Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 19 Spezial Die gesunde Stadt Lärm, Feinstaub, Häuserschluchten, Dauerstress: Das Leben in der Stadt kann die Gesundheit belasten, warnen Experten. Wie Städte geplant und gestaltet werden, entscheidet maßgeblich darüber, ob sie Stress verstärken oder Wohlbefinden fördern. von Jocelyne Naujoks und Marc Strohm Kurz nach acht Uhr morgens herrscht am Düsseldorfer Hauptbahnhof Hochbetrieb. Auf dem Bahnsteig warten Pendler Schulter an Schulter auf die nächste Regionalbahn. Als der Zug einfährt, öffnen sich die Türen und Dutzende Menschen drängen in die bereits voll besetzten Waggons. Gleichzeitig kommt der Verkehr auf den Straßen und Autobahnen rund um die Landeshauptstadt nur schleppend voran. Auf den Rheinbrücken reihen sich die Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange, während sich die Staus nur langsam auflösen. Nicht wenige Autofahrer reagieren entnervt und hupen. Für viele Menschen in den größeren Städten Nordrhein-Westfalens gehören solche Szenen zum Alltag. Die Verdichtung des urbanen Raums hat jedoch nicht nur Folgen für Verkehr und Infrastruktur. Sie kann auch Körper und Psyche belasten, erklärt Professor Dr. Mazda Adli im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Der Psychiater und Chefarzt der Fliedner Klinik Berlin leitet an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Stadtplanung als Gesundheitsfaktor Ausgedehnte Grünflächen, viel öffentlicher Raum für Begegnungen und kurze Wege: Gesunde Stadtplanung stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Sie soll Bewegung fördern, soziale Kontakte erleichtern und Belastungen durch Lärm, Luftverschmutzung und Hitze verringern. Städte wie Wien, Amsterdam oder Kopenhagen zeigen bereits heute, wie sich Gesundheit und Lebensqualität durch eine entsprechende Gestaltung des urbanen Raums fördern lassen. Wie sich das Leben in der Stadt auf Gehirn, Emotionen und psychische Gesundheit auswirkt, untersucht die Neurourbanistik. Studien zeigen, dass insbesondere chronischer Stress infolge sozialer Isolation oder dauerhaft empfundener Enge gesundheitliche Folgen haben kann. Foto groß: espiegle/istockphoto.com Foto klein: Michele Ursi/istockphoto.com
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