CORTISSIMO 10
24 CORTISSIMO 10 Ökologisch: Raufaser besteht heute überwiegend aus Altpapier sowie Zellstoff und Holzspänen. Historisch: Das Deutsche Tapetenmuseum in Kassel doku- mentiert die Entwicklung der Tapetenbranche von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart und verfügt über einen Bestand von rund 23.000 Objekten: www.tapeten.museum-kassel.de. Geliebt, gehasst, gestrichen Die Raufasertapete ist fürwahr ein deutscher Papierklassiker (und für manche Menschen ein ästhetisches Unding). Die dreischichtige Papiertapete, seit Jahrzehnten fester Bestandteil deutscher Wohn- kultur, zeichnet sich durch die eingearbeiteten Holzfasern aus, die dem Produkt die namensgebende ungleichmäßige, körnig-raue Oberfläche verleihen. Die Idee für das robuste Produkt hatte der gelernte Apotheker Hugo Erfurt, der von seinem Vater eine Papierfabrik geerbt hatte, 1864 in Wuppertal. Ursprünglich als „Papier zur Schaufenstergestal- tung“ und „Basispapier für Leimdrucktapeten“ entwickelt, fand die „Erfurt-Raufaser“ seit den 1920er Jahren rasche Verbreitung in zahl- losen deutschen (und englischen) Wohnräumen — für die einen ist sie daher ein Inbegriff bürgerlicher Spießigkeit, andere hingegen schätzen ihre haptischen und ästhetischen Eigenschaften. Vermut- lich wird sie auch noch im Jahr 2119 Räume ausschmücken.
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