Rheinisches Ärzteblatt 10/2026

NRW Krankenhäuser im Umbau Seriöse Medizininformation Medfluencer-Preis 2026 für Hausarzt und zwei Studierende Für ein gutes Lebensende Palliativ-Teams versorgen Schwerkranke zu Hause Mehr Fälle, zu wenig Geld In Sozialpädiatrischen Zentren werden die Wartelisten länger Oktober 2026 Heft 10 / 30.09.2026 81. Jahrgang Körperschaft des öffentlichen Rechts Körperschaft des öffentlichen Rechts

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 3 Heft 10 • Oktober 2026 Gesundheitskompetenz stärken Im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft haben die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe am 14. September erstmalig den Medfluencer-Preis 2026 verliehen. In der Kategorie „Ärztinnen und Ärzte“ hat die Jury David Reckers für einen Beitrag über die Wirkung, Chancen und Risiken von „Abnehmspritzen“ ausgezeichnet. In der Kategorie „Medizinstudierende“ gab es eine Preisträgerin und einen Preisträger: Meret Leuthäuser wurde für den Beitrag „Was bei einer Narkose wirklich passiert“ ausgezeichnet. Fatih Çalışkan bekam den Preis für seinen Beitrag „Venen abgedrückt? Virales Video erklärt“. Wir sind uns vermutlich alle darin einig, dass Reformen in unserem Gesundheitssystem unvermeidlich sind. Zu diesen wichtigen Reformen gehört für mich unabdingbar auch die Stärkung der Prävention. Wenn wir unser Gesundheitssystem langfristig leistungsfähig halten wollen, dürfen wir Prävention nicht länger als eine Art nettes „Add-on“ behandeln. Prävention beinhaltet für mich maßgeblich auch die Stärkung von Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. Denn wir sehen mit Sorge, wie schnell sich gerade in Sozialen Medien medizinische Fehlinformationen verbreiten. Mit dem Preis wollten wir diejenigen Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierenden sichtbar machen, die wissenschaftlich fundierte Medizin verständlich, seriös und verantwortungsvoll vermitteln. Die Verleihung des Medfluencer-Preises war auch für mich persönlich eine ganz besondere Veranstaltung. Sie hat deutlich gemacht, dass wir als NRW-Ärztekammern selbsternannten „Gesundheitsexperten“ nicht einfach das Feld überlassen, sondern aktiv gegensteuern, indem wir auf die Problematik aufmerksam machen und diejenigen unterstützen, die Fake-Medizinern wie auch echten Medizinern mit Fake-Inhalten das Leben schwer machen. Seriöse Medfluencerinnen und Medfluencer entlarven Falschbehauptungen als eben das, was sie sind. Mit Zahlen, Daten und Fakten untermauern sie, wie gefährlich Gesundheitsaussagen ohne faktenbasierte Grundlage sind. Und ihnen ist gleichzeitig bewusst, dass sie eine große Verantwortung tragen, wenn sie Gesundheitsbotschaften mit hoher Reichweite kommunizieren. Um genau dieses Engagement zu fördern, haben die Ärztekammer Westfalen-Lippe und wir als Ärztekammer Nordrhein uns dazu entschlossen, den Gegenpol zu Gesundheitsmythen und Desinformation zu fördern. Klar ist auch, dass Gesundheitsinformationen auf Social Media niemals den direkten Arzt-Patienten-Kontakt ersetzen können – so gut sie auch aufbereitet sein mögen. Sie können aber wesentlich dabei helfen, die Sensibilität für die eigene Gesundheit zu festigen und weiter auszubauen. Das kann zum Beispiel auch dazu führen, dass Patientinnen und Patienten mit leichten Erkrankungen weniger oft die Notaufnahmen oder Bereitschaftsdienstpraxen ansteuern oder auch dazu, dass Impfungen stärker in Anspruch genommen werden, um schwere Krankheiten oder Krankheitsverläufe zu verhindern. Seriöse Gesundheitsinformationen in den sozialen Medien sind aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil moderner Präventionsarbeit, denn Gesundheitskompetenz entsteht nicht nur in unseren Sprechzimmern. Deswegen müssen wir sie gezielt dort stärken, wo Menschen heute hauptsächlich nach Informationen suchen. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 5 Heft 10 • Oktober 2026 Meinung Gesundheitskompetenz stärken Seite 3 Magazin Seite 6 bis 10 NRW: Knapp 290 Millionen Euro für Hitzeschutz · Vor 50 Jahren · Bundesärztekammer legt Strategiepapier zur Resilienz vor · Behandlungsfehler: Für eine transparente Fehlerkultur · Kammer Online · Suizidprävention gesetzlich verankern · Nachrichtendienste: Ärzte brauchen „absoluten Schutz“ vor Überwachung · Studium und Berufseinstieg Thema Klinikumbau im Gange Seite 12 Spezial Für ein gutes Lebensende Seite 14 Gesundheits- und Sozialpolitik „Zeit für mehr Optimismus“ Seite 18 Sozialpädiatrie unter Druck Seite 19 Praxis Innovationen im Praxisbetrieb prüfen Seite 20 Strenge Anforderungen an ärztliche Testsiegel – Folge 155 der Reihe „Arzt und Recht“ Seite 21 Forum Zwischen Mythen und seriöser Information Seite 22 Wissenschaft und Fortbildung Sehverlust, Kribbeln und Erschöpfung bei einer 28-jährigen Patientin – Folge 90 der Reihe „Zertifizierte Kasuistik“ Seite 24 Fortbildungsveranstaltungen der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung in Nordrhein Seite 28 RÄ Regional Seite 33 Bücher Seite 36 An Rhein und Ruhr Seite 38 Kulturspiegel Von egozentrischen Posern und popelnden Trollen Seite 39 Amtliche Bekanntmachungen Seite 40 Amtliche Bekanntmachungen der Ärztekammer Nordrhein auf www.aekno.de Amtliche Bekanntmachungen der KV Nordrhein auf www.kvno.de Impressum Seite 40 Mein Beruf „Ästhetik macht nur einen Teil unseres Faches aus“ Seite 47 Titelgestaltung: Eberhard Wolf Foto: unkas-photo/istockphoto.com Für ein gutes Lebensende Viele schwerstkranke und sterbende Patienten wissen nicht, dass sie Anspruch auf eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) haben. Dabei können die SAPV-Teams den Patienten zu Hause den letzten Lebensabschnitt erleichtern. Medfluencer-Preis 2026 verliehen Der Arzt David Reckers und die Medizinstudierenden Meret Leuthäuser und Fatih Caliskan posten regelmäßig zu Gesundheitsthemen auf Instagram und Co. Für ihre seriösen, wissenschaftsbasierten Videos sind sie jetzt ausgezeichnet worden. Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, das die neue Krankenhausplanung nach Leistungsgruppen bereits umsetzt. Das NRW- Gesundheitsministerium zeigt sich mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. NRW Krankenhäuser im Umbau

