KNOW!S 02-2018
» Es muss sich immer was tun, sonst wird es ein Museum. « Mit den „Parcelcopter“ ge- nannten Flugobjekten sollen Sendungen in entlegene, schwer erreichbare Gebiete und Orte geliefert werden. Fotos: Deutsche Post DHL Group (linke und rechte Seite) Auch Scheitern gehört zur Trendforschung Andere Tests wurden sogar beendet, ohne dass sie den Weg in den Alltag gefunden haben. Die Arbeit mit 3-D-Druckern hat die Deutsche Post DHL ebenso ruhen lassen wie die berühmt-berüchtigten Drohnenliefe- rungen nach Hause. „Da gibt es durchaus auch noch Ängste und Skepsis bei Kunden“, gibt Sabine Hartmann zu. Doch gerade für solche Ergebnisse wurde das Inno- vation Center aufgebaut. Auch die Konkurrenz schaut ganz genau, mit welchen technischen Entwicklungen sich die Arbeit verbessern lässt. Hermes testete in Hamburg und London Lieferroboter des europäischen Technologie-Start-ups Starship Technologies, die testweise Retouren und Pakete in einem frei wählbaren 30-Minuten-Zeitfenster abholten. Und weil auch Online-Händler wie Amazon oder Alibaba selbst zu gigantischen Logistikern geworden sind, wird der Druck größer. „Es muss sich immer was tun, sonst wird es ein Museum“, sagt Kückelhaus über das Innovation Center, das vor drei Jahren generalüber- holt und gerade erst wieder neu eingerichtet wurde. Seit 2015 gibt es in Singapur ein Innovation Center für den asiatischen Markt, 2019 soll ein weiteres in Chicago für den nordamerikanischen folgen. Die letzte Meile ist die schwierigste „Wir könnten noch so viel mehr machen“, sagt Kückel- haus und spricht die scharfen Restriktionen, etwa die Datenschutzregelungen in Deutschland, an, weshalb personengebundene Daten nicht erhoben werden können und dürfen. „Das wird als Überwachung gewer- tet“, auch wenn es bei der Analyse helfen würde, um zurückgelegte Wege inklusive Geschwindigkeiten, aber auch Ermüdung und Überlastung von Mitarbeitern nachzuvollziehen. Dabei gehe es weniger um Kontrolle als darum, die Arbeit zu vereinfachen und zu erleich- tern (und ungefährlicher zu machen), so Kückelhaus. Deshalb müsse man sich auf die Roboter konzentrieren. „Im Lager sind wir recht weit“, sagt Kückelhaus. Denn dort experimentiert und forscht man im abgeschlosse- nen, eigenen Raum. „Schwierig ist es immer dort, wo viele andere Parteien und Organisationen involviert sind; etwa auf freier Strecke und im öffentlichen Raum.“ Zwar wird ebenso intensiv mit autonomen Fahrten, der Nachverfolgung von Lieferungen in Echtzeit und tatsächlich auch noch mit Drohnen experimentiert – die „Parcelcopter“ genannten Flugobjekte werden vor allem getestet, um in entlegene, schwer erreichbare Gebiete und Orte zu kommen. Doch am Ende ist die letzte Meile immer noch die schwierigste. In den vergangenen Jah- ren hatten viele Kunden den Eindruck, dass die Logistiker bei der Auslieferung unter der Last der Bestellungen und Pakete zusammenbrechen. Zumal die Digitalisierung die physischen Pakete – im Gegensatz etwa zum von der E-Mail abgelösten Brief – nicht verzichtbar macht. „Logis- tik kann nicht ersetzt werden“, findet auch Kückelhaus. Was bringt die Zukunft? Im Innovation Center gibt es eine Vision Street mit hübsch animierten Zukunftsvisionen. Eine zeichnet für das Jahr 2050 einen entmaterialisierten Transport. Produkte bzw. Einzelteile werden dann nach Hause gesendet und zu Hause ausgedruckt, ein zweites Szenario sieht den Transport über neu entstehende Wege vor, etwa die Nord-West-Trasse, die durch das Schmelzen des Eises im Nordpolarmeer entsteht (und tatsächlich schon genutzt wird), eine dritte die Regio- nalisierung, wonach (ohnehin globalisierte Einheits-) Produkte nicht mehr weltweit, sondern nur noch lokal gefertigt und verschickt werden. Die visionären Szena- rien basieren auf einer gerade einmal fünf Jahre alten Studie – und sind teilweise schon von der Gegenwart überholt worden. Etwa Päckchen, Pakete und andere Sen- dungen lieferten die sechs größten Liefer- und Logistikdienstleister (DHL, Hermes, DPD, GLS, UPS und GO!) 2017 im Schnitt täglich in Deutschland aus. Tendenz seit Jahren steigend. 15Mio. 12
Made with FlippingBook
RkJQdWJsaXNoZXIy MjMxMzg=