifizierte Rehasportgruppen. Die Idee hinter dem Angebot: Menschen, die von einer chronischen Erkrankung betroffen, behindert oder von Behinderung bedroht sind, sollen durch die Förderung körperlicher Aktivität das Fortschreiten ihrer Erkrankung aufhalten oder verlangsamen. Vor allem soll die Teilnahme am Rehasport aber Freude an der Bewegung vermitteln, die Selbsthilfekräfte stärken und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. von Heike Korzilius Die Stimmung ist locker, es wird erzählt und gelacht. 15 Männer und Frauen jenseits der 50 haben sich an einem frühen Nachmittag Ende Juli in der Turnhalle des TV Ratingen zum orthopädischen Rehasport versammelt. Ihre Beschwerden betreffen Bandscheibe, Hals- und Lendenwirbelsäule, sie leiden an Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen oder an Morbus Bechterew. Im Zentrum der Übungen stehen an diesem Tag Koordination, Balance sowie Muskelaufbau in Bauch und Rücken. Rehabilitationssport kann nach § 64 SGB IX als ergänzende Leistung zur Rehabilitation ärztlich verordnet werden. Dabei sei das Ziel beim Rehasport nicht primär die Behandlung einer Erkrankung, sondern die dauer- Hilfe zur Selbsthilfe Ärztinnen und Ärzte können ihren Patienten auf Muster 56 extrabudgetär Rehabilitationssport verordnen. Die Angebote bei anerkannten Sportvereinen sind für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuzahlungsfrei. Seit 2015 stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Rehasport von 234 Millionen Euro auf 307 Millionen Euro. Langfristiges Ziel ist, dass die Patienten auch nach Auslaufen der Verordnung im Verein bleiben und auf eigene Kosten weiter Sport treiben. Foto groß: Robert Kneschke/stock.adobe.com Muster: BRSNW
16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Spezial hafte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch die Förderung körperlicher Aktivität, erläutert Sportmedizinerin Dr. Ulrike Becker, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Diabetes, Sport und Bewegung der Deutschen Diabetesgesellschaft e.V. Es gehe hier unter anderem um die Verbesserung und den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit, die Verminderung krankheitsbedingter Beschwerden, die Stärkung des Selbstvertrauens in die eigene körperliche Leistungsfähigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Ziele im Rehasport sind immer sehr individuell und unterscheiden sich zuweilen erheblich von Patient zu Patient“, betont Becker. Das mache auch eine Evaluation der Wirksamkeit von Rehabilitationssport schwierig. Die Evidenz für den gesundheitlichen Nutzen von Bewegung sei aber eindeutig. „Es gibt eine breite Studienlage zu Bewegungsinterventionen bei Diabetes, Adipositas, onkologischen sowie Herz-Kreislauferkrankungen, Lungenerkrankungen oder chronischen Rückenschmerzen“, erklärt Becker. Gut 14.500 orthopädische Rehasportgruppen hat der Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW (BRSNW) aktuell zertifiziert. Das seien mit Abstand die meisten, sagt Randolph Stüwe, Bereichsleiter Qualifizierung und Rehabilitationssport. Vergleichsweise gut ausgebaut sei mit 1.160 auch das Angebot an Herzsportgruppen. Eine Versorgungslücke sieht er dagegen bei psychisch kranken Menschen. Für sie gebe es in ganz NRW nur 60 zertifizierte Rehasportgruppen. Auch Stüwe stellt beim Rehasport die „Hilfe zur Selbsthilfe“ in den Vordergrund. Es gehe darum, beeinträchtigte oder von Behinderung bedrohte Menschen zu motivieren, im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbstständig zu trainieren. „Die Rehasportangebote sind deshalb bewusst in Vereinen angesiedelt“, sagt Stüwe. Die Hoffnung sei, dass die Patienten dabeiblieben, auch wenn die Verordnung ausläuft. Qualifizierter Sportunterricht Sportvereine, die Rehasportgruppen anbieten wollen, müssen bestimmte personelle und räumliche Anforderungen erfüllen und sich alle zwei Jahre rezertifizieren