CORTISSIMO 10

22 CORTISSIMO 10 Wegwerfprodukt zum Sammeln Aus den Obstkisten moderner Supermärkte sind sie (so gut wie) verschwunden, als Sammelobjekte und grafische Zeitzeugnisse bleiben sie erhalten: die dünnen, bunt bedruckten Orangenpapiere, in welche die namensgebende Frucht eingewickelt war, um sie vor Transportschäden und Fäulnis zu schützen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts kamdie reif geernteteOrangemit- tels Eisenbahn und Dampfschiff von Südeuropa nach Deutschland — einzeln von Hand in Holzkisten verpackt. Durch die Erfindung des Holzschliffs war Papier günstig geworden und konnte daher in ein- fachen Massenverwendungen eingesetzt werden. Anfangs als rei- nes Schutzprodukt ohne grafische Gestaltung gedacht, wurde das Orangenpapier durch die Erfindung des Mehrfarb- und später des Offsetdrucks zur idealen Werbefläche: Zuerst druckten die Erzeu- ger nur ihre Namen oder kurze Werbesprüche auf das Papier, dann aber schmückten sie es mit vielfältigen kunterbunten Abbildungen: Märchen- und Sagenfiguren, Politiker- und Sportlerporträts, techni- sche Errungenschaften, Comicfiguren und vieles mehr. Durch die veränderten Produktionsbedingungen der Frucht wird das Orangenpapier mittlerweile nicht mehr für den Transport benötigt. Das als Wegwerfprodukt konzipierte Objekt hat aber auf- grund seiner Motivvielfalt und langen Geschichte viele Liebhaber gefunden, die das feine Papier glattbügeln, in Alben sammeln und untereinander tauschen. Angepasst: Teilweise wurden die Motive an das Zielland der Orangen angepasst. Papiere für Deutschland zeigten beispielsweise Rot- käppchen, Martin Luther oder Max und Moritz. OPIUM: Das Orangenpapiermuseum in Salzgitter versammelt über 30.000 Orangenpapiere aus aller Welt: www.opiummuseum.de .

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