Rheinisches Ärzteblatt 12/2025

Thema 12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 12 / 2025 GKV – ein Notfall Foto: Christian Cantarelli/istockphoto.com Aus medizinischer Sicht ist die GKV ein Fall für die Intensivstation. Im nächsten Jahr werden den voraussichtlichen Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung von 312,3 Milliarden Euro Ausgaben in Höhe von 369 oder sogar 369,5 Milliarden Euro gegenüberstehen – ein Defizit von mindestens 56,7 Milliarden Euro. Diese Zahlen hat Mitte Oktober der GKV-Schätzerkreis vorgelegt, dem Vertreter aus dem Bundesgesundheitsministerium, dem Bundesamt für Soziale Sicherung und dem GKVSpitzenverband angehören. Geschlossen werden muss diese Lücke durch steigende Zusatzbeiträge für die Versicherten. Aus den Schätzergebnissen für 2026 ergebe sich daher ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag in Höhe von 2,9 Prozent, so der Schätzerkreis. „Die Lage ist misslich und ernst“, beurteilte der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Oliver Blatt, die andauernd schlechte Kassenlage Ende Oktober im Interview mit der Ärztezeitung. Denn bereits 2025 hatte das Defizit in der GKV 47,6 Milliarden Euro betragen. Die Zusatzbeiträge stiegen entsprechend von 1,7 Prozent im Vorjahr auf aktuell 2,5 Prozent. Ungebrochene Ausgabendynamik Seit 2015 müssen die Krankenkassen einen einkommensabhängigen Zusatzbeitrag erheben, wenn die Zuweisungen, die sie aus dem Gesundheitsfonds erhalten, nicht zur Deckung ihrer voraussichtlichen Ausgaben ausreichen. Anfangs lag dieser bei 0,9 Prozent und stieg im Laufe der vergangenen zehn Jahre stetig an. Dabei sagt dieser rein rechnerische Wert nur bedingt etwas über die tatsächlichen Zusatzkosten der Versicherten und ihrer Arbeitgeber aus. Denn über die Höhe des Zusatzbeitrags, der zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz von 14,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen erhoben wird, entscheiden die bundesweit gut 90 Krankenkassen nach individueller Kassenlage. Dass die Krankenkassen mit dem für 2026 prognostizierten Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent auskommen werden, bezweifelt der GKV-Spitzenverband. Zum einen müssten viele Krankenkassen ihre gesetzlich vorgeschriebenen Rücklagen auffüllen, und diesen zusätzlichen Finanzierungsbedarf berücksichtige der Schätzerkreis bei seiner Prognose nicht. Zum anderen bleibe die Ausgabendynamik in der gesetzlichen Krankenversicherung ungebrochen. Von 2020 bis 2024 stiegen die Leistungsausgaben der GKV um gut 25 Prozent, von 250 Milliarden Euro auf 312 Milliarden Euro. Auch im ersten Halbjahr 2025 seien die GKV-Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr massiv um 7,9 Prozent gestiegen. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) schätzt, dass viele Krankenkassen Anfang nächsten Jahres erneut ihre Zusatzbeiträge erhöhen müssen. Die Drei-Prozent-Grenze werde überschritten werden, prognostizierte der vdek. Dem will die Bundesregierung neben dem erhöhten Zusatzbeitrag mit einem Sparpaket in Höhe von zwei Milliarden Euro entgegenwirken. So soll sich der Vergütungsanstieg der Krankenhäuser im nächsten Jahr Leere Kassen Zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im nächsten Jahr eine Lücke von 56,7 Milliarden Euro. Geschlossen werden soll sie mithilfe von Zusatzbeiträgen der Versicherten und mit einem „kleinen Sparpaket“ in Höhe von rund zwei Milliarden Euro, zu dem die Krankenhäuser den Löwenanteil von 1,8 Milliarden Euro beitragen sollen. Dem Sparpaket stimmte der Bundestag am 6. November zu. von Heike Korzilius

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