WERDER MAGAZIN Nr. 333
WERDER MAGAZIN 333 31 Heimat und zur Familie. „Trotzdem hatte ich im ersten Jahr in Ol- denburg fast jeden Tag Heimweh“, erinnert sie sich. „Und ich musste mich außerdem erst an das Trainingspensum gewöhnen.“ Doch die Eltern standen ihr zur Seite und halfen ihr über diese schwierige Zeit hinweg. Merle Heidergott ging beim VfL Oldenburg ihren Weg und erfüllte sich tatsächlich den Traum von Einsätzen in der Bundesliga. „Ich habe dann aber gemerkt, dass ich nicht dauerhaft so viele Spielan- teile bekomme, dass ich mich noch weiterentwickeln kann“, erzählt die Rückraumspielerin. Einsätze in der zweiten Mannschaft in der 3. Liga waren für eine Weiterentwicklung auch zu wenig. Da passte es gut, dass der SV Werder 2015 den Sprung in die 2. Bundesliga schaff- te und eine echte Alternative bot. Merle Heidergott entschied sich für einen Wechsel und hat diesen nie bereut, denn unter Trainer Pat- rice Giron entwickelte sie sich kontinuierlich weiter. Dass sie bei der Kür der besten Spielerin der 2. Bundesliga, von den Trainer(inne)n und Spielführerinnen der Clubs gewählt, auf Platz 3 landete, war folgerichtig. „Eine Riesenanerkennung“, sagt Merle Heidergott. „Be- sonders gefreut hat mich, dass nicht einfach die ersten Drei der Tor- schützenliste gewählt wurden, sondern dass auch auf andere Quali- täten Wert gelegt wurde.“ Klar, dass die Anfragen anderer Clubs durch Heidergotts starke Leis- tungen nicht weniger wurden. Auch der VfL wollte sie im Sommer zurück nach Oldenburg locken. „Ich habe mir das angehört und mich dann ganz bewusst weiter für Werder entschieden“, so die 22-Jährige. „Hier fühle ich mich richtig wohl, und nur dann kann ich auch meine Leistung bringen. Außerdem spiele ich hier nicht mit irgendjemandem zusammen, sondern mit vielen Freundinnen.“ Und auch die sportlichen Ambitionen des Teams und des Vereins passen zu Merle Heidergotts Zielen: „Wir wollen in dieser Saison nicht wie- der gegen den Abstieg kämpfen“, gibt sie vor. „Ich wünsche mir, dass die Endphase der Saison dieses Mal etwas ruhiger wird und wir im Mittelfeld der Tabelle landen. Und dann werden wir sehen, wie wir uns in den kommenden Jahren weiterentwickeln können.“ Die Aussichten dafür sind nicht schlecht. Zuletzt haben weitere Ta- lente den Weg zu Werder gefunden. Merle Heidergott findet das gut, auch wenn sie mit ihren 22 Jahren beim Fußballspiel ‚Jung gegen Alt‘ zuletzt doch glatt im ‚Team Alt‘ gelandet war. „Da habe ich mich ganz schön erschrocken“, schmunzelt sie. „Aber es ist toll mit den jungen Spielerinnen. Sie bringen frischen Wind und sind für die äl- teren Ansporn, nicht nachzulassen und auch weiter dazuzulernen.“ Stichwort ‚Lernen‘: Seit einigen Monaten ist Merle Heidergott Auszu- bildende zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Team Merch GmbH in Stuhr. Und diese Aufgabe macht ihr „sehr viel Spaß“. Ein kleines Team, sportaffine Kollegen. „Alles Mannschaftssportler, da hat man auch außerhalb der Arbeit immer ein Thema“, verrät sie. Be- sonders der Kontakt zu den Kunden gefalle ihr und mache die Auf- gabe abwechslungsreich. Dass sie sich erfolgreich um diesen Ausbil- dungsplatz bewarb, verwundert nicht, wirbt das Unternehmen doch mit dem Slogan: ‚Merchandising mit Sprungkraft‘ … Wer sehen möchte, wie Merle Heidergott diese Sprungkraft Woche für Woche bei ihrem geliebten Handballsport unter Beweis stellt, dem sei der Besuch eines Heimspiels der Zweitliga-Mannschaft in der Klaus-Dieter-Fischer-Halle ans Herz gelegt. Die nächste Möglich- keit dazu bietet das Duell mit dem Meisterschaftsfavoriten SV Union Halle-Neustadt am Samstag, 21. Oktober 2017, um 19.30 Uhr. Merle Heidergott, von den Mitspielerinnen nur ‚Heidi‘ genannt, wird dann auf dem Spielfeld stehen, auch wenn der ungeübte Zuschauer meinen könnte, sie säße auf der Tribüne. Auch dort findet man einige (Fan-)Trikots mit dem Schriftzug ‚Heidergott‘. Denn die Unterstüt- zung und die Begeisterung ihrer Familie sind nach wie vor riesen- groß: Nicht nur ihre Eltern reisen jedes Mal aus der ostfriesischen Hei- mat an, auch drei ihrer insgesamt vier Geschwister – samt ‚Anhang‘ – sind immer mit dabei. „Nur meine Schwester, die in Köln wohnt, kann nicht so oft bei den Spielen sein“, bedauert die Werder-Spielerin. Wer die Heidergotts kennt, der ahnt, dass es zu dieser Familienzu- sammenführung auch bei noch größerer Entfernung und damit be- schwerlicherer Anreise kommen würde. „Aber ich bin schon sehr glücklich, dass ich Handball auf hohem Niveau so nahe bei meiner Familie spielen kann“, gesteht Merle Heidergott. Ein Vereinswechsel sei zwar nicht ausgeschlossen, aber „es müsste sehr überzeugende Argumente dafür geben“. Und: „Ich denke nicht daran, was vielleicht noch kommen kann. Ich möchte verletzungsfrei bleiben und mit der Mannschaft eine erfolgreiche Saison spielen.“ Martin Lange Durchsetzungsstark: Merle Heidergott erzielte zum Auftakt der Saison gegen die SG 09 Kirchhof sieben Treffer für ihr Team und knüpfte an die überzeu- genden Leistungen der Vorsaison an.
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