lassen. Im Fall des TV Ratingen prüft der BRSNW im Auftrag der Kostenträger die vertraglichen Regelungen. „Die Übungsleiter sind so qualifiziert, dass sie den Sportunterricht selbstständig anleiten können“, sagt Stüwe. Eine Besonderheit gebe es im Herzsport. Je nach Zusammensetzung der Gruppe gebe es dort die Option, dass eine Ärztin oder ein Rettungssanitäter beim Training anwesend sind. Gerade die Anwesenheit einer Ärztin oder eines Arztes stärke beim Herzsport häufig die Adhärenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sagt Professor Dr. Rüdiger Mielke, Landessportarzt und stellvertretender Vorsitzender des BRSNW. Die Gelegenheit, sich ein- bis zweimal pro Woche mit dem Arzt auszutauschen, vermittle vielen Teilnehmern ein Gefühl der Sicherheit. „Blutdruck, Puls und Sauerstoffgehalt im Blut werden gemessen, und es ist immer Zeit für Fragen“, betont Mielke, der selbst bereits Herzsportgruppen begleitet hat. Das sei ein großer Unterschied zum üblichen Praxisbesuch einmal im Quartal. Der GKV-Spitzenverband verzeichnet seit Jahren steigende Ausgaben für Rehasport. 2025 gaben die gesetzlichen Krankenkassen 307 Millionen Euro für Rehabilitationssport aus, ein Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor der Coronapandemie bewegten sich die durchschnittlichen jährlichen Steigerungsraten bei circa fünf Prozent. Die Vergütungssätze verhandeln die Dachverbände des Rehasports mit den Kostenträgern. Für den allgemeinen Rehasport erhalten die Vereine in NRW aktuell pro Teilnehmer 6,60 Euro von den Primärkassen wie der AOK und sieben Euro von den Ersatzkassen wie der Barmer oder der Techniker Krankenkasse. Bei Kindern (9,66/10,57 Euro) und Schwerstbehinderten (13,53/15,05 Euro) liegen die Sätze höher, allerdings sind auch die Gruppen deutlich kleiner. Aktuell hat der BRSNW 490 Schwerstbehindertengruppen in Nordrhein-Westfalen zertifiziert. „Das ist gemessen an der Gesamtzahl der Rehasportangebote wenig, zumal der Bedarf da ist“, meint Lena Kreft, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des TV Ratingen. Ob Angebote für schwerstbehinderte Menschen geschaffen werden, hängt nach Ansicht der Sporttherapeutin aber allzu häufig vom Engagement einzelner Vereinsmitglieder ab, die Betroffene gezielt ansprechen und auch bei Förderschulen oder Ärztinnen und Ärzten für Rehasportangebote werben. „Was wir bräuchten, sind feste Strukturen, Netzwerke zwischen Sportvereinen, der Selbsthilfe und Ärzten, damit bedarfsgerechte Angebote auch entwickelt und aufgesetzt werden“, meint Kreft. Bei orthopädischen Beschwerden hätten viele Ärzte Rehasport „auf dem Schirm“ – schon allein deshalb, weil häufig das Budget für Physiotherapie erschöpft sei, ist Krefts Erfahrung. Bei anderen Krankheitsbildern fehle aber vielfach das Bewusstsein dafür, wie hilfreich der gemeinsame Sport im Verein auch hier sein könne. Gerade bei Schwerstbehinderten werde der psycho-soziale Ansatz des Rehasports unterschätzt. „Hier geht es darum, in der Gruppe zu sein, das eigene Haus wieder zu verlassen, den Umgang mit dem Rollstuhl zu erlernen“, sagt Kreft. „Das schafft Mobilität und Lebensqualität.“ „Ich halte Rehabilitationssport für ein wichtiges Werkzeug in der Behandlung chronischer Erkrankungen“, betont auch Sportmedizinerin Dr. Ulrike Becker. „Ich verordne ihn regelmäßig.“ Das Thema „Bewegung ist Medizin“ erhalte in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer nicht den Stellenwert, der ihm gebühre, kritisiert Becker. Die Rehasportgruppe beim TV Ratingen würde diesen Satz wohl unterschreiben. Als ihm sein Arzt Rehasport verordnet habe, habe er zunächst gedacht: „Wie schrecklich“, sagt ein Teilnehmer. Inzwischen mache ihm das Training großen Spaß. Er schätze die gute Anleitung und die angenehme Atmosphäre. Eine drahtige 82-Jährige ist seit acht Jahren dabei und, wie sie sagt, inzwischen beschwerdefrei. Ihr Motto: „Sport statt Tabletten“.