6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 Magazin Pharmapolitik Neuausrichtung gefordert Der Verband forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat eine Neuausrichtung der Arzneimittelpolitik in Deutschland gefordert. Wer den Pharmastandort stärken wolle, könne nicht gleichzeitig die Bedingungen für Innovation verschlechtern, erklärte der vfa mit Blick auf die Einsparungen durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Zusätzliche Abschläge oder Rabattverträge müssten rückabgewickelt werden. Der vfa begrüßte zugleich die Fortsetzung des Pharmadialogs mit der Bundesregierung, der Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Standortbedingungen erarbeiten soll. Die Bundesregierung will noch in diesem Jahr eine Pharma- und Medizintechnikstrategie vorlegen. HK Zweitmeinung Linksherz-Katheter aufgenommen Gesetzlich Krankenversicherte können voraussichtlich ab 1. April 2027 eine zweite ärztliche Meinung einholen, wenn ihnen eine transarterielle Linksherz-Katheteruntersuchung empfohlen wird. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. Außerdem können sich mehr Ärztinnen und Ärzte am Zweitmeinungsverfahren beteiligen. Sie müssen weiterhin die vom G-BA festgelegten Anforderungen an die eingriffsspezifische Qualifikation erfüllen, aber nicht mehr über eine eigene Weiterbildungsbefugnis verfügen. Hintergrund der Neuaufnahme der Katheteruntersuchung ist die überdurchschnittlich hohe Zahl an Eingriffen. HK NRW-Landesregierung Knapp 290 Millionen Euro für Hitzeschutz Als Reaktion auf die Hitzewelle in diesem Sommer will die NRW-Landesregierung in den Jahren von 2027 bis 2030 insgesamt 286,6 Millionen Euro Fördermittel bereitstellen, um Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen besser vor Extremhitze zu schützen. 200 Millionen Euro stehen im Krankenhausbereich zur Verfügung für Umbauten, die zur Klimatisierung, aktiven Kühlung oder Verschattung von Intensivstationen, Kreißsälen, Notaufnahmen, OP-Sälen, Pflegestützpunkten und einzelnen Stationen führen. Im Bereich Pflege sind vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsgesetzgebers 50 Millionen Euro für geeignete fest installierte Klimageräte, Kühldecken oder -segel vorgesehen, für mobile Klimageräte als Ausnahme. Mit noch verfügbaren Mitteln aus dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst sollen in den kommunalen Gesundheitsämtern bis zu je zwei Vollzeitkräfte über einen Zeitraum von drei Jahren finanziert werden. Diese neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen dafür sorgen, dass besonders hitzegefährdete Menschen vor Ort besser erreicht und mit praxisnahen Hilfsangeboten unterstützt werden. Dass viele Krankenhäuser auf extreme Hitzewellen nur unzureichend oder überhaupt nicht vorbereitet sind, geht auch aus einer aktuellen Umfrage des Marburger Bundes unter mehr als 1.000 Klinikärztinnen und -ärzten hervor. tg Nach der Bundestagswahl Hoffnung auf eine Politik der Mitte An der Bundestagswahl am 3. Oktober 1976 beteiligten sich über 90 Prozent der Wahlberechtigten. Die Unionsparteien CDU und CSU wurden mit 48,6 Prozent der Stimmen zwar stärkste Kraft, dennoch konnten SPD und FDP ihre sozial-liberale Koalition fortsetzen, wenn auch mit einer sehr knappen Mehrheit im Bundestag. Die Wahl kommentierte Gustav Gessler in der zweiten Oktober-Ausgabe 1976 des Rheinischen Ärzteblatts (RÄ). Das Regieren werde in den kommenden vier Jahren nicht einfach werden angesichts einer starken Opposition im Bundestag und einer Stimmenmehrheit von 26 zu 15 zugunsten der CDU/CSU-regierten Länder im Bundesrat. Nach dem hitzigen und von polarisierenden Slogans wie „Freiheit oder Sozialismus“ geprägten Wahlkampf erkannte der Kommentator einen Trend zur politischen Mäßigung. „Ohne große Kombinationsgabe kann man bei dieser Situation erwarten, daß in vielen Sachbereichen in der nächsten Legislaturperiode eine ‚heimliche große Koalition‘ entstehen wird“. Das Gesundheitswesen, dessen Kostenexplosion noch nicht im Griff sei, werde weiter im politischen Gesetzgebungsfokus bleiben, „und zwar diesmal geprägt von Pragmatikern und Machern“. Die erste Oktober-Ausgabe 1976 des RÄ berichtete über die Einweihung des bundesweit ersten Ärztehauses, das die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein errichtet hatte. In Hückelhoven nahmen fünf Fachärzte und ein praktischer Arzt ihre Arbeit unter einem Dach auf. Das Ärztehaus gewährleiste eine „ans Optimale grenzende ambulante ärztliche und fachärztliche Versorgung“. Bei der Planung seien Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Raumnutzung und Rationalisierung des Praxisablaufs ausgeschöpft worden. Die KV vermietete die Praxisräume an die Ärzte und räumte ihnen ein Vorkaufsrecht ein. bre Schätzungen des Robert Koch-Instituts gehen allein für Nordrhein-Westfalen aktuell von 3.150 hitzebedingten Sterbefällen in diesem Sommer aus. Foto: Phoscar/stock.adobe.com

Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 7 Bundesärztekammer Strategiepapier zur Resilienz Um die Gesundheitsversorgung auch in Krisensituationen aufrechtzuerhalten, muss das Gesundheitssystem resilient, also ausreichend widerstands- und durchhaltefähig sein. Ereignisse der vergangenen Jahre, etwa die COVID19-Pandemie, die Flut im Ahrtal, die extremen Hitzeperioden oder die Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln, hätten gezeigt, dass das Gesundheitssystem nicht ausreichend vorbereitet ist, betont die Bundesärztekammer in ihrem im September vorgelegten Strategiepapier „Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht“. Hinzu komme als Herausforderung für die Krisenfestigkeit noch die Bedrohungslage nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das Strategiepapier konzentriert sich auf drei Handlungsfelder: das Zusammenwirken von Akteuren und Ebenen, Ausstattung und Bevorratung sowie die quantitative und qualitative Verfügbarkeit des medizinischen Personals. Für verbesserte Abläufe in Krisen bedürfe es eindeutiger Zuständigkeiten und klarer Abläufe. Das Zusammenwirken der verschiedenen staatInformationen zu sexueller Gesundheit Zum Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September wies das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) auf die Bedeutung des Themas für ein gesundes Leben hin. Eigene Umfragen zeigten, dass zu sexuell übertragbaren Krankheiten immer noch viel Informationsbedarf besteht. Mit seiner Initiative LIEBESLEBEN informiert das BIÖG regelmäßig über Safer Sex, HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen sowie zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Informationsmaterial zu diesen Themen gibt es über das Internetportal des BIÖG: www.bioeg.de. Materialien für die ärztliche Praxis können dort kostenlos angefordert werden. tg Kurz gemeldet G-BA beschließt neue U-Untersuchung Der Gemeinsame Bundesausschuss(G-BA) hat die Inhalte der neuen U10 beschlossen. Der Fokus dieses ärztlichen Früherkennungsangebots für Kinder im Alter von neun bis zehn Jahren liegt auf den Themen Übergewicht, körperliche Aktivität, digitaler Medienkonsum und psychische Auffälligkeiten. Bei Hinweisen auf gesundheitliche Risiken sollen Kind und Eltern von den Kinderärztinnen und -ärzten beraten und über vorbeugende Angebote informiert werden. