Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 23 Forum Der Medfluencer-Preis 2026 wurde in den Kategorien „Ärztinnen und Ärzte“ und „Medizinstudierende“ für seriöse Gesundheitsinformationen vergeben. Er ist mit je 2.500 Euro dotiert. Ausgeschrieben haben ihn die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe, Schirmherr ist NRWGesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Der sechsköpfigen Jury gehörten die beiden Kammerpräsidenten Dr. Sven Dreyer und Dr. Hans-Albert Gehle, die Landtagsabgeordnete und Grünen-Politikerin Meral Thoms, die Journalistin Stephanie Weltmann (Funke Mediengruppe) sowie die Medfluencer Dr. Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser und Dr. Nibras Naami an. Informationen rund um den Preis sowie die Gewinner-Beiträge finden sich unter www.aekno.de/presse/medfluencerpreis. Die Bundesärztekammer informiert in einem Leitfaden darüber, worauf Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinstudierende bei der Nutzung sozialer Medien achten sollten, damit sie nicht mit der Berufsordnung in Konflikt geraten. (www.baek.de). Der Medfluencer-Preis 2026 trauen in die moderne Medizin und deren therapeutische Erfolge. Manche Videos behaupteten sogar, Krebs sei etwas Gutes, das den Körper entgiften könne. Dem habe er etwas entgegensetzen wollen, beschrieb er in Düsseldorf seine Motivation, unter die Medfluencer zu gehen. Auf seinem Account „fakten_auf_rezept“ kommentiert Çalışkan in erster Linie Videos von unseriösen Medfluencern und weist auf Gefahren hin, die von ihnen ausgehen. Auf Instagram folgen ihm 10.800 Nutzer. Die Jury des Medfluencer-Preises hat ihn für einen Beitrag ausgezeichnet, in dem er medizinisch korrekt auf ein bekanntes Video reagiert, in dem Venen auf dem Handrücken abgedrückt und wieder freigegeben werden. Çalışkan erklärt an diesem Beispiel die anatomischen und physiologischen Besonderheiten der Venen, die Funktion der Venenklappen und geht auf Aspekte wie Druckverhältnisse und Blutflussrichtung ein. Meret Leuthäuser, die an der Universität Duisburg-Essen im 9. Semester Medizin studiert, betreibt den Kanal _meeret_ und nutzt ihn, um ihre Follower über allgemeinmedizinische und Fitness-Themen zu informieren. Zu ihrem Aufklärungskanal habe sie die Famulatur in der Anästhesie motiviert, erklärte sie in Düsseldorf. Ihr seien dort bei den Patientinnen und Patienten so viele Ängste begegnet, dass sie denen etwas entgegensetzen wollte. Ihr Video „Was bei einer Narkose wirklich passiert“ überzeugte auch die Jury. Es leiste verständlich und medizinisch fundiert Aufklärung über den sicheren Ablauf einer Narkose und stärke dadurch das Vertrauen in medizinische Behandlungen. Lob für die Aufklärungsarbeit der drei Gewinner und zehn Finalisten, von denen ebenfalls einige nach Düsseldorf gereist waren, kam von zwei bekannten und etablierten Medfluencern, die der Jury angehörten: dem Kardiologen, Moderator und Podcaster Dr. Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser und dem Kinderarzt Dr. Nibras Naami, Mitgründer des Social Media-Kanals @handfussmund. „Mein Dank geht an die beiden Ärztekammern, die diesen revolutionären Preis verleihen“, sagte Naami in Düsseldorf. Er finde es großartig, dass hier drei junge Kollegen ausgezeichnet würden, die dem Trend widerstehen, nur nach Klicks und Likes zu schielen. Naami geht davon aus, dass ein eigener Social Media Account über kurz oder lang zum Standard in der Arztpraxis gehören werde. „Man kann Patienten auch über Reels oder Podcasts Empfehlungen geben“, meint er. „Es gibt kaum noch jemanden, der lieber einen vierseitigen Flyer liest.“ Die Zahlen geben ihm offenbar recht. Sein Account zählt knapp 830.000 Follower. Auch Doc Esser betonte, wie wichtig die Arbeit seriöser Medfluencer sein könne, insbesondere vor dem Hintergrund knapper Terminangebote in den Praxen. Informationen ins Netz zu geben, sei eine andere Form der sprechenden Medizin, die im normalen ärztlichen Alltag oft kaum umsetzbar sei. „Wir gehen dahin, wo die Leute mittlerweile Informationen suchen. Und wenn wir da seriös aufklären können, macht mich das persönlich sehr zufrieden“, sagte Esser. Der Medfluencer-Preis wurde in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen und ist mit 2.500 Euro dotiert. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Jury und Preisträger Nutzen und Gefahren des Medfluencing. Fotos: Jochen Rolfes
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