16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Thema – 130. Deutscher Ärztetag unser Miteinander zu definieren, hat sich dann noch ganz anders gezeigt: Medizinstudierende haben zum Thema Machtmissbrauch von sexuellen Übergriffen während des Ärztetages berichtet! Sie haben Mut und Stärke gezeigt und eine längst überfällige Debatte angestoßen: Im Anschluss äußerten so viele unterschiedliche Menschen spontan ihre Erschütterung und Solidarität, aber auch ihre eigene Betroffenheit. Es wurde über Machtmissbrauch, sexuelle Übergriffe und Diskriminierung am klinischen Arbeitsplatz, in der Berufspolitik, in Fort- und Weiterbildung gesprochen. Am Ende wurde nicht nur versichert, dass die aktuellen Vorfälle aufgearbeitet werden sollen, es wurde auch beschlossen, dass der nächste Ärztetag sich mit diesem Thema befassen wird. Das hat mich zusätzlich sehr motiviert, genau an dieser Stelle in der Ärztekammer weiterzuarbeiten. Ich bin schon gespannt auf den 131. Deutschen Ärztetag! Auch der 130. Ärztetag in Hannover war wie immer sehr gut organisiert und bildet aus meiner Sicht das geeignete Forum für innerärztliche Diskussionen und für das Entwickeln von Positionen für eine nachhaltige Patientenversorgung. Auch wenn wir mit der Flut der wohlüberlegten Anträge manchmal auch an unsere Grenzen kommen. Rückblickend hat mir bei der Eröffnungsveranstaltung die Rede des Bundesärztekammerpräsidenten sehr gut gefallen. Sie war pointiert, auf den Punkt und richtig in der Kritik. Im Gegensatz dazu war die Rede der Bundesgesundheitsministerin eher schwach und von der im letzten Jahr in Leipzig versprochenen Kompromissbereitschaft und dem Willen zur Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft bei wichtigen Reformen war nichts mehr übrig. Man merkte ihr die Notwendigkeit an, diese Reform mit der Brechstange auch gegen die berechtigten Sorgen der Ärzteschaft durchsetzen zu müssen. Deshalb begrüße ich die vielen gut begründeten Anträge auf dem Ärztetag, die zeigen, dass da nachgebessert werden muss und dass man das so mit uns nicht machen kann. Für mich war es richtig, dass wir uns einen Tag Zeit genommen haben, um über die Zukunft der ärztlichen Weiterbildung zu sprechen. Denn Weiterbildung ist eine Kernfrage, wie wir mit jungen Kolleginnen und Kollegen arbeiten, wie wir sie in ihrem ärztlichen Wirken unterstützen und aufbauen können. Wichtig ist mir grundsätzlich dabei, dass die Inhalte der Weiterbildung in den einzelnen Bereichen auch schaffbar bleiben. In dieser Form nicht zu erwarten waren die Ereignisse am letzten Tag, die schlussendlich die Sicht auf den Ärztetag und sicher darüber hinaus geprägt haben. Das mutige Statement der Studentinnen über ihre Erfahrungen mit sexualisierter Grenzüberschreitung hat die anschließende Diskussion und Sicht auf das Thema deutlich verändert. Aus dem faktischen Tabu und der bloßen Theorie der bereits anstehenden Anträge und Diskussion zu Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt ist ein spürbares Ereignis geworden. Das Thema stand bereits vorher auf der Agenda und musste auch erst dort klar positioniert werden. Ich bin froh, dass sich die Ärztekammer Nordrhein als federführend in der Thematik darstellt und wir gemeinsam mit der Bundesärztekammer Veränderungen anstoßen und wir uns gegen Machtmissbrauch, sexualisierte Gewalt und Diskriminierung im Alltag und im Gesundheitssystem stellen. Ich bin gespannt, welche Lösungen die Ärzteschaft dazu finden wird. „Wichtig ist mir, dass die Inhalte der Weiterbildung in den einzelnen Bereichen schaffbar bleiben.“ Daniel Wellershaus (Wuppertal) Foto: Jochen Rolfes 100 Kilometer Fußweg für ein medikament. das geht zu weit. Jede Spende hilft: www.medeor.de Die Notapotheke der Welt.
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