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der neuen U10 ist die Impfberatung, um insbesondere die Rate der Humane Papillomviren (HPV)-Impfungen sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen zu erhöhen. tg Neue Versorgungsform: Vergütung vereinbart Ab Januar 2027 sollen umgewandelte kleine Krankenhäuser als sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen ihren Betrieb aufnehmen. GKV-Spitzenverband, Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Verband der Privaten Krankenversicherung haben feste Vergütungspauschalen für diese neue medizinische Versorgungsform vereinbart. Außerhalb der Leistungsgruppensystematik, die ab 2028 verpflichtende Grundlage für die Krankenhausplanung und -vergütung wird, sollen diese Einrichtungen mit einem begrenzten stationären Angebot bei weniger komplexen Krankheiten sowie mit ambulanten und pflegerischen Leistungen eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung sichern. tg Facharztprüfungen Anmeldeschluss und Termine Der nächste zu erreichende Prüfungszeitraum zur Anerkennung von Facharztkompetenzen, Schwerpunktbezeichnungen und ZusatzWeiterbildungen bei der Ärztekammer Nordrhein ist am 28. und 29. Januar 2027 und vom 1. bis 3. Februar 2027. Anmeldeschluss: Freitag, 4. Dezember 2026 Ärztinnen und Ärzte, die zur Prüfung zugelassen sind, erhalten eine schriftliche Ladung mit dem genauen Prüfungstermin und der Uhrzeit mindestens 14 Tage vorher. www.aekno.de/Weiterbil dung/Pruefungen ÄkNo Intensivmedizin Peers gesucht Die Ärztekammer Nordrhein sucht Ärztinnen und Ärzte sowie Fachpflegekräfte aus der Intensivmedizin für ihr Peer-Review-Verfahren. Das Verfahren dient der externen Qualitätssicherung und soll dazu beitragen, Abläufe zu optimieren und die Patientensicherheit zu stärken. Interdisziplinäre Peer-Teams besuchen Intensivstationen und analysieren gemeinsam mit den Behandlungsteams Stärken und Verbesserungspotenziale. Gesucht werden insbesondere Ärztinnen und Ärzte mit langjähriger klinischer Erfahrung. Voraussetzung für den Einsatz ist eine standardisierte Peer-Schulung. Eine solche findet am 8. Oktober auf dem Kongress ä26 in Bonn statt, eine Online-Schulung ist für den 9. Oktober geplant. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.aekno.de/ fortbildung. Interessierte können sich an die Ärztekammer Nordrhein wenden: peer-review@aekno.de MST lichen Ebenen müsse besser geordnet werden, heißt es in dem Papier. Erforderlich dafür seien die Stärkung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, regelmäßige und auskömmlich finanzierte Übungen und ein Lagezentrum Gesundheit auf Bundesebene. Notwendig seien zudem ein besserer Schutz von Gesundheitseinrichtungen vor (Cyber-)Angriffen und vor Ausfällen kritischer Infrastrukturen. tg Auf Krisensituationen ist das deutsche Gesundheitswesen nicht ausreichend vorbereitet. Die Bundesärztekammer fordert unter anderem, die Abläufe zu verbessern. Foto: vm/istockphoto.com

Magazin 8 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 Evidenzbasierte Medizin Vollzugriff auf die Cochrane Library den können. Dieser Service der Ärztekammer ist ein Beitrag zur Sicherung der medizinischen Qualität im Gesundheitswesen sowie des einfachen und transparenten Wissenstransfers aus der klinischen Forschung in den praktischen Alltag. Der Zugang zur Cochrane Library erfolgt über www.aekno.de/cochrane. Kammermitglieder müssen sich einmalig mit ihrer Einheitlichen Fortbildungsnummer (EFN) und der Mitgliedsnummer registrieren und ein Benutzerprofil anlegen. Nach dem Einloggen im Benutzerprofil führt ein Klick auf den Link „Cochrane Library“ automatisch auf die Startseite der wissenschaftlichen Datenbank. Fragen und Anregungen sowie Kritik und Lob zum Internetangebot der Ärztekammer Nordrhein senden Sie bitte an die E-Mail-Adresse onlineredaktion@aekno.de. bre Über ihre Homepage (www.aekno.de) stellt die Ärztekammer Nordrhein seit 2008 ihren Mitgliedern einen exklusiven Vollzugriff auf die renommierte Cochrane Library zur Verfügung. Die Cochrane Library ist die OnlineDatenbank zu evidenzbasierter Medizin der Cochrane Collaboration, die 1993 in Oxford aus der Taufe gehoben wurde. Neben dem Vollzugang zu den medizinischen Reviews und Einträgen zu klinischen Versuchen, Methoden, Technologien und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen stehen den nordrheinischen Kammermitgliedern auch die Beiträge im Portal „Clinical Answers“ uneingeschränkt zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Vollversionen der Artikel in unbegrenzter Anzahl heruntergeladen werBeim Medizinischen Dienst sind im vergangenen Jahr bundesweit 11.735 Fälle gemeldet worden, in denen ein Behandlungsfehler vermutet wurde. In 3.098 Fällen bestätigte sich der Verdacht (25 Prozent). Das geht aus der aktuellen Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes hervor. Setze man diese Zahlen ins Verhältnis zu den insgesamt jährlich rund 600 Millionen Behandlungsfällen in Krankenhäusern und Arztpraxen, liege die Fehlerquote im Promille-Bereich, sagte dazu der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer. „Dennoch ist jeder vermeidbare Behandlungsfehler ein Fehler zu viel.“ Die Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein sähen es deshalb als ihre Aufgabe an, berufliche Rahmenbedingungen und potenzielle Fehlerquellen zu analysieren, damit sich ein einmal gemachter Fehler möglichst nicht wiederhole. So bereite die Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler bei der Ärztekammer Nordrhein die von ihr geprüften vermuteten Behandlungsfehler zur Fortbildung und Publikation systematisch auf. Bereits 2012 hätten die Ärztekammern und Kassenärztlichen Vereinigungen sowie die Krankenhausgesellschaft in Nordrhein-WestFür schwere, aber eindeutig vermeidbare Schadensereignisse fordert der Medizinische Dienst eine pseudonymisierte und sanktionsfreie Meldepflicht. Behandlungsfehlerstatistik Für eine transparente Fehlerkultur Pflegekassen Wachsendes Defizit Die soziale Pflegeversicherung ist im ersten Halbjahr 2026 weiter ins Defizit gerutscht. