Rheinisches Ärzteblatt 08/2026

Rheinisches Ärzteblatt / Heft 8 / 2026 23 Forum Der Vergleich verdeutlicht, dass eine strukturierte Notfallvorausplanung die Umsetzung des Patientenwillens erleichtert sowie Angehörige und Behandlungsteams in Notfallsituationen entlastet. Die dokumentierten Einstellungen zu Leben, schwerer Krankheit und Sterben vermitteln ein umfassenderes Bild der Person und ihrer Wertvorstellungen und sichern die Verlässlichkeit der Festlegungen. Professor Dr. Jürgen in der Schmitten, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsklinikum Essen Dr. Eva Diehl-Wiesenecker, Zentrale Notaufnahme, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Freie Universität und Humboldt Universität zu Berlin; Klinik für Palliativmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Augsburg Professor Dr. jur. Stephan Rixen, Institut für Staatsrecht und Forschungsstelle für das Recht des Gesundheitswesens der Universität zu Köln Professor Dr. Georg Marckmann, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, LMU München Professor Dr. Dr. Berend Feddersen, Klinik für Palliativmedizin, LMU München *Gekürzte Fassung eines im April 2026 im Bayerischen Ärzteblatt erschienenen Beitrags. Liegt im Notfall eine korrekt ausgefüllte und unterschriebene FeNo vor, so ist sie unabhängig von der Berufsgruppe für alle an der Versorgung Beteiligten verbindlich. Fallbeispiele Ein 83-jähriger Bewohner einer Pflegeeinrichtung mit globaler Herzinsuffizienz (NYHA III) wird nachts mit Atemnot und Bewusstseinseintrübung aufgefunden. Eine vor 15 Jahren unterzeichnete Patientenverfügung liegt vor, enthält jedoch für die aktuelle Krisensituation keine relevanten Festlegungen. So erfolgt eine Notfalltherapie mit Transport ins Krankenhaus und späterer intensivmedizinischer Behandlung einschließlich Reanimation und künstlicher Beatmung, in deren Verlauf der Patient schließlich verstirbt. Die Angehörigen äußern anschließend Zweifel, ob diese Behandlung dem Willen des PatienBeispiel für Integrierte Notfallplanung: Therapiezielklärung (a) und „Festlegung für den Notfall“ (b) Quelle: ACP Deutschland e. V., www.advancecareplanning.de ten entsprochen habe, und sind in der Folge psychisch belastet. Bei einem anderen Bewohner mit gleicher Symptomatik liegt eine im Vorjahr aktualisierte INP vor (Abb. 1a). Aus der individuellen Therapiezielklärung wird deutlich, dass die Medizin mit begrenzten Mitteln noch dazu beitragen darf, sein Leben zu erhalten. Konkret hat der Bewohner eine stationäre Einweisung mit dem Ziel der Lebenserhaltung kategorisch abgelehnt, lebenserhaltenden Maßnahmen aber zugestimmt, soweit sie in der Einrichtung durchgeführt werden können (FeNo B3, Abb 1b). Der Notarzt behandelt ein akutes Lungenödem medikamentös vor Ort; der Patient stabilisiert sich und kann entsprechend seinem zuvor festgelegten Willen in der Einrichtung verbleiben. Wenige Wochen später verstirbt er an einer Pneumonie, die initial mit einem Antibiotikum sowie symptomlindernd behandelt wurde. Standortbestimmung zur Therapiezielklärung INTEGRIERTE NOTFALLPLANUNG Patientenverfügung Kurzform © ACP Deutschland e. V. 2025-10 | S. 1/2 Handzeichen Gesprächsbegleiter/in: Vorname Name Name Vorname Datum Einstellungen zu Leben, schwerer Krankheit und Sterben ALTERNATIV | Ärztliche Begründung bei fehlender Erfolgsaussicht lebenserhaltender Maßnahmen ( umseitig FeNo Option „C“), ggf. Verweis auf Arztbrief: Wie gerne leben Sie? Welche Bedeutung hat es für Sie, (noch lange) weiter zu leben? Wenn Sie ans Sterben denken – was kommt Ihnen dann in den Sinn? Wenn ich Ihnen sagen könnte, dass Sie heute Nacht friedlich einschlafen und morgen nicht mehr aufwachen werden – was würde das jetzt in Ihnen auslösen? Darf eine medizinische Behandlung dazu beitragen, Ihr Leben in einer Krise zu erhalten? Welche Belastungen und Risiken wären Sie bereit, dafür in Kauf zu nehmen? Gibt es Situationen, in denen Sie nicht mehr lebenserhaltend behandelt werden wollen? Welche Sorgen oder Ängste bewegen Sie, wenn Sie an künftige medizinische Behandlungen denken? Sind hierbei Erfahrungen von Ihnen oder bei anderen Personen von Bedeutung? Datum, Unterschrift Stempel Ich lebe teilweise schon noch ganz gerne. Wich4g ist mir der Kontakt zur Familie und vor allem zu meinen 3 Enkeln. Wenn sie nicht da sind, gibt es aber auch Tage, die recht lang werden. Noch lange weiterzuleben, hat für mich keine so große Bedeutung mehr, das hängt dann schon sehr von meinem Zustand ab. Wenn ich an das Sterben denke, kommt mir Leich4gkeit in den Sinn. Wenn ich wüsste, dass ich heute Nacht friedlich einschlafen und versterben würde, wäre das ein wenig schade, aber das friedliche Einschlafen häIe auch etwas Verlockendes. HäIe gerne noch ein paar Kontakte mit meiner Familie und würde mich vor allem gerne von ihr verabschieden können. Medizinische Maßnahmen dürfen nur in Grenzen dazu beitragen, mein Leben weiter zu erhalten: nur Maßnahmen, die hier vor Ort durchgeführt werden können. Die Belastungen eines erneuten Krankenhausaufenthaltes oder sogar einer Intensivsta4on bin ich nicht mehr bereit noch einmal auf mich zu nehmen, auch wenn dies einen früheren Tod bedeuten würde. Ja, diese Grenze gibt es, wenn ich mich nicht mehr mit meiner Familie ak4v austauschen kann, dann soll das Leben nicht mehr weiter erhalten werden. Dies beinhaltet vor allem die Fähigkeit, dass ich mich mit meinen Liebsten sprachlich verständigen kann. Wenn das nicht mehr gehen würde, soll Schluss sein. Alois Huber 1.6.25 Alois Huber 3.8.1942 Am Acker 1; 81234 München Antonia Huber (Tochter) 0160 123456 X Alois Huber München 1.6.25 Antonia Huber Andrea Begleitner Andrea Begleitner Dr. Leder Paradiesstr. 15 81234 München München 1.6.25 Haus Sonne Am Acker 1 81234 München

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