Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 15 gesordnungspunkte, inklusive der dazugehörigen Debatten zu vielen Anträgen, der Zeit zum Opfer fielen und gebündelt an den Vorstand überwiesen wurden. Dazu gehört unter anderem der Unterpunkt IVc zum Schwerpunkt-Thema Weiterbildung sowie auch einige Anträge unter Ic. Ich verstehe nicht, warum man aus den Erfahrungen der letzten Jahre nicht gelernt hat, um die Abläufe zu optimieren. Müssen es wirklich zwei Schwerpunktthemen sein? Suchtmedizin und Weiterbildung sind immens wichtig, aber vielleicht hätte man die Themen auf zwei Ärztetage verteilen können. Und ich stelle mir auch die Frage, ob alle Berichte in epischer Breite gehalten werden müssen? Hier könnte man über neuere Formate nachdenken, wie zum Beispiel eine dem Ärztetag vorgeschaltete Videokonferenz. Auf dieser könnten den Delegierten die Berichte zur Kenntnis gebracht und die Unterlagen zur Verfügung gestellt werden. So könnte die Zeit auf dem Ärztetag selbst effektiv für gezielte inhaltliche Rückfragen an die Referenten genutzt werden. Mit so einem Verfahren bliebe dann auch die Zeit für die Anträge und Diskussionen, die nicht zu den Schwerpunktthemen gestellt werden, aber dennoch wichtig für unsere Berufsausübung sind. Ein Deutscher Ärztetag hat im Vorfeld eine Tagesordnung, bei der man denken muss, es wäre schnell abgehandelt und alles sei klar. Nein, so war es dieses Jahr wieder einmal nicht. Viel besser gestaltet als in den letzten Jahren war die Antragsannahme mit Zeitvorgaben, die es einem gestattete, sich mit den Anträgen ausreichend vorher zu beschäftigen und dann zum Teil auch nochmals in Gespräche mit den Antragstellern zu gehen. Auch wurden mögliche Unklarheiten von dem Team der Bundesärztekammer frühzeitig erkannt und mit den Antragstellern im konstruktiven und wertschätzenden Austausch geklärt. Dafür bedanke ich mich bei den Mitarbeitern im „Hintergrund“ sehr herzlich. Mein Dank gilt auch der eigenen Kammerbegleitung. Enttäuscht war ich nur von der Gesundheitsministerin, die sich als Politikerin präsentierte, die eher verwaltet als gestaltet. Es fehlte leider die Vision einer Weiterentwicklung unseres Gesundheitswesens. Auch frage ich mich, warum eine abgestimmte GOÄ-Vorlage nochmals unabhängig geprüft werden muss? In der Befassung mit unserer Weiterbildung wurde ein Kapitel abgeschlossen, so dass ich mir erhoffe, dass durch die Eingaben der „jungen Ärztinnen und Ärzte“ eine Weiterbildungsordnung entwickelt werden kann, die sich den modernen Lehr- und Lernmethoden öffnet. Stichwort: Neu-Denken. Ich komme nach diesem Ärztetag mit vielen verschiedenen Eindrücken und Emotionen zurück. Neben all den Diskussionen und Kontroversen sowie teils knappen Abstimmungsergebnissen ist mir sehr positiv aufgefallen, wieviel Zuspruch die Einführung der CanMEDS-Rollen in die (Muster-) Weiterbildungsordnung hatte. Mehr Haltung beziehen – Weiterbildung nicht nur als rein fachliche Aufgabe betrachten! Wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen, auch gekehrt. Sehr gut hat mir auf der Eröffnungsveranstaltung die Rede des Präsidenten der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, gefallen, in der er die Auswirkungen des GKVBeitragssatzstabilisierungsgesetz für Kliniken und Praxen klar benannt hat. Ebenfalls habe ich mich sehr gefreut, dass bei der Eröffnungsveranstaltung Dr. Christiane Groß, Ehrenpräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes und langjähriges ehemaliges Vorstandsmitglied der Ärztekammer Nordrhein, mit der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet wurde. Wir haben Christiane Groß als Kollegin kennengelernt, die sich mit großem und geduldigem Engagement für die Gleichstellung von Ärztinnen in der Medizin eingesetzt hat. Dass ihre Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist, zeigen viele Umfragen. Einen ganzen Tag hat sich der Ärztetag mit dem Thema einer moderneren und schlankeren Weiterbildung beschäftigt. Eine wichtige Anpassung ist die Neustrukturierung der allgemeinen Inhalte der Weiterbildung an verschiedene ärztliche Rollen (CanMEDS-Modell). Beschlossen wurde zudem, dass Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung künftig strukturiert lernen sollen, mit Todes- und Suizidwünschen ihrer Patientinnen und Patienten umzugehen und Grundlagen der Suizidprävention zu kennen. Neben diesen vielen guten Beschlüssen haben mich die Schilderungen von Medizinstudentinnen über Grenzverletzungen und Übergriffe von Teilnehmenden des 130. Deutschen Ärztetages, die ich aufgrund anderer Verpflichtungen nur medial verfolgt habe, erschüttert. Ich begrüße daher den Beschluss, das Thema auf dem nächsten Deutschen Ärztetag intensiv zu besprechen. Dass es sich hier nicht um Einzelfälle handelt, belegt ja die Erhebung des Marburger Bundes aus diesem Frühjahr. Besonders bemerkenswert und ärgerlich finde ich es, dass nun erneut wichtige TaThema – 130. Deutscher Ärztetag „Ein Plus: die pointierte Rede von Dr. Klaus Reinhardt.“ Dr. Arndt Berson (Kempen) Foto: Jochen Rolfes „Wir brauchen eine effizientere Zeitgestaltung für den Ärztetag.“ Sebastian Exner (Stolberg) Foto: Jochen Rolfes „Bundesgesundheitsministerin Warken fehlt eine Vision für unser Gesundheitswesen.“ Professor Dr. med. Hansjörg Heep (Essen) Foto: Jochen Rolfes „Ich bin heute schon gespannt auf den 131. Deutschen Ärztetag!“ Jana Rönsch (Köln) Foto: Sabine Schindler-Marlow
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