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egendäre Champions-League-Nächte
zum Beispiel, in denen der SV Wer-
der die besten Teams des Kontinents
niederrang, oder rauschende Tor-
festivals in der Bundesliga. Schneiders inten-
sivste Bremen-Erfahrung sollte sich jedoch
erst 2011 ereignen – nicht im Weser-Stadion,
sondern in einem Zimmer der Professor-
Hess-Kinderklinik. Vor rund 15 Personen,
darunter ein an Leukämie erkrankter Wer-
der-Fan, las Schneider aus seinem kurz zuvor
erschienenen Werder-Roman ‚Double‘. Es
war der Moment, in dem die Geschichte des
Buches von der Realität eingeholt wurde.
„Das war unglaublich emotional“,
sagt Schnei-
der. „Allein für diesen Augenblick hat sich
die Arbeit gelohnt.“ Knapp drei Jahre schrieb
der hauptberufliche Lehrer an seinem vier-
ten Werk, das weit mehr ist als eine Hom-
mage an den SV Werder Bremen. Wie der Ti-
tel schon erahnen lässt, nimmt die legendäre
Saison 2003/2004 eine zentrale Rolle ein,
sie ist der Nährboden für die Beziehung der
beiden Protagonisten.
In ‚Double‘ trifft Hannes Grün,
ein leicht
bindungsgestörter Werder-Fan, auf den sie-
ben Jahre alten Simon, der an Leukämie
erkrankt. Aus einer ‚Stadion-Zweckgemein-
schaft‘ entwickelt sich eine tiefgreifende
Freundschaft – und die sensationellen Er-
folge des SV Werder helfen beiden, mit den
Widrigkeiten der Krankheit umzugehen.
Für Hannes und Simon wird jeder Werder-
Sieg zu einem emotionalen Steilpass, das
gemeinsame Erleben der Traumsaison ent-
wickelt sich zu einem Rettungsanker. „Die
Menschen, die damals bei der Lesung dabei
waren, haben sich darin wiedergefunden“,
erinnert sich Schneider. Sein Roman gibt
Hoffnung, dessen kann sich der 47-Jährige
nach dem Feedback der vergangenen zwei
Jahre gewiss sein.
‚Double‘ ist
aber auch ein eindrucksvoller Be-
leg für Schneiders Werder-Leidenschaft. Auf-
gewachsen in der Nähe von Würzburg, war
ihm die dortige Mischung aus Nürnberg-,
Frankfurt- und Bayern-Fans schlicht zu lang-
weilig. Ein Faible für die Farbe Grün und der
prominente Namensvetter Dieter Burdenski
weckten Schneiders Interesse am SVW, seit
1979 ist er dem Verein verfallen. Der Abstieg
und die darauffolgende Zweitliga-Saison konn-
ten seine Begeisterung nicht schmälern, im
Gegenteil. Schon als Jugendtrainer versuch-
te er den örtlichen Fußball-Nachwuchs auf
grün-weiß ‚umzupolen‘, später gründete er
mit ‚Kiwi-Aura‘ den ersten Werder-Fan-Club
in Bayern.
Seine erste Fahrt
ins Weser-Stadion unter-
nahm er Mitte der 80er Jahre. „Ich war total
naiv und wusste gar nicht, worauf ich mich
einlasse“, sagt Schneider. Damals legte er die
knapp 600 Kilometer im VW Käfer zurück,
wieder zu Hause war er erst in den frühen
Morgenstunden. Heute setzt der Dauer-
karteninhaber auf die Bahn – und schreibt
bereits an seinem nächsten Buch. Inhaltlich
geht es um die kuriosen Erlebnisse dreier
Zugbegleiter. Schauplatz ist, wie könnte es
anders sein, der ICE zwischen Bremen und
Nürnberg.
Jörn Lange
Wie im wahren Leben...
So viele Male schon war
Dieter Schneider nach Bremen gereist, und so viele Male hatte er auf der
Heimreise nach Franken unvergessliche Erinnerungen im Gepäck.
Grün-weiße
Geschichte
Werder-Fan Dieter
Schneider hat der
‚Double‘-Saison
ein literarisches
Denkmal gesetzt.
Achtung , Werder-Fans!
Ihr habt euer Haus komplett in Grün und
Weiß gestaltet? Euer Auto ist eine fahrende
Hommage an den SV Werder? Ihr zeich-
net Werder-Comics oder habt die größte
Fan-Schal-Sammlung der Welt? Dann
könntet auch ihr bald mit einer Geschichte
im WERDER MAGAZIN vertreten sein.
WERDER MAGAZIN 308 73
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