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands summierte sich das Minus auf 770 Millionen Euro. Während die Ausgaben gegenüber dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent stiegen, erhöhten sich die Beitragseinnahmen lediglich um 3,9 Prozent. Treiber der Ausgaben sind laut GKV-Spitzenverband vor allem die steigende Zahl der Leistungsbeziehenden sowie höhere Kosten für Kurzzeit- und Verhinderungspflege und für Zuschüsse zu den Eigenanteilen in Pflegeheimen. Für 2026 erwartet der Verband ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro. Die Kassen fordern kurzfristig zusätzliche Finanzmittel sowie eine strukturelle Reform der Pflegeversicherung, um deren Finanzierung langfristig zu sichern. MST DiGA Strengere Regeln gefordert Der AOK-Bundesverband fordert eine grundlegende Neuregelung für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). In einem Positionspapier spricht er sich dafür aus, die bislang unregulierten Preise im ersten Jahr nach Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis abzuschaffen. Stattdessen sollten Preisverhandlungen unmittelbar nach Markteinführung beginnen. Zudem sollten die Hersteller den medizinischen Nutzen ihrer DiGA vor der Aufnahme in das Verzeichnis nachweisen. Die Einstiegspreise liegen zurzeit im Durchschnitt bei 595 Euro pro DiGA. MST falen mit CIRS-NRW ein Lern- und Berichtssystem für kritische Ereignisse in der Patientenversorgung geschaffen. „Wir sind aber selbstverständlich offen dafür, mit allen Beteiligten weitergehende Maßnahmen zu diskutieren, die dem Ziel dienen, Fehler zu vermeiden und eine transparente Fehlerkultur zu schaffen“, betonte Dreyer. HK Foto: tifonimages/istockphoto.com

Magazin Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 9 andere Heilberufe gilt dagegen eine Abwägungslösung: Wenn es der Aufklärung erheblicher Bedrohungen dient und verhältnismäßig ist, dürfen Geheimdienste beispielsweise Therapiesitzungen aufzeichnen oder Praxisräume heimlich betreten, etwa um Abhörgeräte zu installieren. Verschwiegenheitsrechte und -pflichten seien im Arzt-Patienten-Verhältnis unabdingbar, erklärte die Bundesärztekammer. Denn Patienten müssten sich Ärzten gegenüber offenbaren können, ohne befürchten zu müssen, dass sensible Informationen an Dritte gelangten. Umgekehrt sei die Kenntnis dieser Informationen essenzielle Voraussetzung für eine qualifizierte medizinische Behandlung. HK Arztpraxen Erhebung zur Kostenstruktur Das Statistische Bundesamt führt auf der Grundlage des Gesetzes über Kostenstrukturstatistik im Oktober eine repräsentative Online-Befragung zur Kostenstruktur in den Arzt-, Zahnarzt- und Psychotherapeutenpraxen durch. Bezugsjahr ist 2025. Die Praxen werden zufällig ausgewählt und sind auskunftspflichtig. Ziel ist es den Statistikern zufolge, die dort erzielten Einnahmen, die dafür erforderlichen Aufwendungen sowie deren Zusammensetzung darzustellen. Die Ergebnisse dienten unter anderem der Erstellung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und der berufspolitischen Arbeit von Verbänden und Kammern. Informationen: www.destatis. de/kme-portal EB Früherkennung Ungleiche Teilhabe von Behinderten Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen nehmen deutlich seltener an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen teil als Menschen ohne Beeinträchtigung. Darauf weist die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) unter Verweis auf eine Übersichtsarbeit hin, für die 78 Studien aus 14 Ländern ausgewertet wurden. Demnach bestehen insbesondere Defizite bei Informationen in Einfacher Sprache, der Barrierefreiheit von Praxen und der Schulung des Personals. Auch Zeitdruck erschwere die Versorgung. Die DKG fordert daher eine stärker auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnittene Versorgung. Hilfreich seien unter anderem Bildmaterialien und längere Termine. MST Suizidprävention Hilfsangebote ausbauen und gesetzlich verankern Nachrichtendienste Ärzte brauchen „absoluten Schutz“ vor Überwachung Jedes Jahr begehen mehr als 10.000 Menschen in Deutschland Suizid, zuletzt mit steigender Tendenz. Besonders hohe Suizidzahlen finden sich der Statistik zufolge in der Altersgruppe über 55 Jahre. Anlässlich des Welttages der Suizidprävention am 10. September begrüßte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, den Entwurf für ein Suizidpräventionsgesetz, den das Bundesgesundheitsministerium noch vor der parlamentarischen Sommerpause vorgelegt hatte. Dieser sieht unter anderem die Einrichtung einer Bundesfachstelle für Suizidprävention vor, die bestehende Hilfsangebote und Akteure vernetzen und eine unentgeltliche bundesweit einheitliche Rufnummer für Menschen in Krisensituationen einrichten soll. Außerdem soll die Bundesfachstelle Konzepte zur Restriktion der Verfügbarkeit von Suizidmethoden und -mitteln sowie ein digitales Verzeichnis von Hilfs- und Beratungsangeboten zur Suizidprävention erstellen. Dreyer mahnte an, dass diese Angebote mit ausreichenden Finanzmitteln hinterlegt sein müssten, damit sie Wirkung entfalten könnten. „Menschen in existenziellen Krisen benötigen niedrigschwellige Hilfen, Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten müssen von nachrichtendienstlicher Überwachung ausgenommen und in den Kreis der absolut geschützten Berufsgruppen aufgenommen werden. Das haben die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung in ihren jeweiligen Stellungnahmen zur geplanten Reform des Nachrichtendienstrechts gefordert. Der Kabinettsentwurf, der die Befugnisse der Nachrichtendienste erweitern soll, sieht eine Aufteilung von Berufsgeheimnisträgern vor. Danach sind Rechtsanwälte, Geistliche, Journalisten und Bundestagsabgeordnete von nachrichtendienstlicher Überwachung ausgenommen. Für Ärzte, Psychotherapeuten und eine gute psychiatrische und psychosoziale Versorgung und vor allem eine Gesellschaft, in der Menschen ohne Scham über psychische Krisen sprechen und Hilfe suchen können“, betonte Dreyer. Grundsätzlich sei Suizidprävention eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Und sie könne Leben retten. HK Menschen in existenziellen Krisen benötigen niedrigschwellige Hilfen. Fachleute betonen, dass eine gut ausgebaute Suizidprävention Leben retten kann. Foto: Photographee.eu/Shutterstock

