WERDER MAGAZIN Nr. 308 - page 81

Ü
ber die Jahre sind natür-
lich viele Spiele bei mir
‚hängen geblieben‘. Ei-
nes davon ist mein Bun-
desliga-Debüt 1997 – das werde
ich nie vergessen. Ich war gerade
erst von Alemannia Aachen ge-
kommen und habe im Training
schon gemerkt, dass ich nah dran
bin an der ersten Elf. Zum Spiel
gegen den SC Freiburg habe ich
deshalb sogar meine Eltern ein-
geladen. Als mich ‚Dixie‘ Dörner
in der Schlussviertelstunde ein-
wechselte, war ich tierisch ner-
vös, habe aber zumindest keinen
Fehler gemacht. Das war wichtig
für mich, um Fuß zu fassen.
Mein erstes Bundesliga-Tor
habe
ich gegen den VfB Stuttgart ge-
macht, per Kopf, eine Woche
nach meinem 21. Geburtstag. Ich
weiß nicht mehr, wer die Flanke
geschlagen hat, aber ich hatte
Gänsehaut am ganzen Körper.
Leider haben wir damals unsere
2:0-Führung noch hergegeben
und Unentschieden gespielt.
Besser lief es
zum Auftakt der
Rückrunde 2010/2011. In der
Hinserie war uns wenig gelun-
gen, und auch das Winter-Trai-
ningslager verlief eher durch-
wachsen. Gegen Hoffenheim
kassierten wir dann drei Minu-
ten vor Schluss den 1:1-Ausgleich.
Ich habe zu Marko Marin gesagt:
‚Leg mir den Ball auf, ich mach’s
alleine‘, und habe abgezogen.
Gott sei Dank war der Ball drin,
sonst hätte Thomas Schaaf mir
den Kopf abgerissen – er hatte
extra einen kopfballstarken Spie-
ler eingewechselt, der eine mög-
liche Flanke verwertet.
Ein Spiel
überstrahlt allerdings
alles: das DFB-Pokal-Finale 1999.
Wir hatten uns gerade vor dem
Abstieg gerettet, der FC Bayern
war Champions-League-Finalist.
Stefan Effenberg, Lothar Mat-
thäus, Giovane Elber – das wa-
ren grandiose Spieler. In den
Medien wurde eigentlich nur
darüber diskutiert, wie hoch wir
das Spiel verlieren würden. Tho-
mas Schaaf schaffte es aber, uns
einzutrichtern, dass wir an uns
glaubten.
Die Kulisse in Berlin
war einmalig.
Das halbe Olympiastadion voll
mit Werder-Fans, die dich nach
vorne pushen, die andere Hälfte
gegen dich – die Duelle gegen
die Bayern waren ja ohnehin oft
brisant. Irgendwie gelang Juri
Maximov der frühe Führungs-
treffer, danach haben wir ge-
kämpft bis zum Umfallen. Etwas
Glück war sicherlich auch dabei,
die Münchener hatten hochkarä-
tige Chancen. Aber dieses Glück
hatten wir uns erarbeitet.
Ich spielte
auf der rechten Seite,
meist gegen Mario Basler und
Michael Tarnat. Kurz vor Ende
der Partie hatte ich sogar noch
eine Gelegenheit zur Entschei-
dung, aber Oliver Kahn war auf
dem Posten. Dann das Elfmeter-
schießen. Dramatik pur. Frank
Rost entschied diesen Krimi fast
im Alleingang, verwandelte erst
selbst und hielt dann gegen Lo-
thar Matthäus. Er hat mir damit
einen großen Gefallen getan –
ich hätte als nächstes schießen
müssen. Als junger Spieler wäre
das eine gigantische Herausfor-
derung für mich gewesen.
Der Pokalsieg
war eine Riesen-
sensation. Wir konnten selbst
kaum glauben, was uns da ge-
lungen war. Im Hotel gab es ein
Bankett, danach sind wir mit
dem Pokal losgezogen und haben
bis in die Morgenstunden gefei-
ert. Für mich war es der erste
große Titel. Nicht, dass die an-
deren nicht auch schön gewesen
wären, aber das erste Mal bleibt
immer etwas Besonderes.“
Aufgezeichnet von Jörn Lange
„Das erste Mal bleibt etwas
Besonderes“
Werder-Idole erinnern sich an ihre größten
Spiele in grün-weiß. Heute: Torsten Frings über Gänsehaut-Atmosphäre,
Last-Minute-Entscheidungen und den großen Gefallen eines Teamkollegen.
Fotos: imago, picture-alliance
SPIELE MEINES LEBENS
WERDER MAGAZIN 308 81
Unerwarteter
Triumph
Viele
große Spiele
machte Torsten
Frings für Werder.
Das größte
war für ihn der
Finalsieg im DFB-
Pokal 1999.
1...,71,72,73,74,75,76,77,78,79,80 82,83,84,85,86,87,88,89,90,91,...96
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