Rheinisches Ärzteblatt 06/2026

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 6 / 2026 15 Spezial Einsame Kindheit Einsamkeit galt lange als Thema, das insbesondere ältere Menschen betrifft. Neue Studien zeigen aber, dass schon Kinder im Grundschulalter ebenso wie Jugendliche und junge Erwachsene zunehmend unter Einsamkeit leiden – mit zum Teil erheblichen gesundheitlichen Folgen. von Jocelyne Naujoks „Wir wissen nicht, warum sich junge Menschen heute einsamer fühlen als vor der Coronapandemie“, sagt Professorin Dr. phil. Maike Luhmann, Lehrstuhlinhaberin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum. Sie forscht seit vielen Jahren zum Thema Einsamkeit und warnt vor vorschnellen Schlussfolgerungen: „Wir haben kaum Daten darüber, wie einsam Menschen – vor allem junge Menschen – vor zwanzig oder dreißig Jahren waren.“ Der Erzählung von einer Einsamkeitsepidemie steht sie daher eher kritisch gegenüber. „Es gibt allerdings Hinweise, dass junge Menschen heute einsamer sind als vor der Pandemie.“ Die Ursachen dafür alleine in der Coronapandemie zu suchen, ist ihr aber zu einfach. „Die meisten Menschen haben sich von den Folgen erholt. Die Kontaktbeschränkungen waren einschneidend, aber sie sind nun fast fünf Jahre her. Die Pandemie kann also nicht der einzige Faktor sein, der junge Menschen heute einsamer macht als vor 2020.“ Fehlende soziale Beziehungen als Einsamkeitsrisiko Soziale Beziehungen vor allem zu Gleichaltrigen spielen im Jugend- und jungen Erwachsenenalter eine entscheidende Rolle. Sie helfen, sich auszuprobieren, herauszufinden, wer man ist und sein möchte. Wer es nicht schaffe, sich in seiner PeerGroup zu verorten, sei damit umso anfälliger für Einsamkeitserfahrungen, sagt Einsamkeitsforscherin Professorin Dr. phil. Maike Luhmann. Foto groß: Brian Niles/istockphoto.com Foto klein: martin-dm/istockphoto.com

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