10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Tag 37: Erythema nodosum, Erythema exsudativum multiforme, epidermale Nekrolyse, blasenbildende Autoimmundermatosen. Diese und acht weitere Themen stehen auf meinem heutigen Lernplan. Nach diesem Tag liegen 37 der 100 Lerntage bis zum zweiten Staatsexamen hinter mir. Wenn Sie diese Zeilen lesen, habe ich hoffentlich alle Themen erfolgreich gelernt und werde in wenigen Tagen die Prüfungen antreten. Beim Lernen fällt mir immer wieder auf, wie sich mein Wissen in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Vieles erschließt sich intuitiver. Das liegt mit Sicherheit auch an den vergangenen Praktika. Besonders im Gedächtnis bleiben mir oft nämlich nicht die detaillierten Inhalte aus Lehrbüchern, sondern die Erlebnisse aus dem echten Patientenkontakt. Im Juni fand meine letzte Vorlesung und auch meine letzte von der Universität gestellte Klausur statt. Der Hörsaal war so voll wie vermutlich zuletzt in unserem ersten Semester. Die Gefühle reichten von Erleichterung und Stolz darüber, es so weit geschafft zu haben, bis hin zu Wehmut darüber, dass die gemeinsame Studienzeit mit zu Freunden gewordenen Kommilitonen langsam zu Ende geht. Gleichzeitig beginnt nun ein neuer Abschnitt. Statt neuer Vorlesungen heißt es jetzt, das gesammelte Wissen für das M2 zu ordnen, zu vertiefen und auf den Punkt zu bringen. Danach wartet das Praktische Jahr. Ein Abschnitt, auf den ich mich sehr freue, dem ich aber auch mit einer ordentlichen Portion Respekt begegne. Neue Kliniken, neue Teams und neue Herausforderungen warten auf uns. Einige zieht es ins Ausland, und auch ich werde ein halbes Tertial auf Malta verbringen. Und damit ist das Ende des Studiums plötzlich viel näher als der Anfang. Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@ aekno.de Bonn Der StadtLandMitmachBus bringt die Medizin der Zukunft aufs Land Drei Mal macht der StadtLandMitmachBus der Universität Bonn im Oktober Halt entlang des Rheins und in der Eifel. Im Wissenschaftsjahr 2026 hat der Bus das Thema „Medizin der Zukunft“ geladen und kommt zu den Menschen in ländlichen Regionen. Er bietet Bürgerinnen und Bürgern vor Ort die Möglichkeit, niedrigschwellig und auf einfache Art mit Forschenden und Wissenschaft in Kontakt zu kommen und sich gleichzeitig mit eigenen Ideen einzubringen. Dabei entsteht um den Mitmachbus ein mobiler Erlebnisort. Leicht verständliches Wissen zu Themen wie Wearables, Robotik in der Chirurgie oder ethische Fragen der Medizin bekommen die Besucherinnen und Besucher über einen sogenannten Gallery Walk mit Roll-Ups oder Videos sowie durch Gespräche mit Forschenden der Universität Bonn und des Universitätsklinikums vermittelt. An Kreativstationen kann man eigene Ideen einbringen, die in einem Workshop weitergedacht und bei einer Abschlussveranstaltung in Bonn präsentiert werden sollen. Mail aus Düsseldorf Elisa Kremer Foto: privat Hausärzte Landarztquote erhöht Ab dem Wintersemester 2026/2027 stehen in Nordrhein-Westfalen insgesamt 227 Studienplätze über die Landarztquote (LAQ) zur Verfügung. Das teilte kürzlich die Landesregierung NRW mit. Damit ist die Zahl der Studienplätze seit dem Start der LAQ in NRW im Wintersemester 2019/2020 um 32 Prozent gestiegen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Studienplätze für Humanmedizin an staatlichen Universitäten beträgt dann 8,8 Prozent. Insgesamt bietet NRW mit rund 2.750 die meisten Medizinstudienplätze für Studienanfängerinnen und -anfänger in Deutschland an. „Nordrhein-Westfalen leistet bundesweit den größten Beitrag zur Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten. Damit die Medizinerinnen und Mediziner auch dort arbeiten, wo sie am dringendsten gebraucht werden, haben wir die Landarztquote erhöht. Das erleichtert all jenen den Einstieg ins Studium, die dafür brennen, als Hausarzt die medizinische Versorgung auch in ländlichen Regionen zu sichern“, sagte NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes. Derzeit studieren und arbeiten mehr als 1.100 künftige Hausärztinnen und Hausärzte über die Landarztquote. Die ersten hätten bereits ihr Studium abgeschlossen und die Facharztweiterbildung begonnen, sagte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann in diesem Zusammenhang. Die Bewerbungsfrist für das Wintersemester 2027/2028 läuft vom 1. bis 31. März 2027. www.lzg.nrw.de/lag. bre Der Bus macht am 2. Oktober Station in Linz am Rhein, am 10. Oktober am Aegidienberg in Bad Honnef, und am 15. Oktober steht der Bus auf dem Marktplatz in Bad Münstereifel. Nähere Informationen finden sich unter www. uni-bonn.de/stadtlandmitmachbus. bre Beim StadtLandMitmachBus können Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Forschenden ins Gespräch kommen, wie auf dem Foto bei der Wissenschaftsnacht in Bonn. Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

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12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 Thema Foto: unkas-photo/istockphoto.com Ein Beispiel für gelungene Transformation: Die Kliniken Rhein-Berg der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) haben sich neu aufgestellt und ihre beiden Standorte in Bergisch Gladbach zusammengelegt. Ein Großteil der bettenführenden Abteilungen befinde sich inzwischen am Standort des Vinzenz Pallotti Hospitals in Bensberg, heißt es in einer Mitteilung des Trägers. Dazu zählten Innere Medizin, Allgemein- und Bauchchirurgie, Urologie, Unfallchirurgie, Orthopädie, Wirbelsäulenchirurgie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe. Perspektivisch sei vorgesehen, auch die derzeit noch im Marien-Krankenhaus in Bergisch Gladbach angesiedelten Abteilungen Neurologie, Geriatrie und Palliativmedizin nach Bensberg zu verlagern. Dazu müssten allerdings zunächst die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden. Das MarienKrankenhaus soll zu einem Zentrum für ambulante Medizin weiterentwickelt werden. Die Neugestaltung der Gesundheitsversorgung in Bergisch Gladbach ist ein Beispiel von vielen, und sie verläuft ganz im Sinne der Krankenhausplanungsreform in Land und Bund. Da erscheint es folgerichtig, dass der bundesweit erste Förderbescheid für den Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) im April dieses Jahres nach Bergisch Gladbach übersandt wurde (siehe Kasten). Insgesamt erhält die GFO gut 58 Millionen Euro für die Zusammenlegung und den Umbau der Standorte, von denen der Bund rund 45 Millionen Euro und das Land 13 Millionen Euro trägt. Sieben Millionen Euro steuert die GFO selbst bei. Das Ministerium ist zufrieden Im NRW-Gesundheitsministerium zeigt man sich mit dem Fortgang des Klinikumbaus im Land zufrieden. Die neue Krankenhausplanung ist seit dem 1. Januar 2026 vollumfänglich in Kraft. „Mit der erfolgreichen Umsetzung der Krankenhausplanung in NRW haben wir Pionierarbeit geleistet und als erstes Bundesland eine Planung nach Leistungsgruppen realisiert, die die dringend notwendigen Strukturveränderungen in der Krankenhauslandschaft bewirkt“, erklärt Landesgesundheitsminister KarlJosef Laumann gegenüber dem Rheinischen Ärzteblatt. Der neue Krankenhausplan wirke. Die Krankenhäuser richteten sich entlang ihrer Versorgungsaufträge neu aus, setzten Schwerpunkte, verabschiedeten sich auch von Aufgaben. Leistungen würden gebündelt und Strukturen neu geordnet, heißt es dazu aus dem Ministerium. Es sei zudem erkennbar, dass Krankenhäuser sich deutlich mehr als in der Vergangenheit untereinander sowie trägerübergreifend absprechen und vereinbaren. Das Ministerium betont zugleich, dass die Krankenhausplanung „ein fortlaufendes und lernendes System ist, das keinen definierten Endpunkt hat“. So hätten Krankenhausträger, Kostenträger und die zuständigen Planungsbehörden jederzeit das Recht, zu Verhandlungen über regionale Planungskonzepte aufzufordern, wenn die Versorgungssituation vor Ort dies erfordere. Klinikumbau im Gange NRW ist das erste Bundesland, das die neue Krankenhausplanung nach Leistungsgruppen bereits umsetzt. Hier hatte man sich schon vor sieben Jahren – lange vor den Reformbemühungen auf Bundesebene – auf einen Paradigmenwechsel verständigt mit dem Ziel, Überversorgung abzubauen, Zentrenbildung bei hochkomplexen Eingriffen zu fördern und zugleich eine flächendeckende Grund- und Notfallversorgung zu sichern. Das NRW-Gesundheitsministerium zeigt sich mit der bisherigen Entwicklung zufrieden. von Heike Korzilius

