Rheinisches Ärzteblatt 09/2026

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 3 Heft 9 • September 2026 Chance für einen Neuanfang Mit der Ernennung des ehemaligen CDU-Generalsekretärs Carsten Linnemann zum neuen Bundesgesundheitsminister gab es gleich zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause eine echte Überraschung. Seine Vorgängerin Nina Warken ist im Zuge der Umbildung des Bundeskabinetts in die Leitung des Kanzleramts gerückt. Nachdem Warken mit der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz einen aus Sicht der Bundesregierung wichtigen Meilenstein erreicht hatte, kommt auf ihren Nachfolger Carsten Linnemann direkt viel Arbeit zu. Auf seiner ererbten Agenda stehen unter anderem eine Notfallreform, eine Pflegereform, ein Daten- und Digitalgesetz sowie eine Strukturreform zur Primärversorgung. Der neue Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann wird viel Unterstützung brauchen, um die grundsätzlichen Probleme im Gesundheitswesen anzugehen. Gleichzeitig bietet der Wechsel die Chance auf einen Neuanfang in der Zusammenarbeit zwischen Politik und den Akteuren des Gesundheitswesens. In den vergangenen Monaten entstand vielfach der Eindruck, dass wichtige Partner erst sehr spät in Gesetzgebungsverfahren eingebunden wurden und ihre fachlichen Hinweise nur begrenzt Berücksichtigung fanden. Mit Carsten Linnemann eröffnet sich die Möglichkeit, eine konstruktive Zusammenarbeit wieder aufleben zu lassen, denn nachhaltige Reformen können nur im Dialog entstehen. Wer diejenigen einbindet, die das Gesundheitswesen täglich tragen, erhöht die Akzeptanz politischer Entscheidungen und verbessert ihre Qualität. Zum GKV-Spargesetz hatte Nina Warken auf dem 130. Deutschen Ärztetag in Hannover betont, dass es sich nicht um eine Strukturreform, sondern um ein Spargesetz handele. Die echten Reformen sollen im Herbst folgen. Hier müssen wir genau hinschauen, ob der neue Bundesgesundheitsminister dringend erforderliche Weiterentwicklungen und notwendige Zukunftsinvestitionen voranbringen wird. Der Ausbau des angekündigten Primärversorgungssystems und die Notfallreform sowie der bereits beschlossene Umbau der Krankenhauslandschaft, also die Transformation im ambulanten und im stationären Sektor, wird erst einmal Investitionen verlangen, bevor auf lange Sicht mögliche Einsparungen realisiert werden können. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seiner Rede zum Umbau des Kabinetts gesagt, dass wir den gesamten Gesundheitssektor „leider viel zu häufig als reinen Kostenfaktor betrachten“ – er sei ein ganz wesentlicher Teil unseres gesellschaftlichen Lebens. Dem ist ausdrücklich zuzustimmen. Ein leistungsfähiges, allen zugängliches Gesundheitssystem in seiner Gesamtheit ist eine Investition in die wirtschaftliche Stärke, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Stabilität unseres Landes. Ich wünsche dem neuen Bundesgesundheitsminister den Mut, die anstehenden Reformen entschlossen anzugehen – und die Offenheit, dabei auf die Expertise derjenigen zu setzen, die unser Gesundheitswesen Tag für Tag gestalten. Der Ministerwechsel bietet die Chance für einen echten Neuanfang. Nutzen wir sie. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes

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