10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Im Mai habe ich mein Praktisches Jahr (PJ) in der Inneren Medizin begonnen. Nach drei Monaten möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen – mit dem einen oder anderen Appell. In einer idealen Welt lernt man im PJ, „Ärztin zu sein“ und übernimmt im Rahmen des Möglichen und Sinnvollen viele ärztliche Aufgaben. In der realen Welt ist es leider nicht selten, dass PJ-Studierende den Vormittag mit Blutentnahmen und anderen Zuarbeiten verbringen, teils dadurch sogar die Visite verpassen und auch sonst nicht gut involviert sind. Meine Erfahrung liegt dazwischen: Seit dem Trainingslager Nephrologie/Geriatrie schrecken mich „schlechte Venen“ nicht mehr, aber ich habe in Visiten und spontanen Teachings viel gelernt. Trotzdem merke ich, dass es sehr viel Eigeninitiative braucht, um langfristigere und verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen zu dürfen. Nichts hat mich so gefordert und weitergebracht wie das gelegentliche „Übernehmen“ von Patientinnen und Patienten, also einen Fall eng supervidiert von Aufnahme bis Entlassung selbst zu managen. Davon brauchen wir unbedingt mehr! Liebe Ärztinnen und Ärzte: Danke, dass Ihr uns mitnehmt und uns so viel beibringt! Die Zeit ist im Klinikalltag immer knapp, und wir unterstützen gerne bei den alltäglichen kleinen Aufgaben. Bitte gebt uns routinemäßig auch größere Aufgaben mit mehr Verantwortung: Lasst uns neue Patientinnen und Patienten nicht nur untersuchen, sondern auch das Procedere konzipieren und den Fall in der Visite besprechen. Natürlich werden wir dafür länger brauchen und viele Fragen haben, aber die Lernkurve ist mit Verantwortung steiler, und produktiver werden wir auch. Liebe Krankenhäuser: Danke, dass Ihr PJ-Unterricht und Logbücher mit ambitionierten Zielen organisiert. Bitte setzt Euch dafür ein, dass PJ-Studierende tatsächlich zum eigenständigen Arbeiten angeleitet werden. Und stellt sicher, dass der PJ-Unterricht stattfindet – anders als das Innere-Seminar meiner Klinik haben wir keine „Sommerferien“. Schließlich ein Appell an meine Mit-PJStudierende und an mich selbst: Es ist einfach, in einen Trott des Mitlaufens und Danebensitzens zu verfallen – gerade, wenn die morgendliche Blutentnahmerunde die einzige definierte Aufgabe zu sein scheint. Lasst uns komplexere Tätigkeiten einfordern und es uns nicht zu sehr auf dem Beifahrersitz bequem machen. Denn da sitzen wir wirklich nicht mehr lange. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de Hartmannbund Hitzeschutz präventiv und sektorübergreifend angehen Der Ausschuss der Medizinstudierenden im Hartmannbund kritisierte kürzlich, dass die öffentliche Diskussion rund um Hitzeschutz, Trockenheit und niedrige Wasserstände vor allem aus verkehrs- und wirtschaftspolitischer Perspektive geführt werde. Es fehle die gesundheitliche Dimension, die die Folgen insbesondere für gefährdete Bevölkerungsgruppen berücksichtige. Daher forderten die Medizinstudierenden, die medizinische und gesundheitswissenschaftliche Expertise systematisch in Strategien zur Klimafolgenanpassung einzubeziehen. Nach Meinung des Ausschusses ist Mail aus München Carla Schikarski Foto: privat Fortbildung Von der Uniklinik in die Praxis In Aachen bietet die Sektion Lehre und Didaktik Allgemeinmedizin des Instituts für Digitale Allgemeinmedizin am Samstag, 5. September 2026 das Fortbildungssymposium „Praxisupdate 2026“ an. Die Veranstaltung verbindet aktuelle medizinische Wissenschaft und praktische Anwendung in der Hausarztmedizin. Auf dem Programm stehen zahlreiche interdisziplinäre Themen wie die Diagnostik und Therapie degenerativer Rückenschmerzen, die moderne Versorgung bei Presbyakusis sowie Aspekte von ADHS im Erwachsenenalter. Weitere Referenten rücken praxisnahe Updates zur Menopause, Einblicke in die moderne Leitlinienentwicklung und aktuelle urlogisch-gynäkologische Interventionsmöglichkeiten bei Kontinenzbeschwerden in den Mittelpunkt. Die ärztlichen Referentinnen und Referenten kommen aus verschiedenen medizinischen Einrichtungen der Uniklink der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Das Praxisupdate 2026 findet statt am Samstag, 5. September 2026 von 9 bis 13.15 Uhr, ist mit 4 Punkten anerkannt und kostenfrei. Veranstaltungsort ist das CT Center for Teaching and Training, Forckenbeckstraße 71, 52074 Aachen. Anmeldung: per E-Mail an imallems@ukaachen.de, Fax: 0241 / 80338 8093. bre ein verstärkter präventiver Ansatz der richtige Weg. Gesundheitsschutz dürfe nicht erst in der Notaufnahme beginnen. Hitzeextreme, Wasserknappheit und andere klimabedingte Belastungen erforderten vorausschauende politische Entscheidungen. Wer Prävention stärke, entlaste langfristig auch das Gesundheitssystem und erhöhe die gesellschaftliche Resilienz gegenüber künftigen Krisen. Medizin und Gesundheitspolitik müssten daher einen festen Platz in den relevanten Krisen- und Anpassungsstrukturen erhalten, so die Studierenden im Hartmannbund. bre Ärztliche Körperschaften im Internet Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein www.kvno.de Ärzteversorgung Nordrhein www.naev.de
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