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 13 Thema Rund 6.200 Einzelentscheidungen zum neuen Leistungsspektrum der Kliniken hat das Ministerium im Rahmen der neuen Krankenhausplanung in NRW getroffen. Nicht immer waren die Betroffenen einverstanden und haben den Klageweg beschritten. Die Klagefrist ist inzwischen abgelaufen. Aktuell sind nach Angaben des Ministeriums noch 98 Hauptsacheverfahren und 83 Eilverfahren vor den Verwaltungsgerichten anhängig, die sich zumeist gegen einzelne Planungsentscheidungen richten. Von den Hauptsacheverfahren seien bislang 20 eingestellt, ein Verfahren sei abgewiesen worden. Von den Eilverfahren wurden die meisten, nämlich 57, zugunsten des Landes entschieden. Das Ministerium weist jedoch darauf hin, dass das Ergebnis der Eilverfahren, die zum Teil auch in die nächste Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Münster gegangen sind, nicht maßgeblich für die endgültige Entscheidung im Hauptsacheverfahren ist. Diese gelte es deshalb abzuwarten. Dennoch zieht NRW-Gesundheitsminister Laumann ein positives Zwischenfazit: „Wenn ich mir die zahlreichen Entscheidungen der Gerichte zu unseren Gunsten anschaue, dann stelle ich fest, dass wir mit unserer Planung ganz offensichtlich den richtigen Weg eingeschlagen haben.“ Die Betroffenen geben ihm recht. Die Krankenhäuser, selbst die, die vor Gericht gezogen seien, stünden nach wie vor hinter der Reform, betont Matthias Blum, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW). Denn diese basiere auf einem gemeinsam ausgearbeiteten Konzept, mit dem das Ministerium zuerst den Versorgungsbedarf analysiert und danach entsprechend geplant habe. Das sei genau das Gegenteil dessen, was bei der Krankenhausplanungsreform auf Bundesebene geschehen sei, sagt Blum. Die habe der damalige Bundesgesundheitsminister Professor Dr. Karl Lauterbach komplett am „grünen Tisch“ erarbeitet und Ende 2024 in Bundestag und Bundesrat durchgesetzt. Kritik an der Bundesreform Auch in NRW werde man mit Blick auf die Reform auf Bundesebene noch einmal nachjustieren müssen. „Im Prinzip haben wir jetzt aber erst einmal bis Ende 2030 Zeit, um unsere NRW-Reform umzusetzen“, meint Blum. Erst dann würden auch die Regelungen der mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz von Minister Lauterbach eingeführten Vorhaltevergütung greifen, die die bisherige Vergütung allein über die Fallpauschalen ablösen soll. Die Vorhaltevergütung soll dann zusammen mit dem Pflegebudget unabhängig von der tatsächlichen Leistungserbringung rund 60 Prozent der Gesamtvergütung der Krankenhäuser ausmachen. Der Rest wird weiterhin über Fallpauschalen erzielt. KGNWGeschäftsführer Blum hält diese Systematik allerdings in der Praxis für nicht tragfähig. Gut für die Krankenhäuser in NRW sei immerhin, dass im Krankenhausreformanpassungsgesetz – der Reform der Reform – von Lauterbachs Nachfolgerin Nina Warken geregelt wurde, dass die Zuschläge für Kinder- und Jugendmedizin weitergezahlt werden. Auch die ab 2028 geplanten Zuschläge für Stroke Units, Intensivmedizin und Spezielle Traumatologie würden in NRW ausgezahlt. Insgesamt ging es dabei um bis zu 450 Millionen Euro, die den Krankenhäusern in NRW ansonsten gefehlt hätten. Dafür, dass die Reform trotz staatlicher Förderung ins Stocken geraten könnte, macht KGNW-Geschäftsführer Blum das GKV-Spargesetz verantwortlich, das der Bundestag im Juli beschlossen hat. „Wir müssen befürchten, dass dann womöglich auch bedarfsnotwendige Krankenhäuser aus der Versorgung aussteigen müssen, weil sie sich nicht mehr auskömmlich finanzieren können.“ Auch der Präsident der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo), Dr. Sven Dreyer, befürchtet, dass die finanziellen Einschnitte durch das GKV-Spargesetz die erfolgreiche Umsetzung der Krankenhausreform in NRW gefährden könnten. Eine andere Sorge bewahrheitet sich in Nordrhein dagegen – zumindest Stand jetzt – anscheinend nicht: dass sich die im Rahmen der Reform angestrebte Spezialisierung und Zentrenbildung negativ auf die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses auswirkt. „Wir haben uns von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Weiterbildung ,aus einer Hand‘ weiterhin möglich sein muss, auch wenn viele Krankenhäuser nicht mehr das gesamte Leistungsspektrum anbieten können, das zum Erwerb einer Facharztbezeichnung notwendig ist“, erklärt Dreyer. Häufige Arbeitgeberund Ortswechsel gelte es zu vermeiden, wenn man den Fachärztemangel nicht weiter verschärfen wolle. Diese Forderung hat sich das NRW-Gesundheitsministerium offenbar zu eigen gemacht. In den aktuellen Gesetzentwurf zur Änderung des Kranhausgestaltungsgesetzes, den der Landtag im Juli in erster Lesung beraten hat, wurde eine Kooperationspflicht für diejenigen Krankenhäuser aufgenommen, die die volle Weiterbildung anbieten. Sie müssen künftig mit den Kliniken zusammenarbeiten, die das nicht können. Die Ausgestaltung der Kooperationen bleibe den Beteiligten vor Ort überlassen. „Viele Krankenhäuser haben nach Informationen unserer Weiterbildungsabteilung bereits eine Zusammenarbeit vereinbart. Das war vielerorts auch schon vor der Krankenhausreform der Fall“, sagt dazu ÄkNo-Präsident Dreyer. „Jetzt müssen wir abwarten, ob die nun notwendigen Kooperationen auch gelebt werden.“ Für den Umbau der Krankenhauslandschaft in NRW stellen Bund und Land im Rahmen des Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) bis 2035 insgesamt 7,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon sind rund 2,6 Milliarden Euro Landesmittel, von denen wiederum ein Drittel für Klimaanpassungsmaßnahmen verwendet werden muss. Die Krankenhäuser selbst müssen im Rahmen der Förderung einen Eigenanteil von zehn Prozent aufbringen. Zusätzlich zu den Fördergeldern aus der Bundesreform stellt die NRW-Landesregierung bis 2030 weitere 2,5 Milliarden Euro für die Umstrukturierung bereit, die allerdings bereits größtenteils verplant sind. Knapp zehn Milliarden Euro für den Umbau

