16 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 11 / 2026 Spezial Fragen und beantwortet sie mit Humor und Empathie. Mit ihrem heutigen Besuch im Rahmen des Präventionsprogramms Gesund macht Schule (GmS) von Ärztekammer Nordrhein und AOK Rheinland/Hamburg möchte sie den Kindern die Angst vor einem Arztbesuch nehmen, sagt die Ärztin im Gespräch mit dem Rheinischen Ärzteblatt. Nach dem morgendlichen Stuhlkreis dürfen sich die Schülerinnen und Schüler selbst als Ärzte und Patienten ausprobieren. Dafür hat Mittag eine ganze Reihe ärztlicher Instrumente mitgebracht. Zunächst hören sich die Kinder gegenseitig mit dem Stethoskop ab. Mit einem Mal herrscht in dem zuvor lebhaften Klassenraum konzentrierte Stille. Nicht alle finden auf Anhieb das Herz und fragen Mittag um Rat. Anschließend testen sie ihre Reflexe mit dem Perkussionshammer oder schauen dem Klassenteddybären Benny mit einem Otoskop ins Ohr. Die Kinder haben sichtlich Spaß dabei. Am Ende der Stunde sind sich die Schülerinnen und Schüler der Rentierklasse einig: Vor einem Arztbesuch muss man keine Angst haben. Für Mittag ist jeder Klassenbesuch eine gute Gelegenheit, die Gesundheit und die Gesundheitskompetenz der Kinder direkt vor Ort zu stärken, sagt sie. Seit der Gründung des Präventionsprogramms vor 25 Jahren engagiert sie sich bei Gesund macht Schule und war unter anderem an der Erstellung vieler Unterrichtsmaterialien beteiligt. Seit rund 20 Jahren besucht sie als Patenärztin regelmäßig die Martinus Schule in Meerbusch. Gesundheitsbildung altersgerecht vermitteln Wie Mittag engagieren sich etwa 150 weitere Ärztinnen und Ärzte als Paten bei Gesund macht Schule. Sie betreuen die 320 teilnehmenden Grundschulen und bilden damit das Herzstück des Programms, erklärt GmSKoordinatorin Snezana Marijan gegenüber dem RÄ. Als Expertinnen und Experten für Prävention und Gesundheitsförderung besuchen die Patenärzte die Grundschulklassen, vermitteln altersgerecht medizinisches Wissen und wecken so das Interesse der Kinder an ihrem Körper. Welche Themen dabei im Mittelpunkt stehen, entscheiden die Schulen selbst. Die Lehrkräfte können die Patenärzte unter anderem zu den Themen „Menschlicher Körper/Arztbesuch“, „Bewegung“, „Ernährung“ oder „Ich-Stärkung“ in den Unterricht einladen. Darüber hinaus stellt Gesund macht Schule den Schulen und Patenärzten Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und bietet Fortbildungen an. Im Laufe der Jahre wurde das Themenspektrum des Programms erweitert, um auf neue Bedürfnisse der Schulen zu reagieren. So sei seit dem Jahr 2019 das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ verstärkt in den Blick gerückt, sagt Marijan. Aktuell beschäftigt die Schulen und Eltern insbesondere die Mediennutzung. In Fortbildungen und Elternbriefen informiert das Präventionsprogramm darüber, wie Eltern ihre Kinder bei der Mediennutzung begleiten und gemeinsam mit ihnen verlässliche Regeln für die Bildschirmzeit vereinbaren können. Vor Kurzem erschien zudem eine neue Gesund macht Schule-Box zum Thema „Ich-Stärkung/ Suchtprävention“. Sie bietet Lehrkräften und Mitarbeitenden im Offenen Ganztag Ideen und Materialien, um Kinder unter anderem beim Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins zu unterstützen. Begleitet wird das Präventionsprogramm vom Ausschuss „Prävention und Klimawandel“ der Ärztekammer Nordrhein. Er übernimmt die medizinisch-wissenschaftliche Beratung bei der Erstellung der Materialien. „Den Ärztinnen und Ärzten in Nordrhein ist es ein besonderes Anliegen, Kinder frühzeitig für ihre eigene Gesundheit zu begeistern. Wer schon im Schulalltag Freude an Bewegung, gesunder Ernährung und einem bewussten Umgang mit dem eigenen Körper entwickelt, legt wichtige Grundlagen für ein gesundes Leben“, erklärt der Ausschussvorsitzende Dr. Oliver Funken. Gesund macht Schule wurde 2001 ins Leben gerufen und feierte mit Beginn des Schuljahres 2026/27 sein 25-jähriges Jubiläum. Durchschnittlich erreicht das Programm in jedem Schuljahr etwa 50.000 Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern. Im August 2025 wurde es von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit dem Sonderpreis des Gesundheitspreises NordrheinWestfalen ausgezeichnet. Dass kaum eine teilnehmende Schule bislang aus dem Programm ausgestiegen ist, wertet GmS-Koordinatorin Marijan als Zeichen für die langfristige Akzeptanz des Angebots. Auch an der Martinus Schule ist Klassenlehrerin Petra Rudolph froh, auf die ärztliche Expertise von Dr. Marion Mittag zurückgreifen zu können. „Bislang gehören Gesundheitsthemen nicht zur Ausbildung von Lehrkräften, sodass bei vielen Kolleginnen Unsicherheiten bestehen“, sagt die Pädagogin. Auf die Schülerinnen und Schüler habe es zudem eine andere Wirkung, wenn Gesundheitsthemen von einer Ärztin vermittelt würden. Das Interesse der Kinder an ihrer Gesundheit und ihrem Körper sei nach wie vor groß. Gleichzeitig gewinne Gesundheitsbildung auch im Schulalltag an Bedeutung, sagt Rudolph. Pädagogische Konzepte wie die „Bewegte Schule“ sollen mehr Bewegung in den ansonsten häufig sitzorientierten Schulalltag bringen. Auch im Umgang mit Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf seien Lehrkräfte heute deutlich sensibilisierter als noch vor 20 Jahren. Kinder mit ADHS würden längst nicht mehr als „Störenfriede“ wahrgenommen, sondern gezielt unterstützt und gefördert. Sexualerziehung im Fokus Gleichzeitig sieht Rudolph neue Herausforderungen für die Kindergesundheit. Insbesondere die psychische Belastung der Kinder habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, berichtet sie. Viele Kinder seien bereits früh einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt und entwickelten Versagensängste, etwa wenn sie den Übergang auf das Gymnasium nicht wie ihre Klassenkameraden schafften. Auch die Mediennutzung werde zunehmend zum Thema. Nach Rudolphs Beobachtung besitzen bereits Kinder in der dritten Klasse ein eigenes Smartphone. Die Bildschirmzeiten seien teilweise hoch;
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