Was können KI und Apps für Ihre Praxis leisten? Digital gut aufgestellt Chancen erkennen, Anwendungen erleben, Impulse für die eigene Praxis mitnehmen. Keynote von Dr. Alexandra Widmer (Fachärztin für Neurologie und ärztliche Psychotherapie und Gründerin von docsdigital) über das veränderte Rollenverständnis in der Versorgung durch KI und DiGA Hersteller-Use-Cases und Praxis-Check: KI-gestützte Patientenkommunikation und DiGA in der Psychotherapie Podiumsdiskussion: Stimmen aus Ärzteschaft, Politik und von Herstellern Get-together und Praxis4future-Kurzführungen Jetzt anmelden unter kvno.de/digital Gesundheit. Digital. Gestalten. Mittwoch, 7. Oktober 2026 16:30 bis 18:30 Uhr Haus der Ärzteschaft, Düsseldorf, oder online per Livestream Die Zertifizierung ist beantragt: Teilnahmebescheinigung nur bei Präsenzteilnahme
Gesundheits- und Sozialpolitik 18 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 ger Suizidversuche und legten öfter selbstverletzendes Verhalten an den Tag. Es sind aber nicht allein sexualisierte Übergriffe und Gewalterfahrungen im Internet, die bei Kindern und Jugendlichen zu gravierenden Gesundheitsstörungen führen können. Gesundheitliche Risiken entstehen auch als Folge einer problematischen Mediennutzung. Das DZSKJ hat dazu Daten aus einer Längsschnittstudie zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland vorgelegt; diese führt das Institut seit 2019 mit Förderung der Krankenkasse DAK durch. Danach zeigte sich im vergangenen Jahr bei knapp 350.000 der Zehn- bis 17-Jährigen eine riskante Nutzung digitaler Spiele, bei knapp 240.000 eine pathologische Nutzung. Soziale Medien nutzten 1,1 Millionen Mädchen und Jungen in riskanter Art und Weise, bei knapp 350.000 lag eine pathologische Nutzung vor. Dabei berichteten die problematischen Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien häufiger von depressiven und Angstsymptomen sowie von einem höheren Stresslevel als unauffällige Nutzer. Sie wiesen zudem häufiger Defizite in ihrer Emotionsregulation auf und waren weniger achtsam als unauffällige Nutzer. Australien als Vorreiter Darüber, wie Kinder und Jugendliche vor den Gefahren von sexualisierter Gewalt im Netz, Desinformation und Mediensucht Speicherung von Missbrauchsabbildungen. Letztere haben sich Thomasius zufolge in Deutschland seit 2019 verdreifacht. Bei etwa einem Fünftel der aktuell rund 45.000 Missbrauchsfälle handele es sich um jugendpornografische Inhalte. Das Internet vergisst nichts Thomasius wies insbesondere auf die zum Teil gravierenden gesundheitlichen Folgen von Gewalterfahrungen bei Kindern hin, darunter depressive Störungen und Angststörungen, ADHS oder Sozial- und Bindungsstörungen. Bei Gewalt im Internet kämen zusätzliche Belastungen hinzu: Gefühle andauernder Ohnmacht, Kontrollverlust und Scham, unter anderem deswegen, „weil das Internet nichts vergisst“, so Thomasius. Außerdem gäben sich die Betroffenen häufig selbst die Schuld am Erlebten, was es ihnen erschwere, sich zu offenbaren und die Gewalterfahrung zu verarbeiten. Im Vergleich zu Opfern „analoger“ sexualisierter Gewalt litten die Betroffenen von sexualisierter Cyber-Gewalt häufiger unter Depressionen, Angst und zwischenmenschlichen Störungen. Sie unternähmen häufiTikTok, Instagram, YouTube, WhatsApp und ChatGPT: Im Alltag von Kindern und Jugendlichen sind digitale Medien allgegenwärtig. Sie ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe und Kommunikation. Aber sie öffnen auch Räume für Falschnachrichten, Mobbing, sexualisierte Übergriffe und nicht zuletzt Mediensucht mit all ihren negativen gesundheitlichen Folgen. Bundesfamilienministerin Karin Prien will deshalb Kindern und Jugendlichen unter 13 Jahren den Zugang zu sozialen Medien verbieten. von Heike Korzilius Anfang Juni ist Aktionstag „Cybergrooming“ im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Die Ermittler wollen im Internet Erwachsene aufspüren, die versuchen, über Chats mit Kindern sexuellen Kontakt anzubahnen; der Versuch allein ist in Deutschland strafbar. An diesem Tag dauert es nur eine halbe Stunde, bis der erste Ermittler ein „Dickpic“, ein Penisfoto, zugeschickt bekommt. Er hatte sich als zwölfjähriges Mädchen ausgegeben. So schildert eine WDR-Reportage den Fall, der keine Ausnahme darstellt. Der Landesanstalt für Medien NRW zufolge hat eins von vier Kindern in Deutschland zwischen acht und 17 Jahren schon Cybergrooming erlebt. Weltweit sei die technologiegestützte sexualisierte Gewalt ein stark wachsendes Phänomen, sagte Professor Dr. Rainer Thomasius, bis vor Kurzem ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf, beim 13. Kammerkolloquium Kindergesundheit der Ärztekammer Nordrhein Ende Juni in Düsseldorf. Zu den sexualisierten Übergriffen zählte der Kinder- und Jugendpsychiater neben Cybergrooming die Erpressung mit intimen Aufnahmen (Sextortion), das nicht-einvernehmliche Teilen intimer Aufnahmen (Sexting), die sexualisierte Belästigung im Internet und die digitale Herstellung, Verbreitung und Soziale Medien: Kinder vor Gefahren schützen Digitaler Alltag: Kinder und Jugendliche sollten je nach Entwicklungsstand angemessen in ihrer Mediennutzung unterstützt werden. Zudem sollen abgestufte Schutzvorkehrungen für Jugendliche bis 18 Jahren greifen, raten Experten. Foto: JackF/istockphoto.com
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