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Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 15 Spezial Für ein gutes Lebensende Obwohl schwerstkranke und sterbende Patienten seit 2007 Anspruch auf eine Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV) haben, wird sie in der Praxis häufig zu spät oder gar nicht genutzt. Dabei kann die rechtzeitige Einbindung eines SAPV-Teams in die Behandlung Symptome lindern, Ängste nehmen und die Lebensqualität erhöhen. von Marc Strohm Frank Mohl hat eine unruhige Nacht hinter sich. An diesem warmen Augustmorgen liegt er zu Hause in seinem Pflegebett und schildert Palliativmediziner Dr. Eugen Breimann einen neu aufgetretenen, brennenden Schmerz im Bein, der sich mit der verordneten Medikation nicht mehr lindern lässt. Seine Ehefrau Kerstin hatte deshalb gegen ein Uhr nachts den Palliativpflegedienst alarmiert. Wenig später war eine Pflegerin vor Ort, die nach Rücksprache mit einem Arzt die Medikation anpassen konnte. Nun ist Breimann zum wöchentlichen Routinebesuch bei dem Ehepaar und hört aufmerksam zu. Er vermutet, dass der Tumor in Mohls Prostata auf einen Nerv drückt und erwägt ein neues Schmerzmedikament. Ausführlich erklärt der Palliativmediziner, wie es wirkt und wie es eingenommen Abschied in vertrauter Umgebung Laut einer Umfrage des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands wünscht sich mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland, im eigenen Zuhause zu sterben. Die vertraute Umgebung kann Sicherheit geben und den letzten Lebensabschnitt erleichtern. Damit dies möglich wird, kümmern sich in Nordrhein 42 SAPV-Teams rund um die Uhr um schwerstkranke und sterbende Erwachsene und Kinder. Dr. Eugen Breimann (kleines Bild) ist seit knapp 16 Jahren als Palliativmediziner in der SAPV tätig. In seinem Berufsalltag lindert er bei seinen schwerkranken Patienten Beschwerden wie Schmerzen und Luftnot und unterstützt Angehörige, etwa durch konkrete Anleitungen im Umgang mit belastenden Symptomen. Die SAPV gebe Menschen mit komplexen Symptomen ein hohes Maß an Lebensqualität zurück, sagt er. Foto groß: STILLFX/istockphoto.com Foto klein: privat

16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 Spezial werden muss. Anschließend ruft er in der Apotheke an und bestellt das Arzneimittel. Der Apotheker versichert, dass es noch im Laufe des Tages geliefert werden kann. Mohl ist erleichtert. Der 71-jährige Duisburger leidet an einem Prostatakarzinom mit multiplen Knochenmetastasen. Für ihn und seine Frau war die Diagnose Ende 2025 ein Schock. Die Eheleute schöpften zunächst noch Hoffnung auf Heilung und setzten auf die Teilnahme an einer experimentellen urologischen Studie. Als sich Mohls Zustand Anfang dieses Jahres jedoch rapide verschlechterte, riet ihm seine Urologin, zu einer palliativmedizinischen Versorgung überzugehen. Seit April wird Mohl von Breimann und dem SAPV-Team des Palliativnetzes Duisburg betreut. „Die Diagnose hat unser Leben komplett durcheinandergeworfen“, sagt seine Frau im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Sie selbst habe alles zurückgestellt, um ganz für ihren Mann da sein zu können. Unterstützung erhalten die Eheleute Mohl nicht nur von ihren Töchtern, die ebenfalls in Duisburg leben und regelmäßig nach ihrem Vater schauen. Auch ein alter Jugendfreund hilft, wo er kann. „Insbesondere nach einer solchen Nacht tut es gut zu wissen, dass Leute an mich denken“, sagt Mohl. Dass sich Familie und Freunde so intensiv um einen Patienten kümmern, sei nicht die Regel, sagt Palliativmediziner Breimann. Viele Menschen seien im Umgang mit schwerkranken oder sterbenden Angehörigen schlichtweg überfordert. Diese Unsicherheit könne sich wiederum auf den Patienten übertragen und Ängste oder das Gefühl, „zur Last zu fallen“, verstärken. In der Palliativmedizin werde deshalb nicht nur der Patient selbst betreut, sondern auch sein Umfeld. Auch bei der Beantragung höherer Pflegegrade sowie bei der Versorgung mit Hilfsmitteln, etwa Pflegebetten oder Toilettenstühlen, unterstützt das Palliativteam. Breimann betont zugleich: „Die SAPV hat nicht den Anspruch, den Hausarzt zu ersetzen.“ Behandelt würden ausschließlich Symptome, die mit der schweren Erkrankung in Zusammenhang stehen. Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten verlaufe in der Regel reibungslos. Lebensqualität erhalten Breimann arbeitet seit knapp 16 Jahren im Palliativnetz Duisburg. Vor Einführung der SAPV habe er immer wieder erlebt, dass schwer kranke Patienten mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurden, weil die Möglichkeiten der ambulanten Versorgung ausgeschöpft waren. Dort seien sie dann häufig außerhalb ihrer vertrauten Umgebung und fern ihrer Angehörigen gestorben. „Diese Situation empfand ich als unbefriedigend – nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Familien und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte“, sagt der 71-Jährige, der lange Jahre in Duisburg als Hausarzt niedergelassen war. Für ihn war deshalb von Anfang an klar, dass er sich in der SAPV engagieren würde. Um seine Patienten auch in der letzten Lebensphase gut versorgen zu können, bildete sich Breimann in Spezieller Schmerztherapie weiter und schloss sich dem Palliativnetz Duisburg an. Heute betreut er überwiegend Krebspatienten, zunehmend aber auch Menschen mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz, schwerer COPD oder neurologischen Erkrankungen wie ALS, Multipler Sklerose oder Demenz. Im Erstgespräch geht es Breimann immer darum herauszufinden, wie seine Patientinnen und Patienten ihre Erkrankung erleben. Nicht jeder habe zu diesem Zeitpunkt die Diagnose akzeptiert oder deren Tragweite verstanden. Den Tod selbst fürchteten dabei die wenigsten, wohl aber den Weg dorthin. Viele hätten Angst vor Schmerzen, Luftnot oder Übelkeit. Auch die Sorge, als „Drehtür-Patient“ immer wieder ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, sei häufig. Angebot mit Lücken In solchen Situationen kann Breimann beruhigen: Die SAPV könne Schmerzen und andere belastende Symptome lindern. Allerdings könne sich der Zustand schwerstkranker Menschen innerhalb weniger Tage oder Stunden grundlegend verändern. „Darauf muss unsere Behandlung immer wieder neu abstellen“, sagt Breimann. Manchmal äußerten Patienten ihm gegenüber auch den Wunsch zu sterben. Er nehme solche Äußerungen ernst, betont der