Rheinisches Ärzteblatt 07/2026

6 Rheinisches Ärzteblatt / Heft 7 / 2026 Magazin Gesundheitsatlas Rückgang bei Herzinfarkten Einen Rückgang bei der Zahl der Herzinfarkte in Deutschland zeigt der aktuelle Gesundheitsatlas des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Danach ist die Zahl der im Krankenhaus behandelten Herzinfarkte von 2017 bis 2024 um 14 Prozent auf 185.400 Fälle gesunken. Den positiven Trend führt das WIdO unter anderem auf Lebensstiländerungen wie Rauchverzicht und eine verbesserte medizinische Behandlung der Risikofaktoren für Herzinfarkte zurück. Im selben Zeitraum sei jedoch die Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 um 0,6 Prozent und von Bluthochdruck um 1,1 Prozent gestiegen, die jeweils als Risikofaktoren für Herzinfarkte gelten. Der Gesundheitsatlas bietet epidemiologische Daten für insgesamt 26 Erkrankungen unter www.gesundheitsatlasdeutschland.de. HK Behörde Warnung vor DripSpa-Infusionen Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte warnt vor möglichen gesundheitlichen Risiken sogenannter Drip-Spa- oder Longevity-Infusionen, bei denen zur Steigerung des Wohlbefindens hochdosiert Vitamine, Mineralstoffe und weitere Substanzen intravenös verabreicht werden. Die Infusionslösungen seien in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen und deren Qualität und Sicherheit mithin arzneimittelrechtlich nicht belegt, so die Behörde. Es bestehe unter anderem das Risiko von Hypervitaminosen, Hyperhydration und allergischen Reaktionen. HK Hitzeaktionstag 2026 Hitzeschutz als Teil der Krisenvorsorge Unter dem Motto „Gemeinsam vorsorgen gegen Extremhitze“ hat ein breites Bündnis von Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft dazu aufgerufen, den gesundheitsbezogenen Hitzeschutz in Deutschland konsequent und flächendeckend umzusetzen. Hitze müsse systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz integriert werden. Deutschland sei auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet, erklärte der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, anlässlich des Hitzeaktionstages 2026 am 11. Juni. Längere und intensivere Hitzeperioden infolge des Klimawandels belasteten insbesondere ältere, kranke und pflegebedürftige Menschen. Zugleich stellten sie das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. „Hitzeschutz muss deshalb verbindlich in Krisenvorsorge und Katastrophenschutz integriert werden“, forderte Reinhardt. „Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen müssen auch unter Extrembedingungen leistungsfähig bleiben.“ Dafür müssten angemessene finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Zwar sind nach Auffassung des Bündnisses in den vergangenen Jahren erste wichtige Schritte im Hitzeschutz unternommen worden. Auf ausgeprägte, mehrtägige oder sich überlagernde Extremhitzelagen seien Politik, Verwaltung, Institutionen und Bevölkerung bislang nicht vorbereitet. HK Prävention Gesundheitserziehung als ärztliche Aufgabe und Verpflichtung Dr. Horst Bourmer, von 1981 bis 1993 Präsident der Ärztekammer Nordrhein, schrieb in der ersten Juli-Ausgabe 1976 des Rheinischen Ärzteblatts noch als Präsident des Hartmannbundes den Artikel „Die Gesundheitserziehung: Aufgabe und Verpflichtung“. Er forderte, „ein Unterrichtsfach ‚Gesundheitslehre‘ oder ‚Gesundheitskunde‘ in Analogie zur ‚Sozialkunde‘ zu schaffen“. Es sei zu bedauern, wie wenig die Gesundheitserziehung in den Schulen Eingang gefunden habe. Ein gesundheitsbewusstes Verhalten der Bevölkerung könne zur Begrenzung der Kosten des Gesundheitswesens beitragen. „Selbst die politischen Parteien haben die Priorität dieser Aufgabe erkannt“ und wiesen in ihren Grundsatzprogrammen auf die Notwendigkeit hin, das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung zu wecken und sie zur Gesundheitsvorsorge zu motivieren. Zwar sähen viele Bürgerinnen und Bürger ihre Gesundheit als höchstes Gut an, das Wissen über gesundheitsförderliches Verhalten sei allerdings gering, schrieb Bourmer. Er stellte Zahlen gegenüber. Rund 90 Prozent aller Krankheitsfälle würden in den Praxen behandelt. Kostenpunkt: 10 Milliarden DM im Jahr. 43 Milliarden DM gaben die Deutschen im Jahr 1974 für Nikotin und Alkohol aus. Gesundheitsförderliches Verhalten zu etablieren, müsse bei der Erziehung in der Schule und in den Familien ansetzen, forderte Bourmer. Die Ärztekammer Nordrhein rief 1995 das Programm „Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung in der Primarstufe“ ins Leben, das seit dem Schuljahr 2001/2002 unter dem Namen Gesund macht Schule flächendeckend in Kooperation mit der AOK Rheinland/Hamburg in Nordrhein eingeführt wurde. bre Die Zahl extremer Hitzetage mit über 35 Grad Celsius wird nach Ansicht von Meteorologen infolge des Klimawandels in Deutschland zunehmen. Foto: BlackSalmon/istockphoto.com

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