Rheinisches Ärzteblatt 09/2026

12 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 9 / 2026 Thema Foto: Georgiy Datsenko/istockphoto.com Die diesjährige Evaluation der Weiterbildung in Nordrhein bestätigt die Befunde der Vorjahre: Viele Defizite bestehen fort. So würde nur gut die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung die eigene Weiterbildungsstätte weiterempfehlen. Regelmäßige Weiterbildungsgespräche und eine strukturierte Dokumentation des Weiterbildungsstands finden vielerorts nicht statt. Auch das für die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis vorgeschriebene Weiterbildungsprogramm bildet häufig nicht die Grundlage der Weiterbildung und wird teilweise gar nicht ausgehändigt. Über die quantitativen Ergebnisse hinaus zeichnen insbesondere die Freitextkommentare ein ernüchterndes Bild. Viele Assistenzärzte berichten, Weiterbildung finde lediglich „nebenher“ statt. Statt gezielt angeleitet zu werden, würden sie vor allem eingesetzt, um Versorgungslücken im Klinikalltag zu schließen. Andere beklagen mangelnde Wertschätzung, eine hohe Fluktuation aufgrund schlechter Führung oder gar ein toxisches Arbeitsklima. Dass diese Erfahrungen keine Einzelfälle sind, legt eine aktuelle Befragung des Marburger Bundes nahe: Mehr als die Hälfte der rund 9.000 Teilnehmer berichtete von Machtmissbrauch im Klinikalltag, der reichte vom respektlosen Umgang über Mobbing bis hin zu öffentlicher Bloßstellung. Knapp 40 Prozent der Befragten waren Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung. Um Missstände und Schwachstellen systematisch zu identifizieren und die Weiterbildungsbedingungen strukturell zu verbessern, führt die Ärztekammer Nordrhein seit 2023 jährlich eine Evaluation der Weiterbildung durch. Die Initiative geht auf einen Beschluss des Deutschen Ärztetages zurück. An der aktuellen Befragung haben sich in diesem Jahr rund 1.200 Ärzte beteiligt. Dennoch hält Olaf Tkotsch, Leiter der Weiterbildungsabteilung der Ärztekammer Nordrhein, eine höhere Rücklaufquote als die derzeitigen 7,5 Prozent für wünschenswert. „Nur mit einem starken und breiten Feedback können wir die Weiterbildungssituation umfassend nachvollziehen. Wenn aus einer Abteilung eine aussagekräftige Anzahl an Rückmeldungen vorläge, könnten wir konkrete Handlungsfelder identifizieren und mit den Beteiligten in den Dialog treten“, erklärt Tkotsch im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Weiterbilder im Fokus Um die Situation in der ärztlichen Weiterbildung zu verbessern, hat der 128. Deutsche Ärztetag 2024 in Mainz eine bessere didaktische Qualifizierung der Weiterbildungsbefugten gefordert, damit sie Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten angemessen vermitteln können. In Nordrhein fanden im Sommer 2025 die ersten verpflichtenden Didaktiktrainings für alle neu befugten Weiterbilder statt. Sie werden seither regelmäßig von der Ärztlichen Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung veranstaltet. Darüber hinaus informiert die Ärztekammer Nordrhein im Rahmen der verpflichtenden Fortbildung „VerDas Ziel: eine gute Weiterbildung Viele Ärztinnen und Ärzte in Nordrhein erleben ihre Weiterbildung weiterhin als schlecht organisiert und wenig wertschätzend. Fehlende Struktur, mangelnde Betreuung und eine belastende Arbeitskultur prägen vielerorts den Weiterbildungsalltag. Mit Didaktiktrainings, einem Weiterbildungsregister und neuen Informationsangeboten will die Ärztekammer Nordrhein gegensteuern. von Marc Strohm

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