Rheinisches Ärzteblatt 05/2026

10 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 5 / 2026 Magazin – Studium und Berufseinstieg Ich glaube, solche Situationen kennen viele Medizinstudierende aus dem Klinikalltag: Man wird entweder von Patientinnen und Patienten mit „Frau Doktor“ beziehungsweise „Herr Doktor“ angesprochen oder gefragt, ob man gerade ein Schulpraktikum mache. Zwei Extreme, zwischen denen oft nur wenige Minuten liegen. Natürlich sind wir Studierende nicht alle gleich alt. Manche haben vor ihrem Medizinstudium bereits eine Ausbildung oder ein anderes Studium absolviert, andere haben direkt nach dem Abitur begonnen. Das äußere Erscheinungsbild lässt bekanntlich nur begrenzt Rückschlüsse auf das Alter und schon gar nicht auf die fachliche Kompetenz zu. Trotzdem kann ich durchaus verstehen, dass Patienten mich manchmal als zu jung einschätzen. Dennoch macht das etwas mit mir. In meiner letzten Famulatur bezeichnete mich eine Patientin vor dem Oberarzt als „junges Mädchen“. Das war in diesem Kontext nicht abwertend gemeint. Trotzdem bleibt ein gewisses Gefühl der Unsicherheit. Wird man überhaupt ernst genommen? Nicht nur jetzt in der Studienzeit, sondern auch im späteren Berufsleben? Ein Krankenpfleger erzählte mir einmal, dass sich einige Patientinnen und Patienten während der Visite eher an ihn als an eine junge Ärztin wandten, obwohl sie das Gespräch führte. Manchmal wurde im Anschluss sogar gefragt, wann denn ein Arzt kommen würde. Solche Erfahrungen sind wohl keine Einzelfälle. Vielleicht werden die Fähigkeiten junger Ärztinnen und Ärzte aufgrund von vermeintlich geringerer Erfahrung angezweifelt. Aber sollte nicht auch junger Kompetenz vertraut werden? Wie erlebt Ihr das Medizinstudium? Schreibt mir unter medizinstudium@aekno.de. Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz Angehende Mediziner und Apotheker suchen Schulterschluss Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) und der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. (BPhD) begrüßen die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verfolgte Apothekenreform sowie den Gesetzentwurf zum ApothekenversorgungWeiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) als Diskussionsgrundlage. Die dort integrierten Ansätze wie beispielsweise die Erweiterung der Verschreibungsbefugnisse für Apotheker sollten sachlich beraten werden und dabei die Patientensicherheit sowie die stärkere Verankerung interprofessioneller Ausbildung im Medizin- und Pharmaziestudium in den Mittelpunkt stellen. Die Kritik aus der verfassten Ärzteschaft an dem Entwurf sehen die Studierenden skeptisch. „Die bvmd und der BPhD teilen nicht die Entschiedenheit, mit der die Initiative hier abgewiesen wurde und fordern eine Öffnung der Debatte für eine differenzierte Auseinandersetzung.“ Aus der Perspektive der nächsten Apotheker- und Ärztegeneration werde die Einseitigkeit, mit der diese Initiative teilweise abgelehnt wurde, weder dem Problem noch dem Lösungsansatz gerecht, so die beiden Vertretungen. Sie verwiesen darauf, dass beispielsweise eine Cochrane-Analyse gezeigt habe, dass sowohl nicht-ärztliche Fachkräfte als auch Ärzte bei der medikamentösen Behandlung einiger häufiger Erkrankungen vergleichbare Therapieergebnisse mit ähnlich niedrigen Quoten unerwünschter Nebenwirkungen erzielen könnten. Der vorliegende Gesetzentwurf, der in erster Lesung im Bundestag beraten wurde, könne ein erster Schritt sein, das Gesundheitswesen interprofessioneller zu gestalten. Nur gemeinsam lasse sich ein System gestalten, das auch in Zukunft leistungsfähig, gerecht und patientennah bleibe, so bvmd und BPhD. bre Witten-Herdecke Hausärztliche Praxen für Studie gesucht An der Universität Witten/Herdecke lädt ein Forschungsprojekt hausärztliche Praxen ein, sich an einer Interventionsstudie zu beteiligen. Das Projekt trägt den Namen „Resilienz- und Stressbewältigungstraining im ambulanten Gesundheitssetting“ und ist am Institut für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung angesiedelt. Erforscht werden soll die Wirksamkeit eines 8-wöchigen Resilienz- und Stressbewältigungstrainings zur Verbesserung der Lern- und Fehlerkultur im ambulanten Sektor. Praxisteams können während der Arbeitszeit daran teilnehmen, da die Intervention aus acht Modulen besteht, die zwischen 20 und 25 Minuten dauern und über acht Wochen verteilt sind. Danach müssen im Laufe von sechs Monaten drei Fragebögen ausgefüllt werden, was nach Angaben der Projektverantwortlichen rund 20 Minuten pro Fragebogen in Anspruch nimmt. Die Praxisteams, die sich für die Studie anmelden, bekommen neben dem Stressbewältigungstraining auch Impulse für einen besseren Umgang mit Fehlern und Unsicherheiten. Die teilnehmenden Praxen werden einer Studiengruppe zugeteilt und erhalten einen Präsenz- oder Videokurs. Die Studie läuft noch bis Oktober 2027. Interessierte hausärztliche Praxisteams können sich melden unter LernBERN@uni-wh.de. Internet: www.uni-wh.de, Stichwort in der Volltextsuche: „Lernkultur“. bre Mail aus Düsseldorf Elisa Kremer Foto: privat Ärztliche Körperschaften im Internet Ärztekammer Nordrhein www.aekno.de Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein www.kvno.de Ärzteversorgung Nordrhein www.naev.de

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