Palliativmediziner. Im Gespräch zeige sich dann aber häufig, dass hinter dem Todeswunsch die Angst vor belastenden Symptomen stehe oder die Patienten bereits unter starker Atemnot oder Schmerzen litten. Wenn sich die Beschwerden durch eine Anpassung der Medikation lindern ließen, trete der Wunsch zu sterben oft wieder in den Hintergrund. Allerdings, so Breimann, gerate auch die SAPV zuweilen an ihre Grenzen, etwa bei therapieresistenten Symptomen oder völlig überforderten Angehörigen. Dann könne eine kurzfristige stationäre Behandlung auf einer Palliativstation angebracht sein. Die SAPV wurde 2007 als gesetzlicher Leistungsanspruch eingeführt. Sie soll unheilbar kranken und sterbenden Menschen möglichst bis zum Schluss eine hochwertige medizinische Versorgung zu Hause ermöglichen. Dafür arbeiten SAPV-Pflegedienste, Hausärzte, Palliativmediziner und weitere Leistungserbringer eng zusammen. In Nordrhein gibt es nach Angaben des Verbundes der SAPV-Teams derzeit 36 Teams für Ärztliche Körperschaften im Internet Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein www.kvno.de Ärzteversorgung Nordrhein www.naev.de

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 17 Spezial Erwachsene und sechs für Kinder. Bundesweit stieg die Zahl der SAPV-Verordnungen laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung von 70.429 im Jahr 2014 auf 181.500 im Jahr 2023. In Nordrhein nahm sie im selben Zeitraum sogar um mehr als 320 Prozent zu, von rund 6.000 auf 25.863 Verordnungen. Trotzdem erreicht die SAPV viele schwerstkranke Menschen noch immer zu spät oder gar nicht, kritisieren Experten. Insbesondere auf dem Land gebe es Versorgungslücken. Auch sei es für Ärztinnen und Ärzte mitunter schwierig, den richtigen Zeitpunkt für eine palliative Versorgung zu erkennen und anzusprechen. Unsicherheit über den Krankheitsverlauf und die Hoffnung auf weitere Therapieoptionen könnten dazu führen, dass palliative Angebote erst (zu) spät unterbreitet werden. Den Patienten selbst und ihren Angehörigen sei die SAPV häufig noch immer kaum bekannt. Entlastung für Angehörige Flankierend zur SAPV können auch ambulante Hospizdienste zur Entlastung beitragen. Kurz einkaufen gehen, Freunde treffen oder ins Fitnessstudio: Für viele Angehörige von Palliativpatienten sind solche Aktivitäten undenkbar oder mit einem schlechten Gewissen verbunden, weiß Sebastian Pietschek. Der Palliativpfleger ist stellvertretender Leiter des Franziskus Hospizes Erkrath und Mitglied im Vorstand des Hospiz- und Palliativverbands NRW. Häufig plage Angehörige die Sorge, dass „etwas Schlimmes“ passieren könnte, sobald sie ihre schwerkranken Familienmitglieder allein ließen. „An dieser Stelle können ambulante Hospizdienste entlasten“, erklärt Pietschek. Ehrenamtliche nähmen sich dann Zeit für Gespräche, spendeten Trost oder gingen auf individuelle Wünsche der Patienten ein. Manche kochten gemeinsam, andere spielten Schach oder gingen ins Eiscafé oder ins Stadion. Auch Tageshospize wie das in Erkrath hielten ein Angebot vor, dass über die medizinische und pflegerische Versorgung der schwerkranken Patienten hinausgehe. „Der Tag beginnt immer mit einem gemeinsamen Frühstück, danach organisieren wir kleinere Ausflüge, wie einen Besuch auf der Kirmes, oder wir spielen Boule im Park“, sagt Pietschek. Der Aufenthalt gebe dem Alltag der Patienten Struktur. Gleichzeitig vermittle das Gruppenerlebnis das Gefühl, mit der eigenen Situation nicht allein zu sein und weiterhin am Leben teilhaben zu können. Das Tageshospiz in Erkrath war 2022 das erste seiner Art in Nordrhein-Westfalen. Tagsüber erhalten Patienten dort medizinische, pflegerische und soziale Betreuung, abends und an den Wochenenden kehren sie nach Hause zurück. Sterben im Kreis der Familie Zurück im Duisburger Norden: Seit Frank und Kerstin Mohl vom Palliative-Care-Team betreut werden, fühlen sie sich im Umgang mit der Erkrankung deutlich sicherer. Rund um die Uhr haben sie einen festen Ansprechpartner, der ihre Fragen beantwortet und im Notfall auch nach Hause kommt. Ihre Ansprechpartnerin ist Theresa Croonenbroeck, eine Pflegefachkraft des Palliative-Care-Teams, die Kerstin Mohl nur „Schwester Theresa“ nennt. Sie habe Kerstin Mohl so geschult, dass sie sich in einer Notfallsituation nicht mehr hilflos fühlt. Doch wenn Palliativmediziner Breimann zu seinem wöchentlichen Besuch kommt, steht nicht immer die Krankheit im Mittelpunkt. An diesem Morgen entdeckt er ein BVB-Handtuch und es entspinnt sich ein Gespräch über Fußball, in dem Frank Mohl „von früher“ erzählt. Er sei schon immer ein geselliger Mensch gewesen, sagt er. Umso wichtiger sei es ihm, die letzte Lebensphase zu Hause im Kreis seiner Familie und Freunde zu verbringen. Die Palliativpflegerin habe er gebeten, seine Angehörigen unverzüglich zu informieren, sobald sich erste Anzeichen für den nahenden Tod zeigten. Seine Beerdigung hat der 71-Jährige bereits geplant und auch mit dem Priester die Trauerfeier besprochen. Er ist ein Freund der Familie. Nach rund 90 Minuten ist Breimanns Besuch beendet. Für den Palliativmediziner bedeutet ein gutes Lebensende, ohne Luftnot, Schmerzen oder Übelkeit und möglichst ohne Angst sterben zu können, umgeben von vertrauten Menschen und in einer Umgebung, die Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. „Wenn es gelingt, Patienten diesen Wunsch zu erfüllen, empfinde ich meine Arbeit als sinnvoll“, sagt Breimann. Luftnot und Übelkeit behandeln, Schmerzen lindern, zuhören und damit Lebensqualität erhalten: Als Palliativmediziner im Palliative-Care-Team Düsseldorf (PCT) des Evangelischen Krankenhauses Düsseldorf versorgt Theodor Sturm schwerkranke und sterbende Patientinnen und Patienten im Rahmen der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) überwiegend zu Hause, aber auch in Hospizen und Pflegeheimen. Sein Ziel ist, ihnen bis zuletzt ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Den Internisten und stellvertretenden Leiter des PCT erfüllt seine Arbeit vor allem wegen der umfassenden Betreuung der Patienten und ihres Umfelds sowie der engen interprofessionellen Zusammenarbeit. „Bei der SAPV habe ich genügend Zeit, um auf die Bedürfnisse der Patienten und ihres Umfelds einzugehen“, sagt er. Wie Sturm seine Arbeit im SAPV-Team erlebt, welchen Herausforderungen er begegnet und wie er mit der ständigen Nähe zum Tod umgeht, berichtet er in einem Videobeitrag der Kurzfilmreihe „Job, Beruf, Berufung: Aus dem Alltag nordrheinischer Ärztinnen und Ärzte.“ Jetzt anschauen: www.aekno.de/kurzfilmreihe-arztberuf Kurzfilm: Aus dem Berufsalltag eines Palliativmediziners Grafik: MST

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