Rheinisches Ärzteblatt 10/2026

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 10 / 2026 3 Heft 10 • Oktober 2026 Gesundheitskompetenz stärken Im Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft haben die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe am 14. September erstmalig den Medfluencer-Preis 2026 verliehen. In der Kategorie „Ärztinnen und Ärzte“ hat die Jury David Reckers für einen Beitrag über die Wirkung, Chancen und Risiken von „Abnehmspritzen“ ausgezeichnet. In der Kategorie „Medizinstudierende“ gab es eine Preisträgerin und einen Preisträger: Meret Leuthäuser wurde für den Beitrag „Was bei einer Narkose wirklich passiert“ ausgezeichnet. Fatih Çalışkan bekam den Preis für seinen Beitrag „Venen abgedrückt? Virales Video erklärt“. Wir sind uns vermutlich alle darin einig, dass Reformen in unserem Gesundheitssystem unvermeidlich sind. Zu diesen wichtigen Reformen gehört für mich unabdingbar auch die Stärkung der Prävention. Wenn wir unser Gesundheitssystem langfristig leistungsfähig halten wollen, dürfen wir Prävention nicht länger als eine Art nettes „Add-on“ behandeln. Prävention beinhaltet für mich maßgeblich auch die Stärkung von Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. Denn wir sehen mit Sorge, wie schnell sich gerade in Sozialen Medien medizinische Fehlinformationen verbreiten. Mit dem Preis wollten wir diejenigen Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierenden sichtbar machen, die wissenschaftlich fundierte Medizin verständlich, seriös und verantwortungsvoll vermitteln. Die Verleihung des Medfluencer-Preises war auch für mich persönlich eine ganz besondere Veranstaltung. Sie hat deutlich gemacht, dass wir als NRW-Ärztekammern selbsternannten „Gesundheitsexperten“ nicht einfach das Feld überlassen, sondern aktiv gegensteuern, indem wir auf die Problematik aufmerksam machen und diejenigen unterstützen, die Fake-Medizinern wie auch echten Medizinern mit Fake-Inhalten das Leben schwer machen. Seriöse Medfluencerinnen und Medfluencer entlarven Falschbehauptungen als eben das, was sie sind. Mit Zahlen, Daten und Fakten untermauern sie, wie gefährlich Gesundheitsaussagen ohne faktenbasierte Grundlage sind. Und ihnen ist gleichzeitig bewusst, dass sie eine große Verantwortung tragen, wenn sie Gesundheitsbotschaften mit hoher Reichweite kommunizieren. Um genau dieses Engagement zu fördern, haben die Ärztekammer Westfalen-Lippe und wir als Ärztekammer Nordrhein uns dazu entschlossen, den Gegenpol zu Gesundheitsmythen und Desinformation zu fördern. Klar ist auch, dass Gesundheitsinformationen auf Social Media niemals den direkten Arzt-Patienten-Kontakt ersetzen können – so gut sie auch aufbereitet sein mögen. Sie können aber wesentlich dabei helfen, die Sensibilität für die eigene Gesundheit zu festigen und weiter auszubauen. Das kann zum Beispiel auch dazu führen, dass Patientinnen und Patienten mit leichten Erkrankungen weniger oft die Notaufnahmen oder Bereitschaftsdienstpraxen ansteuern oder auch dazu, dass Impfungen stärker in Anspruch genommen werden, um schwere Krankheiten oder Krankheitsverläufe zu verhindern. Seriöse Gesundheitsinformationen in den sozialen Medien sind aus meiner Sicht ein wichtiger Bestandteil moderner Präventionsarbeit, denn Gesundheitskompetenz entsteht nicht nur in unseren Sprechzimmern. Deswegen müssen wir sie gezielt dort stärken, wo Menschen heute hauptsächlich nach Informationen suchen. Dr. Sven Dreyer, Präsident der Ärztekammer Nordrhein Foto: Jochen Rolfes

RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=