Rheinisches Ärzteblatt / Heft 12 / 2025 19 Gesundheits- und Sozialpolitik es darum, in Zeiten des Fachkräftemangels einen Überblick darüber zu erhalten, in welchen Gebieten sich die angehenden Fachärzte spezialisieren und wie lange sie dafür im Durchschnitt brauchen. Diese Informationen seien auch vor dem Hintergrund der Krankenhausreform mit ihrer beabsichtigten Spezialisierung und Zentrenbildung wichtig. Missbrauch von Medizinal-Cannabis Patientinnen und Patienten, die sich zum ersten Mal Cannabis zu medizinischen Zwecken verordnen lassen wollen, sollen sich künftig persönlich beim Arzt vorstellen. Bei Folgeverordnungen soll ebenfalls ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt innerhalb von vier Quartalen erforderlich sein. Eine rein telemedizinische Konsultation und Verordnung sollen künftig nicht mehr möglich sein. Das sieht ein Entwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes aus dem Hause von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken vor, der am 8. Oktober vom Bundeskabinett gebilligt wurde. Darüber hinaus ist ein Verbot des Versandhandels mit Cannabisblüten zur medizinischen Verwendung vorgesehen. Ziel ist es zu verhindern, dass sich Freizeitkonsumenten in großem Stil über Onlineverordnungen und -vertrieb mit Cannabis versorgen. Dass dies geschieht, darauf deuten Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte hin. Danach hat sich der Import von Medizinal-Cannabis vom ersten Quartal 2024 bis zum zweiten Quartal 2025 um mehr als das Fünffache auf gut 43.000 Kilo erhöht. Die Ärztekammer Nordrhein hat sich schon früh für eine strengere Regelung eingesetzt. Es sei nicht Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten Freizeitkonsumenten ohne medizinische Indikation Medizinal-Cannabis zu verordnen. Drohender Nachwuchsmangel Ein großer Teil der Ärztinnen und Ärzte an Rhein und Ruhr dürfte in den nächsten Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden: Im Jahr 2024 waren 52 Prozent der nordrheinischen Ärzte 50 Jahre und älter, wie aus der Ärztestatistik der Bundesärztekammer (Stichtag 31.12.2024) hervorgeht. 23 Prozent der Ärztinnen und Ärzte sind demnach bereits älter als 65 Jahre. Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer, sieht die Entwicklung mit Sorge. Denn in einer Gesellschaft des langen Lebens werde einer sinkenden Zahl von Ärzten eine steigende Nachfrage nach medizinischer Betreuung gegenüberstehen. Mit Blick auf den sich verschärfenden Ärztemangel forderte Dreyer mehr Entschlossenheit bei der Schaffung zusätzlicher Studienplätze und der Implementierung einer modernen Approbationsordnung. Es sei keine Lösung, sich auf die Zuwanderung von Ärztinnen und Ärzten aus dem Ausland zu verlassen, erklärte Dreyer. Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte mit ausländischem Pass erreichte in Nordrhein im Jahr 2024 mit insgesamt 9.289 Ärztinnen und Ärzten einen neuen Höchststand. Von diesen arbeiteten die meisten im Krankenhaus (6.025). Die Hauptherkunftsländer waren Syrien, Griechenland und Rumänien. Foto: istockphoto.com Foto: Rena Lolivier / istockphoto.com Foto: skynesher/istockphoto.com Die Ärztekammer Nordrhein hat Mitte November ihren Jahresbericht 2025 vorgelegt (Berichtszeitraum September 2024 bis September 2025). Auf 60 Seiten zeigt er das breite Aufgabenspektrum, das die Kammer mit ihren rund 270 hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den mehr als 2.000 ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzten wahrnimmt. Ein thematischer Schwerpunkt im Kammerjahr war die zunehmende Gewalt gegen Gesundheitsberufe. Vor diesem Hintergrund hat sich die Ärztekammer Nordrhein gemeinsam mit anderen zentralen Akteuren des Gesundheitswesens der Initiative des NRW-Gesundheitsministeriums gegen Rassismus, Diskriminierung und Gewalt angeschlossen. Anlass für einen Rückblick bietet das 50-jährige Bestehen der Gutachterkommission, die seit 1975 Patientinnen und Patienten unabhängig bei der Aufklärung vermuteter Behandlungsfehler unterstützt. Daneben informiert der Jahresbericht über die Arbeit der Ausschüsse und KommisEin Jahr in der Ärztekammer Nordrhein JAHRESBERICHT 2025 Ärztekammer Nordrhein THEMEN ZAHLEN DATEN FAKTEN www.aekno.de Aekno_taetigkeit2025_Umschlag_v3.indd 69 04.11.25 17:30 Der Jahresbericht 2025 kann unter www.aekno.de/jahresbericht heruntergeladen und in der RÄ-App abgerufen werden. Die Printversion ist bei der Pressestelle der Ärztekammer bestellbar unter Tel.: 0211 4302-2011 oder pressestelle@aekno.de. sionen, die bei der Kammer angesiedelt sind und zum Teil gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben wahrnehmen.
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