Rheinisches Ärzteblatt 08/2026

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 15 Spezial Publizieren ohne Ende Seit Jahrzehnten nimmt weltweit die Zahl der medizinisch-wissenschaftlichen Publikationen zu; täglich erscheinen tausende neuer Beiträge, nicht zuletzt Folge eines zunehmenden Drucks auf Wissenschaftler und Mediziner, Forschungsergebnisse zu publizieren, um Karrieren zu sichern oder Fördermittel zu erhalten. Dies schafft auch einen Markt, auf dem gefälschte oder minderwertige Texte im Angebot sind. Kritiker fordern einen Systemwechsel. von Thomas Gerst Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ausgerechnet die AfD-Bundestagsfraktion, die im Zuge der Coronapandemie oftmals gegen Entscheidungen auf der Grundlage medizinisch-wissenschaftlicher Forschungsergebnisse Stellung bezogen hat, beantragt im Deutschen Bundestag, die Bundesregierung solle eine unabhängige Prüfstelle errichten, um die Qualität von wissenschaftlichen Publikationen zu sichern. Als Grund dafür wird auf einen „besorgniserregenden Trend“ verwiesen: Sogenannte „Predatory Journals“ und „Paper Mills“ würden gegen Bezahlung Texte, bei denen Peer Review und wissenschaftliche Qualitätsstandards nicht eingehalten werden, zur Veröffentlichung anbieten. Diese Praxis führe dazu, dass wertlose oder sogar gefälschte Studien in den wissenschaftlichen Diskurs geEinsatz von KI in der Medizinpublizistik Wie sich unter dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) die Medizinpublizistik weiterentwickeln wird, ist derzeit für Professor Dr. Christopher Baethge, den Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes, kaum absehbar. „Das ist die zentrale Frage für die Zukunft. Welchen Einfluss wird KI auf die Erstellung von Manuskripten haben?“ Hier sieht Baethge einen großen Graubereich, in dem die Zuordnung, inwieweit es sich noch um eine eigenständige wissenschaftliche Leistung handelt, schwerfalle. Autoren des Deutschen Ärzteblattes seien angehalten, die Nutzung von KI in der Methodendarstellung transparent zu machen. „Aber letztlich sind die Anwendungsmöglichkeiten von KI so vielfältig, dass sich das kaum in einem allgemeinen Regelwerk abdecken lässt.“ Foto groß: Tina Ennen Foto klein: IM Imagery/stock.adobe.com

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